„Lass uns ein Stück spazieren gehen.“
Es war früher Nachmittag. Die Wintersonne sorgte für ein zauberhaftes Glitzern auf der schneebedeckten Landschaft. Es war klirrend kalt geworden und der Schnee, der in den letzten Tagen gefallen war, verwandelte die Welt in ein weißes Zauberland.
„Komm schon.“ Stefan hatte es sich auf die Couch bequem gefläzt , um die Nachwehen der Feiertage zu verschlafen, doch da hatte er die Rechnung ohne seine Freundin gemacht. Jule hielt nicht viel von Ausruhen und faulenzen. Sie wollte raus, den Winterzauber in sich aufsaugen. Träge quälte Stefan sich hoch. Es sah schon schön aus da draußen und vermutlich konnte nach den Fressorgien der vergangenen Woche ein Spaziergang nicht schaden. Sie hatte ja recht, auch wenn er das ungern zugab.
Warm eingepackt verließen sie die geheizte Wohnung. Die klare Kälte zwickte im Gesicht, aber es war trotzdem wunderbar. Hier, im Oberland, waren die letzten Winter eher mild ausgefallen. Das kannten sie aus ihrer Kindheit anders, da waren 20 Zentimeter Neuschnee über Nacht und wochenlang Minusgrade keine Seltenheit.
Sie machten sich auf den Weg in Richtung Steinbruch. Diese Strecke waren sie früher oft mit den Eltern gegangen, um mitten im Wald einen Weihnachtsbaum für die Tiere mit Äpfeln und Möhren zu schmücken.
Im Sommer lud diese Stelle zum Baden ein, auch wenn das nicht erwünscht war. Der Dorfjugend war das aber egal, obwohl schon einige Unfälle passiert waren.
„Schau mal, wir sind nicht die einzigen, die heute hier unterwegs sind.“ Jule zeigte auf den schneegepuderten Waldboden. Zwei Spuren von großen Stiefeln wiesen ebenfalls in den Wald hinein. Spaßeshalber stellte Jule sich in die größeren der beiden Abdrücke. „Die sind ja riesig, der hat mindestens Schuhgröße 46.“ Mit ihren winzigen Füßchen konnte sie sich fast in der Stiefelspur umdrehen. Sie beugte sich herunter, um eine Schuhgröße erkennen zu können, doch das gelang ihr leider nicht.
Stefan amüsierte sich über seine Freundin. An solchen Kleinigkeiten erfreute sie sich, wie ein kleines Kind an Weihnachten. Jule lief ihm voraus und drängelte ihn, endlich hinterherzukommen. Hinter einer Wegbiegung wartete sie auf ihn. Als er um die Ecke bog, schnipste sie einen Ast in seine Richtung und er bekam eine beachtliche Ladung Schnee ins Gesicht. Er prustete, war aber nicht sauer. Schließlich kannte er es nicht anders. Stefan entledigte sich seiner Handschuhe, zückte sein Taschentuch, um sich die Tropfen geschmolzenen Schnees wegzuwischen. Jule feixte immer noch über ihren Scherz, während Stefan sich den Schnee aus den Kragen puhlte.
Ein Mann mit hochgeschlagenem Revers, den Schal halb ums Gesicht gewickelt und die Mütze tief in die Stirn gezogen, kam Ihnen entgegen.
„Frohes neues Jahr“, rief Jule ihm übermütig zu. Er nickte nur zurück und stapfte seines Weges.
Nachdem sie ein paar Meter gegangen waren, fiel Stefan auf, dass ihm einer der Fäustlinge abhandengekommen war.
„Warte, ich seh ihn.“ Jule flitzte, so gut es der der Schnee zuließ zurück ,um den Handschuh aufzuheben. Sie hielt kurz inne und stutzte.
„Was ist denn los?“, rief Stefan ihr ungeduldig zu.
„Das ist ja seltsam, der Mann eben, der hat auch so große Füße.“ Jule blickte in die Richtung, in die der Fremde eben gegangen war, aber der war schon aus ihrem Blickfeld verschwunden. „Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich meinen, das sind genau dieselben Abdrücke.“
„Na ist doch klar“, erwiderte Stefan schon ein bisschen genervt, „wenn er hingegangen ist, muss er auch wieder zurück kommen.“
„Und wo ist der andere? In die Richtung waren es zwei Spuren.“
„Vielleicht ist er in Richtung Straße weitergegangen und er eben hier zurück.“
Jule hätte sich gern mit der Antwort zufriedengegeben, aber ihre Fantasie überschlug sich.
„Was, wenn er wirklich nur allein zurückgekommen ist, wenn er den anderen umgebracht hat.“
Stefan zeigte mit der Hand an die Stirn. „Du spinnst ja, solltest vielleicht weniger Krimis gucken.“ Jule musste zugeben, dass sie möglicherweise etwas übertrieben hatte.
„Schau mal, da hat jemand einen Weihnachtsbaum für die Tiere hergerichtet. Jule bog vom Weg ab, um nachzusehen, ob schon ein Waldbewohner genascht hatten. Stefan lief ihr hinterher. Die Schneeladung im Kragen hatte unbequeme Folgen. Der getaute Schnee war ihm bis unters Hemd gelaufen und das feuchte Unterhemd fühlte sich unangenehm auf der Haut an.
„Lass uns gleich da zurück gehen, ich muss mich erstmal trockenlegen.“
Auch Jule brizzelte die kalte Luft im Gesicht und sie zeigte sich einverstanden umzukehren. Insgeheim freute sie sich schon auf einen Glühwein vorm Kamin. Den alten Mann hatten sie bereits vergessen.
Einige Tage später las Stefan am Abend online die Regionalnachrichten und schaute verwundert von seinem Tablet auf. „Hattest du mitbekommen, dass der alte Köhler seit Neujahr vermisst wurde. Jetzt wurde seine Leiche im Steinbruch gefunden.“
Jule blickte von ihrer Zeitschrift hoch. „Nee. Hab ich nicht gehört.“ Gewöhnlich verbreiteten sich im Dorf solche Nachrichten schnell, aber da beide auswärts arbeiteten, bekamen sie den Dorfklatsch nur am Rande mit. „Mein Opa hat früher mit dem gearbeitet und gemeint, dass er schon damals dem Alkohol nicht abgeneigt war. Wer weiß, vielleicht ist er im Suff im Dunkeln in den Steinbruch gefallen?“ Jule wollte sich gerade wieder ihrer Illustrierten zuwenden, als Stefan ihr den Artikel unter die Nase hielt:
„Die Polizei sucht nach Zeugen. Fritz Köhler wurde zuletzt am Neujahrstag gegen 12 Uhr in Begleitung einer dunkel gekleideten Person gesehen. Ein Verbrechen ist nicht ausgeschlossen. Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.“
…es weihnachtet sehr…
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir wollen mit euch einfach nochmal einen schönen Abend, als kleinen Trost für die ausgefallenen Konzerte, verbringen.
Also schnell den BRÜCKNER&FOX-Streaming-Room hergerichtet, ein paar Weihnachtslieder geprobt und los gehts…
Dienstag, den 21.12.2021, 20.00 Uhr
(Seid ein wenig eher online, um den Stream zu öffnen. Und nicht vergessen…Ton anschalten)
Der Zugang zum Stream ist kostenfrei, wer will, kann auch etwas in unseren Hut bei paypal werfen.(paypalkontakt: kontakt@bruecknerundfox.de)
www.bruecknerundfox.de
zum Weihnachtskonzert –>

Krissi Brückner wuchs in der Oberlausitz auf. Das Studium führte sie nach Dresden, Görlitz und Zittau. Aktuell lebt sie mit ihrer Familie in Bautzen und arbeitet als Sozialpädagogin in einer Kita. Die Verbundenheit zu Oberlausitz spiegelt sich in ihren Geschichten wider.
Bereits als Kind schrieb sie Kurzgeschichten und Gedichte, später Artikel für die Schüler- und Studentenzeitung. Dann kam irgendwann das Leben dazwischen und das Schreiben nahm einen geringeren Stellenwert ein.
Im Zuge eines Studiums der Prosa- und Kriminalliteratur widmet sie sich nun ihrem ersten Roman, der Geschichte um die Journalistin Ella Kühne.
Geschichte um die Journalistin Ella Kühne – Krissi Brückner
Stipendium Modul D: Digitale Vermittlungsformate: Dritte Ausschreibungsrunde
Ab sofort können sich bildende Künstler*innen mit Wohnsitz in Deutschland beim Deutschen Künstlerbund wieder um ein Stipendium bewerben.
Bewerbungsschluss ist am 21. Januar 2022 um 16 Uhr.
Das fünfmonatige Stipendium, das mit 6.000 Euro dotiert ist, soll bildenden Künstler*innen die Möglichkeit geben, durch die Erkundung des Digitalen innerhalb zeitgenössischer künstlerischer Praktiken oder durch
die Entwicklung und Realisierung digitaler Vorhaben neue Wege zu gehen.
Das Stipendium wird damit zum dritten Mal ausgeschrieben. In den vorherigen beiden Runden wurden bereits insgesamt 172 Stipendien vergeben. Durch eine substanzielle Aufstockung der Fördermittel durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien können in der nun laufenden dritten Ausschreibungsrunde über 200 Stipendien im Modul D vergeben werden. Eine unabhängige, mehrköpfige Fachjury aus bildenden Künstler*innen entscheidet über die Stipendienvergabe.
Der Förderzeitraum läuft vom 01. Mai 2022 bis 30. September 2022.
Der Deutsche Künstlerbund und der BBK Bundesverband hatten Ende 2020 das Förderprogramm »NEUSTART für Bildende Künstlerinnen und Künstler« im Rahmen des Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gemeinsam entwickelt. Die zweifache Aufstockung der Fördermittel durch den Bund ermöglicht die Fortführung des Programms bis Ende 2022 und unterstützt eine breite Künstler*innenschaft bei der Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Tätigkeit.
Dem Deutschen Künstlerbund wurden für die Vergabe der Stipendien in Modul D des Förderprogramms insgesamt 2,6 Mio Euro zur Verfügung gestellt. Die nochmalige Vergabe des Modul C (Innovative Kunstprojekte) durch den BBK Bundesverband [1] startet am 3. Januar 2022.
Informationen zu den Vergaberichtlinien von Modul D, der Zugang zum
Online-Portal für die Bewerbung und Hilfestellungen bei der Beantragung
sind unter www.kuenstlerbund.de/neustart zu finden.


Nun ist schon wieder ein Jahr rum und ich durfte Ihnen kleine Geschichten erzählen, Ausschnitte aus meinen Büchern präsentieren und über aktuelle Buchthemen plaudern.
Heute habe ich auch noch einmal eine sehr persönliche Geschichte. Die ist mir vor ziemlich genau einem Jahr passiert. Damals habe ich meinen Kurzgeschichtenband „Eisige Angst“ herausgebracht. Die Geschichten spielen alle hier in der Oberlausitz, eine davon auf dem Johannesturm in Zittau. Dort war ich vorab zur Recherche, habe mit einer netten Vertretung des Türmers gesprochen und durfte mir auch seine Wohnung anschauen. Der Türmer selbst war im Urlaub, also getürmt.
Kurz vor Weihnachten habe ich dann ein Exemplar in den Briefkasten des Türmers gesteckt, da er doch eine wichtige Rolle in einer meiner Kurzgeschichten spielt. Genauso wie sein Kater Johannes. Ein paar Tage später bekam ich eine nette, aber auch sehr traurige Karte. Darin bedankte sich der Türmer für das Buch und besonders dafür, dass auch Kater Johannes seinen Platz in der Geschichte bekommen hatte. Denn leider war er einen Tag zuvor in Zittau überfahren worden. Das hat mir fast das Herz gebrochen. Doch ich bin froh, dass Kater Johannes nicht ganz von der Welt verschwunden ist, denn in der Geschichte lebt er weiter.
Ich wünsche Ihnen allen ein lichtvolles Weihnachtsfest und einen wundervollen Start ins neue Jahr!
Vielen Dank für Ihr Interesse an meinen Geschichten! Im nächsten Jahr dürfen Sie sich auf Krissi Brückner aus Bautzen freuen. Ihr erster Roman ist geschrieben, der zweite in Arbeit. Aber davon wird sie Ihnen selbst berichten.
Herzliche Grüße
Jana Thiem alias Frida Luise Sommerkorn
P.S.: In ein paar Tagen erscheint mein neuester Roman, den ich gemeinsam mit Sylke Hörhold aus Sohland geschrieben habe. „Ein Rauhnachtswunder“ ist eine herzerwärmende Geschichte, die natürlich in unserer schönen Oberlausitz spielt und sich um die geheimnisvolle Zeit in den Rauhnächten rankt. Vielleicht suchen Sie noch nach einem Weihnachtsgeschenk oder wollen sich selbst ein wenig verzaubern lassen. Das erwartet Sie:
„Mama, kann ich mir ein Wunder wünschen?“
Mit dem letzten Glockenschlag beginnen die magischen Nächte. Marie weiß, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie wird die Tradition der Rauhnächte zelebrieren, wie sie es sonst mit Oma Irmi getan hat. Doch Irmi ist tot. Und auch Daniel, ihr Noch-Ehemann, hat sich aus dem Staub gemacht. Bleibt nur ihr kleiner Sohn Tommi, dem sie in dieser schwierigen Zeit zu gern jeden Wunsch erfüllen möchte.
Zudem macht ihr der griesgrämige Nachbar Kurt das Leben schwer. Als dann auch noch der Hühnerstall nebst Kurts Gartenzaun in die Luft fliegt, ist es ganz aus mit dem nachbarschaftlichen Frieden. Erst als Kurts Sohn Hannes eintrifft, beginnen sich die Wogen zu glätten.
Wird sich der Zauber der Rauhnächte nun doch noch entfalten können? Kann aus Groll und Streit neue Hoffnung erwachsen? Und was hat das alles mit der Katze Mimi zu tun?
Der erste gemeinsame Roman der Autorinnen Sylke Hörhold und Frida Luise Sommerkorn.
Wettbewerb- Weihnachts- und Neujahrsgrüße
Der NEUE Wettbewerb „Aus meinem Atelier“ Weihnachts- und Neujahrsgrüße, kann mit freundlicher Unterstützung der Stadt Wilthen und der Keramikkünstlerin Kerstin Fuchs erstmals auch prämiert werden. Für das Sponsoring möchte sich das Team von oberlausitz-art herzlichst bedanken.
Die Stadt Wilthen stellt einen der beliebten Pumphut-Räuchermänner als Preis in der Kategorie der Schüler zur Verfügung. Das Pumphut-Preis-Paket wird zudem auch von Holzkünstler Jürgen Spottke „Der Holzer“, mit einem Pumphutbuch ergänzt. Dieses beinhaltet Geschichten rund um den Hexenmeister der Oberlausitz. Das Buch, im Original in Oberlausitzer Mundart, wurde von Jürgen Spottke ins Hochdeutsche übersetzt und mit kleinen Illustrationen versehen.
Kunstkeramikerin Kerstin Fuchs übergab oberlausitz-art ein liebevoll gestaltetes Häuschen, verwendbar als Räucherhäuschen, mit Keramiktanne im „Vorgarten“. Daraus duftet es nicht nur zur Winterzeit. Es ist auch ein absoluter Blickfang, den man das ganze Jahr nicht missen möchte.
Wer noch weitere Werke von Frau Fuchs sehen will, der schaut ganz einfach auf Ihre Plattform bei oberlausitz-art, Rubrik Künstler. Oder aber Sie besuchen Frau Fuchs in Ihrer Werkstatt in Steina. Dort werden Keramikliebhaber mit Sicherheit fündig. Aber nehmen Sie sich etwas Zeit mit. Ich verspreche, die Entscheidung wird bei diesem tollen, vielfältigen Angebot schwierig.
Sie spürte Johannes‘ glühende Augen auf ihrem Gesicht ruhen. Die ersten Schweißtropfen fanden ihren Weg den Rücken hinunter. Vorsichtig drehte sie sich ihm zu. Nur so weit, dass sie ihn gerade so anschauen konnte. Seine Augen wurden schmaler. Er schien nach einer Antwort zu suchen, dessen Frage er noch nicht einmal genau wusste. Sie musste sich etwas einfallen lassen, bevor er dahinter kam.
»Wie wäre es jetzt mit einem Glas Champagner zur Einstimmung, bevor wir uns daran machen, die Selleriecreme mit Nuss-Croûtons zu zaubern?«, fragte sie laut mit erzwungener Fröhlichkeit. Dabei legte sie ihren Kopf an Johannes‘ Schulter ab. Auch wenn ihr das erneut einen Rückenschauer einbrachte. An der aufgesetzten Zustimmung der Freunde erkannte sie deren Erleichterung, der Situation entkommen zu sein.
Sie fühlte unauffällig nach dem kleinen Fläschchen in ihrer Kostümjacke. Die täglichen Übungen der letzten Wochen, einhändig den Deckel der Flasche zu lösen und in Windeseile gerade so viele Tropfen wie nötig rauszuklopfen, hatten sich ausgezahlt. Kein Mensch würde mitbekommen, wenn diese besondere Würze in Johannes‘ Suppenteller landete. Sie wusste, dass es jetzt kein Zurück mehr für sie geben konnte. Alles war perfekt geplant! Endlich konnte sich ihre Gleichheit einmal auszahlen. Das, was sie die ganzen Jahre genervt hatte, benutzte sie jetzt, um alle an der Nase herum zuführen. Dass Johannes nichts bemerkte, ihr Versteckspiel nicht erkannte, ließ sie nur noch entschlossener handeln. Liebevoll streichelte sie noch einmal das Fläschen und trank ihr Champagnerglas in einem Zug leer.
***
Lächelnd lag Anita auf dem bequemen Bett. Sie hatte die Augen geschlossen und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages auf ihrer Haut. Wenn sich das Leben doch immer so leicht anfühlen würde wie in ihrem Traum. Alles war hell und freundlich und sie hatte das Gefühl, sie könnte fliegen.
Aber die Wirklichkeit war anders. Im wahren Leben steckte sie in einem engen Korsett von Verpflichtungen und Erwartungen. Jeder wollte etwas von ihr und sie blieb dabei schon lange auf der Strecke. Sie wusste, dass sie sich in guter Gesellschaft befand. Viele Frauen klagten über die Mehrfachbelastungen. Also, wozu sollte sie jammern? Wenn Johannes doch wenigstens ein bisschen netter zu ihr wäre. Aber er hatte sich schon lange auf und davon gemacht. Liebevolle Gefühle gab es keine mehr. Nur noch Hass! Diese ständigen Sticheleien von ihm hatten ihr allmählich jegliches Selbstwertgefühl genommen. Er hat es sogar geschafft, dass selbst die Kinder nur noch wenig Respekt vor ihr hatten. Auch wenn sie das nicht immer wollten. Aber sie wollten es ihrem Vater recht machen. Also durften sie ihre Mutter nicht lieben. Und als ob das nicht schon genug Demütigung wäre, hatte er vor ein paar Wochen beschlossen, sich offiziell zu seiner neuen Liebschaft zu bekennen. Nicht, dass er zu ihr ziehen wollte. Er hatte eher an ein Pendeln zwischen den beiden Welten gedacht. Spaß und Sex auf der einen Seite, Verantwortung für die Kinder auf der anderen.
Anita spürte die Wärme der Sonne nicht mehr. Grimmig schlug sie die Augen auf. Sie konnte sich genau an den Moment erinnern, an dem sie diese erniedrigende Geschichte ihrer Zwillingsschwester Talea erzählt hatte. Talea war anders als sie. Sie hatte ihr Leben im Griff. Und wahrscheinlich hatte Talea immer das Gefühl, sich um sie kümmern zu müssen. Das musste sie auch oft, denn die letzten Jahre ging alles bergab. Sie wurde von einer attraktiven, erfolgreichen Frau zu einem Nichts. Für Talea war mit Johannes‘ Ankündigung seiner offenen Liebschaft das Maß voll. Übervoll! Wütend hatte sie Anita aufgefordert, sich zu trennen. Sofort! Aber das ging nicht. Die Kinder wollten bei Papa bleiben. Und sie bei den Kindern.
Das Blitzen in Taleas Augen hatte Anita Angst eingejagt. Auch wenn sie sich äußerlich bis auf’s Haar glichen, war Talea doch wesentlich entschlussfreudiger.
Anita stöhnte. Sie musste sich wieder ihrem Alltag zuwenden. Was stand heute nochmal auf dem Programm? Die Kinder? Schliefen heute bei Freunden. Warum eigentlich? Anita hatte das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Und warum war ihr Gehirn eigentlich so träge? Das erlaubte sie sich doch sonst nicht tagsüber.
Fieberhaft suchte sie nach der Antwort. Sie ließ den Tag in Gedanken vorüberziehen. Mit einem Ruck war sie hellwach. Talea war spontan am Nachmittag vorbeigekommen. Mit fadenscheinigen Argumenten hatte sie duschen, sich ein Kleid ausleihen und Anitas Lieblingsfrisur gesteckt bekommen wollen. Wo Anita sich doch selbst herrichten musste. Schließlich war heute der von ihr organisierte Kochkurs. Und das wusste Talea. Mit jähem Entsetzen wollte Anita aufspringen. Erst jetzt spürte sie, dass ihre Arme und Beine am Bett fixiert waren. Nicht fest, aber auch nicht zu lösen. Was war hier los? Was hatte Talea vor? Panisch schaute sie sich um und erkannte, dass sie nichts tun konnte. Deshalb wollte Talea sogar ihr Parfüm benutzen und hatte sie nach all ihren Freunden ausgefragt. Sie schaute auf die Uhr, die auf dem Sideboard stand. Kurz vor acht. Der Kochkurs war schon eine Stunde im Gange und Johannes hatte sich nicht bei ihr gemeldet. Das konnte nur eines bedeuten! Erschöpft ließ sie sich in ihr Kissen sinken.
Anita spürte ihren Herzschlag gleichmäßiger pulsieren. Ihre Gedanken kamen zur Ruhe. Sie schloss ihre Augen wieder. Ein kleines Licht erschien. Wo? Im Herzen? Konnte das Hoffnung sein? Hoffnung auf ein neues Leben? Auf ein Leben ohne Demütigungen?
Sie vertraute Talea. Schließlich wusste ihre Schwester schon immer, was das Beste für sie war. Und wie sie schon viele Dinge geregelt hatte, würde sie auch diesmal Anita unter die Arme greifen. Und sei es, um ihr das Leben zu retten.
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Eilig wischte sie sich die Hände an einem Taschentuch ab und warf es auf die Rückbank des Autos.
Ein prüfender Blick in den Spiegel verriet ihr, dass die Hochsteckfrisur noch immer perfekt saß und das aufwändige Make-up keine unangenehmen Spuren auf ihrem Gesicht hinterlassen hatte. Kurz hielt sie inne. Die Entschlossenheit in ihren Augen ließ selbst sie frösteln. Energisch wandte sie sich ab. Seit Wochen schon konnte sie an nichts anderes mehr denken. Dieser Abend würde ihr Leben verändern. Und nicht nur ihres. Fragte sich nur, in welche Richtung.
Sie schaute auf die Uhr. Ihr blieben noch 10 Minuten Zeit, um sich in den Feierabendverkehr einzureihen. Wie gern würde sie jetzt eine Zigarette rauchen. Aber das würde sie sofort verraten. Sie hoffte sowieso schon inständig, dass das geliehene Parfüm von ihren körpereigenen Gerüchen ablenken würde.
Noch einmal sah sie zum hinteren Teil des Hauses, neben dem sie den Wagen geparkt hatte. Alles war ruhig und würde es auch hoffentlich für die nächsten Stunden bleiben. Danach würde ihr schon eine Ausrede einfallen. Einfallen müssen!
Sie startete den Motor des Kleinwagens, der viel zu laut aufheulte. Erschrocken nahm sie den Fuß vom Gaspedal. Sie musste mehr Gefühl entwickeln. Souveräner wirken. Langsam ließ sie die Kupplung kommen. Das Auto rollte sacht aus der Parkbucht. Sie zog die kalte Winterluft tief in ihre Lungen, um sie dann kontrolliert wieder herausfließen zu lassen. Ein Gefühl von friedvoller Ruhe durchströmte ihren Körper. Sie war auf dem Weg! Endlich!
***
Johannes nahm die letzten Stufen mit schwungvollen Schritten. Er freute sich auf den Abend im Kreise seiner Freunde. Die Idee, einen gemeinsamen Kochkurs zu besuchen, hatte Anita gehabt. Ausgerechnet seine Frau. Wobei, gerade sie konnte den Kurs gut gebrauchen. Seitdem die Kinder auf der Welt waren, kam zwar jeden Tag frisch Gekochtes auf den Tisch, aber alles ohne Pfiff. Als ob es so schwer wäre, ein paar kleine Besonderheiten vom Markt mitzubringen, diese abwechslungsreich zuzubereiten und schön anzurichten.
Vor allem, seitdem die Kinder nun wirklich aus dem Gröbsten raus waren. Julian ging schon aufs Gymnasium und Elin in die dritte Klasse. Die konnten sich doch schon prima selbst um ihre Sachen kümmern. Aber nein, ständig jammerte Anita. Vormittags arbeiten, dann schnell kochen, mit Elin die Hausaufgaben machen, Julian zum Lernen und Handy weglegen animieren und dann noch die Wäsche und der Haushalt. Als ob er nichts zu tun hatte. Schließlich war er oft 10 Stunden im Büro und hatte danach wirklich keinen Nerv mehr, Vokabeln abzufragen oder sich das Gejammer seiner Frau anzuhören. Der Tag mit den Kindern war ihr Job. Er brachte das Geld heim.
Wie zur Bestätigung nickte er, fuhr sich mit der Hand durch das dichte, lockige Haar und öffnete die Tür zur Kochschule.
***
Mit klopfendem Herzen stand sie zwischen den Freunden und versuchte, den Gesprächen zu folgen. In Gedanken ging sie noch einmal jeden einzelnen Namen und dazugehörigen Lebenslauf durch.
»Anita, was meinst du? Ist eine Hochzeitsreise auf die Malediven nun zu elitär oder doch schon wieder out? Marianna und ich können uns einfach nicht einigen.« Der Mann, der sie angesprochen hatte, hieß Konstantin, war groß, blond und extrem gut aussehend. Wie fast alle hier im Raum. Die Reichen und Schönen. Konstantin legte zärtlich seinen Arm um Marianna und schaute sie erwartungsvoll an.
Die Übelkeit, die von ihrem Magen ausgehend aufstieg, setzte in rasender Geschwindigkeit den Speichelfluss in Gang. Sollte sie Konstantin jetzt vor die Füße spucken und ihm ehrlich sagen, was sie von seinem aufgeblasenen Sandstrand-Gequatsche hielt? Dann würde ihre Tarnung sofort auffliegen. Gott, wie sie das hasste. All diese oberflächlichen Pärchen, die sich Freunde nannten und alle mitleidig belächelten, die nicht in ihr betuchtes Schema passten.
Bevor sie sich weiter in Rage denken konnte, schwang die Eingangstür geräuschvoll auf und Johannes trat ein. Ihr blieb fast das Herz stehen. Ruhig atmen! Bitte jetzt keinen Schweißausbruch bekommen! Sie schaute in die fröhlichen Gesichter, die Johannes begrüßten. Jetzt waren sie komplett. Die Show konnte also beginnen. Auch sie setzte ihr schönstes Lächeln auf und hauchte Johannes einen Kuss auf die Wange, die er ihr gnädig hinhielt. Ein Frösteln schob sich über ihren Rücken, bis es die Haarwurzeln erreicht hatte. Automatisch kontrollierte sie mit einer Hand ihre Frisur. Bekam sie jetzt Angst vor ihrer eigenen Courage?
Johannes war neben sie getreten und hatte natürlich sofort das Wort ergriffen. Die Freunde hingen an seinen Lippen. Sie wagte kaum zu atmen. Sie musste zuhören, Smalltalk führen, mitlachen. Aber die Aggression bahnte sich ihren Weg zurück. Sie konnte nur noch an eines denken.
»Es freut mich, dass ihr so zahlreich erschienen seid«, begann Johannes. »Ich staune, wie viele von euch Nachhilfe beim Kochen benötigen.«
Schallendes Gelächter brach aus, wenngleich auch der eine oder andere unsichere weibliche Blick ausgetauscht wurde.
»Na ja, es war ja auch Anitas Idee. Und von ihren Kochkünsten konntet ihr euch schon alle selbst überzeugen.« Bei dem Wort Kochkünsten malte er Gänsefüßchen in die Luft und legte anschließend seinen Arm um sie. Von Zärtlichkeit keine Spur. Das künstliche Gelächter der anderen klang eher peinlich berührt. Keiner wagte eine Widerrede. Johannes konnte sich alles erlauben. Verbale Entgleisungen, Beleidigungen, ja sogar vereinzelte Prügeleien. Er hatte die meiste Kohle, fuhr die teuersten Autos. Er war der heimliche Boss dieser Schickimicki Clique.
Sie versuchte vergeblich, sich aus seiner Umklammerung zu lösen. Sie hatte nicht geplant, ihn so nah ranzulassen. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn. Hatte sie die richtige Dosis des Parfüms aufgelegt? Saßen ihre Haare noch im festen Knoten? War ihre Wimperntusche noch dort, wo sie hingehörte? Sie wusste, wie wichtig Johannes all diese Dinge waren. Und wie fehl am Platz sie sich vorkam.
Liebes Oberlausitz-Art-Team,
als ich 2016 von Berlin in die Oberlausitz zog, wollte ich mich über die Künstler- und Kulturszene in meiner neuen Heimat informieren. Dabei stieß ich im Internet sehr schnell auf die Oberlausitz-Art Seite.
Dort bot sich mir ein guter Überblick über die hier ansässigen Künstler mit ihren Werken und so fand ich auch meinen Weg in die Löbauer Ortsgruppe des Kunstvereines.
Durch den Kunstwettbewerb, der über die Oberlausitz-Art Plattform stattfindet, konnte ich meine erste Ausstellung in der Oberlausitz im HZO Wilthen zeigen. Das alles wäre sonst nicht so schnell passiert.
Die Repräsentation und Vernetzung der Künstler im Internet ist hilfreich für den ländlichen Raum und beschleunigt die Entwicklung der Kultur und den Zugang dazu durch ein Publikum ungemein. Ich hoffe, das Oberlausitz-Art als Forum für die Kultur in der Oberlausitz weiterwächst. Die Unterstützung und Anerkennung durch die Gemeinden und Politik in der Region sollten im eigenen Interesse mitwachsen, denn euer Ansatz funktioniert. Ich danke euch von Herzen dafür. Bitte macht weiter so.
Elisabeth Harwart