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„Künstlerische Gestaltung“ oder „Ein Leben mit Holz“

von | 14. August 2026

Was macht ein schaffensreiches Leben aus? Wann kann man sagen: „Ich habe die Welt ein kleines bisschen besser gemacht“?
Wann ist man glücklich?

 

 

 

 

Wenn Jürgen Spottke auf seine 85 Jahre zurückblickt, dann auch auf über 70 Jahre künstlerisches Schaffen.
Bereits als Jugendlicher beschäftigte er sich mit Malen und Zeichnen. Später entdeckte er den Linolschnitt für sich, dann
den Holzschnitt. Von da an war es nur ein kleiner Schritt zur künstlerischen Holzgestaltung.
Seine Holzreliefs, seine figürlichen Holzarbeiten und seine Spielplätze machten ihn in seiner oberlausitzer Heimat und darüber hinaus populär.
Heute kennt Jürgen Spottke, alias der „Holzer“, ein jeder Kunstfreund der Region.
Was genau für ihn Glücklichsein bedeutet und wie sein „Leben mit Holz“ ihn geformt hat; oberlausitz-art hat wieder für euch nachgefragt.

Jürgen, was bedeutet für dich Glück?
Bist du ein zufriedener Mensch?

Bin ich zufrieden, da geht es mir gut. Bin ich mit meiner Arbeit zufrieden und mit meiner Familie, da bin ich glücklich.

Über 70 Jahre künstlerische Tätigkeit. Da passiert so einiges.

Was hat dich in dieser Zeit besonders beeindruckt? Was und wer haben dich geprägt?

In den 70 Jahren habe ich viele Stationen meines Schaffens erreicht. Aber der 1. Lehrmeister war Erhard Gassan. Dem habe ich viel zu verdanken. Er hat mich geprägt.

Viele gestaltete Holz-Kunstwerke bereichern die Oberlausitz.
Auf welche bist du besonders stolz?

Als erstes waren die Holzreliefs, die nach den Druckstöcken der Grafiken entstanden. Dann baute ich mit Gleichgesinnten Spielplätze. Quer durch die ehemalige Republik. Es kamen dazu die Weihnachtspyramiden und die Weihnachtskrippen. In der Gaststätte „Kaiserkrone“ in Hainewalde stattete ich die Gasträume mit geschnitzten Stuhllehnen aus. Darauf sind Portraits von Schauspielern, Sängern und Märchenfiguren zu sehen.

Viele Wandgestaltungen für Gaststätten und Skulpturen kamen dazu. Für den Außenbereich Bänke und Tische.

Später, bei „OlaHo“ in Sohland, baute ich mit 10 Jugendlichen ca. 1 Jahr lang einen Spielplatz für eine Gemeinde in Ungarn. Dieser Spielplatz trug den Namen „Bautzen-Land“ und wurde nach meinem Entwurf und meiner Anleitung errichtet.  2019 wurde ich dafür in Szeszard/Ungarn mit dem „János-Klézli-Preis für das Szekszárder Deutschtum“ ausgezeichnet.

Was hat es mit dem „Langen Sachsen“ auf sich?

Der „Lange Sachse“ entstand für die Stadt Sebnitz zum Tag der Sachsen 2003. Er ist eine 6 m hohe Figur, welche sitzend (3 m hoch) eine hölzerne Blume in der Hand hält. Am Hals trägt er eine Holzfliege in den Farben von Sachsen. Eine schöne Begebenheit ist: Davor saßen die „Randfichten“ und sangen das erste Mal das Lied vom „Holzmichel“.

„Lebt denn der alte Holzmichel noch … Ja, er lebt noch, stirbt nicht!“

Deine ersten künstlerischen Arbeiten waren Zeichnungen, Pastelle und Grafiken.
Sind diese Techniken heute noch Grundlage für deine Holzgestaltung?

In meiner Schulzeit war ich in der Lessing-Schule Sohland im Zeichenzirkel. Das Zeichnen ist die Basis für alle meine Entwürfe und Voraussetzung für meine Malerei und Grafiken.

An der Abendschule der Hochschule für Bildende Kunst Dresden und in den Zeichenzirkeln bei Erhard Gassan konnte ich meine Techniken festigen. Später kam in Karl-Marx-Stadt die theoretische und in Schneeberg die praktische Ausbildung der Holzgestaltung dazu.

Was verbindet dich mit Heinz-Florian Oertel?

In der Fernsehserie „Schlager einer Stadt“ wurde 1967 auch eine Sendung über Sohland/Spree gedreht. „Schlager eines großen Dorfes“. In dieser Sendung hatte ich ein Interview mit Heinz-Florian Oertel. Wir drehten damals während meiner Tätigkeit als Langholzfahrer mitten im Wald. Einige meiner Grafiken (Linolschnitte) durfte ich ihm zeigen und erklären. Ich war damals 26 Jahre und mächtig stolz.

Jürgen, du hast mit deinen Mitstreitern zwei Weihnachtspyramiden gestaltet und aufgestellt.
Bei der ersten, habe ich gehört, gab es ein besonderes Ereignis.
Wie war das genau?

In Bautzen dreht sich seit 1989 die Weihnachtspyramide. Mit meinem Schnitzzirkel Sohland, den ich 10 Jahre betreute, haben wir uns im Frühling 1989 an die Pyramide gewagt. Zum Advent sollte sie sich das erste Mal drehen. Voller Eifer, guter Ideen und viel Arbeit hatten wir um uns her ziemlich alles vergessen. Beim Schnitzen und Anmalen der Figuren, aber auch fast die Wende verpasst.

Kurz vor deinem, wie du sagst, „Unruhestand“ hast du dich in ein kleines Häuschen verliebt.
Wie kam es dazu und was passiert dort?

In Wilthen fand ich ein ca. 200 Jahre altes Umgebindehaus. Mit Freunden und Familie baute ich es nach meinen Vorstellungen aus und um. Für meine Arbeit, für die „Treffen beim Holzer“ und für die „Kleene Galerie“. Vom Wilthener Kultur- und Kunstverein e. V. erhielt ich dafür die Plakette „Vorbildliche Erhaltung und Gestaltung“. Fast täglich bin ich dort und setze meine Ideen in die Tat um. Oft wird aber auch gefeiert. Mit Familie und Freunden.

Deine letzte große Arbeit war „Das Rad der Zeit“.
Was können wir uns darunter vorstellen?

Das „Rad der Zeit“ steht in einem dafür gebauten Umgebindehäuschen auf dem Festplatz in Crostau. Es hat einen Durchmesser von ca. 2,20 m und ist in Segmente eingeteilt. Ein Segment ist immer sichtbar und zeigt jeweils Ereignisse, Persönlichkeiten und Zeitdokumente aus der Historie der Oberlausitz. Auf der Ansichtsseite vom „Rad der Zeit“ sind über 30 solcher geschnitzten Elemente zu finden. Ich denke, dass das meine letzte große Arbeit war. Der Filmemacher Reiner Nagel hat es auch in seinem Film, den er in den letzten 3 Jahren über mich gedreht hat, dokumentiert. Im Oktober wird er in Leipzig das erste Mal gezeigt.

Jürgen, du bist dieses Jahr im August 85 Jahre geworden.
Dein ganzes Leben lang hast du dich der kulturellen Entwicklung, vor allem der in der Oberlausitz, gewidmet.
Was gibst du nachfolgenden Generationen von Oberlausitzer Künstlern mit auf den Weg?

Wir sind Oberlausitzer, hier geboren oder wenigstens aufgewachsen und mit den Menschen und der Umgebung eng verbunden. Ich möchte mit einem Spruch von Rudolf Gärtner antworten.

„Ewig bin ich dir verschrieben, Oberlausitz, Heimat mein! Wer dich kennt, der muss dich lieben. Stolz bin ich, dein Sohn zu sein.“

 

Oberlausitz-Art bedankt sich für das Gespräch und wünscht weiterhin viele neue hölzerne Ideen.

Fotos: Eigentum Spottke

Fotos: Haiko Spottke,

Foto Weihnachtspyramide Bautzen: Christa Maria Hassert

Foto „Gruppe Oberland“ :  H. J. Brettschneider

Fotos Portrait S/W: Rosky

Foto Bürgermeister/Landrat und „Langer Sachse“: Prof. Dr. Dieter Rost

Zeichnung „Holzerhäusel“ : Horst Pinkau

 

 

 

 

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