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„Experimentieren mit der Geschichte – oder: Die Freilegung des Geistes“

von | 21. Mai 2026

Je älter, je krummer, je verwurzelter, umso beliebter sind die unterschiedlichsten Hölzer bei Thomas Schwarz. Er verwandelt knorrige Stämme in Skulpturen und bewahrt dabei die Seele des Baumes.

 

 

 

 

 

Seine Arbeiten verbinden traditionelle Materialien mit zeitgenössischer Formensprache.

Verwurzelt in seiner zweisprachigen sorbischen Heimat spiegeln seine Holzarbeiten die Verbundenheit mit der Natur, dem Wandel der Zeit und seiner Identität wider.

„Diese lebendige Vielfalt ist der Hintergrund meines Schaffens.“*

Wie er experimentiert und was ihn antreibt; Oberlausitz-ART hat für Euch nachgefragt.

 

Herr Schwarz, sind Sie ein harmonischer Mensch?

Lacht! Im Umgang mit der Natur bin ich durchaus ein harmonischer Mensch.

Aber ich bin oft auch ein Ungeduldiger im Umgang mit Menschen und der Gesellschaft – es gibt so viele Möglichkeiten und es bleibt so vieles ungenutzt.

 

Wie lange arbeiten Sie bereits künstlerisch mit Holz?

Hatten Sie diesbezüglich eine Ausbildung?

Wo liegen Ihre „Wurzeln“?

Die „Wurzeln“ sind eine kreative Prägung von Kindheit an. Entscheidend war der Verlust des „Urwalds“ am ehemaligen Jagdschloss bei Weißwasser durch den Bergbau. Es war Pücklers erster Park, ein ökologisches und kulturhistorisches Kleinod. Diese jahrhundertealten Bäume sind die Basis meines Schaffens.

Künstlerisch bereichernd ist das Studium an der UdK Berlin in den Bereichen Kuratieren und Ausstellungsdesign ab 2020.

 

Sie arbeiten vorzugsweise mit Naturhölzern und folgen der gegebenen Form.

Kennen Sie da immer das Ergebnis im Voraus oder überrascht Sie oft das fertige Kunstwerk?

Es ist ein Suchen, ein Entdecken und ein Staunen und oft ist man überrascht. Fast immer im positiven Sinne, es sind Kunstwerke der Natur.

 

In jeder erschaffenen Skulptur möchten Sie „spürbar die Seele des Baumes bewahren“.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Die uralten Bäume haben uns im Wachsen und Vergehen so einmalige Geschichten zu erzählen – diese freizulegen und in den künstlerischen Visionen zu bewahren, ist eine sehr erfüllende Herausforderung.

 

Herr Schwarz, Sie verbinden oft Holz mit anderen Materialien.

Wie finden Sie da immer die richtige Balance?

Es ist für mich eine wunderbare Erweiterung. Da ich im Holz nur aus einem Stück arbeite, erlauben mir andere Materialien das „Ausbrechen“. Zudem ergeben sich wunderbare optische wie haptische Kontraste.

 

Bei „Eruption“, was ich persönlich sehr beeindruckend finde, haben Sie mit Glas auf Buchenholz experimentiert. Arbeiten Sie da mit einem Glasbläser zusammen oder liegt Ihnen diese Technik auch?

Da ich familiäre Wurzeln in der Glasbearbeitung habe, war es naheliegend, auch dort eine Verbindung zu schaffen. Die Serie „Eruption“ ist zusammen mit drei Glasbläsern der Firma Borowski Glas entstanden. Ein wahrhaft archaischer Prozess, bei dem 1200°C heißes Glas sich mit der gemaserten Buche aus dem Pücklerpark verband.

 

Wo kann man sich weitere Arbeiten von Ihnen ansehen?

Den besten Einblick in mein Schaffen kann man direkt in Schleife erleben. Zum einen bei mir im Atelier und dem Skulpturengarten bei einer Führung mit den vielen Geschichten zu den einzelnen Serien. Aber auch im gesamten Bereich, den Orten rund um Schleife, wo viele große, oft figürliche Skulpturen mit sorbischen Themen zu entdecken sind.

 

Sie sind im zweisprachigen sorbischen Raum aufgewachsen und arbeiten auch da. Viele Ihrer Werke sind sorbisch-wendisch geprägt und erzählen von Sagenfiguren, an die ich mich noch als Kind erinnern kann. Heute habe ich das Gefühl, dass da wieder mehr in den deutschsprachigen Raum getragen werden könnte. Wie sehen Sie das?

Der Blick von außen auf die sorbische Kultur ist von Volkskunst und Folklore geprägt. Das ist ein wichtiger Teil, aber es gibt deutlich mehr an relevanten Themen, die sorbische Kreative einzubringen haben. Gegen diese „Unsichtbarkeit“ braucht es starke Netzwerke, gutes Marketing und eine Professionalisierung der Akteure.

 

Sie führen in Ihrem Atelier auch Veranstaltungen durch. Erzählen Sie doch mal was darüber?

Das Atelier ist nicht nur eine „Arche“ für alte gefallene Bäume. Es ist auch ein Ort des kulturellen Lebens mit Gastkünstlern, Konzerten, Lesungen und Führungen. Umgeben von einem Skulpturengarten finden sich dort große, bis zu 8 m hohe, oft tonnenschwere Werke mit interessanten zeitgenössischen Aussagen aus geschichtsträchtigem Material. Diese sind eingebettet in eine herrlich gestaltete Garten- und Waldlandschaft mit vielen botanischen Kostbarkeiten. Ein Platz zum Staunen, Genießen und zur Inspiration.

 

Was treibt sie jeden Tag an?

Die Leidenschaft für die uralten Bäume, eine beseelte Natur und eine wunderbare Region, der ich viel mehr Aufmerksamkeit wünsche.

 

Herr Schwarz, Oberlausitz-ART, bedankt sich für das interessante Gespräch und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg.

 

*Unter Verwendung von Textpassagen, Webseite Thomas Schwarz

Kontakt: www.der-holzkünstler.de

Fotos: Eigentum Thomas Schwarz, mit freundlicher Genehmigung

Fotos: Frank Stein, (pixel-brush)

 

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