Maskenball – Teil 1

Maskenball – Teil 1

Maskenball

Teil 1

 

Wie in jedem Jahr hatte die Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt zum Bürgermeisterball geladen. Allein mochte Kathi nicht gehen. Und so tat Ella ihr eben den Gefallen.

Bei einer Flasche Sekt schlüpften die Frauen in ihre Verkleidung. Während aus Kathi mit Make up und einem aufwendigen Kostüm der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland wurde, wählte sich Ella aus Kathis Fundus ein Nonnengewand. Entgegen ihrer Art wollte sie bei dieser Veranstaltung nicht über Gebühr auffallen.

Wie sie am Rathaus ankamen, waren dort schon reichlich Gäste versammelt. Die Bürgermeisterin – ein Faschingsfan vor dem Herrn und sich für keinen Spaß zu schade – stand als Sumo-Ringer vorm Eingang. Ella warf Kathi einen fragenden Blick zu. Die zuckte nur grinsend mit den Schultern und lief schnurstracks auf den Sumo zu.

„Bettina, du hast dich mal wieder selbst übertroffen. Was ist das?“ Kathi stupste Bettina Rößler an den runden Sumo-Bauch.

Die Bürgermeisterin kicherte. „Alles heiße Luft.“ Sie lüftete kurz den Gürtel und ein Ventil kam zum Vorschein. „Ich dachte, ich komme heute meinem Ruf, aufgeblasen zu sein, mal nach. Die Bars sind wie immer im Foyer und wenn ich euch einen Tipp geben darf, geht mal nach oben, da gibt es Häppchen und zudem eine tolle Sonderausstellung mit Bildern eines ortansässigen Künstlers. Fred Richter. Tolle Werke!“

„Danke für den Tipp und bis später.“ Kathi schlug der Sumo-Bürgermeisterin freundschaftlich auf die Schulter, Ella legte die Hände zusammen und nickte ihr zu. Dann betraten sie das Rathaus, in dem die Party in vollem Gange war.

Kathi und Ella bestellten sich an der Bar zwei Gläser Sekt und drängten sich durch die feiernde Menge bis zum Treppenaufgang. In der oberen Etage war es deutlich ruhiger. Zwar hörte man leise die Partymusik aus dem Foyer, aber hier konnte man sich wenigstens unterhalten.

Die Ausstellung trug den Namen „Heimat und Stadt“ und zeigte vorwiegend lokale Sehenswürdigkeiten. Die geschickte Farbgebung der Bilder ließ diese in einem besonderen Licht erstrahlen. Kathi, die meisten Motive erkannte, erklärte die ihrer Freundin. Eine Ausnahme aus der Reihe befand sich direkt neben der Tür der Bürgermeisterin. Das Gemälde zeigte ein kleines Mädchen, welches am Rand des Stadtbrunnens saß und lächelnd eine Hand unter das fließende Wasser hielt.

Lange betrachteten die Freundinnen das Bild, bis Ella die scheinbar passenden Worte fand. „Das Bild ist großartig, aber fällt dir was auf?“

„Es ist viel kleiner, als die anderen.“ Während die beiden über Pinselführung und Farbverläufe fachsimpelten, bemerkten sie nicht, dass sich ihnen ein älterer Herr angeschlossen hatte.

„Ein frühes Werk.“

Verdutzt drehten die beiden sich um, um herauszufinden, wer da sprach.

„Verzeihung, ich wollte Sie nicht belauschen, aber ich fand ihre Interpretation so zauberhaft. Das ist ein früheres Werk des Künstlers“, referierte der Herr, der aussah wie ein gealterter Salvador Dali, „es hängt hier auf besonderen Wunsch der Bürgermeisterin, obwohl es eigentlich nicht zur Reihe gehört.“

„Das erklärt einiges“, räumte Kathi ein, „Sie kennen sich in der lokalen Kunstszene aus oder kennen Sie den Künstler persönlich?“

„Nun“, erwiderte der Herr, „genaugenommen beides. Ich möchte Sie nicht hinters Licht führen, es ist eines meiner frühen Werke. Gestatten, mein Name ist Fred Richter.“ Er schüttelte den Frauen die Hand.

„Sehr erfreut.“

„Herr Richter.“ Ein englischer Gentleman gesellte sich zu ihnen. „Wie ich Ihre Werke bewundere. Aber dieses hier ist wirklich besonders.“

„Aber auch an Sie verkaufe ich es nicht. Allein, dass es hier hängt, bereitet mir Bauchschmerzen.“

Die Frauen verabschiedeten sich und beschlossen, etwas zu tanzen. Im Treppenhaus kam ihnen die Bürgermeisterin entgegen und sie hatten Mühe, aneinander vorbeizukommen.

Nachdem Sie eine Viertelstunde ausgelassen getanzt hatten, fiel Kathi auf, dass sie ihren Hutmacherhut nicht mehr hatte. Erschrocken schaute sie sich um. Dann schlug sie sich mit der flachen Hand an die Stirn. „Der liegt bestimmt noch oben. Es war so heiß mit Perücke und Hut, da hab ich ihn abgesetzt. Ich hol ihn fix, besorgst du uns noch was zu trinken?“, rief sie Ella zu, um die Musik zu übertönen. Die nickte. Schnellen Schrittes eilte Kathi die Treppe hinauf. Hier oben war es voller geworden. Zum Glück erinnerte sie sich an die Stelle, wo sie den Hut abgelegt hatte. Gerade wollte sie wieder gehen, als Sie bemerkte, dass die Tür des Bürgermeisterbüros offenstand. Vorsichtig steckte sie den Kopf hinein.

„Hallo. Ist hier jemand?“

„Äh, hallo. Ja. Ich. … Moment bitte.“

Die Stimme gehörte zu Bettina Rößler.

„Alles in Ordnung bei dir.“

„Ja, ja, alles gut.“ Die Bürgermeisterin lunschte vorsichtig um die Ecke. „Hast du eine Vorstellung, wie schwierig es ist, hiermit auf Klo zu gehen?“, lachte sie verlegen, „ich muss mich nur wieder vollständig aufblasen. Ich komme gleich.“ Kathi hörte das Summen eines Kompressors.

„Brauchst du Hilfe?“

„Nein, nein, das geht schon. Du kannst ruhig wieder feiern gehen, ich komm zurecht.“

„Na schön. Und du kommst wirklich klar.“

„Na klar. Viel Spaß dir noch.“

Kathi hatte das unbestimmte Gefühl, dass Bettina Rößler diese Situation sehr unangenehm war. Aber warum ließ sie dann die Tür offenstehen.

Am Treppenaufgang wartete Ella mit zwei vollen Gläsern in den Händen und sie beschlossen, wo sie schon hier waren, nochmal von den Häppchen zu kosten.

Bettina war inzwischen wieder aufgepumpt und kam gerade aus ihrem Büro. Als sie die Tür hinter sich schloss, stieß Ella Kathi an. „Das Bild! Guck mal, das Bild ist weg.“

 

*Bilder von pixabay

Wir gratulieren den Gewinnern des Wettbewerbs „Weihnachts- und Neujahrsgrüße“

Wir gratulieren den Gewinnern des Wettbewerbs „Weihnachts- und Neujahrsgrüße“

Der Wettbewerb „Weihnachts- und Neujahrsgrüße“ ist beendet. Die Sieger stehen fest.

Herzlichen Glückwunsch an Michael Voigt für seine eingereichte Arbeit „Spremberger Kirche am Abend“ in der Kategorie der Erwachsenen.

Auf den weiteren Plätzen 2 und 3 konnte sich ebenfalls Michael Voigt durchsetzen.
Seine Arbeiten „Weihnachtsknopfbaum“ und „Weihnachten Niedermarkt“ lagen in der Wählergunst ganz vorn.

Wir gratulieren Herrn Voigt zu seinem tollen Erfolg und überreichen ihm den ersten Preis, einen Pumphut als Räuchermann, gesponsert von der Stadt Wilthen.

Im Bereich Nachwuchskünstler /Schülerwettbewerb gewann Sophia Poetschke mit Ihrer Arbeit

„Weihnachtliche Grüße aus dem Petersdom“. Eine wunderschöne Zeichnung mit viel Liebe zum Detail. Hier ist es uns eine besondere Freude den Preis, eine Keramikarbeit der Künstlerin Kerstin Fuchs, zu überreichen. Hier wird letztendlich nicht nur Talent und Liebe an der Kunst sichtbar, sondern auch der Mut, sich einem Publikum zu zeigen. Sophia Poetschke war in Ihrer Kategorie die einzige Schülerin, welche sich am Wettbewerb beteiligt hat. Wir sind uns sicher, dass es noch viele Talente in der Kategorie Schüler gibt und hoffen, dass der nächste Wettbewerb mehr Interesse hervorrufen wird. Was gibt es Schöneres, seine Arbeiten öffentlich zeigen zu können und sich mit anderen Kunstbegeisterten zu messen.

Eine gute Gelegenheit, das auch gleich in die Tat umzusetzen, ist der nächste Aufruf von oberlausitz-art. Anlässlich der 800 Jahrfeier Wilthen, suchen wir selbst geschossene Fotos (mind. 40x60cm) mit ganz besonderen Motiven und Zeichnungen/Malereien und Grafiken von der Stadt Wilthen.

Alle eingereichten und bewerteten Fotos, sowie die Zeichnungen werden dann in einer Gemeinschaftsausstellung in Schaufenstern des HZO ausgestellt.

Spuren im Schnee

Spuren im Schnee

„Lass uns ein Stück spazieren gehen.“

Es war früher Nachmittag. Die Wintersonne sorgte für ein zauberhaftes Glitzern auf der schneebedeckten Landschaft. Es war klirrend kalt geworden und der Schnee, der in den letzten Tagen gefallen war, verwandelte die Welt in ein weißes Zauberland.

„Komm schon.“ Stefan hatte es sich auf die Couch bequem gefläzt , um die Nachwehen der Feiertage zu verschlafen, doch da hatte er die Rechnung ohne seine Freundin gemacht. Jule hielt nicht viel von Ausruhen und faulenzen. Sie wollte raus, den Winterzauber in sich aufsaugen. Träge quälte Stefan sich hoch. Es sah schon schön aus da draußen und vermutlich konnte nach den Fressorgien der vergangenen Woche ein Spaziergang nicht schaden. Sie hatte ja recht, auch wenn er das ungern zugab.

Warm eingepackt verließen sie die geheizte Wohnung. Die klare Kälte zwickte im Gesicht, aber es war trotzdem wunderbar. Hier, im Oberland, waren die letzten Winter eher mild ausgefallen. Das kannten sie aus ihrer Kindheit anders, da waren 20 Zentimeter Neuschnee über Nacht und wochenlang Minusgrade keine Seltenheit.

Sie machten sich auf den Weg in Richtung Steinbruch. Diese Strecke waren sie früher oft mit den Eltern gegangen, um mitten im Wald einen Weihnachtsbaum für die Tiere mit Äpfeln und Möhren zu schmücken.

Im Sommer lud diese Stelle zum Baden ein, auch wenn das nicht erwünscht war. Der Dorfjugend war das aber egal, obwohl schon einige Unfälle passiert waren.

„Schau mal, wir sind nicht die einzigen, die heute hier unterwegs sind.“ Jule zeigte auf den schneegepuderten Waldboden. Zwei Spuren von großen Stiefeln wiesen ebenfalls in den Wald hinein. Spaßeshalber stellte Jule sich in die größeren der beiden Abdrücke. „Die sind ja riesig, der hat mindestens Schuhgröße 46.“ Mit ihren winzigen Füßchen konnte sie sich fast in der Stiefelspur umdrehen. Sie beugte sich herunter, um eine Schuhgröße erkennen zu können, doch das gelang ihr leider nicht.

Stefan amüsierte sich über seine Freundin. An solchen Kleinigkeiten erfreute sie sich, wie ein kleines Kind an Weihnachten. Jule lief ihm voraus und drängelte ihn, endlich hinterherzukommen. Hinter einer Wegbiegung wartete sie auf ihn. Als er um die Ecke bog, schnipste sie einen Ast in seine Richtung und er bekam eine beachtliche Ladung Schnee ins Gesicht. Er prustete, war aber nicht sauer. Schließlich kannte er es nicht anders. Stefan entledigte sich seiner Handschuhe, zückte sein Taschentuch, um sich die Tropfen geschmolzenen Schnees wegzuwischen. Jule feixte immer noch über ihren Scherz, während Stefan sich den Schnee aus den Kragen puhlte.

Ein Mann mit hochgeschlagenem Revers, den Schal halb ums Gesicht gewickelt und die Mütze tief in die Stirn gezogen, kam Ihnen entgegen.

„Frohes neues Jahr“, rief Jule ihm übermütig zu. Er nickte nur zurück und stapfte seines Weges.

Nachdem sie ein paar Meter gegangen waren, fiel Stefan auf, dass ihm einer der Fäustlinge abhandengekommen war.

„Warte, ich seh ihn.“ Jule flitzte, so gut es der der Schnee zuließ zurück ,um den Handschuh aufzuheben. Sie hielt kurz inne und stutzte.

„Was ist denn los?“, rief Stefan ihr ungeduldig zu.

„Das ist ja seltsam, der Mann eben, der hat auch so große Füße.“ Jule blickte in die Richtung, in die der Fremde eben gegangen war, aber der war schon aus ihrem Blickfeld verschwunden. „Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich meinen, das sind genau dieselben Abdrücke.“

„Na ist doch klar“, erwiderte Stefan schon ein bisschen genervt, „wenn er hingegangen ist, muss er auch wieder zurück kommen.“

„Und wo ist der andere? In die Richtung waren es zwei Spuren.“

„Vielleicht ist er in Richtung Straße weitergegangen und er eben hier zurück.“

Jule hätte sich gern mit der Antwort zufriedengegeben, aber ihre Fantasie überschlug sich.

„Was, wenn er wirklich nur allein zurückgekommen ist, wenn er den anderen umgebracht hat.“

Stefan zeigte mit der Hand an die Stirn. „Du spinnst ja, solltest vielleicht weniger Krimis gucken.“ Jule musste zugeben, dass sie möglicherweise etwas übertrieben hatte.

„Schau mal, da hat jemand einen Weihnachtsbaum für die Tiere hergerichtet. Jule bog vom Weg ab, um nachzusehen, ob schon ein Waldbewohner genascht hatten. Stefan lief ihr hinterher. Die Schneeladung im Kragen hatte unbequeme Folgen. Der getaute Schnee war ihm bis unters Hemd gelaufen und das feuchte Unterhemd fühlte sich unangenehm auf der Haut an.

„Lass uns gleich da zurück gehen, ich muss mich erstmal trockenlegen.“

Auch Jule brizzelte die kalte Luft im Gesicht und sie zeigte sich einverstanden umzukehren. Insgeheim freute sie sich schon auf einen Glühwein vorm Kamin. Den alten Mann hatten sie bereits vergessen.

Einige Tage später las Stefan am Abend online die Regionalnachrichten und schaute verwundert von seinem Tablet auf. „Hattest du mitbekommen, dass der alte Köhler seit Neujahr vermisst wurde. Jetzt wurde seine Leiche im Steinbruch gefunden.“

Jule blickte von ihrer Zeitschrift hoch. „Nee. Hab ich nicht gehört.“ Gewöhnlich verbreiteten sich im Dorf solche Nachrichten schnell, aber da beide auswärts arbeiteten, bekamen sie den Dorfklatsch nur am Rande mit. „Mein Opa hat früher mit dem gearbeitet und gemeint, dass er schon damals dem Alkohol nicht abgeneigt war. Wer weiß, vielleicht ist er im Suff im Dunkeln in den Steinbruch gefallen?“ Jule wollte sich gerade wieder ihrer Illustrierten zuwenden, als Stefan ihr den Artikel unter die Nase hielt:

„Die Polizei sucht nach Zeugen. Fritz Köhler wurde zuletzt am Neujahrstag gegen 12 Uhr in Begleitung einer dunkel gekleideten Person gesehen. Ein Verbrechen ist nicht ausgeschlossen. Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.“

Brückner&Fox — Weihnachts-Streamkonzert

Brückner&Fox — Weihnachts-Streamkonzert

…es weihnachtet sehr…

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir wollen mit euch einfach nochmal einen schönen Abend, als kleinen Trost für die ausgefallenen Konzerte, verbringen.

Also schnell den BRÜCKNER&FOX-Streaming-Room hergerichtet, ein paar Weihnachtslieder geprobt und los gehts…

Dienstag, den 21.12.2021, 20.00 Uhr

(Seid ein wenig eher online, um den Stream zu öffnen. Und nicht vergessen…Ton anschalten)

Der Zugang zum Stream ist kostenfrei, wer will, kann auch etwas in unseren Hut bei paypal werfen.(paypalkontakt: kontakt@bruecknerundfox.de)

www.bruecknerundfox.de

zum Weihnachtskonzert –>

Die Autorin Krissi Brückner

Die Autorin Krissi Brückner

Krissi Brückner

Krissi Brückner wuchs in der Oberlausitz auf. Das Studium führte sie nach Dresden, Görlitz und Zittau. Aktuell lebt sie mit ihrer Familie in Bautzen und arbeitet als Sozialpädagogin in einer Kita. Die Verbundenheit zu Oberlausitz spiegelt sich in ihren Geschichten wider.

Bereits als Kind schrieb sie Kurzgeschichten und Gedichte, später Artikel für die Schüler- und Studentenzeitung. Dann kam irgendwann das Leben dazwischen und das Schreiben nahm einen geringeren Stellenwert ein.

Im Zuge eines Studiums der Prosa- und Kriminalliteratur widmet sie sich nun ihrem ersten Roman, der Geschichte um die Journalistin Ella Kühne.

 

Geschichte um die Journalistin Ella Kühne – Krissi Brückner

Förderprogramm »NEUSTART für Bildende Künstlerinnen und Künstler«

Förderprogramm »NEUSTART für Bildende Künstlerinnen und Künstler«

Stipendium Modul D: Digitale Vermittlungsformate: Dritte Ausschreibungsrunde

Ab sofort können sich bildende Künstler*innen mit Wohnsitz in Deutschland beim Deutschen Künstlerbund wieder um ein Stipendium bewerben.

Bewerbungsschluss ist am 21. Januar 2022 um 16 Uhr.

Das fünfmonatige Stipendium, das mit 6.000 Euro dotiert ist, soll bildenden Künstler*innen die Möglichkeit geben, durch die Erkundung des Digitalen innerhalb zeitgenössischer künstlerischer Praktiken oder durch
die Entwicklung und Realisierung digitaler Vorhaben neue Wege zu gehen.

Das Stipendium wird damit zum dritten Mal ausgeschrieben. In den vorherigen beiden Runden wurden bereits insgesamt 172 Stipendien vergeben. Durch eine substanzielle Aufstockung der Fördermittel durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien können in der nun laufenden dritten Ausschreibungsrunde über 200 Stipendien im Modul D vergeben werden. Eine unabhängige, mehrköpfige Fachjury aus bildenden Künstler*innen entscheidet über die Stipendienvergabe.

Der Förderzeitraum läuft vom 01. Mai 2022 bis 30. September 2022.

Der Deutsche Künstlerbund und der BBK Bundesverband hatten Ende 2020 das Förderprogramm »NEUSTART für Bildende Künstlerinnen und Künstler« im Rahmen des Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gemeinsam entwickelt. Die zweifache Aufstockung der Fördermittel durch den Bund ermöglicht die Fortführung des Programms bis Ende 2022 und unterstützt eine breite Künstler*innenschaft bei der Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Dem Deutschen Künstlerbund wurden für die Vergabe der Stipendien in Modul D des Förderprogramms insgesamt 2,6 Mio Euro zur Verfügung gestellt. Die nochmalige Vergabe des Modul C (Innovative Kunstprojekte) durch den BBK Bundesverband [1] startet am 3. Januar 2022.

Informationen zu den Vergaberichtlinien von Modul D, der Zugang zum
Online-Portal für die Bewerbung und Hilfestellungen bei der Beantragung
sind unter www.kuenstlerbund.de/neustart zu finden.

Geschichte aus Kurzgeschichtenband „Eisige Angst“

Geschichte aus Kurzgeschichtenband „Eisige Angst“

Nun ist schon wieder ein Jahr rum und ich durfte Ihnen kleine Geschichten erzählen, Ausschnitte aus meinen Büchern präsentieren und über aktuelle Buchthemen plaudern.

Heute habe ich auch noch einmal eine sehr persönliche Geschichte. Die ist mir vor ziemlich genau einem Jahr passiert. Damals habe ich meinen Kurzgeschichtenband „Eisige Angst“ herausgebracht. Die Geschichten spielen alle hier in der Oberlausitz, eine davon auf dem Johannesturm in Zittau. Dort war ich vorab zur Recherche, habe mit einer netten Vertretung des Türmers gesprochen und durfte mir auch seine Wohnung anschauen. Der Türmer selbst war im Urlaub, also getürmt.

Kurz vor Weihnachten habe ich dann ein Exemplar in den Briefkasten des Türmers gesteckt, da er doch eine wichtige Rolle in einer meiner Kurzgeschichten spielt. Genauso wie sein Kater Johannes. Ein paar Tage später bekam ich eine nette, aber auch sehr traurige Karte. Darin bedankte sich der Türmer für das Buch und besonders dafür, dass auch Kater Johannes seinen Platz in der Geschichte bekommen hatte. Denn leider war er einen Tag zuvor in Zittau überfahren worden. Das hat mir fast das Herz gebrochen. Doch ich bin froh, dass Kater Johannes nicht ganz von der Welt verschwunden ist, denn in der Geschichte lebt er weiter.

Ich wünsche Ihnen allen ein lichtvolles Weihnachtsfest und einen wundervollen Start ins neue Jahr!

Vielen Dank für Ihr Interesse an meinen Geschichten! Im nächsten Jahr dürfen Sie sich auf Krissi Brückner aus Bautzen freuen. Ihr erster Roman ist geschrieben, der zweite in Arbeit. Aber davon wird sie Ihnen selbst berichten.

Herzliche Grüße

Jana Thiem alias Frida Luise Sommerkorn

 

P.S.: In ein paar Tagen erscheint mein neuester Roman, den ich gemeinsam mit Sylke Hörhold aus Sohland geschrieben habe. „Ein Rauhnachtswunder“ ist eine herzerwärmende Geschichte, die natürlich in unserer schönen Oberlausitz spielt und sich um die geheimnisvolle Zeit in den Rauhnächten rankt. Vielleicht suchen Sie noch nach einem Weihnachtsgeschenk oder wollen sich selbst ein wenig verzaubern lassen. Das erwartet Sie:

„Mama, kann ich mir ein Wunder wünschen?“

Mit dem letzten Glockenschlag beginnen die magischen Nächte. Marie weiß, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie wird die Tradition der Rauhnächte zelebrieren, wie sie es sonst mit Oma Irmi getan hat. Doch Irmi ist tot. Und auch Daniel, ihr Noch-Ehemann, hat sich aus dem Staub gemacht. Bleibt nur ihr kleiner Sohn Tommi, dem sie in dieser schwierigen Zeit zu gern jeden Wunsch erfüllen möchte.

Zudem macht ihr der griesgrämige Nachbar Kurt das Leben schwer. Als dann auch noch der Hühnerstall nebst Kurts Gartenzaun in die Luft fliegt, ist es ganz aus mit dem nachbarschaftlichen Frieden. Erst als Kurts Sohn Hannes eintrifft, beginnen sich die Wogen zu glätten.

Wird sich der Zauber der Rauhnächte nun doch noch entfalten können? Kann aus Groll und Streit neue Hoffnung erwachsen? Und was hat das alles mit der Katze Mimi zu tun?

Der erste gemeinsame Roman der Autorinnen Sylke Hörhold und Frida Luise Sommerkorn.

Wettbewerb-Weihnachts- und Neujahrsgrüße

Wettbewerb-Weihnachts- und Neujahrsgrüße

Wettbewerb- Weihnachts- und Neujahrsgrüße

Der NEUE Wettbewerb „Aus meinem Atelier“ Weihnachts- und Neujahrsgrüße, kann mit freundlicher Unterstützung der Stadt Wilthen und der Keramikkünstlerin Kerstin Fuchs erstmals auch prämiert werden. Für das Sponsoring möchte sich das Team von oberlausitz-art herzlichst bedanken.

Die Stadt Wilthen stellt einen der beliebten Pumphut-Räuchermänner  als Preis in der Kategorie der Schüler zur Verfügung. Das  Pumphut-Preis-Paket  wird zudem auch von Holzkünstler Jürgen Spottke „Der Holzer“, mit einem Pumphutbuch ergänzt. Dieses beinhaltet Geschichten rund um den Hexenmeister der Oberlausitz. Das Buch, im Original in Oberlausitzer Mundart,  wurde von Jürgen Spottke ins Hochdeutsche übersetzt und mit kleinen Illustrationen versehen.

Kunstkeramikerin Kerstin Fuchs übergab oberlausitz-art ein liebevoll gestaltetes Häuschen, verwendbar als Räucherhäuschen, mit Keramiktanne im „Vorgarten“. Daraus duftet es nicht nur zur Winterzeit. Es ist auch ein absoluter Blickfang, den man das ganze Jahr nicht missen möchte.

Wer noch weitere Werke von Frau Fuchs sehen will, der schaut ganz einfach auf Ihre Plattform bei oberlausitz-art, Rubrik Künstler. Oder aber Sie besuchen Frau Fuchs in Ihrer Werkstatt in Steina. Dort werden Keramikliebhaber mit Sicherheit fündig. Aber nehmen Sie sich etwas Zeit mit. Ich verspreche, die Entscheidung wird bei diesem tollen, vielfältigen Angebot schwierig.

Kürbisrote Rache – Teil 2

Kürbisrote Rache – Teil 2

Sie spürte Johannes‘ glühende Augen auf ihrem Gesicht ruhen. Die ersten Schweißtropfen fanden ihren Weg den Rücken hinunter. Vorsichtig drehte sie sich ihm zu. Nur so weit, dass sie ihn gerade so anschauen konnte. Seine Augen wurden schmaler. Er schien nach einer Antwort zu suchen, dessen Frage er noch nicht einmal genau wusste. Sie musste sich etwas einfallen lassen, bevor er dahinter kam.

»Wie wäre es jetzt mit einem Glas Champagner zur Einstimmung, bevor wir uns daran machen, die Selleriecreme mit Nuss-Croûtons zu zaubern?«, fragte sie laut mit erzwungener Fröhlichkeit. Dabei legte sie ihren Kopf an Johannes‘ Schulter ab. Auch wenn ihr das erneut einen Rückenschauer einbrachte. An der aufgesetzten Zustimmung der Freunde erkannte sie deren Erleichterung, der Situation entkommen zu sein.

Sie fühlte unauffällig nach dem kleinen Fläschchen in ihrer Kostümjacke. Die täglichen Übungen der letzten Wochen, einhändig den Deckel der Flasche zu lösen und in Windeseile gerade so viele Tropfen wie nötig rauszuklopfen, hatten sich ausgezahlt. Kein Mensch würde mitbekommen, wenn diese besondere Würze in Johannes‘ Suppenteller landete. Sie wusste, dass es jetzt kein Zurück mehr für sie geben konnte. Alles war perfekt geplant! Endlich konnte sich ihre Gleichheit einmal auszahlen. Das, was sie die ganzen Jahre genervt hatte, benutzte sie jetzt, um alle an der Nase herum zuführen. Dass Johannes nichts bemerkte, ihr Versteckspiel nicht erkannte, ließ sie nur noch entschlossener handeln. Liebevoll streichelte sie noch einmal das Fläschen und trank ihr Champagnerglas in einem Zug leer.

***

Lächelnd lag Anita auf dem bequemen Bett. Sie hatte die Augen geschlossen und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages auf ihrer Haut. Wenn sich das Leben doch immer so leicht anfühlen würde wie in ihrem Traum. Alles war hell und freundlich und sie hatte das Gefühl, sie könnte fliegen.

Aber die Wirklichkeit war anders. Im wahren Leben steckte sie in einem engen Korsett von Verpflichtungen und Erwartungen. Jeder wollte etwas von ihr und sie blieb dabei schon lange auf der Strecke. Sie wusste, dass sie sich in guter Gesellschaft befand. Viele Frauen klagten über die Mehrfachbelastungen. Also, wozu sollte sie jammern? Wenn Johannes doch wenigstens ein bisschen netter zu ihr wäre. Aber er hatte sich schon lange auf und davon gemacht. Liebevolle Gefühle gab es keine mehr. Nur noch Hass! Diese ständigen Sticheleien von ihm hatten ihr allmählich jegliches Selbstwertgefühl genommen. Er hat es sogar geschafft, dass selbst die Kinder nur noch wenig Respekt vor ihr hatten. Auch wenn sie das nicht immer wollten. Aber sie wollten es ihrem Vater recht machen. Also durften sie ihre Mutter nicht lieben. Und als ob das nicht schon genug Demütigung wäre, hatte er vor ein paar Wochen beschlossen, sich offiziell zu seiner neuen Liebschaft zu bekennen. Nicht, dass er zu ihr ziehen wollte. Er hatte eher an ein Pendeln zwischen den beiden Welten gedacht. Spaß und Sex auf der einen Seite, Verantwortung für die Kinder auf der anderen.

Anita spürte die Wärme der Sonne nicht mehr. Grimmig schlug sie die Augen auf. Sie konnte sich genau an den Moment erinnern, an dem sie diese erniedrigende Geschichte ihrer Zwillingsschwester Talea erzählt hatte. Talea war anders als sie. Sie hatte ihr Leben im Griff. Und wahrscheinlich hatte Talea immer das Gefühl, sich um sie kümmern zu müssen. Das musste sie auch oft, denn die letzten Jahre ging alles bergab. Sie wurde von einer attraktiven, erfolgreichen Frau zu einem Nichts. Für Talea war mit Johannes‘ Ankündigung seiner offenen Liebschaft das Maß voll. Übervoll! Wütend hatte sie Anita aufgefordert, sich zu trennen. Sofort! Aber das ging nicht. Die Kinder wollten bei Papa bleiben. Und sie bei den Kindern.

Das Blitzen in Taleas Augen hatte Anita Angst eingejagt. Auch wenn sie sich äußerlich bis auf’s Haar glichen, war Talea doch wesentlich entschlussfreudiger.

Anita stöhnte. Sie musste sich wieder ihrem Alltag zuwenden. Was stand heute nochmal auf dem Programm? Die Kinder? Schliefen heute bei Freunden. Warum eigentlich? Anita hatte das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Und warum war ihr Gehirn eigentlich so träge? Das erlaubte sie sich doch sonst nicht tagsüber.

Fieberhaft suchte sie nach der Antwort. Sie ließ den Tag in Gedanken vorüberziehen. Mit einem Ruck war sie hellwach. Talea war spontan am Nachmittag vorbeigekommen. Mit fadenscheinigen Argumenten hatte sie duschen, sich ein Kleid ausleihen und Anitas Lieblingsfrisur gesteckt bekommen wollen. Wo Anita sich doch selbst herrichten musste. Schließlich war heute der von ihr organisierte Kochkurs. Und das wusste Talea. Mit jähem Entsetzen wollte Anita aufspringen. Erst jetzt spürte sie, dass ihre Arme und Beine am Bett fixiert waren. Nicht fest, aber auch nicht zu lösen. Was war hier los? Was hatte Talea vor? Panisch schaute sie sich um und erkannte, dass sie nichts tun konnte. Deshalb wollte Talea sogar ihr Parfüm benutzen und hatte sie nach all ihren Freunden ausgefragt. Sie schaute auf die Uhr, die auf dem Sideboard stand. Kurz vor acht. Der Kochkurs war schon eine Stunde im Gange und Johannes hatte sich nicht bei ihr gemeldet. Das konnte nur eines bedeuten! Erschöpft ließ sie sich in ihr Kissen sinken.

Anita spürte ihren Herzschlag gleichmäßiger pulsieren. Ihre Gedanken kamen zur Ruhe. Sie schloss ihre Augen wieder. Ein kleines Licht erschien. Wo? Im Herzen? Konnte das Hoffnung sein? Hoffnung auf ein neues Leben? Auf ein Leben ohne Demütigungen?

Sie vertraute Talea. Schließlich wusste ihre Schwester schon immer, was das Beste für sie war. Und wie sie schon viele Dinge geregelt hatte, würde sie auch diesmal Anita unter die Arme greifen. Und sei es, um ihr das Leben zu retten.

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