Sommer auf dem Lande oder in der Stadt.
Jedem Sommer-Fan fallen da sofort ganz eigene Geschichten ein. Erinnerungen aus der Kindheit.
Erlebnisse auf dem Kirschbaum bei Oma, Baden mit Freunden im See und Eis in der Waffel beim Eiswagen um die Ecke.
Gefühle und Erinnerungen, die keiner von uns missen möchte.
Behutsam, einfühlend und in der Sprache seiner Heimat besingt FEUERZEUX, alias Torsten Münnich, das einfache Leben mit scharfsinnigem Humor.
Sich selbst beschreibt er wie folgt:
„Als ich klein war, hab ich mit einem Speer im Wald Drachen getötet. Und für jeden Sommer der anfing, brauchte ich dringend einen selbstgebauten Pfeil und Bogen und neue Fußballschuhe“.
Wie es Heute um seine Drachen steht und ob die Fußballschuhe am Nagel hängen; oberlausitz-art hat für Euch nachgefragt.
Herr Münnich, wie ist es?
Sprechen Sie noch mit Drachen?
Die kleine Geschichte mit den Drachen, welche zu meinem Lied „Der letzte Drachentöter“ geführt hat, hat ihren Ursprung in meiner Kindheit auf dem „kleinen Dorf am Ende der Welt“ –Walddorf.
Meine Großeltern hatten einen kleinen Garten direkt am Wald. Ein kleines Gartentor führte direkt in den Wald aus alten, hohen Fichten.
Eines Tages hatte ein Sturm fast den gesamten Wald umgelegt und dadurch war ein unglaublicher Spielplatz aus Höhlen, Gratern, Balancier-Stämmen, geheimen Pfaden und Drachen entstanden- nämlich die Wurzelscheiben der umgekippten Tannen, die bedrohlich und hoch in den Himmel standen.
Mein Großvater war in seinen jungen Jahren ein begeisterter Sportler gewesen und hatte aus dieser Zeit in seinem Werkzeugschuppen eine rostige Kugelstoß-Kugel und einen Speer behalten. Und mit diesem Speer, einem kleinen Beil und ein Messer am Gürtel ging ich in diesem schauerlichen Wald auf Drachenjagt. Ich denke, ich war nicht älter als sieben oder acht Jahre.
Und ja, ich spreche noch mit meinen Drachen. Wenn auch in der Gestalt, in der sie mir heute auflauern.
Wie sind Sie zur Musik, zum Texten gekommen?
Woher kommen Sie beruflich?
In der Berufsschule hatte ich einen Internats- Zimmer-Mitbewohner, welcher mich mit der Musik von Reinhard Mey, Herman van Veen, Heinz Rudolf Kunze und vor allem Gerhard Schöne zusammengebracht hat. Ich war beeindruckt, wie Musik über Texte, Inhalte und letztlich über Substanz berühren kann.
Aber erst 20 Jahre später habe ich angefangen, mir selbst Gitarre spielen beizubringen, erste Lieder selbst zu texten und zu komponieren, ohne nur die Absicht zu haben, aufzutreten oder sie überhaupt einem größeren Publikum näherzubringen.
In dieser Zeit nämlich, hatte ich in meiner kleinen Ofenbaufirma in den Sommermonaten fast nichts zu tun, und so verbrachte ich meine reichlich freie Zeit mit Gitarre spielen und Lieder schreiben. Diese ersten Lieder habe ich auf einfachste Art aufgenommen, auf CD gebrannt und als „selbstgebasteltes Geschenk“ stolz meinen Eltern überreicht. Die organisierten sofort ein Konzert und so nahm die Sache ihren Lauf.
Den Beruf des Ofenbauers habe ich gelernt und verdiene bis zum heutigen Tag damit einen Teil meiner Brötchen.
Diese Selbstständigkeit lässt mich selbstbestimmt, frei und ungebunden leben, was ein unverzichtbarer Bestandteil meines inneren Friedens ist.
In Ihren Liedern geht es oft um ganz banale Dinge.
Sehr einfühlsam und oft auch melancholisch erzählen Sie Geschichten, die eigentlich jeder kennt.
Und doch verstehen Sie es, den Zuhörer nachdenklich werden zu lassen.
Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Mein Erfolg überrascht mich bis heute.
Eben, weil es immer einfache Geschichten sind, die ich erlebt habe. Ob sie nun heute Vormittag oder weit in meiner Kindheit geschehen sind, ist dabei egal. Aber immer ist die Geschichte hinter den Ereignissen und die Bedeutung, die sie für denjenigen hat, die eigentliche Substanz, die mich beschäftigt.
Das gerade diese Blickwinkel auch meine Zuhörer bemerkenswert finden und nachdenklich werden lassen, freut und erstaunt mich gleichzeitig.
So ist über die Jahre ein wunderbarer Dialog mit meinem Publikum entstanden, welcher mich scheinbar unaufhörlich mit neuen Ideen versorgt und mich ein auf‘s andere Mal überrascht und inspiriert.
Welches ist Ihr persönlicher, eigener Hit?
Mit welchem Lied identifizieren Sie sich am meisten? Und wie kam es zum Text?
Das Lied, welches ich am häufigsten spiele, ist „Ok Buusch und a boar Steene“.
Es ist auch auf YouTube das mit Abstand erfolgreichste Lied. Das hätte ich nicht erwartet aber es hat wohl einen Nerv getroffen.
Das Lied, in dem ich mich am Tiefsten wiederfinde, ist tatsächlich mein erstes Lied „Summer uff’m Durf“.
Ich hatte angefangen, darüber nachzudenken, einen Sommertag z.T. als Kind in der Erinnerung nochmal zu erleben und glitt dabei wie selbstverständlich in meine Mundart über, obwohl ich schon 20 Jahre nicht mehr in der Oberlausitz wohnte. Das war der Moment als ich bemerkte, wie mächtig meine zurückgelassene Heimat noch in mir wohnte und lebte und wie leicht es mir fiel, meine Kindermundart zu benutzen.
Welches Konzert ist Ihnen noch am liebsten in der Erinnerung?
Was war Ihr Konzerthightlight?
Ich werde wohl nie mein erstes Konzert vergessen, welche meine Eltern in Walddorf für mich organisiert hatten. Es kamen etwa hundert Leute, ich hatte kaum Tontechnik, ich war irre aufgeregt und habe mich echt gefragt, ob sowas überhaupt etwas Leistbares für mich und mein Nervenkostüm ist.
Das bemerkenswerteste Konzert für mich war das Konzert im Oktober 2024 in der Walddorfer Kirche. Es kamen so viele Leute wie nie zuvor.
Die Stimmung war unglaublich.
Aber das Schönste für mich bei meinen Konzerten ist, wenn das Publikum meine Texte mitsingt. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut.
Herr Münnich, haben Sie musikalische Vorbilder?
Mit wem möchten Sie mal auf der Bühne stehen?
Liegt Keith Richards da ganz vorn?
Noch hätte ich ja die Chance mit Keith Richards!
Meine Vorbilder habe ich ja schon genannt, aber es kommen immer wieder neue dazu. Ich höre oft Musik und bin immer wie ein Kind überrascht, wenn mich Neues begeistert.
Aber genauso bin ich auch immer mal wieder erschrocken, wieviele belanglose Werke es gibt und wundere mich über deren scheinbaren Erfolg.
Ich stehe sehr gerne mit Musiker-Kollegen auf der Bühne und eigentlich war „Feuerzeux“ als ein Mitmachprojekt gedacht- für alle, die auch so hobbymäßig Musik machen.
Genannt seien hier Wolfgang Kießlich vom Blausteinhof (der eigentlich noch zu meinen Vorbildern zu zählen ist), der Akkordeonspieler Peter Kanis und natürlich mein Neffe Max.
Sie haben fast jedes Jahr eine CD heraus gebracht.
Was ist mit den Jahren 2020 und 2023?
Hat Ihnen Corona sehr zugesetzt? Und da meine ich vor allem die verordneten Umstände.
Die Corona-Zeit war für mich, so wie für viele andere, eine außergewöhnlich harte Prüfung. Dabei waren Ereignisse in der Familie und die Beschneidung der persönlichen Freiheit Fakten, die mich am allermeisten belastet haben. Der Blick in eine höchst unsichere Zukunft und das Abgeschnitten sein vom Publikum hat meine Kreativität derart gelähmt, dass mir nicht nach Lieder schreiben zu Mute war.
Oder es wären Lieder entstanden, welche nicht meinem wahren Wesen entsprochen hätten.
Wie sieht Ihr Konzertplan aus?
Wo kann man Sie demnächst sehen und hören?
Ich spiele pro Jahr drei bis vier Konzerte. Wobei die meisten noch am Abend des Konzertes für das nächste Jahr per Handschlag wieder klargemacht werden.
Ein Dauerbrenner ist z.B. das Konzert an der Windmühle in Seifhennersdorf, welche seit etwa 8 Jahren in schöner Regelmäßigkeit stattfindet und zu dem immer ca. 300 Leute kommen.
Sehr gerne spiele ich in der Alten Mangel in Ebersbach. Da passen zwar nur 100 Leute rein, aber Stimmung ist fantastisch und ich mag die Leute vom Verein.
Genauso ist es beim Karlihaus in Seifhennersdorf. Dort werde ich mein voraussichtlich letztes Konzert in diesem Jahr am 11. Oktober spielen.
Zwischendurch darf ich auch mal auf dem einen oder anderen Dorffest auftreten.
Auf meiner Internet-Seite www.feuerzeux.de kann man sich immer informieren.
Herr Münnich, Sie sind in Walddorf geboren.
Ein waschechter Oberlausitzer also.
Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat Oberlausitz?
Die Oberlausitz steckt in meinen Knochen, fließt in meinem Blut und wohnt in meiner Seele. Sie ist ein Teil meines Wesens und findet ihren Ausdruck in meiner Mundart, im heiteren Blick auf die täglichen Dinge, im granitschädelichen Umgang mit den Gemeinheiten des Lebens und im gelassenen Sein.
„Ok ne jechn!“
Ich bin mit meinen, nun schon erwachsenen, Kindern immer wieder hergekommen und meine Kinder besuchen die Oberlausitz heute nun schon mit ihren Kindern.
Ich mag den Menschenschlag, so wie ihn Piehler in „Oberlausitz geliebtes Heimatland“ beschreibt- „rau von Art, doch treu wie Gold“.
Ich liebe die Felder und Wiesen, die Felsen im Gebirge und die Wälder, und ich hoffe, dass auch in Zukunft noch kleine Jungs und Mädchen in ihnen herumstrolchen, Buden bauen, Abenteuer erleben, die Liebe zur Heimat entdecken und natürlich: Drachen töten.
Vielen Dank für das Gespräch. Oberlausitz-art wünscht Ihnen großartige Konzerte und viel Glück beim Drachen töten.
Fotos: Torsten Münnich



