Es scheint, als eilt das Jahr regelrecht auf seine Mitte zu.
Gönnen wir uns ruhig zwischendurch kleine Pausen.
Manchmal reicht schon ein Durchatmen und ein Blick zum Himmel.
Idealerweise ausgestreckt im Liegestuhl oder noch besser – auf einer Wiese, wie im folgenden Gedicht.
Wolkenträume
Wer hat wohl, nur so zur Freude,
jemals drüber nachgedacht,
wer am blauen Dach der Erde
all die vielen Wolken macht?
Ich will es dir gern verraten,
denn ich habe es entdeckt,
wer in luftig ferner Höhe
hinter diesem Zauber steckt.
Drei Gesellen konnt ich sehen
fröhlich sich die Zeit vertreiben,
unbeschwert und ausgelassen
Wünsche in den Himmel schreiben.
Einer kam auf leisen Sohlen,
huschte wie ein Hauch heran,
hängte sorgsam ans Gewölbe
lauter zarte Schleier dran.
In den Topf voll weißer Sahne
tauchte bald der Zweite ein,
mit den Fingern zog er Bahnen
durch das Blau im Sonnenschein.
Berge voller Zuckerwatte
schleppte nun der Dritte her,
formte sie zu dicken Haufen
und es wurden mehr und mehr.
Dann war’n die Gesellen müde,
wünschten sich den Wind herbei,
fröhlich tanzend kam er näher,
pustete den Himmel frei.
Staunend fragst du mich, du Zweifler,
ob es wirklich möglich sei?
Ja! Ausgestreckt auf einer Wiese,
bei einer kleinen Träumerei.
©Eva Mutscher August 2018
www.eva-mutscher-geschichten.net
Ein Märchen zum Nachdenken, Schmunzeln und Träumen
Zum Inhalt:
Der Küchenjunge Michel versteht die Welt nicht mehr – im ganzen Königreich breiten sich Unruhe, Misserfolge und Krankheiten aus.
Die Boten des Königs berichten von seltsamen Zuständen im Land: während manche Menschen bis zum Umfallen arbeiten, ist woanders das Vergnügen der einzige Lebensinhalt.
Der ratlose König setzt eine Schar von Ministern ein, die selbstsüchtig und mit planlosem Eifer alles noch schlimmer machen.
Michel träumt davon, dass auch ein Küchenjunge Außergewöhnliches vollbringen kann. Die alte Magd Grete macht ihm Mut, auf sein Herz zu hören.
Sie erinnert sich an frühere Zeiten und an ein geheimnisvolles Maß, bei dessen Benutzung sich Schwierigkeiten wie von Zauberhand auflösen.
Michel macht sich auf die Suche und findet auf seine Weise den Weg, der ein ganzes Königreich retten kann.
Michel und das Geheimnis des Glücks
Ein Märchen zum Nachdenken, Schmunzeln und Träumen
Textauszug:
…
Der König schritt grübelnd auf und ab und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. „Was habe ich übersehen?“, sinnierte er, „Ich habe meinem Reich zu Blüte und Glanz verholfen, habe Krisen überwunden, Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, und nun?“
„Verzeihen Sie die Störung, Majestät, im Hof ist ein Reiter angekommen.“ Der Diener wies aus dem Fenster. „Es scheint, als wäre es einer der Boten, die Eure Majestät ausgesandt haben.“
„Hoffen wir auf gute Nachricht“, sagte der König. Doch auf seiner Stirn bildete sich eine Falte. „Bringt ihn zu mir, ich will ihn gleich empfangen.“
Das Spottgelächter, das die Ankunft des Reiters begleitete, drang bis über die kleine Mauer, die den Gemüsegarten vom Hof trennte. Schnell brachte Michel den vollen Korb zum Eingang der Küche. Die Magd rief ihm nach:
„Lauf nur und schau, was es gibt. Wir haben ja sonst nicht viel zu lachen.“
Michel hörte den Reiter krakeelen, lange bevor er ihn sah. Als er seinen Hals reckte, entdeckte er ihn in einer Traube von Knechten und Mägden auf seinem Pferd, mehr hängend als sitzend. Aus den Satteltaschen schauten entkorkte Flaschen. Der Reiter zog mal rechts, mal links am Zügel, so dass das Pferd im Zickzack lief und die neugierige Menge immer wieder erschrocken zurückwich. Vor dem Eingang zum Schloss stoppte er, rutschte vom Pferd und lallte:
„Platz da, ihr Langweiler, ich muss zum König! Wir wollen einen Becher Wein auf meine Ankunft trinken!“ Er machte Schritte wie ein neugeborenes Kalb, dann gaben seine Beine nach, er knickte zusammen und schlief auf den Stufen der Eingangstreppe ein.
„Ich werd’ dir gleich!“, rief der Stallmeister und trug dem Stalljungen auf, sich um das Pferd zu kümmern. Er selbst holte einen Eimer Wasser aus dem Brunnen und bedachte das schnarchende Bündel mit einem kalten Guss. Der Bote schüttelte den Kopf, dass die Haare flogen und kam langsam zu sich.
„Schämst du dich nicht? Halte dich gerade, wenn du vor den König trittst.“ Der Stallmeister übergab den taumelnden, tropfnassen Burschen dem nächsten Diener.
Michel sauste in die Küche, wo die Magd das Gemüse putzte und der Koch über dem Speiseplan des nächsten Tages brütete. „Erzähl!“, kam wie aus einem Mund.
Gestenreich schilderte der Küchenjunge die Ankunft des weinseligen Boten.
„Hat wohl zu viel gefeiert“, mutmaßte der Koch. Die alte Magd schüttelte den Kopf.
Als der König den halbwegs zu sich gekommenen Boten empfangen und angehört hatte, wurde seine Miene düster. Fassungslos stützte er seinen Kopf in die Hände. Es war kaum zu begreifen, was er erfahren hatte. Im Osten war das Feiern in Mode gekommen. Die Menschen feierten nicht nur die jährliche Wiederkehr ihres Geburtstages, sondern jedes Vierteljahr, das sie gelebt hatten. Sie dehnten ihre Feiern auf drei Tage aus, Vor- und Nachfeiern waren an der Tagesordnung. Und sie erfanden neue Festtage zu jedem Anlass. So wurden nicht nur der Einzug in ein neues Haus oder der Bau eines Stalls gefeiert, nein, auch der Kauf eines neues Stuhls oder eines Besens ging als besonderer Tag in den Kalender ein und wurde jährlich mit einer kleinen Feierlichkeit bedacht. Der Abschied und die Wiederkehr von Reisenden, der Beginn und das Ende jeder Woche, ja sogar die Versöhnung nach einem kleinen Wortwechsel wurde Anlass einer Feier. Vergnügungen mit Spiel, Musik und Trinkgelagen überschwemmten den östlichen Teil des Königreichs.
„Wo soll das nur hinführen?“, murmelte der König und wiegte sorgenvoll sein Haupt.
Dank der geschwätzigen Kammerzofe machten die Neuigkeiten
im ganzen Schloss die Runde. Auf diese Weise erfuhr man auch in der Küche von den überschwänglichen Festen.
„Warum ist der König so beunruhigt?“, fragte Michel. „Feiern ist doch schön!“
Löffel schwingend gab der Koch zu bedenken:
„Denk mal nach! Früher war ein Fest etwas Besonderes. Jeder hat sich lange vorher darauf gefreut. Das gibt Kraft. Jetzt brauchen die Menschen im Osten immer längere Feste und größere Feiern, um auch nur ein klein wenig Spaß zu haben.“ Er stemmte die Hände in die Hüften und rückte seine Kochmütze hin und her. „Der Bote erzählte, dass sie vom Feiern mehr kaputt sind, als von der Arbeit. Sie schaffen ihre täglichen Aufgaben nicht mehr. Es geht alles drunter und drüber.“
Michel hörte mit weit aufgerissenen Augen zu. Die Magd wackelte mit dem Kopf. „Ich sag’s ja, zu viel ist ungesund. Das nimmt kein gutes Ende.“
…….
Am nächsten Morgen wurde der König von aufgeregten Rufen geweckt, die aus dem Schlosshof kamen. Er warf sich nur seinen Umhang über und eilte aus dem Schlafgemach um nachzusehen. Der Stalljunge rieb gerade ein Pferd mit Stroh trocken, das aus allen Poren dampfte. Der Stallmeister rannte dem König entgegen.
„Er kam wie der Blitz an gejagt, er muss die ganze Nacht geritten sein“, verkündete er. „Pferd und Reiter sind so erschöpft, dass sie sich kaum auf den Beinen halten können.“
Der dritte Bote war also angekommen. Der König entdeckte ihn am Brunnen, sah, wie er sich Gesicht und Hände wusch, den Staub von der Kleidung klopfte und ein Bündel Schriftrollen aufnahm. Dann blickte sich der Bote um, erkannte den König und hastete zu ihm, um Meldung zu erstatten.
„Majestät, ich habe euren Auftrag, im Westen nach dem Rechten zu sehen, ordnungsgemäß ausgeführt.“ Der Bote taumelte, rieb sich die Augen, riss sich zusammen und berichtete: „Ich habe alle Bewohner befragt, ihre Gewohnheiten studiert und ihren Tagesablauf viertelstündlich zu Protokoll gebracht.“ Er zwinkerte immer heftiger. „Wenn Ihr mir gestattet, diese Schriftrollen in den nächsten Stunden auszuwerten, kann ich Euch bis heute Abend eine übersichtliche Zusammenfassung vorlegen.“
Der gewissenhafte Bote hatte das letzte Wort kaum zu Ende gesprochen, da sackte er zusammen, ging in die Knie und kippte um.
„Ist er tot?“, fragte Michel, der unterwegs war, um die königliche Frühstücksmilch aus dem Stall zu holen.
„Noch nicht, aber wenn er so weiter macht, ist er es bald“, murmelte der König.
„Er ist vor Erschöpfung eingeschlafen“, flüsterte die alte Magd, die in der Nähe stand und alles beobachtet hatte. „Ich sag’s ja, zu viel ist ungesund, und wenn es die Arbeit ist.“
„Was soll ich nur tun?“, rief der König unglücklich. „Wer kann mir raten? Noch nie habe ich beim Regieren meines Landes Hilfe gebraucht, aber jetzt weiß ich nicht mehr weiter.“
Er wandte sich an seine Dienerschaft, die sich neugierig um ihn versammelt hatte. „Ihr habt es gehört: im Osten wird nur noch gefeiert, im Norden wird gegessen, bis sich keiner mehr rühren kann und im Westen scheinen die Leute bis zum Umfallen zu arbeiten.“
Er ließ den Kopf hängen und ließ sich am Brunnenrand nieder.
„Koch, Stallmeister, Gärtner! Ihr seid zufriedene Leute und führt
ein gutes Leben. Was meint ihr? Was soll ich tun, damit wieder Ruhe im Land einkehrt?“
„Ich kann gut kochen, mein König, doch regieren kann ich nicht“, antwortete der Koch und drehte nervös an seinem Kochlöffel im Gürtel.
„Auch ich verstehe mein Handwerk“, sagte der Stallmeister. „Ihr habt prächtige Pferde. Ich kann sie pflegen und versorgen, doch wie man das bei Menschen macht, weiß ich nicht.“
Der Gärtner, der sich hinter eine Hecke verziehen wollte, blieb stehen, als der Blick des Königs ihn traf.
„Ich weiß wohl Kräuter und Unkräuter bei den Pflanzen zu unterscheiden, aber nicht bei den Menschen. Deshalb bin ich Gärtner geworden und nicht König.“
Michel verfolgte fassungslos das Geschehen. Er konnte es kaum ertragen, seinen König so ratlos zu sehen. Wie gern hätte er ihm geholfen, aber wie? Und außerdem, wer fragte schon einen Küchenjungen?
Er spürte den Blick der alten Magd und hatte das Gefühl, als könne sie in seinen Augen alle seine Zweifel lesen.
„Sie kommt schon, deine Zeit.“
„Das kann ich kaum glauben, ich bin nur ein Küchenjunge. Wie soll aus mir etwas werden?“
„Nie wieder solche Worte!“, schimpfte die Alte und sah ihn eindringlich an: „Kleine Schritte! Merk dir, immer kleine Schritte.“
„Du redest wunderlich“, entgegnete Michel und legte die Hand auf ihren Arm. „Aber ich weiß, dass du es gut mit mir meinst. Lass mich den Korb tragen, denk an deinen Rücken.“
Die beiden gingen in Richtung Küche, da rief ihnen der König hinterher: „Grete, du lebst schon doppelt so lange im Schloss wie ich. Gab es, als du jung warst, nicht auch schwierige Zeiten? Kannst du dich erinnern, wie der alte König damit fertig geworden ist?“
Die Magd blieb stehen, drehte sich um und kratzte sich an der Stirn, als müsse sie alte Bilder hervorkramen.
……
© Eva Mutscher
Sylvia Mönnich schildert Ihre Eindrücke
von der Leipziger Buchmesse 2023.
Die Leipziger Buchmesse 2023 und ihr Lesefestival „Leipzig liest!“
Sie ist wieder da! Die Leipziger Buchmesse wurde von den Besucherinnen und Besuchern aus ganz Deutschland angenommen, als wäre sie nicht drei Jahre weg gewesen. Endlich wieder an Messeständen Neuheiten in die Hand nehmen, in Büchern blättern, Lesungen zuhören oder sich einfach von Event zu Event treiben zu lassen. Neu für mich war, dass ich an allen Tagen und an jedem Verlagsstand Bücher kaufen durfte, so viel ich wollte – und vor allem so viel, wie ich tragen konnte.
Zu Recht wird die Leipziger Buchmesse als das wichtigste Buch- und Medientreffen in der ersten Hälfte des Jahres gehandelt. An der Autobahnabfahrt zum Messegelände an der A14 bildeten sich sowohl Freitag als auch Samstag lange Schlangen und die Parkplätze wurden trotz vieler Helfer vor Ort zur Mangelware. Wer mit den Öffentlichen anreisen wollte, war nicht besser dran. Der Hauptbahnhof und die Straßenbahnen waren überfüllt und die Wartenden mussten Geduld aufbringen. Doch das hat keinen davon abgeschreckt, das Frühjahrs-Highlight auf der Neuen Messe zu besuchen. Das geschriebene Buch ist nicht tot. Ein grandioser Erfolg, auch wenn es weniger Aussteller gab als im Vorcorona-Jahr 2019.
Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich in diesem Getümmel mit meinem Buch „Vertrieben und dann?“ am Stand der Schreibwerkstatt Rellin und bei „Leipzig liest“ mitmischen durfte. Im Cafe Yellow in der Südvorstadt drängelten die Zuhörer zur Lesung, später musste die Veranstalterin Martina Rellin, Verlegerin und Coach der gleichnamigen Schreibwerkstatt, noch Stühle für die Gäste dazu holen.
In „Amors Kirschkern“ lässt Brigitte Luber auf humoristische Weise ihre Protagonistin Ricarda sich in den Schauspieler Sean verlieben. Anders in Carola Kalks „Kein Licht der Welt“. In dieser Erzählung verlieren Conny und Michael ihr ungeborenes Kind, während Hannes Heine Lustiges und Ernstes aus der Vergangenheit des Ostens in seinem Werk „Ich und die DDR“ verarbeitet. Und mittendrin ich mit meiner Geschichte aus dem Leben meiner Eltern „Vertrieben und dann“. Wenn ich ursprünglich dachte, das Leben und Wirken der Vertriebenen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg interessiert nur Familie und Verwandte, so wurde ich eines Besseren belehrt. Niemand von uns möchte sich vorstellen, dass ihm sein Zuhause von einer Stunde auf die andere nicht mehr gehört. Vielen Ungarn-Deutschen und Schlesiern ging es nach dem zweiten Weltkrieg so. Die Großfamilie meiner Mutti wurde 1945 enteignet und 1947 aus Ungarn vertrieben. Sie waren Deutsche im ungarischen Land. Meinem Vater erlebte es nicht anders in Schlesien. Vielleicht ist es gerade der anschauliche Erlebnisbericht von zwei noch lebenden Vertriebenenkindern, die heute weit in den Achtzigern sind, der die Menschen zum Nachdenken bringt und damalige mit aktuellen Geschehnissen vergleichen lässt. Zurück in der beschaulichen Umgebung der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im Landkreis Bautzen bekomme ich viele Anfragen zu meinem Erstlingswerk. Ich freue mich riesig, dass meine Bemühungen um die Aufarbeitung eines Teils deutscher Geschichte im privaten Umfeld auch auf wissbegierige Menschen aller Altersschichten trifft.
Ein Dankeschön an alle, die mein Buch ihren eigenen, vielleicht auch vertriebenen Eltern schenken wollen oder aber selbst stöbern, um etwas über die vergangenen Geschehnisse zu erfahren. Einen Einblick in das Buch gibt es auf meiner Webseite www.kamera-im-gepaeck.de und wer es gerne haben möchte, meldet sich bei mir unter sylvia.moennich@icloud.com. Danke auch an Haiko Spottke für die Veröffentlichung auf der Oberlausitz-Art-Webseite, die dafür gesorgt hat, dass viele Leser und Leserinnen von meinem Buch erfahren haben.