Von Mönchen und Mythen

von | 11. September 2022

Liebe Leser,

 

ich schreibe Gedichte und Geschichten, seit ich schreiben kann.

Irgendwann kam dann das Leben dazwischen.

Als mir dann ebendieses Leben eine Zwangspause bescherte und mich in meiner Mobilität deutlich einschränkte, überkam mich die Muse und ich begann wieder zu schreiben. Resultat dessen ist mein erster Roman um die Journalistin Ella Kühne, der -sofern alles funktioniert- noch in diesem Jahr beim Oberlausitzer Verlag erscheinen wird.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten stieß ich auf die Oberlausitzer Autorenrunde, die mich mit offenen Armen aufnahm.

Dort entstand die Idee, gemeinsam eine Anthologie mit Oberlausitzer Geschichten herauszubringen. So ließen wir die Köpfe rauchen und die Finger über die Tastatur tanzen. Entstanden ist eine Sammlung ganz unterschiedlicher Geschichten aus unserer schönen Oberlausitz die unter dem Titel „Ost-Rand Geschichten“ demnächst beim Oberlausitzer Verlag erscheint.

Heute möchte ich Ihnen einen Auszug aus meinem Beitrag vorstellen:

 

Von Mönchen und Mythen

 

Als sie den Dom verließen, referierte Alfons: „Der Bautzner Dom ist das höchste Bauwerk Bautzens und die erste Simultankirche Deutschlands.“

„Was ist eine Sultankirche? Wohnt da ein Sultan?“

Alfons grinste. Das kleine Mädchen war ihm schon vorhin aufgefallen. Seine Eltern hatten ihre liebe Not damit, die Flausen ihrer Tochter im Zaum zu halten und trotzdem der Stadtführung zu folgen.

„Keine Sultankirche, sondern Simultan, das bedeutet so viel wie gleichzeitig. In unserem Dom finden evangelische und katholische Gottesdienste statt“, erklärte er geduldig.

„Gleichzeitig?“ Mit weit aufgerissenen Augen starrte das Mädchen ihn an. In der Gruppe kicherte es.

„Nein, das nicht“, korrigierte Alfons, „aber das wäre mal ein Spaß. Stell dir vor, wie die Organisten streiten, wer zuerst spielen darf, und die Pfarrer schubsen sich gegenseitig von der Kanzel.“

Das kleine Mädchen lachte und die meisten der Touristengruppe ebenso. Nur ein älteres Ehepaar schaute etwas pikiert.

„Lassen Sie uns nun weitergehen. Hier zur Linken sehen Sie unser Senfmuseum, was auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Sollten Sie uns einmal im September besuchen, gibt es in vielen Restaurants hier in Bautzen die traditionellen Senfwochen. Da bekommen Sie sogar Cocktails mit Senf.“ Während einige seiner Gäste angewidert die Nase rümpften, schienen andere diese Komposition für durchaus interessant zu halten.

Alfons winkte noch der Kassiererin zu, die eben die Ladentür schloss, weil ein Wind aufkam. Seine Begleiter zogen die Jacken über und aus dem Flüstern vernahm er die Sorge über ein drohendes Unwetter. Nur das kleine Mädchen hüpfte mit wippenden Zöpfen völlig unbedarft neben ihm her.

Seit sieben Jahren führte Alfons, verkleidet als Bruder Matthias, Touristengruppen durch seine Heimatstadt.

„Hier stehen wir vor der Ruine der Franziskanerkirche, quasi meiner alten Wirkstätte.“

Der Wind frischte auf und Alfons blickte besorgt gen Westen, wo schon ein Grollen zu vernehmen war.

„Ich würde vorschlagen, wir gehen noch bis zur Ortenburg. Da erzähle ich Ihnen gern mehr über die Franziskaner. Dort können wir uns auch im Burgtheater unterstellen, falls es einen Schauer gibt.“

So schnell hatte er doch nicht mit dem Aufziehen des Unwetters gerechnet. Ein Blitz, gefolgt von einem fürchterlichen Knall und um Alfons herum wurde es dunkel.

 

Sind Sie neugierig, wie es mit Alfons weitergeht und haben Lust auf weitere Oberlausitzer Geschichten?  Dann fragen Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens nach den „Ost-Rand Geschichten“, die demnächst erscheinen.

Ihre Krissi Brückner

(Bilder  von Pixabay)

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