Modisch, chic und mit Leidenschaft – oder – Warum näht Frau Eckert selber?

Modisch, chic und mit Leidenschaft – oder – Warum näht Frau Eckert selber?

Wer möchte sich nicht modisch anziehen, farbenfrohe Kleider, ausgefallene Blusen oder
d i e  besondere Hose tragen.
Vielleicht auch als Ergänzung d a s  passende Accessoires dazu.
Nur, oft findet Sie oder Er nicht das richtige für sich oder die lieben Kleinen.
Dann ist “ Guter Rat“ sprichwörtlich teuer.
Nicht so bei  Vivian Juliane Eckert. Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin greift dann schnell zu „Nadel und Zwirn“ und unter ihren geschickten Händen entstehen wahrlich kleine modische Kunstwerke.

 

Frau Eckert, ist Nähen Ihr Hobby oder stecken praktische Dinge dahinter?
Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin bereits in meiner Kindheit mit verschiedenen Handarbeitstechniken wie Stricken, Sticken und Häkeln in Berührung gekommen. Meine beiden Omas haben mir in diesen Bereichen viel beigebracht und mich entsprechend gefördert. Ich habe damals auch schon ein paar Mal an der Nähmaschine gesessen, aber da ist es bei einigen wenigen Nähversuchen geblieben.

Am Anfang der Corona Pandemie habe ich diese Fähigkeiten wieder reaktiviert und mir bzw. meinem Mann anfangs per Hand ein paar Stoffmasken genäht. Mein Opa schenkte mir dann die Nähmaschine meiner 2016 verstorbenen Oma, ein Victoria Fashion 9000. Die Nähleidenschaft war geweckt und ich habe mir nach und nach durch Bücher und Internetrecherche die wichtigsten Grundlagen angeeignet. Das war natürlich vor allem am Anfang mit vielen Tränen verbunden, aber ich habe mich durchgekämpft und kann heute auf viele schöne Projekte zurückblicken.

Sie entwerfen Ihre Mode ja selbst. Von was lassen Sie sich dabei inspirieren?

Ich nutze Schnittmuster, die ich mir kaufe. Meist habe ich dann schon einen oder mehrere konkrete Stoffdesigns aus meinem Fundus im Kopf, die ich vernähen möchte. Ich vernähe auch gerne sogenannte Stoffpanels. Das sind große Bilder auf der jeweiligen Stoffart, die sich für Shirts, Hoodies und Kleidchen wunderbar eignen.

Inspiration finde ich vor allem bei Instagram. Hier folge ich vielen kreativen Köpfen aus dem Nähbereich und stehe mit vielen im direkten Austausch.

Seit ein paar Monaten nähe ich auch Schnittmuster für verschiedene Designer probe. Wir Probenäher unterstützen die Schnittmusterdesigner, indem wir neue Schnittmuster vor Veröffentlichung auf Herz und Niere testen bzw. die Passform für die jeweilige Zielgruppe überprüfen und den Designern dann Rückmeldung geben.

Sie fertigen modische Sachen für Männer, Frauen und Kinder.
Für wen Nähen Sie am liebsten?

Hauptsächlich nähe ich für meine drei Kinder. Meine vierjährige Tochter ist schon eine richtige kleine Lady mit sehr klaren Vorstellungen, wie ihre Kleidung aussehen soll. Umso schöner ist es, ihre Wünsche dann selbst umsetzen zu können und ihr so viele Unikate in den Kleiderschrank zu zaubern.

Unsere Zwillingsbuben sind jetzt 16 Monate alt und haben entsprechend wenig Ansprüche an ihre Kleidung. Für die beiden nähe ich gerne bequeme Sets aus Shirt/ Hoodie und Hose. Dazu nutze ich dann süße Designs, die gut zu den beiden passen.

Zum Entwerfen, Anprobieren und Testen haben Sie bestimmte Models?
Oder ist da die ganze Familie gefragt?

Eigene Schnittmuster habe ich noch nicht entworfen, sondern bisher immer Schnittmuster genutzt, die ich mir entweder selbst gekauft oder im Rahmen eines Probenähens zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Es ist immer mal nötig, den Schnitt auf die eigenen Maße oder die der Kinder anzupassen. Vor allem bei meiner Tochter ist das in der Regel notwendig, da sie für ihre Größe sehr schmal ist. Sie kennt das inzwischen und macht das ganz geduldig mit.

Wenn ich einen Schnitt probenähe, kann es schon sein, dass ich dasselbe Teil mehrmals anpassen muss, bis die perfekte Passform gefunden ist.

Frau Eckert, Sie zeigen Ihre Sachen ausschließlich auf Instagram.
Ist da später mal mehr angedacht?

Da das Nähen ein reines Hobby ist, wird es voraussichtlich bei meiner Instagramseite bleiben. Momentan bin ich ja noch in Elternzeit. Somit hab ich ausreichend Zeit für mein Hobby, wenn die Kinder in der Kita oder im Bett sind.

Ab Dezember kehre ich in meinen Beruf als Berufsschullehrerin für Pflege zurück. Da wird leider nicht mehr so viel Zeit bleiben, um zu nähen, da ich auch viel von Zuhause aus arbeiten muss. Mal schauen, wie ich Hobby und Job dann in unserem turbulenten Alltag unterbringe.

Ihre Rubrik „Vivis Nähecke“ hat bereits über 1500 Follower.
Wie stolz macht Sie das?

Ich freue mich auf jeden Fall, dass so viele Nähbegeisterte den Weg auf meine Seite gefunden haben. Der Austausch miteinander macht mir großen Spaß und ist immer eine Bereicherung. Ich habe dadurch schon ein paar sehr nette Bekanntschaften gemacht, mit denen ich permanent im Austausch stehe und auch gemeinsam Aktionen plane.

Können „Neugierige“ sich Ihre Mode auch im Original anschauen?
Gibt es ein Atelier?

Nein, aus den bereits genannten Gründen wird das auch in Zukunft kein Thema sein.

Was sind modetechnisch, Ihre nächsten Ziele?
Gibt es auch hier Wettkämpfe, Ausstellungen, Modeschauen?

Ich nehme hin und wieder an Nähchallenges teil, aber das immer nur im kleinen Rahmen. Mein Hauptaugenmerk wird auch zukünftig sein, unseren Kindern den Kleiderschrank mit hübschen Unikaten zu füllen sowie hin und wieder ein hübsches Teil für meinen Ehemann oder mich zu kreieren. Auch Geschenke für Familie und Freunde dürfen gerne unter der Nähmaschine hervorhüpfen.

Alles darüber hinaus überlasse ich den Profis, die das Nähen auch gewerblich betreiben. Für mich bleibt es ein reines Hobby ohne Streben nach finanziellem Gewinn.

Frau Eckert, oberlausitz-art bedankt sich für dieses interessante Interview und wünscht Ihnen viel Erfolg, viele modische Ideen und noch mehr Follower.

Ein besonderer Adventskalender

Ein besonderer Adventskalender

Ein Jahr lang durfte ich Ihnen einen kleinen Einblick in meinen liebsten Nebenjob, das Schreiben,  geben. Wenn Sie Lust auf mehr haben, besuchen Sie mich gern auf meiner Internetseite: www.eva-mutscher-geschichten.net

Verabschieden möchte ich mich mit zwei weihnachtlichen Gedichten und dem Anfang einer Geschichte, in der es auch ums Wünschen geht. Und Wünsche sind ja nicht nur zu Weihnachten ein großes Thema. Manchmal erfolgt die Erfüllung nicht ganz so, wie wir es uns vorgestellt haben, aber auch das hat seinen Sinn.

 

Ich wünsche Ihnen jedenfalls eine frohe Adventszeit, ein fröhliches Weihnachtsfest und ein friedliches neues Jahr!

 

Ein besonderer Adventskalender

von Eva Mutscher

 

Ich glaub‘, dass ihr sie alle kennt,

die Tradition, jetzt im Advent.

Wer schaut nicht jedes Jahr gespannt –

hängt ein Kalender an der Wand?

 

Als Kind war meine Freude groß,

Gleich nach dem Aufsteh’n lief ich los.

Und jeden Morgen war’s so schön,

ein neues Bildchen anzuseh’n.

Doch eines Tages, irgendwann,

verlor ich meinen Spaß daran.

Ja, der Kalender, schick und fein –

der durfte gern noch dicker sein.

 

An‘s nächste Jahr denk‘ ich recht gerne,

da fand ich Schokoladensterne.

Die Leckerei genoss‘ ich sehr,

ich dachte an nichts andres mehr.

Doch schließlich wurde es zu fade –

nur immer wieder Schokolade.

Und ein Kalender, noch so fein,

kann immerhin noch größer sein.

 

Runde Bonbons in Goldpapier,

ja, ganz genau die wünschte ich mir.

Auch Nüsse, Marzipan, so süß,

es war das reinste Paradies.

Doch wie im Flug verging die Zeit –

ein neuer Wunsch machte sich breit.

War der Kalender auch recht fein,

was drin steckt, sollte spannend sein!

 

Und ein Jahr drauf, da wünscht‘ ich mir,

ein Spielzeug hinter jeder Tür.

Und der Kalender, breit und schwer,

machte tatsächlich etwas her.

Doch war das alles, wollt‘ mir scheinen,

inzwischen nur was für die Kleinen.

Ach, der Kalender war ganz fein,

doch der nächste musste anders sein.

 

Mit kleinen Proben für Haut und Haare

vergingen  nun die folgenden Jahre,

Zarter Duft kam mir entgegen,

Creme und Öl, um mich zu pflegen.

Auch dieser Spaß verblasste dann,

was völlig Neues war jetzt dran.

So ein Kalender hübsch und fein,

darf ruhig einmal praktisch sein.
Dann Teebeutel im Jahr darauf,

gern machte ich die Türchen auf.

Gewürz im folgenden Advent,

auch Fitnesstipps, der neuste Trend.

Und später dann, ach, war das schön –

gar vierundzwanzig Backideen.

Doch fragte ich mich dann und wann:

hält denn das Glück nicht länger an?

Ist ein Kalender wirklich fein,

dann kann er auch mal wertvoll sein!

 

Dann hing er vor mir, teuer und klein,

hinter jedem Türchen ein Edelstein.

Das war nun wirklich etwas wert.

Ich fühlte mich auch recht geehrt.

Doch wurde ich daraus nicht klug:

es war mir längst noch nicht genug.

War bisher wirklich alles fein –

nun sollte es besonders sein.

 

Und dieses Jahr – wenn ich dran denk …

kam das besondere Geschenk.

Am 1. Dezember, an der Wand –

zwei Dutzend Täschchen an einem Band,

die waren gar nicht mal so klein,

da ging bestimmt ’ne Menge rein.

Wollt ihr nun wissen, was geschah?

Ich konnt‘ kaum glauben, was ich sah.

Das Herz, es wurde mir ganz schwer,

die Taschen waren alle leer.

Nur einen Zettel fand ich dort,

ich buchstabierte jedes Wort:

„Für dich soll’s nun besonders sein.

Füll du die Täschchen, ganz allein.

Nimm dazu einen guten Rat:

pro Tasche eine gute Tat.

Denk nach, was einen andern freut,

bis Weihnachten – und nicht nur heut!

Und warte ab, was dann geschieht,

ob Freude in dein Herz einzieht.“

 

Ganz nachdenklich frag ich mich nun:

Die Freude kommt beim eigenen Tun?

Ich weiß nicht, wird das funktionieren?

Mal seh’n, ich kann’s ja ausprobieren.

Vielleicht erzähl‘ ich, wie es war –

euch irgendwann im nächsten Jahr.

 

©bei der Autorin 2016

www.eva-mutscher-geschichten.net

 

Weiter geht es mit dem Gedicht  „Winterfreuden – Freudenzeit“, am 15.Dezember

und mit der Monatsgeschichte  „Der Wald der Wünsche“  am 22.Dezember 2023.

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Der Autor Henry Förster

Der Autor Henry Förster

Jahrgang 1958, aus
Kurort Jonsdorf im Zittauer Gebirge

Der gelernte Elektromaschinenbauer wechselte Mitte der achtziger Jahre in die Gastronomie, schloss die Facharbeiterprüfung als Kellner und die Qualifikation zum Gaststättenleiter erfolgreich ab. Bis 1990 arbeitete er in einem Jonsdorfer Hotel und ist seit 1991 als selbständiger Vermögensberater tätig.

Die ersten drei Geschichten aus seiner Kindheit schrieb er 2011 auf. Daraus entwickelten sich regelmäßige Lesungen innerhalb der Familie und der Wunsch, nach mehr… So entstand 2014 das Buch „Der Duft nach Apfelkuchen“.

Die Liebe zur Musik ließ ihn in seiner Freizeit über vierzig Jahre lang als Sänger, Gitarrist und Keyboarder, mit der Jonsdorfer Sängergilde, vorrangig auf sächsischen Bühnen stehen. Diese unterhaltsame Zeitreise ist im Buch „Durch Länder und Zeiten“ (2019), zu finden.

Sein erstes Kinderbuch „Der fliegende Opa“ (2018) wurde bereits 2023 neuaufgelegt. Die Tränen des Regenbogens (2021) und Antonius und der Steinadler (2022), folgten und sind alle über den Verlag Grafische Werkstätten Zittau veröffentlicht worden.

Seit 2022 ist das Buch „Apfelsinen am Lausche-Hang“ im Handel. Das im Oberlausitzer Verlag erschienene Buch erzählt Alltagsbegebenheiten aus dem eigenen Leben und dem der Freunde und Bekannten.

Vorgestellt auf der Leipziger Buchmesse 2023

In den folgenden 12 Monaten erzählt Henry Förster Geschichten und Episoden von damals und heute.

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Henry Förster – Geschichten und Episoden von damals und heute

Großer Glanz und kleines Funkeln – eine Weihnachtsmarktgeschichte

Großer Glanz und kleines Funkeln – eine Weihnachtsmarktgeschichte

Die Geschichte „Großer Glanz und kleines Funkeln“ schaut mit einem Augenzwinkern auf eine weit verbreitete Tradition – den Weihnachtsmarkt. Vielerorts laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Ich liebe diese Stimmung, den Duft, die Musik, die köstlichen Leckereien … Ab und zu blitzt da aber ein Gedanke auf: Bleibt bei all dem Trubel noch Platz für Besinnlichkeit?

 

 

 

Großer Glanz und kleines Funkeln – eine Weihnachtsmarktgeschichte

 

Der Herbst neigte sich dem Ende entgegen und die Leute in der kleinen Stadt waren unzufrieden. Die zeitige Dämmerung schlug ihnen aufs Gemüt, genau wie der Nieselregen. Sie sehnten die frohe Stimmung im Advent herbei, doch bis dahin dauerte es noch einige Wochen.

Als der Bürgermeister wegen Amtsgeschäften in der naheliegenden Großstadt weilte, staunte er über die Vorbereitungen für den dortigen Weihnachtsmarkt. Es sei nötig, früh zu beginnen, erklärte ihm sein Amtskollege, denn der Markt solle sich nicht nur über einen Platz erstrecken. In diesem Jahr würde er sich bis in die angrenzenden Straßen ausdehnen. Auch der zeitliche Rahmen werde erweitert, erfuhr das Oberhaupt der Kleinstadt, damit sich der Aufwand lohne.

Angesteckt vom Vorbereitungsfieber kehrte der Bürgermeister zurück und rief eine Ratsversammlung ein.

„Wie wäre es, wenn wir in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt organisieren? Einen großen!“

„Gibt es nicht genug Weihnachtsmärkte in jeder umliegenden Stadt? Warum noch einen?“

Sein Vorschlag stieß nicht auf die erwartete Begeisterung.

„Wir haben unseren kleinen Markt, am vierten Advent“, kam der nächste Einwurf.

„Ich spreche von einem richtigen Weihnachtsmarkt“, entgegnete der Bürgermeister. „Nicht von den drei Tischen vor unserem Kirchlein und dem Flötengepiepse. Es gibt jetzt so viele Möglichkeiten.“

Eine Weile herrschte Stille im Ratssaal, nur ein paar Stifte klapperten auf dem Eichentisch. Während der Pfarrer zweifelnd den Kopf schief legte, begann bei den anderen Teilnehmern der Sitzung bereits ein Umdenken.

„Nun ja, wir könnten wohl etwas Schwung in unserem Städtchen gebrauchen“, ließ sich die Bankdirektorin vernehmen. „Aber es müsste etwas Besonderes sein!“

Das Stirnrunzeln des Pfarrers stachelte ihren Ehrgeiz an. „Schließlich ist doch das Weihnachtsfest auch ein besonderes Fest, oder nicht, Herr Pfarrer?“

„Das ist es, in der Tat, doch …“

„Ein glänzender Markt für ein glänzendes Fest!“, fiel der Bürgermeister dem Pfarrer ins Wort.

Die Ratsmitglieder wurden lebhaft und brachten erste Vorschläge auf den Tisch.

„Ich weiß, was wir brauchen! Eine Tanne, die größer ist als …“

„Und eine riesige Pyramide, mit elektrischen Kerzen und einem Motor, der sie dreht.“

Der Bäckermeister grübelte, auf welche Weise er sich einbringen könne und verkündete:

„Ich werde meine Gesellen zu ein paar Zusatzschichten verpflichten. Wir werden eine Überraschung präsentieren, die ihres Gleichen sucht.“ Er schaute mit geheimnisvollem Gesicht in die Runde, dann rieb er sich die Hände. „Na gut! Ich weihe euch in meinen Plan ein. Ich werde einen Stollen backen.“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause. „So an die fünf Meter, dachte ich. Das macht uns so schnell keiner nach.“ Mit ausgebreiteten Armen veranschaulichte er das Bild, das er vor Augen hatte.

Der Bürgermeister staunte nicht weniger als die anderen.

Angespornt von der Idee tat der Schulleiter kund, er werde seine Beziehungen spielen lassen und einen professionellen Chor engagieren, denn der hiesige Heimatchor würde für diesen Weihnachtsmarkt genau so wenig taugen wie das Flötenensemble. Auf die Choreographie käme es an, betonte er und auf ein modernes Bühnenbild. Vielleicht ein wenig in Richtung Soul und Pop?

Händeringend überlegte der Pfarrer, wie er das der Kantorin und ihren Schülern beibringen solle.

Die anderen Ratsmitglieder nickten jedoch überzeugt und gingen noch einen Schritt weiter. Auch zwischen den Auftritten der Künstler müsse eine musikalische Beschallung über Lautsprecher erfolgen. Schließlich solle man schon von Weitem hören, dass etwas los sei.

Der Elektriker meldete sich und schlug vor, die üblichen Lichterketten wegzulassen und durch Sterne zu ersetzen, die farbig und im Sekundentakt blinkten. Das gäbe doch ein ganz anderes Bild.

Bis nach Mitternacht wurden Listen geschrieben und Aufgaben verteilt. Endlich machte man sich auf den Heimweg, durchdrungen vom Wunsch, dem Weihnachtsfest mit diesem Markt einen besonderen Stellenwert zu geben. Der Bürgermeister schloss erschöpft und glücklich die Rathaustür. Dieses Vorhaben würde sein Glanzstück werden.

 

In der Backstube erhielt der Tatendrang des Bäckers einen Dämpfer, denn seine Frau sah dem Stollenprojekt skeptisch entgegen.

„Haben wir in der Adventszeit nicht genug zu tun? Denk an die Pfefferkuchenmänner und die Zimtsterne. Wer braucht schon fünf Meter Stollen?“

„Vergiss das ganze Kleingebäck! Das hatten wir doch jedes Jahr! Aber der Stollen! Der wird uns bekannt machen! Die aus der Großstadt werden staunen.“

Die Bäckersfrau zuckte mit den Schultern.

 

Die Plakate, vom Gemeindesekretär verteilt, riefen zur Mithilfe bei der Gestaltung des prächtigsten Weihnachtsmarktes auf, den die kleine Stadt je gesehen hatte. In der Hoffnung, das kleinstädtische Einerlei zu unterbrechen, begeisterten sich Viele für die Idee.

Doch nicht jeder ließ sich vom Vorbereitungsrausch mitreißen. Großmutter Else, die seit Jahrzehnten gestrickte Jacken und Mützen zum Verkauf anbot, hatte eine Abfuhr erhalten, als sie erwähnte, dass sie wie jedes Jahr dabei sein wolle. Ebenso ging es dem Schnitzer mit seinem Spielzeug aus Holz. Für Stände dieser Art sei kein Platz, hieß es im Büro des Bürgermeisters. Die Fläche werde für Bratwurststände und Karussells gebraucht. Nein, auch die Gemüsehändlerin könne ihren Apfelpunsch zu Hause lassen, diesmal gäbe es Glühwein in acht Geschmacksrichtungen.

 

Elses Enkelkinder, Emil und Paula, kannten ihre Großmutter kaum wieder, so niedergeschlagen war sie.

„Was ist los mit dir?“, fragte Emil, als sie traurig ihr Strickzeug weglegte.

„Ach Junge, wozu soll ich stricken? Es wird ja keiner kaufen, wenn ich es nicht anbieten kann.“

„Deine Sachen gehen doch beim kleinen Weihnachtsmarkt weg wie warme Semmeln!“, tröstete Paula.

Die Großmutter seufzte: „Das ist es ja. In diesem Jahr ist alles anders, und größer, und trotzdem ist für mich kein Platz.“

Die Kinder schauten die Großmutter ungläubig an. „Es war doch immer schön!“

„Darüber denken einige Herren und Damen anders. Stellt euch vor, dort, wo jedes Jahr eure Eisbahn war, kommt ein Parkplatz hin. Angeblich werden massenweise Leute aus der großen Stadt zu uns kommen und die brauchen Platz für ihre Autos.“ Sie schüttelte resigniert den Kopf. „Der Bürgermeister lässt sogar eine Wendeschleife für Reisebusse bauen.

Emil und Paula stampften wütend auf.

 

In der Nachbarschaft kramte die Kantorin in ihrem Notenschrank und wandte sich an ihren Mann.

„Ich muss unbedingt das Programm für das Adventssingen schreiben. Es wird höchste Zeit, mit den Proben zu beginnen.“

„Ich glaube, das wird nicht nötig sein“, druckste er herum. „Ich habe gehört, dass es in diesem Jahr einen …“, er wusste kaum, wie er sich ausdrücken sollte. „…  ‚richtigen‘ Chor gibt.“ Als er das fassungslose Gesicht seiner Frau sah, strich er über ihren Arm. „Und das ist nicht alles. Der Bürgermeister lässt anfragen, ob wir uns nicht um die Beherbergung der zwanzig Sänger kümmern können. Nur für ein paar Tage.“

 

Die hochfliegenden Pläne hatten einen Großteil der Leute in euphorische Stimmung versetzt, andererseits war es auch in keinem Jahr zuvor so hektisch zugegangen. Lange vor dem ersten Advent gab es kein anderes Thema mehr als die Höhe der Tanne, den Blinkrhythmus der Lichter, die Drehgeschwindigkeit der Pyramide, die Verträge mit teilnehmenden Künstlern und Genehmigungen jeglicher Art.

Die triumphale Aussicht, allen Nachbarorten zu zeigen, was eine kleine Stadt drauf hatte, sorgte bei jeder Herausforderung für einen neuen Energieschub. Deshalb nahm keiner der Beteiligten die Erschöpfung wahr, die bald von einer steigenden Anspannung begleitet wurde. Die meisten von ihnen verwechselten dieses Gefühl sogar mit Vorfreude.

 

Aus: Eva Mutscher, Großer Glanz und kleines Funkeln – Eine Weihnachtsmarktgeschichte

© 2021 Verlag am Eschbach, Verlagsgruppe Patmos in der Schwabenverlag AG, Ostfildern

ISBN-10 ‏ : ‎ 3869178671   ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869178677

Gemeinschaftsausstellung Oberlausitzer-Kunstverein Löbau

Gemeinschaftsausstellung Oberlausitzer-Kunstverein Löbau

Mit starken lyrischen Texten, musikalisch begleitet von der Gruppe STEIN, eröffnete heute der Oberlausitzer-Kunstverein Löbau seine Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Arkadenhof.
Die verschiedenen Techniken und Motive der Exponate, lassen die Vielfalt und Kreativität der Mitglieder des Kunstvereins erahnen.

 

 

Besuchen Sie die Ausstellung „über(s)leben“ zu den Öffnungszeiten der Galerie.

Ausstellung vom 18.11. bis 17.12.2023

Öffnungszeiten:

Dienstag und Donnerstag              16-19 Uhr
Mittwoch                                        15-19 Uhr
Sonntag und Feiertag                     15-17 Uhr

Eintritt frei

Galerie Arkadenhof, Rittergasse 10, Löbau

 

Eingefangene Natur – oder – Blumen als Accessoires

Eingefangene Natur – oder – Blumen als Accessoires

Sommer, Sonne, Blumen und Freiheit. Wer möchte das nicht öfters genießen.
Dieses Jahr konnten wir uns bis weit in den Herbst hinein daran erfreuen.
Aber der Winter steht vor der Tür.
Wie erbaulich ist es da, etwas Sommerfeeling im Herzen, zumindest am Hals zu tragen.
Frau Christin Werner erfüllt Ihnen diesen Traum.
Kreativ und mit viel Liebe fängt sie den Sommer ein. Frau Werner fertigt Schmuckstücke aus Naturmaterialien, eingegossen in durchsichtige Werkstoffe.
Wie sie das macht und wie ihr diese Idee kam?
Oberlausitz-art hat nachgefragt.

Frau Werner, wie kam Ihnen diese wunderbare Idee und wie lange betreiben Sie schon dieses Hobby?

Da ich immer auf der Suche nach neuen Bastelideen bin, schaue ich viel im Internet was es Neues gibt. Dabei bin ich auf diese tolle Idee gestoßen. Richtig intensiv betreibe ich das Hobby erst seit diesem Jahr.

 

Sammeln Sie die Materialen selbst?
Bevorzugen Sie bestimmte Blumen und Gräser?

Einen Teil der Materialien habe ich selber gesammelt und getrocknet.

Am liebsten sind mir kleine zarte Blüten und sehr gerne verwende ich schöne Farne und Blätter.

 

Wie lange dauert es, bis Sie das gesammelte Material verwenden können?
Oder muss es immer frisch sein?

Es dauert ca. 2-3 Wochen bis das Material trocken ist. Frische Materialien lassen sich auch verwenden, aber durch die Feuchtigkeit verlieren Blumen, Blätter und Farne nach einer gewissen Zeit leider Ihre Farbe. Also lieber getrocknete Materialien verwenden.

 

Benötigen Sie zur Anfertigung spezielle Werkzeuge?

Für die Anfertigung selbst reichen eine Pinzette und eine ruhige Hand. Ein paar Werkzeuge benötigt man dann zur Fertigstellung, wenn alles gut ausgehärtet ist.

 

Die „Verpackung“ Ihrer Schmuckstücke fühlt sich weich und geschmeidig an.
Was genau ist das Material, welches Ihre Kompositionen umhüllt?

Es handelt sich bei dem Material um Epoxidharz.

 

Wie sieht Ihre Kollektion aus?
Welche Schmuckstücke fertigen Sie an?

Ich fertige Halsketten und Ohrringe an, aber auch Schlüsselanhänger, Teelichthalter, kleine Untersetzer und Flaschenöffner

 

Ihr Angebot ist ja sehr vielfältig.
Könnte man bei Ihnen aber auch bestimmte Motive bestellen?

Ja man kann bei mir bestimmte Motive bestellen. Gern mit den Blumen oder Materialien Ihrer Wahl.

Mein Sortiment an Formen und Materialien ist schon gut gewachsen, so dass hoffentlich für jeden etwas dabei ist.

 

Frau Werner, kann man sich Ihre Arbeiten irgendwo ansehen, aussuchen?
Stellen Sie wo aus?

Nein ich stelle nicht aus. Im Moment habe ich viel für Freunde und Familie gebastelt.

Ein paar Bilder meiner Arbeiten habe ich auf meiner Facebook Seite.

 

Zu welchem Anlass tragen  S i e  Ihren Schmuck?

Ich trage meinen Schmuck gern zu besonderen Anlässen.

Aber auch im Alltag finde ich es angenehm, natürliche Schmuckelemente zu tragen.

 

Frau Werner, sind Sie ein „Naturmensch“?

Ja ich bin ein absoluter Naturmensch. Ich liebe es, die Schönheit des Waldes zu genießen oder einfach nur dem Gezwitscher der Vögel zu lauschen.

 

 

oberlausitz-art bedankt sich für das erfrischende Interview und wünscht Ihnen
noch viele kreative Ideen und immer eine gute „Ernte“ in Wald und Flur.

 

Die in den Schmuckstücken gezeigten Schmetterlinge sind keine echten Tiere. Hier handelt es sich um Sticker.

 

Kontakt:         Wernerchristin@gmx.de

oder man nimmt einfach über Facebook Kontakt zu mir auf.

Das letzte Jahresviertel

Das letzte Jahresviertel

Die Tage werden kürzer und die Natur zeigt uns, dass es Zeit ist, sich zurückzuziehen.

Jahr für Jahr habe ich die besten Vorsätze, die Adventszeit ruhiger und besinnlicher zu erleben.

Das fällt mir nicht leicht, gibt es doch so viele Dinge, die zu tun sind und so viele vorweihnachtliche Aktivitäten, die genutzt oder besucht werden wollen.

Da gilt es, gut auszuwählen.

Ein kleines Ritual ist für mich der Adventsbrief geworden.

Ein Gruß mit den Höhepunkten des Jahres, ein Gedicht oder eine Geschichte dazu – schon ist man in Gedanken lieben Freunden und Verwandten ganz nah.

 

 

 

Das letzte Jahresviertel

 

von Eva Mutscher

 

Der Herbst schickt einen goldnen Gruß

und winkt. „Bis nächstes Jahr!“

Das Thermometer sinkt vor Schreck,

die Sonne macht sich rar.

 

Novembernieselregengrau

zieht traurig über’s Land.

Der erste Frost schleicht sich heran,

mit Stille an der Hand.

 

Doch wenn es kalt und dunkel wird,

kann’s drinnen heimelig sein.

Ich öffne dem Advent die Tür,

lass Vorfreude herein.

 

Die Scheite knistern im Kamin,

im Fenster schweben Sterne –

jetzt ist die Zeit für einen Gruß

an Freunde in der Ferne.

 

 

©Eva Mutscher

Oberlausitzer Kunstverein – Gemeinschaftsausstellung

Oberlausitzer Kunstverein – Gemeinschaftsausstellung

„Die Eröffnung der diesjährigen Gemeinschaftsausstellung der Regionalgruppe Löbau des Oberlausitzer Kunstverein, gestaltet die Band „Stein“.

Sie präsentieren ausgewählte Lieder ihres langjährigen Schaffens im rein akustischen Gewand.

Zusätzlich werden Texte vorgetragen, welche die Künstlerinnen und Künstler zu ihren jeweiligen Werken verfasst oder ausgesucht haben.

„über(s)leben“

 

Eröffnung 18.11.2024

15:00 Uhr

Galerie Arkadenhof Löbau

Die Ausstellung ist zu sehen vom 18.11. – 17.12.2023

Eintritt frei

Der Besuch der kleinen Königin

Der Besuch der kleinen Königin

Wir alle erleben Zeiten, in denen es uns schwerfällt, mit Unsicherheiten und Problemen fertig zu werden.

Da wünscht sich wohl mancher einen guten Rat, eine hilfreiche Hand oder … Besuch aus Leichtland.

Von dort kommt die kleine Königin, und sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Menschen zu zeigen, was man bei ihr zuhause tut, damit Schweres ein bisschen leichter wird.

 

 

Der Besuch der kleinen Königin

 

Ich begegnete der kleinen Königin zum erste Mal am Abend eines Sommertages.

 

Es war ein schwieriger Tag gewesen. Nicht, dass die vorigen leicht gewesen wären. Nur fühlte es sich an diesem Abend an, als würde der berüchtigte Tropfen über einem bis zum Rand gefüllten Fass schweben. Ich war aus der Wohnung ins Freie geflüchtet, sog vor der Haustür die frische Luft ein und hoffte, sie würde die Unruhe beim Ausatmen mit nach draußen nehmen. Tief und ruhig atmen, das hatte manchmal geholfen. Diesmal nicht. Ich war so unzufrieden mit mir, dass es beinahe weh tat. Was war nur los? Seit Monaten schien sich irgendetwas in mein Leben einzumischen. Es war mir fremd und machte mich rastlos. Immer hatte ich geglaubt, mein Leben im Griff zu haben. Und doch … da waren Gedanken, die mich nicht in Ruhe ließen und mich verunsicherten.

Und nun auch noch das: eine Entscheidung lag vor mir. In einer Woche musste ich sie treffen und fühlte mich damit völlig überfordert. Ich hatte begonnen, Fakten zu sammeln, Expertenmeinungen eingeholt und meine Bekannten konsultiert. Hier wie da: gute Ratschläge und Meinungen, die weit auseinandergingen. Mit meiner Unruhe war der Ärger über meine Unzulänglichkeit gewachsen. Jetzt kam Angst dazu. Was, wenn ich mich falsch entschied? Ich wusste genau, dass ich in dieser Nacht nicht gut schlafen würde. Der Tag wich der Dämmerung und ich war nahe daran, zu verzweifeln. Warum musste das Leben so kompliziert sein? Ich fand keine Antwort darauf.

Gerade wollte ich wieder hineingehen und meinen Kummer im Schutz der Wohnung hüten, da begann die Straßenlaterne ihren Nachtdienst und leuchtete auf. Der Lichtkegel umhüllte ein Stück des Vorgartens und rückte die alte Bank neben dem Fliederbusch in mein Blickfeld. Das erschien mir wie ein Zeichen. Ich drehte um und ließ mich auf dem rauen Holz nieder. Seufzend lehnte ich mich an die Hauswand, deren Steine Sonne getankt hatten und mir den Rücken wärmten. Ein kurzes Wohlgefühl – dann stand die Frage wieder breit und mächtig vor mir. Wie sollte ich mich entscheiden? Ein weiteres Mal ging ich meine „Vor- und Nachteil-Liste“ durch.

Ein eigentümliches Funkeln lenkte mich ab. Zwischen den blühenden Ranken, die sich vor mir am Zaun hinauf wanden, glitzerte etwas. Hatte jemand ein Schmuckstück verloren, das in den Pflanzen hängen geblieben war? Ich beugte mich nach vorn und erstarrte, ungläubig staunend über das, was ich entdeckt hatte.

Eine kleine Gestalt in samtig grünem Kleid trat zwischen den Blumenstängeln hervor und rückte ihre winzige Krone zurecht.

An Wunder hatte ich nie geglaubt. Nun stand eines vor mir. Sprachlos musterte ich das anmutige Wesen, das sein Köpfchen hob, um mich anzusehen.

„Wer bist du?“, flüsterte ich.

„Wie sehe ich denn aus? Wie eine kleine Königin?“, fragte die kleine Gestalt fröhlich und antworte gleich selbst. „Genau das bin ich. Schön, dass wir uns begegnen. Darf ich dir Gesellschaft leisten?“

„Natürlich!“, antwortete ich verwirrt. „Aber wenn du eine Königin bist, hast du sicher Wichtigeres zu tun.“

Sie sah mir in die Augen und gab zurück: „Warum glaubst du, dass du nicht wichtig genug bist?“

„Ich bin nichts Besonderes und du bist ein Wunder“, sagte ich stockend. „Wie sollte ich deine Aufmerksamkeit verdienen?“

Diese Frage schien ihr nicht zu gefallen. „Verdienen.“ Sie machte eine verächtliche Handbewegung. „Was seid ihr Menschen manchmal für …“. Sie stöhnte. „Dummköpfe wollte ich eigentlich nicht sagen, aber das trifft es wohl am besten.“  Erschrocken hielt sie sich die Hand vor den Mund. „Ich will dich nicht verletzen. Aber glaubst du wirklich, ich würde bei dir meine Zeit verschwenden?“

Ich zuckte mit den Schultern. Dann murmelte ich: „Keine Ahnung, aber ich fürchte, ich bin heute kein ein angenehmer Gesprächspartner.“

„Wenn du meinst“, kam aus der Rabatte, in der die kleine Königin verschwunden war. Ich befürchtete schon, dass meine mangelnde Begeisterung sie vertrieben hätte. Doch da sah ich, wie sie an einem dicken Stängel nach oben stieg und die abzweigenden Blüten und Blätter wie eine Leiter benutzte. Sie ließ sich mir gegenüber auf einem herzförmigen Blatt nieder und ließ die Beine über den Rand hängen.

„Jetzt sehen wir uns besser“, sagte sie und lächelte mich an. „Warum glaubst du, dass heute nicht der richtige Tag zum Plaudern ist?“

„Mir geht so vieles durch den Kopf. Manchmal weiß ich nicht mehr, wer ich bin und was ich eigentlich will. Zu allem Unglück habe ich heute erfahren, dass ich in ein paar Tagen eine wichtige Entscheidung treffen muss. Je länger ich überlege, um so unsicherer werde ich. Das ist frustrierend.“

Ich stöhnte, dann gab ich mir einen Ruck. Da saß ein Wunder vor mir, eine kleine Königin, und bot mir eine Unterhaltung an und mir fiel nichts als Jammern ein. Das durfte nicht sein. Der kleine Gast in meinem Vorgarten verdiente mehr Aufmerksamkeit. Ich beschloss, mich zusammenzureißen.

„Willst du mir erzählen, wo du wohnst?“

„Gern“, sagte sie. „Ich komme aus Leichtland. Das ist gleich nebenan.“ Die kleine Königin suchte nach den richtigen Worten. „Es lässt sich nicht einfach beschreiben. Vielleicht so: nebenan bedeutet neben deiner Welt. Ganz nah, aber doch nicht sichtbar für euch.“

Ich staunte: „Leichtland? Wie ist es dort? Leicht? Dann lässt es sich gut bei euch leben.“

„Gut leben? Das stimmt. Und leicht? Ja und nein“, rief sie und schaukelte mit den Beinen, dass das Blatt zu schwingen begann.

„Wie meinst du das?“, wollte ich wissen.

„Leichtigkeit ist unser Lebensmotto. Es gibt Vieles, was bei uns leicht ist und genauso gibt es allerhand Schweres. Doch in Leichtland strebt jeder danach, Schweres leicht oder zumindest leichter zu machen. Wir sind Spezialisten darin.“

Ich wurde nicht fertig mit Staunen.

„Warum bist du dann hier?“, fragte ich.

„Weil ich gern reise. Und schließlich braucht jeder ab und zu eine besondere Herausforderung, nicht wahr? Hier, in eurer Welt, gibt es genug Aufgaben für mich.“

Ehe ich nachfragen konnte, schlug sie vor: „Soll ich dir erzählen, wie ich Königin geworden bin?“

Ich nickte. Meine Neugier war erwacht.

„Königin zu werden ist nicht schwer. Ich habe mir ein Kleid genäht, ein besonders hübsches. Es passt mir gut und im Übrigen passt es auch gut zu mir. Ich fühle mich darin wohl und schön. Dazu habe ich einen passenden Umhang gewählt. Wegen der Würde, weißt du?“ Verschmitzt sah sie mich an. „Und? Was fehlt noch?“

Ich zeigte lächelnd auf ihren Kopfschmuck.

„Genau! Das war dann schon alles. Mehr braucht es nicht.“ Die kleine Königin nahm ihr Krönchen ab und wischte mit dem samtenen Stoff ihres Umhangs über die glitzernden Steine.

„Die sind sicher kostbar“, warf ich ein, doch sie erklärte: „Darauf kommt es nicht an. Eine Krone dient vor allem dazu, den, der sie trägt, zu einem aufrechten Gang zu verleiten, ihn aufzurichten eben. Dabei darf sie ihn natürlich auch schmücken. Wie du siehst, die ganze Sache ist ziemlich leicht. Ich verstehe nicht, warum sich hier niemand darum kümmert. Bei euch gibt es doch eine Menge Stoff und Schmuck.“

„Wie stellst du dir das vor?“, unterbrach ich sie. „Man kann hier nicht einfach König oder Königin werden.“

„Warum nicht?“

Ich schüttelte den Kopf. „Selbst wenn ich mich so kleiden würde, ich hätte kein Reich über das ich verfügen könnte, keine Zeitspanne zum Regieren …“

Mein kleiner Gast nickte ungeduldig. „Ich weiß. Vielleicht fehlt euch Menschen ein bisschen Fantasie. Wenn du einmal in dich gehen würdest, könntest du entdecken, dass du ‚reicher‘ bist, als du glaubst. Du hast innen drin und um dich herum ein eigenes Reich. Stell dir vor, die Hauptstadt ist in deinem Herzen und dein Reich dehnt sich aus bis zu deiner Familie, zu deinen Freunden und Nachbarn. Mit jedem, den du triffst, wo immer du hinkommst, wird es größer und größer.“ Die kleine Königin hob den Zeigefinger, um ihre Worte zu unterstreichen. „In diesem Reich gibt es für dich sicher etwas zu regieren.“

Mein Widerspruch kam umgehend: „Und wenn ich noch so gut regiere, wie die Tage aussehen, wird vom Leben bestimmt, vom Schicksal!“

„Aber das ist es ja! Sobald du eine Königin bist, kannst du ein bisschen daran drehen“, versicherte mein kleiner Gast.

Ich ließ mich nicht so leicht überzeugen. „Bei dir klappt das vielleicht, bei mir nicht.“

Die kleine Königin war hartnäckig: „Du willst also nicht einmal wissen, wie ich das mache, dieses ‚ein bisschen daran drehen‘?“

„Doch“, gab ich kleinlaut zu.

„Ich verrate es dir.“ Sie beugte sich mir entgegen und sagte eindringlich: „Ich gebe den Tagen einen Namen.“ Sie breitete die Arme aus und bestätigte: „Schließlich habe ich als Königin das Recht dazu.“ Mit großen Augen wartete sie auf meine Reaktion.

„Aha!“, antwortete ich, wenig begeistert. „Das soll helfen?“ Ich hatte etwas anderes erwartet, etwas Ausgefallenes, Spektakuläres.

„Ob du es glaubst oder nicht“, setzte sie mit Nachdruck hinzu, „danach ist der Tag nicht mehr derselbe.“

Enttäuscht lehnte ich mich zurück. „Meine Tage haben bereits Namen: Montag, Dienstag, Mittwoch …“, zählte ich leicht genervt auf. „Manche haben sogar Doppelnamen: Freitag der Dreizehnte, Volkstrauertag, Totensonntag, Aschermittwoch. Außerdem … ist es nicht egal, wie sie heißen, wenn sie einfach nur schwierig sind?“

„Ich muss dir wohl auf die Sprünge helfen“, erwiderte die kleine Königin und klatschte energisch in die Hände. „Überlege dir mal ein paar erbauliche Worte.“

Ahnungslos sah ich sie an. “Erbaulich?“

„Ja! Worte, mit denen man sich wohl fühlt“, erklärte sie, „so wie ‚Glück‘ oder ‚Mut‘.“

Ich versuchte mein Bestes, doch meine Stimme klang lustlos: „Schaffenskraft?“

„Genau so etwas meine ich.“ Die kleine Königin strahlte. „Meinen Tag hab ich heute Morgen zum ‚Tag der Hilfsbereitschaft‘ ernannt. Deshalb habe ich dich gefunden. Weil ich dir helfen will.“

„Du meinst, sonst wärst du gar nicht hier?“

„Sicher nicht. Ein Tag scheint zu spüren, wie man ihn nennt. Ich kann dir nicht erklären, wie das funktioniert, aber ich habe es ausführlich getestet.“

Die kleine Königin hatte die letzten Sätze so überzeugend hervorgebracht, dass ich schmunzeln musste.

 

Aus: Eva Mutscher, Der Besuch der kleinen Königin

© 2021 Verlag am Eschbach, Verlagsgruppe Patmos in der Schwabenverlag AG, Ostfildern

ISBN-10 ‏ : ‎ 3869179120    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3869179124

 

 

Mit Schmiedehammer und Zeichenstift

Mit Schmiedehammer und Zeichenstift

Mit Schmiedehammer und Zeichenstift – oder – Wer ist Knut van der Vinzburg?

Experimentierfreudig, farbenfroh, erschaffen mit Pinsel und Stahl, so präsentieren sich uns die Arbeiten von Knut Winkler, alias Knut van der Vinzburg.
Seine Arbeiten sind oft stark surrealistisch und scheinen visualisierte Träume zu sein.
Manchmal etwas traurig und nachdenklich machend, wie die Arbeit „Seeadler am Natronsee“, oft voller Farbexplosionen und von Glück und Hoffnung erzählend, wie „Toskana Landschaft“.
Werke mit tiefer Leidenschaft und stillen Botschaften.
Zu seinen gemalten Kunstwerken gesellen sich noch ganz praktische, handwerkliche Dinge, wie Tore, Türen, Fenstergitter, Schmiedeeisenarbeiten und auch Skulpturen, welche aber immer seine künstlerische Handschrift tragen.
Knut van der Vinzburg, Maler, Kunstschmied und Poet.

 

„Musik ist etwas für die Ohren, Tanz für den Körper und bildende Kunst für Auge und Geist.
Kunst ist die Schöpfung einer sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit, die die Welt in Richtung
einer Antwort auf die in der Substanz des menschlichen Seins verankerte Sehnsucht nach einem Wunder verändert.“
                                Knut van der Vinzburg

 

Herr Winkler, wer ist Knut van der Vinzburg und warum d i e s e r  Künstlername?

Als ich 2002 geheiratet habe, habe ich den Namen Winkler angenommen.  Aber alle meine Kunstwerke waren bis dato mit K.V. signiert.

Um meine Kundschaft nicht zu verwirren, habe ich den Bezug zu meinen Großeltern – Mütterlicherseits – Vinzelberg  genutzt. Somit entstand Knut van der Vinzburg.

 

Sie haben bereits als 12Jähriger eine Mal- und Zeichen-Ausbildung bei dem renommierten Maler und Kunstpädagogen Rosso H. Majores erhalten. Wie kam es dazu?

Das geschah durch meine Mutter. Sie war beim Mal & Zeichenkurs in Bischofswerda und nahm mich manchmal mit. Das hatte einen riesen Spaß gemacht.

Nach dem Umzug nach Dresden bin ich dann zu dem Kurs in der Technischen Universität gegangen.

 

Wie ging es, nach der Ausbildung bei Majores, für Sie künstlerisch weiter?

Ich habe dann eine Lehre im VEB Denkmalpflege Dresden zum Kunstschlosser und Kunstschmied absolviert.

 

Mit Malerei und Grafik haben Sie Ihre künstlerische Laufbahn begonnen. Wann und wie kam die Liebe zum Kunstschmiedehandwerk dazu?

Durch meinen Großvater – Väterlicherseits – Max Vogel. Schon als Kind  habe ich ihm immer begeistert beim Schmieden zugesehen.

Aber auch durch  meine Liebe zu alten Kulturen, Gebäuden und Denkmälern, deren Erhalt auch für zukünftige Generationen absolut wichtig ist.

 

Welche künstlerische Betätigung bevorzugen Sie? Malen oder Schmieden?

Beides übe ich gleich gern aus.  Jedoch beim Malen kann ich etwas mehr abschalten.

Sozusagen meine Seele „baumeln“ lassen.

 

Sie haben Ihre Ausbildung bei einem hervorragenden Kunstpädagogen erhalten. Geben Sie ihre Erfahrungen an junge,  begabte Nachwuchskünstler weiter?

Ja, ich habe schon 5 Lehrlingen mein Wissen & Können beigebracht.

 

Neben Ihrer Kunst gehen Sie auch einer Schmiedetätigkeit mit Herstellung von praktischen, alltagstauglichen Dingen nach.

Blenden Sie dabei künstlerische Gedanken aus, oder ist das gar nicht mehr möglich? Ich könnte mir vorstellen, Ihre Kunden lieben auch hierbei einen gewissen künstlerischen Touch.

Das ist richtig. Wenn möglich wird immer versucht etwas Besonderes – Einzigartiges zu Schaffen.

 

Herr Winkler, woran arbeiten Sie aktuell?

Zurzeit arbeite ich zum  Beispiel an einem Eingangstürelement und Oberlicht im Jugendstil, mit ganz viel floral geschmiedeten Zierfüllungen.

 

Kann man Knut van der Vinzburg bald irgendwo live erleben.

Ja, zur bevorstehenden Vernissage – Ausstellung im Elementarium am 01. Dezember in Kamenz.

Eine weitere Möglichkeit wäre dann noch  zur nächsten Vernissage / Ausstellung am 08. März in der „Kleinen Galerie“ in Torgau.

 

Wo kann man Ihre Werke betrachten? Gibt es eine aktuelle oder ständige Ausstellung?

Ja gibt es.  Eine ständige – wechselnde Ausstellung in der ROM – ART Galerie in Braunschweig. Ansonsten mit Anmeldung in meinem Atelier oder zu „ KunstOffen in Sachsen“

 

Herr Winkler, oberlausitz-art bedankt sich bei Ihnen für das informative Interview und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg.

 

Das gleiche wünsche Ihnen auch. Und ebenfalls viel Erfolg.

Kontakt:     art-winkler@derkustschmied.de

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