Freiheit. Unter Wasser.

Freiheit. Unter Wasser.

Eine Geschichtenreihe aus dem Buch: „Renate löscht. Das Licht.“

 

 

 

Von Manuela Bibrach

 

 

Illustration von Pètrus Akkordéon

 

Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer. Merit liegt auf dem Bett, liest, bewegt dabei die Lippen. Vor der Tür Schritte. Die sich nähern. Die sich entfernen.

Auf die Einbettkajüte hatte Merit lange gespart. Kapitän Nemo konnte durch die gläsernen Augen der Nautilus den Meeresboden betrachten. Bizarre bunte Fische überall. Durch das Bullauge in Merits Kabine scheint Tageslicht. Trübe. Merit steckt sich einen Lakritzfisch in den Mund. Kaut sorgfältig. Liest. Greift zur Vollmilch-Nuss. Lutscht langsam. Zerbeißt eine Nuss. Liest.

Merit liebt das Meer. Als Schulmädchen hatte sie den Amphibienmenschen gesehen. Eine Woche lang war sie jeden Tag ins Ferienkino gegangen. Zwanzig Pfennig Eintritt, fünf Pfennig Kulturbeitrag. Sieben Tage lang wurde sie eins mit Ichthyander, dem scheuen Sonderling, der unter Wasser atmen konnte. Mit Kiemen! Sein Vater, ein Wissenschaftler, hatte sie dem lungenkranken Sohn implantiert. Die Utopie einer Unterwasserwelt vor Augen, in der die Menschen in Frieden leben. Ichthyander verliebte sich, geriet in irdische Wirren, wurde in einem Wasserfass eingesperrt. Hatte verkümmerte Lungen, als man ihn endlich befreite. Sieben Mal sah Merit ihren Helden in seinem silbernen, schuppigen Anzug für immer im Meer verschwinden. Sieben Mal sah sie ihn fast ersticken und später im Wasser, die Kiemen benetzt, wieder zu sich kommen.

Merit steckt sich einen Lakritzfisch in den Mund und tritt ans Bullauge. Betrachtet die blassen Wolken über dem Meer, unter dessen Oberfläche sich tummelt, wovon Merit träumt. Vor der Kabinentür wieder Schritte. Die Passagiere sammeln sich zum Dinner im Speisesaal. Großes Buffet, Türme von Speisen. Vor denen Pärchen flanieren und köstliche Trauben von den Silbertellern zupfen. Stellt Merit sich vor. Berge von Broten und Würsten neben goldenen Kandelabern. Exotische Früchte. Überfluss.

Merit legt sich wieder aufs Bett. Greift zur Vollmilch-Nuss und gratuliert Kapitän Nemo zu seinem guten Geschmack, die Auswahl der Besatzung betreffend. Auch er ein Phantast. Leben im Wasser. Freiheit unter Wellen.

Merit liest. Merit kaut. Vor der Tür kehrt Ruhe ein. Hinter dem Bullauge dämmert es. Merit steht auf. Knipst das Licht an. Blinzelt zum Fenster. Erschrickt. Eine silberschuppige Hand gleitet von außen über das Bullauge. Tastet nach der Rundung. Rutscht ab. Merit schreit. Ganz kurz. Ein Quieken nur. Die Lakritzfische zucken mit den Flossen.

 

https://manuela-bibrach-autorin.jimdofree.com/

Elaine und die Oberlausitz im Linolschnitt-Video 1

Elaine und die Oberlausitz im Linolschnitt-Video 1

Mit dem Linolschnitt die Oberlausitz entdecken,

Teil 1: Umgebindehaus-Tür

 

 

 

 

 

In diesem Videoformat möchte ich die kleinen Details der Oberlausitz, besonders von Umgebindehäusern, in den Fokus rücken und künstlerisch gestalten. Ich habe mir eine typische, alte Haustür eines Umgebindehauses ausgesucht. Mit dem Busch vor dem Haus und den vielen Blumentöpfen und Körben, die so dazugehören. Dabei habe ich mein selbst geschossenes Foto abgezeichnet, auf meine Linolplatte übertragen und angefangen zu schnitzen.

Aber seht selbst, wie das Ergebnis am Ende aussieht!

Eure Elaine

 

 

 

In den folgenden Wochen erscheinen hier auf Oberlausitz-Art Video-Tutorials zum Thema Linolschnitt und Oberlausitz.

Zum Anschauen und als Inspiration für eure Kreativität. Ich freue mich auf euer Feedback.

 

Kontakt:  elainemelzer@gmx.de

Musik:  CapCut. „Green love (Lofi)“ von Prodbyecho

Das Sonnenuhrendorf Taubenheim,  NEUE Serie

Das Sonnenuhrendorf Taubenheim, NEUE Serie

Oberlausitz-art wandert mit ihnen in den nächsten Monaten entlang des Sonnenuhrenpfades in Taubenheim.

Hier erfahren sie Interessantes über jede Sonnenuhr, die es in dem beschaulichen Ort an der Spree gibt. „Jede Sonnenuhr ist einmalig, sie schildert die Geschichte des Hauses bzw. die Geschichte unserer Dörfer.“

„Unsis Taubnheem – das Sonnenuhrendorf“

Sonnenuhren gibt es schon so lange, wie die Menschen die Zeit messen. In der Oberlausitz sind Sonnenuhren – wie auch anderswo auf der Welt – oft zu finden. Taubenheim, ein Ortsteil der Gemeinde Sohland an der Spree, nennt man das „Sonnenuhrendorf“.

Hier gibt es viele Sonnenuhren. Es sind alles Kunstwerke.

Anfang 2026 sind es 54, die auf dem „Sonnenuhrenpfad“ erfasst sind. Es bestehen weitere Sonnenuhren oder sie sind im Bau.

In der vom Taubenheimer Dorfclub betriebenen „Sonnenuhren-Stube“ und bei Führungen oder Wanderungen entlang des 9 km langen, durch den Dorfclub angelegten „Sonnenuhrenpfad“ kann man sie erkunden. Hierbei ist der Flyer sehr hilfreich.

Die einzelne Sonnenuhr ist auf einer Tafel vor Ort beschrieben bzw. kurz erklärt.

Wie kam es zum „Sonnenuhrendorf“?

Dabei kamen mehrere Umstände zusammen: Es waren alte Sonnenuhren vorhanden. Der Maler und Graphiker Martin Hölzel (1908 bis 1994) – heute „Sonnenuhren-Vater“ genannt – ergriff die Initiative, einige davon zu restaurieren.

Die Sternwarte Sohland/Spree und der Sternwarten-Verein unterstützten und unterstützen mit fachlicher Kompetenz.

Das Werk von Martin Hölzel wird durch den Taubenheimer Graphiker Peter Domschke fortgesetzt.

Und nicht zuletzt sind es die Taubenheimer selbst, die sich eine solche Sonnenuhr wünschten und wünschen. Sie berechnen und stellen auch selbst Sonnenuhren her, auch weil sie sich mit ihrem „Sonnenuhrendorf“ identifizieren.

Führungen entlang des Sonnenuhrenpfades sind bei Holger Kuhne – mhkuhne@aol.com / Tel. 035936 3458 – buchbar.

Günter Pätzold für den Taubenheimer Dorfclub e. V.

„Die Guldschmiede“; Nr. 23 Die erste Sonnenuhr von 1792

 

 

 

 

 

„Jede Sonnenuhr ist einmalig. Sie schildert die Geschichte des Hauses bzw. die Geschichte unserer Dörfer“. (Jürgen Walter)

Hier werden nun die einzelnen Sonnenuhren in den nächsten Wochen vorgestellt.

Erste AUSGABE: 12. Juni 2026

Nummer 01: Obelisk „Granitsteinuhr“

Die Beiträge entstanden mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Taubenheimer Dorfclub e.V.

Holger Kuhne (mhkuhne@aol.com), Tobias Lehmann (info@schilderwerk-lehmann.de), Günter Pätzold (guenterpaetzold@t-online.de)

und der Tourist-Information Sohland/Spree.  (touristinfo@sohland.de)

Führungen können bei Holger Kuhne (Telefon: 035936 34358 oder E-Mail: mhkuhne@aol.com) gebucht werden.

Ein weiterer Ansprechpartner ist Günter Pätzold (guenterpaetzold@t-online.de)

Foto: Taubenheimer Dorfclub e.V.

Skulpturenpfad – „Anfang und Ende, Ende und Anfang“

Skulpturenpfad – „Anfang und Ende, Ende und Anfang“

Station 19

„Anfang und Ende, Ende und Anfang“

 

 

 

 

 

 

Mit dieser Skulptur kommt Christus auch bei der letzten Station zu Wort, zumindest wenn man davon ausgeht, dass es Christus ist, den Johannes in seiner Vision auf dem Thron sieht:

…Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende…. (Offenbarung des Johannes 21, 6)

A und O, Alpha und Omega, erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabetes.

Hier ist das Ende des Skulpturenpfades, wo die Geschichte mit der Erziehung Zinzendorfs bei seiner Großmutter ihren Anfang hatte. Hier hat Zinzendorf Christus kennen, achten und lieben gelernt. Und vielleicht haben die Wanderer auf dem Weg auch etwas Neues über Christus erfahren oder wieder aufgefrischt, sei es im Nachdenken allein oder im Gespräch mit Anderen.

Die Skulptur zeigt ein ineinander verschlungenes A und Omega und auch ein Kreuz schimmert hindurch, wenn man näher hinschaut. Alles was neu beginnt und entsteht wird auch ein Ende haben. Das gilt für alles Leben, jeden Menschen, jedes Tier, jede Pflanze, jedes Gebäude, jede Gesellschaft, jeden Planeten, jede Sonne….

Aber es gibt auch die zweite Seite. Mit jedem Ende beginnt auch etwas Neues!

Zu Zinzendorfs Zeiten war die Ruine ein prächtiges Schloss. Ihre Mauern haben leider nicht überdauert. Heute kann man nur noch erahnen wie es hier vor 300 Jahren ausgesehen haben mag. Aber Christus, den Zinzendorf hier kennengelernt hat, und seine Botschaft überdauern bis heute und haben an Aktualität nichts eingebüßt.

Mit dem Tod ist alles aus. Sollte man meinen. Dachten damals Jesu Jünger auch, nachdem Christus so elend am Kreuz gestorben war. Aber plötzlich ändert sich das radikal. Christus bleibt nicht bei den Toten und er öffnet diese Möglichkeit auch uns allen. Und so ist der Tod eben nicht das Ende, sondern der Beginn von etwas Neuem, Schönen. Dieser Glaube, diese Gewissheit trägt Christen in schweren Zeiten seit dem ersten Osterfest.

Die Wanderung auf dem Skulpturenpfad ist hier zu Ende. Aber zugleich beginnt etwas Neues- sei es die Weiterreise, der Rückweg, ein Halt in der alten Bäckerei, ein Picknick, ein Besuch…..

Egal was als nächstes ansteht. Möge Gott Sie begleiten und auf gute Wege leiten. Möge Gott Ihren Lebensweg segnen und für andere zum Segen werden lassen!

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Das war nun der letzte Beitrag zum Skulpturenpfad. Station 19: „Anfang und Ende, Ende und Anfang“.

Besuchen Sie ihn doch selbst einmal. Ich verspreche ihnen, sie werden die Ruhe und Zufriedenheit auf ihrer Wanderung spüren.

Ihr Haiko Spottke von Oberlausitz-Art

 

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

 

„Experimentieren mit der Geschichte – oder: Die Freilegung des Geistes“

„Experimentieren mit der Geschichte – oder: Die Freilegung des Geistes“

Je älter, je krummer, je verwurzelter, umso beliebter sind die unterschiedlichsten Hölzer bei Thomas Schwarz. Er verwandelt knorrige Stämme in Skulpturen und bewahrt dabei die Seele des Baumes.

 

 

 

 

 

Seine Arbeiten verbinden traditionelle Materialien mit zeitgenössischer Formensprache.

Verwurzelt in seiner zweisprachigen sorbischen Heimat spiegeln seine Holzarbeiten die Verbundenheit mit der Natur, dem Wandel der Zeit und seiner Identität wider.

„Diese lebendige Vielfalt ist der Hintergrund meines Schaffens.“*

Wie er experimentiert und was ihn antreibt; Oberlausitz-ART hat für Euch nachgefragt.

 

Herr Schwarz, sind Sie ein harmonischer Mensch?

Lacht! Im Umgang mit der Natur bin ich durchaus ein harmonischer Mensch.

Aber ich bin oft auch ein Ungeduldiger im Umgang mit Menschen und der Gesellschaft – es gibt so viele Möglichkeiten und es bleibt so vieles ungenutzt.

 

Wie lange arbeiten Sie bereits künstlerisch mit Holz?

Hatten Sie diesbezüglich eine Ausbildung?

Wo liegen Ihre „Wurzeln“?

Die „Wurzeln“ sind eine kreative Prägung von Kindheit an. Entscheidend war der Verlust des „Urwalds“ am ehemaligen Jagdschloss bei Weißwasser durch den Bergbau. Es war Pücklers erster Park, ein ökologisches und kulturhistorisches Kleinod. Diese jahrhundertealten Bäume sind die Basis meines Schaffens.

Künstlerisch bereichernd ist das Studium an der UdK Berlin in den Bereichen Kuratieren und Ausstellungsdesign ab 2020.

 

Sie arbeiten vorzugsweise mit Naturhölzern und folgen der gegebenen Form.

Kennen Sie da immer das Ergebnis im Voraus oder überrascht Sie oft das fertige Kunstwerk?

Es ist ein Suchen, ein Entdecken und ein Staunen und oft ist man überrascht. Fast immer im positiven Sinne, es sind Kunstwerke der Natur.

 

In jeder erschaffenen Skulptur möchten Sie „spürbar die Seele des Baumes bewahren“.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Die uralten Bäume haben uns im Wachsen und Vergehen so einmalige Geschichten zu erzählen – diese freizulegen und in den künstlerischen Visionen zu bewahren, ist eine sehr erfüllende Herausforderung.

 

Herr Schwarz, Sie verbinden oft Holz mit anderen Materialien.

Wie finden Sie da immer die richtige Balance?

Es ist für mich eine wunderbare Erweiterung. Da ich im Holz nur aus einem Stück arbeite, erlauben mir andere Materialien das „Ausbrechen“. Zudem ergeben sich wunderbare optische wie haptische Kontraste.

 

Bei „Eruption“, was ich persönlich sehr beeindruckend finde, haben Sie mit Glas auf Buchenholz experimentiert. Arbeiten Sie da mit einem Glasbläser zusammen oder liegt Ihnen diese Technik auch?

Da ich familiäre Wurzeln in der Glasbearbeitung habe, war es naheliegend, auch dort eine Verbindung zu schaffen. Die Serie „Eruption“ ist zusammen mit drei Glasbläsern der Firma Borowski Glas entstanden. Ein wahrhaft archaischer Prozess, bei dem 1200°C heißes Glas sich mit der gemaserten Buche aus dem Pücklerpark verband.

 

Wo kann man sich weitere Arbeiten von Ihnen ansehen?

Den besten Einblick in mein Schaffen kann man direkt in Schleife erleben. Zum einen bei mir im Atelier und dem Skulpturengarten bei einer Führung mit den vielen Geschichten zu den einzelnen Serien. Aber auch im gesamten Bereich, den Orten rund um Schleife, wo viele große, oft figürliche Skulpturen mit sorbischen Themen zu entdecken sind.

 

Sie sind im zweisprachigen sorbischen Raum aufgewachsen und arbeiten auch da. Viele Ihrer Werke sind sorbisch-wendisch geprägt und erzählen von Sagenfiguren, an die ich mich noch als Kind erinnern kann. Heute habe ich das Gefühl, dass da wieder mehr in den deutschsprachigen Raum getragen werden könnte. Wie sehen Sie das?

Der Blick von außen auf die sorbische Kultur ist von Volkskunst und Folklore geprägt. Das ist ein wichtiger Teil, aber es gibt deutlich mehr an relevanten Themen, die sorbische Kreative einzubringen haben. Gegen diese „Unsichtbarkeit“ braucht es starke Netzwerke, gutes Marketing und eine Professionalisierung der Akteure.

 

Sie führen in Ihrem Atelier auch Veranstaltungen durch. Erzählen Sie doch mal was darüber?

Das Atelier ist nicht nur eine „Arche“ für alte gefallene Bäume. Es ist auch ein Ort des kulturellen Lebens mit Gastkünstlern, Konzerten, Lesungen und Führungen. Umgeben von einem Skulpturengarten finden sich dort große, bis zu 8 m hohe, oft tonnenschwere Werke mit interessanten zeitgenössischen Aussagen aus geschichtsträchtigem Material. Diese sind eingebettet in eine herrlich gestaltete Garten- und Waldlandschaft mit vielen botanischen Kostbarkeiten. Ein Platz zum Staunen, Genießen und zur Inspiration.

 

Was treibt sie jeden Tag an?

Die Leidenschaft für die uralten Bäume, eine beseelte Natur und eine wunderbare Region, der ich viel mehr Aufmerksamkeit wünsche.

 

Herr Schwarz, Oberlausitz-ART, bedankt sich für das interessante Gespräch und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg.

 

*Unter Verwendung von Textpassagen, Webseite Thomas Schwarz

Kontakt: www.der-holzkünstler.de

Fotos: Eigentum Thomas Schwarz, mit freundlicher Genehmigung

Fotos: Frank Stein, (pixel-brush)

https://www.pixelbrush.de
Bildunterschrift: pixelbrush.de – Frank Stein

 

 

KunstPfingsten in Görlitz – vom Samstag 23.05.26 bis Montag 25.05.26

KunstPfingsten in Görlitz – vom Samstag 23.05.26 bis Montag 25.05.26

Offene Ateliers und Galerien
vom 23. bis 25. Mai 2026 / täglich 14-18 Uhr

Zu Pfingsten wird Görlitz erneut zur Bühne für zeitgenössische Kunst:

Vom 23. bis 25. Mai 2026 findet zum zweiten Mal das Festival KunstPfingsten in Görlitz statt und lädt Besucherinnen und Besucher zu einem inspirierenden Kunstspaziergang durch die Stadt ein.

An insgesamt 17 Kunstorten präsentieren über 30 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten und laden zum Entdecken, Verweilen und Austauschen ein. Angeboten werden unter anderem Malereien, Fotografien, Grafiken, Tapetenschnitt e und Installationen. Neben Ausstellungen laden einige Künstlerinnen und Künstler in ihren Ateliers auch zum Mitmachen ein und bieten kleine kreative Aktionen und ein vielfältiges Begleitprogramm für Besucherinnen und Besucher an.

Zentraler Ausgangspunkt des Festivals ist die Gruppenausstellung „von hier aus“ in der Kunsthalle Görlitz am Wilhelmsplatz 15. Dort sind vom 03. bis 25. Mai Werke der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Die Ausstellung ist jeweils Freitag von
17 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Während des Pfingstwochenendes gelten für die teilnehmenden Kunstorte Kernöffnungszeiten von 14 bis 18 Uhr. Einige Orte öffnen bereits am Vormittag ab 10 Uhr ihre Türen. Zudem laden die Akteurinnen und Akteure an den Abenden ab 20 Uhr in die Kunsthalle Görlitz ein – am Samstag zum Salon und zur Livemusik, am Sonntag zu Theater und Lesung.

Der Eintritt ist frei. Um Spende wird gebeten.

KunstPfingsten in Görlitz ist eine Initiative des STRE!FEN e.V.
Weitere Infos / Website: https://kunstpfingsten26.my.canva.site/

Kontakt/Ansprechpartner für die Presse:
Sascha Röhricht
sascha.roehricht@gmail.com
0176 550 975 04

Skulpturenpfad – „Das ihr werdet wie die Kinder“

Skulpturenpfad – „Das ihr werdet wie die Kinder“

Station 18

„Das ihr werdet wie die Kinder“

 

 

 

 

 

Vor der Ruine des Großhennersdorfer Wasserschlosses sitzt Zinzendorf auf einer Bank und unterhält sich interessiert mit zwei Kindern. Im Hintergrund stehen als Kontrast 5 Figuren ernster, halb erstarrter Erwachsener.

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18, 3).

Zinzendorf nahm sich diese Aufforderung zu Herzen, indem er versuchte, sich ohne frühzeitig manifestiertes Urteil einen kindlich- neugierigen und faszinierten Glauben zu bewahren. Der Glaube sollte nicht in Formalien und Dogmen erstarren, sondern lebendig sein und in jeder Generation neu entdeckt und erfahren werden können. Erwachsene und Kinder können gegenseitig voneinander lernen. Das Himmelreich ist ein kostbares Geschenk, welches man sich nicht verdienen kann. Der Preis dafür ist durch Christus bereits bezahlt. Freude und Dankbarkeit darüber sollten das Tun und Handeln der Christen prägend bestimmen und im großzügigen, friedlichen, liebevollen Umgang untereinander sichtbar werden. Von Kindern kann man vieles lernen: Offenheit, Neugier, Hinterfragen, rasches Vergeben und Verzeihen, sich fröhlich und reichlich beschenken lassen, Glauben und Vertrauen…

Kinder hinterfragen alles. Warum ist das so? Warum machts Du das? Sie hinterfragen nicht nur Dinge sondern auch uns und unser Verhalten, unsere Gewohnheiten und halten uns damit oft einen nicht immer angenehmen Spiegel vor. Im besten Fall führt das dazu, dass wir Erwachsenen eingefahrene Gleise in ungute Richtungen auch wieder verlassen können.

Die Botschaft dieser Skulpturengruppe wird rasch begreifbar. Nur die ständige Auseinandersetzung mit dem Neuen, den Nachwachsenden, dem Kindlichen im Leben ermöglicht es der Gemeinde durch Jahrhunderte hindurch lebendig zu bleiben und ein menschliches, freundliches Antlitz zu bewahren.

Die Frage nach Veränderung, nach Neuem stellt sich nicht nur ständig in der Gesellschaft, sondern auch in den Kirchen. Was sollte unbedingt erhalten bleiben, was kann und muss geändert werden, damit auch die kommende Generation in der Gesellschaft, in den Kirchen eine Heimat empfindet, wo sie gerne zu Hause ist? Nur im offenen und lebendigen Austausch kann man Lebensformen finden, in denen sich alle zeitgleich lebenden Generationen gemeinsam wohlfühlen.

Wohl den Menschen, die sich Kindliches bis ins hohe Alter bewahren können. Sie sind eine Bereicherung für alle denen sie begegnen, auf Erden und im Himmelreich.

 

 

 

 

 

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Letzte AUSGABE :    29. Mai  2026

Station 19:   „Anfang und Ende, Ende und Anfang

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

„Elaine entdeckt ihre Heimat – oder – die Oberlausitz im Linolschnitt“

„Elaine entdeckt ihre Heimat – oder – die Oberlausitz im Linolschnitt“

Hallo, ich bin Elaine, 25 Jahre alt, gebürtige Oberlausitzerin, die nun in Leipzig lebt.

 

 

 

 

 

Früher habe ich leider nie an mich geglaubt, dass ich etwas Künstlerisches erschaffen könnte.

Als ich den Linoldruck, ein Hochdruckverfahren, bei dem mit verschiedenen Werkzeugen aus einer Linolplatte Kunstwerke geschnitzt werden, entdeckt habe, wurde alles viel einfacher.

Ich erzielte schnelle Erfolge und ein gewisser Ehrgeiz stellte sich ein. Und Übung macht die Meisterin.

Ich blieb dran und fand in den wunderschönen, süßen Häusern meiner Heimat geeignete Motive. Denn jedes Umgebindehaus ist unterschiedlich! Ich liebe die verschiedenen Farben, Strukturen und Unebenheiten eines jeden Hauses – kein Haus ist perfekt.

Daher eignen sie sich perfekt für den Linoldruck.

Wenn ich meine Familie besuche, ist es für mich ein Muss, nach den schönsten Häusern Ausschau zu halten und diese in einem Foto festzuhalten, damit ich das Motiv zuhause in Leipzig zunächst skizzieren und dann auf meine Druckplatte übertragen kann.

In den folgenden Wochen erscheinen hier auf Oberlausitz-Art Video-Tutorials zum Thema Linolschnitt und Oberlausitz.

Zum Anschauen und als Inspiration für eure Kreativität.

Ich freue mich auf euer Feedback.

Eure Elaine

 

Kontakt:  elainemelzer@gmx.de

Nele. Bunt.

Nele. Bunt.

 

Eine Geschichtenreihe aus dem Buch: „Renate löscht. Das Licht.“

Von Manuela Bibrach

 

 

 

 

 

Illustration von Pètrus Akkordéon

 

 

Die Körner rasseln in die Getreidemühle. Bio Kamut. Ur-Weizen. Nele drückt den Schalter. Das Korn prasselt, unten stäubt es: frisches Mehl. Nele hält die Tüte, damit nichts danebenfällt. Hinter ihr kreischt ein Kind und schiebt den Einkaufswagen mit vollem Tempo durch den Gang.

Nele geht gern in den Bioladen. Sie mag es, wenn die Leute ganz bei sich selbst sind.

Nele denkt maximal zweidimensional. Sparsam. Bescheidenheit ist eine Zier. Nele ist zu bescheiden. Hat der Homöopath gesagt und Bachblüten verschrieben. Aspen, Mimulus, Rock Rose. Nele ist zu ängstlich. Hat der Heiler gesagt. Gegen Angst helfen keine Blutegel.

Das Kind stellt den Einkaufswagen jetzt mitten in den Weg. Nele lächelt. Die Mutter des Kindes lächelt. Kinder sollen stark sein und unabhängig. Man sieht dem Kind an, dass es stark ist. Die farbenfrohe Kleidung ruft: Hier bin ich! Orange, grün, rot. Nele mag die Erdfarbenästhetik der Bioproduktverpackungen. Sanfte Getreidefelder unter befreiten Himmeln. Alte Schriftarten auf Tüten und Päckchen, die Ursprünglichkeit suggerieren. Heile Welt. Saubere Ware.

Das kesse Kind häuft fair gehandelte Schokolade in den Einkaufswagen. Jetzt platzt die Mutti doch noch. An der Pinwand bunte Plakate mit lächelnden Gesichtern erlöster Menschen. So erlöst, dass sie andere ebenfalls erlösen können. Und wollen. Für Geld. Erlösung bekommt man nicht geschenkt. Erleuchtung kostet noch mehr.

Das Kind ist Nele jetzt mit dem Wagen dicht auf den Fersen. Dabei singt es das Lied vom Fuchs, der die Gans gestohlen hat. Kinder sollen stark sein. Denkt Nele. Und fröhlich. Und dass sie selbst zu dumm ist für diese Welt. Sozial inkompetent. Weil sie die Regeln nicht versteht. Hat der Therapeut gesagt. Und dass es exemplarisch sei, wenn jemand aus einem kernigen Cornelia etwas so Süßes mache wie Nele. Diminutiv. Lallsprache. Babysprech. Verbaler Fußtritt gegen die Emanzipation.

Nele greift eine Packung Bruderhuhneier. Weil sie nicht möchte, dass männliche Küken geschreddert werden, zahlt sie pro Ei acht Cent mehr. Für jedes Bruderhuhnei darf ein Hähnchen weiterleben. Und später als Biobroiler verkauft werden.

Nele ist empfindsam. Nele ist defekt. Dagegen helfen keine Egel. Nele muss an sich arbeiten. Um stark zu werden. Und gelassen.

Nele schiebt ihren Wagen jetzt schneller. Rumpelt ihn sacht gegen die Stiege mit den dreckigen Bio-Möhren, zieht den Kopf ein und lächelt. Immerhin. Ein Anfang.

 

 

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Skulpturenpfad – „Empfange“

Skulpturenpfad – „Empfange“

Station 17

„Empfange“

 

 

 

 

 

Die letzten drei Stationen stehen im Umfeld des ehemaligen Großhennersdorfer Wasserschlosses.

Man ist also bei Station 17 schon fast am Ziel angekommen.

Unsere Füße haben uns auf dem Skulpturenpfad- je nach Schrittmaß- etwa 10000 Schritte bis hierher getragen. Nun ist es Zeit ihnen mal was Gutes zu tun.

Zumindest wenn die Sonne scheint, sollte aus den beiden Händen Wasser des nahen Teiches in ein Becken fließen, in dem unterschiedlich große Fußabdrücke zu sehen sind. Die Bänke laden zum Hinsetzen ein, man kann sich gern selbst oder gegenseitig die Füße kühlen oder waschen. Bei trübem Wetter oder im Winter kommt kein Wasser, dann kann man dort aber wenigsten sitzen und ausruhen und unter großen Bäumen zwischen den beiden Teichen die Seele baumeln lassen.

Diese Station lädt also erst einmal dazu ein, sich gegenseitig oder sich selbst die Füße zu waschen. Das war im Orient zu Jesu Zeiten üblich- man wusch einen Gast zum Willkommen die staubigen Füße- eine Arbeit die eher von Sklavinnen bzw. Bediensteten erwartet wurde. Jesus hat seinen Jüngern aber auch selbst die Füße gewaschen, als Zeichen, dass die menschengemachten Rangordnungen unwichtig sind. Es kommt auf das Miteinander an.

Auch von Zinzendorf wird berichtet, dass er gelegentlich seinen Untertanen die Füße wusch. Es kostet Überwindung, kann aber eine wirklich bereichernde Erfahrung sein.

Die Station ist dazu da, sich selbst oder sich gegenseitig etwas Gutes zu tun. Mal selber Empfangende/Empfangender sein. Nach der vorherigen Station, die dazu ermuntern sollte, sich und seine Gaben für das Wohl der Allgemeinheit und bedürftiger Menschen einzusetzen, ist jetzt der Fokus auf mir selbst. Es muss auch Zeiten geben, wo ich es mir selber gut gehen lasse- sei es dadurch, dass ich mir „mal was gönne“ oder mir von jemandem etwas Gutes tun lasse.

Letztlich ist nicht entscheidend was ich empfange, sondern dass ich empfange. Das wird heutzutage eher selten eine Fußwaschung sein, aber Menschen freuen sich auch über Blumen, einen Wellnessgutschein, eine Prämie, einen zusätzlichen freien Tag, eine Einladung zum Essen, eine Karte, einen gemeinsamen Ausflug, ein Dankeschön……

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    15. Mai  2026

Station 18:   „Das ihr werdet wie die Kinder

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

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