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Martin Krutzsch wurde am 28. August 1857 in Tharandt geboren.
In Leipzig studierte er Medizin.
Sein Wohnort war Schirgiswalde, in der Kloßmühle.
Vom 1.April 1885 bis 1930 war er in Schirgiswalde als Arzt tätig.
Das Krankenhaus in Callenberg wurde von ihm erbaut und am 11.Juli 1904 eingeweiht.
Er verstarb am 4. November 1930.
Doktor Krutzsch war sehr beliebt. Aus Dankbarkeit wurde ihm zu Ehren, ein geschnitzter Wegweiser in Schirgiswalde aufgestellt.
Herr Sanitätsrat
O Wanderer bleib jetzt mal stehn, tu dir dies Bildnis gut besehen.
Wie mag der Reiter heißen bloß, der stolz hier reitet auf dem Roß?
Mein lieber Freund, das ist sehr leicht, ein jedes Kind ist gern geneigt,
und sagt sofort ohne jeden Zutsch: „Das ist Herr Sanitätsrat Krutzsch“.
Dort drüben in dem Mühlenhaus, da guckt er oft zum Fenster raus.
Dort wohnte er so manches Jahr, bis ihm sein Ziel gesetzet war.
Er war ein guter, edler Mann, den man nicht leicht vergessen kann.
Und nicht bloß hier, auch weit rundum, war er beliebt beim Publikum.
Zum Wohltun war er stets bereit, er half den Kranken weit und breit.
Er hat nicht Ruh bei Tag und Nacht, und hat sich eiligst auf gemacht,
sobald ein Kranker nach ihm schickt.
Und dennoch war er stets vergnügt, macht gerne mit den Kindern Scherz,
gewann dadurch ihr kleines Herz.
Und war der Onkel Doktor da, so hieß er sie Eulalia.
Und kaum war er zur Tür hinein, so rief er schon: „Na Schlenkerbein,
wo fehlts, was ist, was tut dir weh? Komm mal ein bissl indie Näh“
Er war ein grundgelehrter Herr, er wußte alles, ja noch mehr.
Er war berühmt in Stadt und Land, sein Name wurde oft genannt.
Im Operieren, daß ihrs wißt, war er ein großer Spezialist.
Deshalb erbaute er alsbald, zu Callenberg die Heilanstalt.
Dort wirkt er als Gynäkolog, hier polterte er ne Treppe hoch,
dort arztet er mit Röntgenstrahl, hier macht ers ohne Personal.
Und hat ein Mensch mal ein Wehweh, im Hals, im Bauch und an der Zeh,
hat’s wem hier und da gezwickt, daß er vor Schmerzen bald verrückt,
ging eine wacklig oder lahm, sobald der Sanitätsrat kam,
gleich ging das Untersuchen los. Das bracht der Doktor ganz famos.
Er sagte gleich: „Na altes Haus, jetzt steck mir mal die Zunge raus.“
Dann nahm er einen Löffel her, drückt auf die Zunge, doch nicht sehr,
Und sprach: „Na los, Eulalia, nun sag mal recht schön Ah, Ah!“
Doch damit war’s ihm nicht genug, denn so ein Doktor ist sehr klug.
Er langt in seinen Rock hinein, und holt heraus ein Büchel klein.
Nun dachte er erst ein bißchen nach, dann schrieb er was in fremder Sprach.
Und hat man’s auch zu sehen gekriegt, zu lesen war es leider nicht.
Und stellst du selbst dich auf den Kopf, du kriegst nichts raus, du armer Tropf.
Denn so ne richt’ge Doktorschrift, sogar chinesisch übertrifft.
Jedoch Pardon, ich schweife ab, noch vieles ich zu sagen hab.
Drum kehre ich sogleich zurück, zu Doktor Krutzschens Meisterstück.
Er hat da droben einen Saal, da drinnen lag ich auch einmal.
Hier hat der Meister operiert, die Schwestern haben assistiert.
Hier pumpte er den Magen aus, nahm ihn auch manchmal ganz heraus.
Hier Schnitt er auf den Bauch im Nu, doch näht er ihn hübsch wieder zu.
Hier forscht er, wo er steckt, der Schmerz und ob noch bumberte das Herz.
Und ob die Lunge noch gesund, er ging der Sache auf den Grund.
Und manchmal, s’war ihm ganz egal, da nahm er seinen Röntgenstrahl
und guckt den Leuten Groß und Klein, durch Haut und Fleisch und das Gebein.
Ja, ja so war der Doktor med., den ihr hier auf dem Bilde seht. Im
Sagt, ist das nicht ein ganzer Mann?
Doch liebe Leut, ich weiß noch mehr, hört noch ein kleines Weilchen her.
Wenn einer nichts zu beißen hat, dann wird er meistens auch nicht satt.
Er weint und klagt, hat schwere Not, und sagt egal: “ Ach wär ich tot“
Fürwahr, es wär so mancher pfutsch, wär nicht gewest der Dr. Krutzsch.
Er sagte bloß: „Na nur nicht knutschen, gleich geh er mal zu Mutter Krutzschen!“
So lud er manchen Armen ein, das soll ihm unvergessen sein.
Wer 50 Jahre praktiziert und viele Leute hat kuriert,
der ist fürwahr ein edler Mann, dem man genug nicht danken kann.
Kennt ihr die Sanitätskolonn‘? Wer Gründer ist, ihr ratet‘s schon.
Und ganz besonders schwärmte er, für sein geliebtes Militär.
Er hatte eine Uniform und diese liebte er enorm.
Er hatte sogar, ich sag’s ganz sacht, damit nur keiner drüber lacht,
vier Pickelhauben, blitzeblank, die standen hoch auf seinem Schrank.
Und wenn einmal der König kam, er schleunigst eine runter nahm.
Er setzt den Helm auf seinen Kopf, die Uniform mit blankem Knopf,
die stand ihm fein, die stand ihm gut, dann schnallt er, wie ein Krieger tut,
den langen Säbel um den Bauch, das ist beim Militär so Brauch.
Und als der große Krieg brach aus, da hielt ihn niemand mehr zu Haus.
Da stieg er auf sein braunes Roß und zog als Stabsarzt gleich mit los.
Und manchen lieben Kamerad, er dort im Feld betreuet hat.
Nun ist dahin der gute Mann, den niemand hier vergessen kann.
Und überall, bei Alt und Jung, da bleibt er in Erinnerung.
Hoch klingt das Lied vom braven Mann.
Wie gut, daß ich es singen kann.
(Heimatzeitung)
In den kommenden Wochen erfahren Sie mehr über die wegweisenden Persönlichkeiten der Stadt Schirgiswalde.
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“ Musikus Münzberg „
Wer mehr über die Wegweiser der Stadt, oder über die Geschichte der Stadt Schirgiswalde erfahren möchte, das Heimatmuseum erwartet Sie.
Wegweiser:
Heimatmuseum „Carl Swoboda“
Rathausstraße 15
02681 Schirgiswalde
Tel. 038660 38660
stadt@schirgiswalde-kirschau.de
www.stadt-schirgiswalde-kirschau.de
Dienstag 14:00 bis 16:30 Uhr
Auf Anfrage auch außerhalb der Öffnungszeit.
Mit freundlicher Unterstützung durch Heimatmuseum „Carl Swoboda“, Herr Berger. (Texte und altes Bildmaterial)
Dezemberland
In der Tiefe des Zittauer Gebirges, dort, wo es für uns Menschen unmöglich scheint hinzugelangen, gibt es ein kleines Dorf mit etwa vierzig Bewohnern. Hier leben die Querxe. Das sind Zwerge, die sich dank ihrer Tarnkäppchen bei Gefahr unsichtbar machen können. In 24 liebevoll illustrierten Geschichten retten sie unter anderem ein Reh, bitten Fürst Frostbacke um Schnee und feiern am Ende ein fröhliches Weihnachtsfest. Ein wundervolles Buch für eine besondere Zeit.
1.Dezember Das verunglückte Reh
Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Die Herbstwinde haben die meisten Blätter von den Bäumen gefegt. Kahle Äste knarren bei jedem Windstoß, so als ob sie sich Geschichten erzählen.
Jachim, der Älteste im Querxendorf Kaskaria schaut aus dem Fenster und runzelt besorgt seine Stirn. „Heute ist der erste Dezember und noch kein Schnee in Sicht“, spricht er zu seiner Frau Oktavia. „Drüben im Nachbarhaus, der kleine Emmerich ist schon drei Jahre alt und hat noch nie richtigen Schnee erlebt. Die paar Flocken, die in den letzten Jahren in unserem Dorf vom Himmel gefallen sind, haben beim besten Willen nichts mit einem richtigen Winter zu tun.“ „Was willst du denn machen?“, fragt Oktavia. „Wenn ich das wüsste“, antwortet Jachim achselzuckend.
Plötzlich donnert es an der Wohnungstür. Ehe Jachim herein sagen kann, stürmt Dorisch, ein Querx mit blonden Locken und einer grünen Zipfelmütze in die Stube. „Hilfe! Hilfe! Ihr müsst sofort alle nach draußen kommen! Ein junges Reh ist am Steinbruch verunglückt. Es hängt festgeklemmt zwischen zwei Steinen in einer Felsspalte.
„Rufe sofort die anderen zusammen, bringt Werkzeug mit und lasst uns unverzüglich zum Steinbruch eilen!“, befiehlt Jachim. Er schlüpft in sein warmes Mäntelchen, Oktavia bindet sich einen dicken Schal um den Hals und beide eilen los. Es dauert gar nicht lange, da stehen alle Querxmänner aus Kaskaria am Steinbruch. Killie rückt seine blaue Bommelmütze gerade und ruft dem Reh zu: „Mach dir keine Sorgen, wir helfen dir. Wie ist denn das passiert?“ Das Reh dreht den Kopf zur Seite und antwortet: „Ich war unten im Menschendorf. Da gibt es in einem Garten noch herrliche Rosen. Wer weiß, wie lange es dauert und der erste Frost macht sie alle kaputt. Ich liebe besonders die rosaroten, die schmecken mir am besten. Da habe ich mir eben den Bauch so richtig vollgeschlagen. Plötzlich kam ein riesiger Hund auf mich zu und hat laut gebellt. Da habe ich Angst bekommen und bin weggelaufen, der Hund hinter mir her.“
Das Reh hustet und atmet schwer. Erschöpft spricht es weiter: „Den Hund konnte ich abhängen, weil ich so schnell gelaufen bin, wie ich konnte. Als ich hier oben bei euch angekommen war, hatte ich einen Moment nicht aufgepasst und stecke nun hier fest. Jachim tritt näher, betrachtet sich das Bein des Rehes und stellt fest: „Gebrochen ist es nicht, wir müssen nur den großen Stein irgendwie zur Seite rollen, dann kannst du dein Bein herausziehen und bist frei.“
Ein paar Querxe versuchen mit ihren Spitzhacken den Stein zu bewegen. Gleichzeitig ziehen die anderen am Bein des Rehs. Nichts rührt sich. Immer wieder und wieder versuchen sie es. „Das Reh steckt zu tief in der Felsspalte. So schaffen wir das nie!“, ruft Dorisch den anderen zu. „Wir können es doch hier nicht feststecken lassen. Bald kommt der Frost und vielleicht auch Schnee. Das wird das Reh nicht überleben!“, erklärt Jachim besorgt.
Unterdessen ist es Mittag geworden. Mathilde, die Mutter vom kleinen Emmerich, und die anderen Querxfrauen haben einen großen Topf Steinpilzgulasch gekocht. Nach der Strapaze vom Vormittag ein willkommener Schmaus. Querxfrau Henriette bietet auch dem Reh eine Schüssel Steinpilzgulasch an. Das Reh schüttelt den Kopf: „Zum Essen ist mir gerade nicht zumute und ich hatte heute schon genug Rosen. Vielen Dank.“ Während die Querxe es sich schmecken lassen, ergreift Professor Schlaumeier das Wort: „Passt mal auf Leute! Wie ihr wisst, bin ich Lehrer in Kaskaria. Ich habe sogar schon Bücher gelesen. In einem war zu sehen, wie Menschen mit einem langen dicken Balken ein Auto angehoben haben. So konnte ein kaputtes Rad gewechselt werden. Wir sollten einen passenden Stamm finden, mit dem wir den Stein anheben und so das Bein des Rehes aus der Felsspalte ziehen können. Das leuchtet den Querxen ein und alle essen schnell auf. Widuwild, der Querx mit der längsten Nase ruft in die Menge: „Ich weiß sogar, wo wir so einen Stamm finden können!“ Alle Querxmänner folgen Widuwild. Mathilde stellt dem verletzten Reh ein Eimerchen mit Wasser hin: „Trink ruhig, du bist bestimmt durstig.“ Das verletzte Reh trinkt hastig den Eimer leer.
Unterdessen wird es Abend und die Sonne verschwindet langsam hinter den Fichten.
Endlich tauchen die Querxe mit einem Stamm auf. Mit Äxten spitzen sie das dünnere Ende des Stammes an, legen einen Stock quer vor den zu bewegenden Stein und hängen sich alle an das dicke Ende des Stammes. Der Fels bewegt sich ein kleines Stück, doch es reicht nicht, um das Bein des Rehes aus der Felsspalte zu ziehen. Immer wieder probieren es die hilfsbereiten Querxe. Professor Schlaumeier kratzt sich am Kopf und stellt fest: „Leute, wir sind zu leicht, um diesen Felsen zu bewegen. Wir brauchen mehr Gewicht.“ Alle schauen auf den dicken Grummelich. Der entschuldigt sich: „Ich weiß ja, dass ich dick bin, doch scheinbar nicht dick genug.“ Da müssen, trotz der großen Anstrengung, alle lachen. „Wir brauchen eben ein paar dicke Grummeliche mehr“, scherzt Jachim. „Augenblick mal Leute. Ich habe eine Idee!“, ruft Professor Schlaumeier in die Menge und läuft davon.
Unterdessen ist es dunkel geworden. Einige Querxe haben ihre Laternen angezündet. Da ist ein lautes Schnaufen zu hören. Professor Schlaumeier kommt mit Detlef dem Dachs um die Ecke. Der erkennt schnell die Lage und läuft zum Reh.
Erneut hängen sich alle Querxe an dem Stamm. Als der Stein sich bewegt, greift der Dachs mit seinen kräftigen Krallen zu und rollt ihn zur Seite. Das Reh zieht sein Bein aus der Felsspalte und ist befreit. Die Querxe jubeln und freuen sich, dass sie mit vereinten Kräften und Detlef dem Dachs das Reh retten konnten. Abschließend wirft noch Doktor Pillrich, der Arzt von Kaskaria, einen fachmännischen Blick auf die Verletzung und befindet: „Halb so schlimm. Der Kratzer heilt in den nächsten Tagen!“ „Vielen Dank liebe Freunde, dass ihr mir geholfen habt. Das werde ich euch nicht vergessen!“, bedankt sich das Reh, dreht sich um und läuft langsam in den Wald.
„Vielen Dank lieber Detlef.“ Jachim klopft dem Dachs auf die Schulter. „Jetzt sollten wir aber alle nach Hause gehen, das war ein anstrengender Tag“, ruft er Killie, Dorisch und allen anderen zu.
Am Abend sitzen alle Querxe am wärmenden Lagerfeuer und haben sich noch eine Menge zu erzählen, bevor sie später in ihre Holzhütten gehen und zufrieden einschlafen.
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„De Weefner Sammelfrou“ oder auch „De Wunsdurfer Sammelfrou“
Wilhelmine Ernestine Sauer geb. Kaufer wurde am 2. August 1863 in Weifa geboren. Getauft wurde sie am 9.August in Steinigtwolmsdorf.
Mit 22 Jahren heiratete sie den Maurer August Gotthelf Sauer aus Niederneukirch.
Die kirchliche Trauung erfolgte am 6. April 1885.
Sie hatten 5 Kinder. Drei Jungen, Reinhard, Martin und Fritz und zwei Mädchen, Marta und Frieda.
Wilhelmine hat für ihre Familie hart arbeiten müssen. Den täglichen Weg, von Weifa bis Schirgiswalde, musste sie im Sommer sowie im Winter bestreiten.
Sie brachte frische Semmeln und Kuchen für die Bewohner von Schirgiswalde.
Wilhelmine Ernestine Sauer verstarb am 1. Februar 1927 mit nur 64 Jahren.
„Gu’n Tag metenander,
Etz bie’ch wieder dou,
Ihr kennt mich dach alle
De Wunsdurfer Frou.
Ich bräng’ gute Sammeln,
Hübsch braune und gruß,
Doas Stück ack en Dreier,
Ward’ch hoite nischt lus ?
A Gutt, muß’ch ejs schinden,
Dr Kurb is su schwier.
Ihr Loite tut keefen,
S’ist word ar ne lier.
Wie is denn mit Kuchen?
Is keej Appetit?
Doas Vörtchel zweej Gruschen,
Nu, nahmt ack eejs mit.
Ach Gutt, keej Geschäfte!
Is doas a Malier!
Drheeme zahn Kinder,
Mr hoats dach rajcht schwier.
Mei Klennster dr Alwin,
Ar is etz a Joahr,
Doas is oich a Junge,
Dar wärd amol Pfoarr!
Dar hoat ane Stimme
Die hiert enner weit,
Und oalles koan ar loabern!
Ju, dar is geschoit.
Na wullt’r nischt keefen?
Ze woas bie’ch denn dou!
Saht har uf dan Kuchen
Mit Kleckseln und Mou.
Na, kumm ack, mej Gustav!”
„Ich heeß dach ne su!“
„Du bist dach vou Bargersch, Ihr hat ane Kuh.“
“Ich heeß goar ne Barger,
Ich heeß dach Hock’,
Und Kuh han mr keenje,
Mir han ack en Bock.
Etz har mit’n Sammeln,
Neuback’che, ne alt!“
„Hie hoaste, mei Junge.“
„Die sein dach schun kaalt.“
„Du denkst wull, ich koan dr
Glei’n Backufen bräng’n?
Hie hoaste de Sammeln,
Nu har mit’n Pfenng’n.“
Etz kimmt a klintsch Madel
„Woas willste denn han?“
„Ich wie ack fimf Sammeln,
De Motter läßt soan.
Se wie oack rajcht schoarfe Rajcht breet und rajcht gruß.“
„Dou such’ dr’sche salber!
War biste ack bluß?“
„Ich bie dach de Reesel.“
„Ach Gutthätte, ju!
Etz kenn’ch dich arscht wieder,
Hie hoaste woas zu.
Nu, nahms ack, mei Buttel.”
Ich dank ou goar schien,
Etz muß’ch oaber loufen,
Ich muß na wuhi.“
„Doas is a hibsch Madel,
Die sah’ch garne kumm’.
Durt stiehn ju sweej Jungen.
Die tun ju rajcht dumm.“
„Mir wun ack zweej Harnel.“
„Hat ihr denn ou Gald?
Glei raus aus’n Kurbe,
Hie wörd orscht bezoahlt.“
„Doas wär a Gemahre,
Ihr seid mr zu dreck’ch,
Ihr macht ack de Woare Beschissen und fleck’g.
Glei potzt dr de Noase,
Du Rootzjunge du!
Du hoast wu keej Tüchl?
Do potz dr,sche su!
Etz har mit’n Pfenngen,
Sinst gah ich euch nischt! Ihr seid a poar Racker,
Etz hoa’ch euch drwischt!
Du Mausehalunke!
Du Spitzbube du!
Ack raus mit’n Harnel!
Glei brängstes azu!
Doas sein mr ju Kunden!
Ne su anne Pucht!
Die hoan mr ju oalles Dnrch’nander gebrucht!
Euch sah ich schun wieder,
Euch mark’ch mr schun gut!
Wanns sein ack die Kraten
Ich schla se no tut!
Etz muß’ch oaber wetter,
S’ist kumm’ch ufn Hund.
Adjes ou, ihr Loite,
Labt schiene gesund!“
( Aus „Unsere Heimat“ Nr.16 von o4.o8.1932 von F.Rößler )
In den kommenden Wochen erfahren Sie mehr über die wegweisenden Persönlichkeiten der Stadt Schirgiswalde.
NÄCHSTE AUSGABE : 15. November 2024
“ Doktor Martin Krutzsch „
Wer mehr über die Wegweiser der Stadt, oder über die Geschichte der Stadt Schirgiswalde erfahren möchte, das Heimatmuseum erwartet Sie.
Wegweiser:
Heimatmuseum „Carl Swoboda“
Rathausstraße 15
02681 Schirgiswalde
Tel. 038660 38660
stadt@schirgiswalde-kirschau.de
www.stadt-schirgiswalde-kirschau.de
Dienstag 14:00 bis 16:30 Uhr
Auf Anfrage auch außerhalb der Öffnungszeit.
Mit freundlicher Unterstützung durch Heimatmuseum „Carl Swoboda“, Herr Berger. (Texte und altes Bildmaterial)
Dieser Wegweiser hat einen ganz besonders guten Standort. Er steht dort an der Bahnhofsstraße, wo sie sich teilt.
Der Fremde, der vom Bahnhof nach dem Markte zu geht, sieht von weitem den dicken Polizeier auf hoher Säule. Mit strengen Blick mustert er die Vorübergehenden. In der Figur ist der ehemalige weitbekannte Stadtpolizist Stefan oder Staffe wiedererstanden. Man muß diesen originellen Mann gekannt haben, um zu verstehen, daß kein anderer an diese Stelle paßt als Stefan Krahl.
Durch seinen Leibesumfang übertraf er alle seine Kollegen der Umgebung.
An hohen Feiertagen trug er einen ganzen Kranz von Orden auf seiner breiten Brust, die allgemein Aufsehen erregten.
König Friedrich August hat Krahl bei seinen mehrfachen Besuchen in der Stadt jedesmal
angeredet, weil er ihm ob seiner Leibesfülle beim ersten Blick auffiel.
Stefan Krahl ist ein Schirgiswalder Kind. Er wurde geboren 1880. Schirgiswalde war damals noch Republik. Als die Stadt 1845 nach Sachsen einverleibt wurde, mußte der Ort auch Soldaten stellen. 36 Jahre war er davon befreit gewesen. Stefan Krahl wurde auch Soldat. Als schlanker, kräftiger Rekrut stellte er sich in Bautzen bei den 103 ern. In den Jahren 1863/64 mußte er mit in den Krieg nach Dänemark. Er war bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen und des Dänemarkes mit dabei und holte sich hier die ersten Auszeichnungen.
Im Jahre 1866 kämpfte er bei Königgrätz mit auf Seiten der Österreicher, und 1870 zog er nach Frankreich. Bei Beaumont und St. Privat war er dabei. Kein Wunder, daß er mit zahlreichen Orden heimkam. 1871 wurde Stefan Krahl in Schirgiswalde unter Bürgermeister Maaz als Polizist angestellt. Leute aus ferner Zeit erzählten, daß er „kein guter“ war. Er griff scharf zu und verstand wenig Spaß. Getreulich hat er seine Pflicht getan. Die Jahre vergingen. Stefan Krahl nahm zu an Leibesumfang und wurde allmählich jener Krahl, als welcher er noch heute im Gedächtnis der Leute lebt. Er liebte nicht mehr schnelle Bewegung , sondern es dauerte lange, ehe er sich um seine Achse drehte. Er war nicht mehr so „biese“ wie in seinen jungen Jahren. Wer ihm davonlief, den ließ er laufen. Seine Lieblingsposition war die, wie sie der Maler auf der Wegsäule wiedergibt.
Mit den Kindern hatte er oft seine Not. Sie ließen sich von ihm nicht „kriegen“.
So blieb er, bis er 1923 aus dem Dienst schied und in den Ruhestand trat. Gegen Ende seines Lebens nahm er an Körperumfang bedeutend ab. 1925 starb er, 85 Jahre alt.
Er zählt zu den Originalen von Schirgiswalde.
( Aus „Oberlausitzer Heimatzeitung“ Nr. 3 1933)
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„De Wunsdurfer Sammelfrou“
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Aufmerksame Besucher des malerischen Schirgiswalde dürften sie an vielen Stellen des Städtchens bemerkt haben.
Figürliche Wegweiser aus Holz, welche die Ortsansicht maßgeblich mitgestalten.
Vor über 100 Jahren entwarf Schulleiter und Heimatschriftsteller Franz Rösler diese hölzernen Zeitzeugen.
Er verewigte unter anderem die „Wunsdorfer Semmelfrau“, „Polizist Krahl“ oder auch, hoch zu Ross „Doktor Martin Krutzsch“. So erhielten bis heute insgesamt 12 Schirgiswälder, zum Teil noch zu Lebzeiten, ihr ganz individuelles Denkmal.
Der Gebirgsverein zu Schirgiswalde, der Urheber des Projektes war, übergab die Gestaltung der Wegweiser an Drechslermeister Anton Hocke. Nach der künstlerischen Farbgebung durch Kunstmaler Michalk kümmerte sich der Verein jahrelang um die Pflege und Erhaltung der originellen Stücke.
Hinter jeder Persönlichkeit steck natürlich auch eine ganz eigene Geschichte, welche eng mit der Stadt an der Spree verbunden ist. Wie die vom Polizist Krahl.
(Die Geschichte von Stefan Krahl am 28.10.24 auf oberlausitz-art)
Die Originale wurden in den Jahren 1997 bis 2000 durch Kopien aus Epoxidharz ersetzt. Aufwendig hergestellte Formen und Abguss erlauben nun die ganzjährige Aufstellung.
Heute liegt die Pflege der Schmuckstücke in den Händen des Ortschaftsrates, sowie des Schirgiswälder Geschichtsvereins, unter Leitung von Andreas Löbmann.
Originale und Formen sind im städtischen Museum verwahrt. Nach Anmeldung und Absprache können diese besichtigt werden.
Wer weiß, wo Schirgiswalde liegt?
In Sachsen liegt es und man kriegt,
wenn man’s besucht, das Bild nicht los;
Hier lebt es sich gewiß famos!
Denn wo sonst an den Straßenecken,
Wegweiser ihre Arme recken.
Stehn hier mit Schmunzeln und verschmitzt,
und liebevoll in Holz geschnitzt.
Aus freundlichem Humor geboren,
des Städtchens „Honoratioren“!
Zunächst gehört zu deren Zahl
Herr Fleischermeister Schimmeck mal.
Denn seine Wurst-Delikatessen
sind nie (und nur zu schnell) ver-gessen!
Drum macht die Reise-Post alsbald
bei ihm in Schirgiswalde halt.
Die Stadt mit Bemmchen zu versorgen,
kam Mittwochs und am Samstag-Morgen,
die Semmelfrau von Weifa her.
Nun ist sie tot und lebt nicht mehr.
Um ihr zu danken hat man jetzt
Ihr Bild an ihren Weg gesetzt.
Wer nach Neuschirgiswalde will,
dem bläst aus Holz, verträumt und still,
ein Klarinettenspiel-„Genie“
des Orts die Wandermelodie.
Zur Stadt geht’s bei Herrn Schutzmann Krahl
vorbei, dem man ein Ehrenmal,
für seine immer sehr geschätzte
und zugriff-sichre Arbeit setzte.
Wer jeden Morgen so geschwind
zum Bahnhof läuft, weiß jedes Kind.
Man kennt die rundliche Gestalt:
Es ist Herr Müller, Rechtsanwalt!
Nicht ganz so eilig hat’s daneben
Herr Amtsgerichtsrat, der soeben,
wie jeden Tag jahraus, jahrein,
gedankenvoll und nie allein,
weil ihn sein Dackel Sepp begleitet,
mit uns zum Amtsgerichte schreitet.
So sollte -nicht nur hier alleine
Stets das Verdienst weg-weisend sein.
Und wenn man’s so mit Anmut macht,
und auch sich selber mal belacht
wie hier, so mit verständ’gem Schmunzeln,
wo andre bös die Stirne runzeln,
so ist das wohl ein weiser Weg.
Und als belehrendes Kolleg
stell jeder sich das Beispiel vor:
Stadt Schirgiswalde hat Humor!
Paul Lindner
In den kommenden Wochen erfahren Sie mehr über die wegweisenden Persönlichkeiten der Stadt Schirgiswalde.
Jeden Montag bringt oberlausitz-art einen Beitrag zur Entstehung eines der Originale der Stadt an der Spree.
Wie kamen die „Wunsdorfer Semmeln“ nach Schirgiswalde? Was hat es mit dem Musikanten am Wegesrand auf sich? Warum hat Herr Swoboda einen eigenen Wegweiser?
Lassen Sie sich überraschen und bleiben Sie neugierig.
oberlausitz-art sagt es Ihnen.
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An irgendeinem Freitag, Mitte der neunziger Jahre, saßen mein Bruder und ich, in Mutters Küche.
Sie hatte uns zu Kohlrübeneintopf eingeladen.
Kennengelernt hatten wir diesen einfachen Schmaus, Anfang der siebziger Jahre durch unsere Berliner Oma, die uns einige Wochen im Jahr besuchte und für uns kochte. Sie erklärte meinem Bruder und mir, dass Kohlrüben herzhafter und gesünder als Mohrrüben seien und besser sättigten, besonders mit Schweinefleisch und Kartoffeln. Tatsächlich schmeckte dieser Eintopf viel besser als die Eintöpfe in der Schulspeisung. Die gab es immer freitags. Und immer mit einer wässrigen Brühe. Ich aß es nur widerwillig! Bei Oma und auch bei Mutter gab es solch dünne Brühe nicht. Hier wurde mit Weizenmehl ordentlich angedickt. Dass diese Einlage wahrscheinlich eher für die reichliche Sättigung sorgte, sollte ich erst viel später erkennen.
Mitte der neunziger Jahre war eine Kohlrübe selten in der Gemüseabteilung unserer Kaufhalle zu finden. Umso stolzer war Mutter, diese rar gewordene Feldfrucht aufgetrieben zu haben und uns den Altklassiger nach vielen Jahren, wieder einmal zu präsentieren.
Es schmeckte und versetzte mich für einen Moment in meine Kindheit. Gemeinsam mit meinem Bruder in Mutters Küche sitzen, zu dritt, so wie früher, ließ mich große Behaglichkeit empfinden. Mutter meinte: „Das könnten wir doch öfter tun, dass ich freitags für uns koche.“
Obwohl mein Bruder und ich längst eigenen Familien hatten und gut versorgt waren, wurde für mich das Freitag-Mittagessen bei Mutter zu einer festen Instanz.
Diese zwei Stunden gehörten uns und unserem gemeinsamen Mittagessen. Beim Kaffee danach fragte sie mich meist, was ich mir für den kommenden Freitag zu Essen wünschte: Mutter war hervorragende Köchin und Meisterin der einfachen Hausmannskost. Gulasch, Rouladen oder Schweinekamm, ganz weit oben auf dem Speiseplan standen Buletten und vieles mehr wechselten sich an den Freitagen ab. Meine Wünsche wurden Woche für Woche erfüllt. Manchmal fiel mir schon gar nichts mehr ein, was unseren Speiseplan noch bereichern könnte.
Sichtlich hatte meine Mutter eine Woche zuvor vergessen zu fragen, was ich mir für den kommenden Freitag wünschte. Möglicherweise hatte sie die Frage absichtlich unter den Tisch fallen lassen.
Der Geruch von Lorbeer, Piment und weiteren Zutaten einer kräftigen Brühe, begrüßten mich beim Eintreten in ihre Küche. Mutter blickte kurz auf, mit den Worten: „Und heute gibt’s mal Eisbein.“ Es klang fast wie eine Entschuldigung und sie wirkte etwas verschämt beim Ankündigen des gewaltigen Mahls. Vielleicht auch deshalb, weil sie wusste, Eisbein gehört nicht zu meinen Lieblingsspeisen. Ihre war es allemal. Mit Kartoffelklößen und Sauerkraut, beides nach Rezepten ihrer schlesischen Schwiegermutter, machten diese Kalorienbombe dann doch zum Festmal. Ich beschränkte mich auf das magere Fleisch, Mutter schien das Fett mit viel Senf gut zu vertragen. Schon deshalb, weil sie darauf schwor, dass eine Silberkugeltablette Cholecysmon nach dem Essen, sofortige Abhilfe bei übermäßigem Völlegefühl schafft, und das überflüssige Fett imnu abbaut! Mutter nahm meistens zwei davon. Sie war glücklich, dass es mir so gut schmeckte und immer mal wieder, wenn die Frage nach meinem Wunschessen ausblieb, hieß es: „Heute gibt’s mal Eisbein…“
Gerade in den Neunzigern, durften wir von unseren westdeutschen Brüdern und Schwestern so viele neue Erkenntnisse, besonders in Bezug auf gesunde Ernährung erfahren. Das zuviel Weizenmehl und Schweinefett nicht gut ist, wussten wir ja. Aber warum der einst so saftige Broiler, durch fettarme und oft trockene Hähnchen ersetzt wurde, verstand ich nicht. Jegliche Gemüse seien ohne Vitamine oder anderen wertvollen Stoffen, erklärte man uns. Keine Tomate, kein Salatblatt und kein Apfel sollte man mehr essen. Dafür gab es Gott sei Dank Nahrungsergänzungsmittel in Pillenform. Diese sorgen für die richtige Vitamin- und Energiemenge, so schworen uns die Verkäufer dieser chemischen Wunderwaffen und sorgten in erster Linie für gut gefüllte Kassen bei sich, und den meist amerikanischen Herstellern.
Mutter hielt an ihrer bewährten Hausmannskost fest und versprach, wenigstens das Andicken der Soßen mit Weizenmehl beim Schweinebraten wegzulassen. Warum auch künftig die Soßen dennoch so sämig waren, sollte ihr Geheimnis bleiben. Einen Salat oder einen Apfel als Nachtisch, gab es weiterhin. Glücklicherweise haben wir keinen Schaden genommen.
Nicht nur das gemeinsame Essen wurde zum Kult. Das Blättern in Fotoalben und alten Briefen, unsere Liebe zur Musik, die Auswertung ihrer Fernsehserien, die ich aus Solidarität mit ihr anschaute und der Dorftratsch, gehörten zu unseren Freitagen, zwanzig Jahre lang.
Mit der Zeit fiel mir auf, dass Mutter immer mehr vergaß. Mal die Zwiebeln beim Kartoffelsalat, Salz und Pfeffer bei den Buletten, oder Eier beim Klossteig. So manche Begebenheit aus früheren Jahren, erzählte sie völlig anders. Das führte oft zu Streitereien. Sie kannte plötzlich ganz neue Regeln beim Rommee spielen und behauptete, dass immer so gespielt zu haben. War es das Alter? Immerhin war sie 83 Jahre alt. Andere Vermutungen ließ ich nicht zu. Demenz? Mutter? Nein, das kann nicht sein!
Doch! Die Diagnose bestätigte den Verdacht. Es hatte sich etwas in ihr Hirn geschlichen, dass da nicht hingehörte, ihre Gedanken durcheinanderbrachte, die Sinne vernebelte und das tägliche Leben mit vielen neuen Hürden bestückte und in wenigen Monaten, die gesamte Familie beschäftigte.
Schon in meiner Kindheit, halfen mein Bruder und ich unserer Mutter in der Küche. Vom Kartoffelschälen, Rouladen wickeln bis zum Pudding kochen, war ich geübt und so bereiteten meine Mutter und ich unser Freitagsmenü nun gemeinsam.
Es gab Tage, an denen ich kaum etwas von ihrer Demenz gespürt habe und an anderen Tagen dachte ich, im falschen Film zu sitzen.
Irgendwann musste ihr Herd außer Betrieb gesetzt werden, zu gefährlich wurden ihre unkontrollierten Handlungen damit.
Da übernahm ich das Kochen ganz. Eine Stunde früher als sonst, schloss ich mein Büro ab, fuhr heim zu mir und bereitete unser Mittagessen. Dann holte ich Mutter von zuhause ab und wir feierten unseren Freitag!
Geduldig hörte ich ihr zu, wenn sie mir dasselbe berichtete wie eine Woche zuvor, manchmal genossen wir einfach nur die Stille und waren dankbar, Zusammen zu sein.
Die Herbstsonne schien durch die bunten Blätter der Buchen und Birken vom Buchberg in mein Küchenfenster. Es muss gelingen! Ich habe es mir von einem Freund ganz genau erklären lassen und festgestellt, das war ja gar nicht so kompliziert!
Freitagmittag. Ich holte Mutter ab und beim Betreten unserer Küche fragte sie mich, was es denn heute zu essen gäbe? Ich strahlte sie erwartungsvoll an: „Na heute gibts mal Eisbein“ Ihre Augen leuchteten und sie fragte, ob ich auch genug Senf dahätte. Ich bejahte und war froh, dass sie nicht nach den Silberkugel-Tabletten fragte, denn die besaß ich nicht. Sie haute ordentlich rein, nickte bei jedem Bissen und lächelte mich dabei an. Es schmeckte ihr. Mir fehlen nicht nur die Freitage mit meiner Mutter.
Fotos:
Eisbein, cegoh-pixabay (frei)
Küche, Schloß Hainewalde, (Haiko Spottke) aus „Glücksorte in der Oberlausitz“ Reiseführer Droste-Verlag
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Wer bei Intarsien-Arbeiten an das alte Tischchen oder das Wandbild von Oma denkt, der kennt die Arbeiten von Fanny Bracke noch nicht.
Die junge Designerin hat das traditionelle Handwerk quasi neu erfunden.
Mit viel Liebe zum Detail und mit vielen modernen, kreativen Ideen fertigt sie in ihrer Manufaktur edle und qualitativ hochwertige Mode- und Wohnaccessoires sowie Kunstobjekte im Interior Design mit Raumakzenten & Wandgestaltung.
Ob Holzfliege, Handtasche, Schmuckkästchen, Möbelstück oder Wandbild, Design und künstlerische Umsetzung stehen bei jedem Einzelstück an erster Stelle.
Wie alles genau geht und warum sich Fanny Bracke in die Herstellung von Intarsien verliebt hat;
oberlausitz-art hat für Euch nachgefragt.
Frau Bracke, wie kommt eine Designerin zu solch einem Beruf? Wo haben Sie das notwendige Handwerk dazu erlernt?
Ich bin gelernte Tischlerin und in der Ausbildung habe ich die Intarsienkunst kennen und lieben gelernt.
Die Möbel- und Kunsttischlerei, das Entwerfen von eigenen Produkten und Gestaltungsformen hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Nach ein paar Studiensemestern Design habe ich die tolle Möglichkeit bekommen einige Weiterbildungen bei verschiedenen Intarsienkünstlern zu absolvieren. Da habe ich meine Kenntnisse und Fertigkeiten intensiv weiterentwickelt und auf der Basis traditioneller Intarsientechnik entstehen heute in meinem Atelier handgefertigte Einzelstücke im modernen Design.
Wie entstehen die unterschiedlichsten Ideen zu Ihren Intarsien-Arbeiten? Gibt es wiederkehrende Stücke? Kleine Serien?
Meine Inspirationsquellen sind vielfältig. Natürlich haben mich meine Ausbilder in der Intarsienkunst geprägt wie Ulrike Scriba, Karl-Heinz Schulze oder Paul Krenz.
Auf dieser Basis entwickle ich meinen eigenen Intarsien-Stil, welcher sich durch geometrische Formen, bildhafte Motive oder naturgeformte Strukturen kennzeichnet.
Jedes Furnierstück ist einzigartig und hat seine individuelle Maserstruktur. Es gibt Furniere mit einem intensiven Maserverlauf, welche die Inspiration nur so fließen lassen und ich eine Fantasiegestaltung herausarbeite, bei der sich die größte und beeindruckendste Gestaltungswirkung in der Natur selbst zeigt.
Fertigen Sie auch nach Vorgaben Ihrer Kunden?
Die Ideen und Wünsche meiner Kunden selbst können natürlich auch ein Teil meiner Inspirationsquelle sein. Diesen Gestaltungsprozess empfinde ich immer als große Bereicherung und Herausforderung zugleich.
Es ist eine gemeinsame künstlerische Reise.
Verwenden Sie außer Holz noch andere Materialien?
Hauptsächlich habe ich mich auf Holzfurniere spezialisiert.
Es gibt aber auch die Möglichkeit weitere Materialien, wie zum Beispiel (Edel-)Metalle, Horn, Perlmutt oder Schmucksteine, in den Gestaltungsprozess mit einzubinden. Für mich gibt es da keine Einschränkungen.
Wie muss ich mir so einen Intarsien-Herstellungsprozess vorstellen? Welche Arbeitsmittel benötigen Sie dafür?
Die Intarsientechnik ist ein zeitaufwendiges Kunsthandwerk. Intarsien sind Einlegearbeiten oder zusammengesetzte Arbeiten, die im Ganzen ein Muster oder ein Bild ergeben. Man kann es sich wie ein Puzzle aus Holz vorstellen oder wie ich auch immer sage „Ich male mit Holz“.
Kurz zusammengefasst schneidet man die gewünschten Furnierstücke aus/zu, setzt diese mit Hilfe von Furnierklebeband zusammen und leimt/presst dann die fertige Intarsie auf ein Trägermaterial. Das Furnierklebeband wird wieder entfernt, die Oberfläche geschliffen und anschließend geölt/lackiert.
Ich arbeite vorwiegend mit einem Skalpell. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten Intarsien herzustellen – das hängt oft vom gestalterischen Projekt ab. Man kann Furniere auch mit der Dekupiersäge, Laubsäge, oder Modellsäge zuschneiden.
In der heutigen Zeit kann die Intarsienherstellung um modernen Laser- und CNC-Maschinen erweitert werden. Meine Philosophie ist die Tradition und die Moderne zu verbinden – eine Harmonie und Synergie zu schaffen, sowohl in der Motivauswahl als auch im Gestaltungs- und Herstellungsprozess.
Sehr beeindruckend sind Ihre Lampen und Taschen. Aber vor allem Ihre designte Herrenfliege begeistert mich persönlich sehr. Wie kam es denn dazu?
Ich möchte das Intarsiendesign mit Gebrauchsgegenständen vereinen und nachhaltige Produkte fertigen, die alle einen Unikat-Charakter besitzen. Es geht weder um Massenprodukte noch um Schnelligkeit – sondern es geht um nachhaltige, langlebige Qualität, Kreativität und Einzigartigkeit!
So ist die Accessoire-Produktlinie in meiner Manufaktur entstanden.
Aber um noch auf eine unbeantwortete Anfangsfrage von Ihnen zurückzukommen, ob es wiederkehrende Stücke und/ oder Kleine Serien gibt?
Ich habe verschiedene Produktbereiche, wie zum Beispiel Schatullen, Lampen oder Holzfliegen entwickelt, wo der Herstellungsprozess der Basisprodukte einer Kleinserie gleichkommt, aber das Intarsiendesign ist für jedes Produkt immer einzigartig.
Arbeiten Sie generell allein, oder steht Ihnen ein Team zur Seite?
Ich arbeite jetzt wieder alleine, habe mir aber in den letzten Jahren ein tolles Netzwerk aufgebaut, welches mir viel Unterstützung in den verschiedensten Bereichen bietet.
Dafür bin ich ganz dankbar!
Was war bis jetzt Ihre anspruchsvollste Arbeit?
Das anspruchsvollste Projekt war bis jetzt das Intarsienkunstwerk „menschlicher Akt – Paarbild“, bestehend aus 8 verschiedenen Holzarten und tausenden Einzelteilen. In dieser Arbeit stecken viele hundert Arbeitsstunden. Es war eine Herausforderung das realistische Foto in ein Intarsienmotiv umzuwandeln, unter dem Aspekt, bestimmten markanten Merkmalen einen Wiedererkennungswert zu verleihen und dennoch eine abstrakte Gestaltung umzusetzen.
Allerdings freue ich mich auf ein neues aktuelles Projekt – die Gestaltung einer Snowboardoberfläche, wo das Motiv, ein winterliches Bergmassiv als Luftbild von oben, eine ähnliche reizvolle Aufgabe darstellt.
Frau Bracke, kann man Sie in Ihrer Werkstatt besuchen? Geben Sie Kurse für Interessierte?
Haben Sie eine Ausstellung?
Man kann mich gerne in meinem Atelier nach Terminvereinbarung besuchen.
Kurse biete ich aktuell nicht an – habe diese Option aber im Hinterkopf und mal sehen, was die Zukunft bringt.
Momentan gibt es einen kleinen Ausstellungsbereich in meinem Atelier und ich präsentiere mich und meine Produkte über das Internet auf meiner Webseite, Instagram und Facebook.
Sie haben Ihre Manufaktur hier im schönen
Reichenbach/OL. Wie verbunden sind Sie mit unserer Oberlausitz?
Für mich war es eine bewusste Entscheidung in die Oberlausitz zurückzukommen – Hier bin ich geboren, hier sind meine Wurzeln, hier fühle ich mich wohl und angekommen! Auch die Nähe zum Dreiländereck Polen-Tschechien-Deutschland empfinde ich als große Bereicherung.
oberlausitz-art bedankt sich für das interessante Gespräch und wünscht Ihnen weiterhin viele schöne Ideen und eine interessierte, zufrieden Kundschaft.
Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Seit Anfang des Jahres darf ich jeden Monat eine Geschichte in diesem Portal vorstellen.
Vor wenigen Tagen ist mein viertes Kinderbuch erschienen. Daraus möchte ich Ihnen in diesem Monat eine Leseprobe präsentieren.
Ihr Henry Förster

Der gestohlene Edelstein/Leseprobe
Kapitel 1 Der Fluch der Stein-Berta
Die Sonne stand hoch am Himmel, kein Wölkchen ward zu sehen und die Nachmittagshitze lud Toni zum Eisessen in Schwerdtners Eisgarten ein. An diesem Samstagnachmittag waren viele Leute unterwegs, nicht nur, um Eis zu essen oder im Gondelteich Kahn zu fahren, sondern auch, um auf den Nonnenfelsen zu steigen oder einfach nur durch den Wald zu wandern.
Seine Eltern waren an die Ostsee gefahren, Toni hatte dazu keine Lust gehabt und wollte die letzte Ferienwoche allein zuhause bleiben. Einen festen Plan für diese Zeit hatte er keinen, heute Nachmittag ist erst einmal chillen angesagt.
Toni lief am Wassertretbecken vorbei, bis hin zum Klettersteig am Nonnenfelsen. Dort entdeckte er zwei Bergsteiger, die mit Seilen und Haken Stück für Stück den Felsen erklimmen wollten. Um die beiden Bergsteiger weiter beobachten zu können, musste er immer wieder um Bäume und auch kleinere Felsen herumlaufen, die beiden Kletterer fest im Blick.
Doch was ist das? In einer Felsspalte glitzerte etwas. Er blickte genauer in die Felsspalte hinein und tatsächlich, da glänzte ein ganz heller, fast weißer Stein. Das muss ein Edelstein sein. Mühselig beförterte ihn Toni ans Tageslicht. Wow, war der schön. Er passte geradeso in seine Hand und glitzerte in der Nachmittagssonne. Toni war sich sicher, einen wertvollen Schatz geborgen zu haben und steckte sich den Stein in die Tasche. Noch einmal blickte er sich um, niemand war zu sehen. Auch die Bergsteiger konnte er nirgends mehr entdecken. Am merkwürdigsten war auf einmal die Stille um ihn herum. Die vielen Leute, die eben noch unterwegs waren, die Kinderstimmen, die er laut hörte, nichts war mehr da. Kein Windhauch, kein Blatt an den Bäumen, nichts bewegte sich. Das kam ihm unheimlich vor. Nur eine alte Frau mit einem riesigen Korb auf dem Rücken kam schweren Schrittes auf Toni zu und blieb vor ihm stehen. Ihre Haare waren grau wie Stein, ihr Gesicht hager und kantig. Sie streckte die Hand nach ihm aus und sprach mit einer Stimme, die sich wie das Knarren einer Tür anhörte. „Du hast etwas gestohlen, was mir gehört, das will ich wieder haben.“ Toni nahm seinen ganzen Mut zusammen und antwortete der alten Frau: „Ich habe nichts gestohlen, was dir gehört. Wer bist du?“ Die Alte trat noch einen Schritt näher an Toni heran, hielt ihren Kopf etwas schräg und forderte ihn erneut auf: „Ich habe dich beobachtet, wie du aus der Felsspalte diesen Edelstein herausgeholt hast. Ich, die Stein-Berta, bin hier die Herrin über das ganze Gebiet rings um den Nonnenfelsen. Deshalb gehört der Edelstein mir, gib ihn her!“ Toni trat einen Schritt zurück und erwiderte: „Den Edelstein habe ich gefunden, darum gehört er mir, und außerdem, Stein-Berta, von dir habe ich noch nie etwas gehört! Wo kommst du her? Steine sind doch tot.“ Toni schlug das Herz bis zum Hals, als er das sagte. Ein bisschen fürchtete er sich schon vor der gruseligen Alten, doch den Edelstein hergeben wollte er auch nicht. „Du solltest es dir gut überlegen, ob du mit mir streiten willst. Den Stein hast du nicht gefunden, sondern aus der Felsspalte herausgebrochen, also gestohlen! Seit ewigen Zeiten sind wir Steine schon hier, längst, bevor es Menschen gegeben hat. Wir gehören hierher, mehr noch als du. Und von wegen tot! Wir sind lebendiger als du glaubst“, schimpfte jetzt die Stein-Berta. Toni streckte seine Hand aus und berührte die Stein-Berta am Arm. Es fühlte sich eiskalt, steinhart und rau an. „Das ist doch bloß ein Faschingskostüm oder eine Maskerade aus dem Theater“, behauptete Toni lautstark. Die Stein-Berta wurde zornig: „Was bildest du dir denn ein, du vorlauter Lümmel. Ich stehe an der Südseite der Nonnenfelsen und habe so manches Mal gemeinsam mit den anderen Felsen, Unwetter und Sturm aufgehalten. Gib den Edelstein her, sonst wird etwas Grässliches geschehen!“ Sie griff nach Tonis Arm, doch der wich aus und eilte davon.
Er überquerte den Weg, rannte weiter in den Wald, blieb nach etwa hundert Metern stehen und drehte sich vorsichtig um. Er traute seinen Augen nicht. Hoch oben auf der Südseite der Nonnenfelsen ragte ein Stein heraus, dessen Gesicht genauso aussah, wie das der Stein-Berta. Trotzdem beschloss Toni, den Edelstein zu behalten.
Was war das? Es wurde immer heißer und heißer. Ein heftiger Sturm kam auf und fegte Äste, Sträucher und kleine Steine durch die Luft. Toni warf sich auf den Boden und hielt sich an einem Strauch fest, in der Hoffnung, dass der Sturm ihn nicht auch noch durch die Luft wirbelte. Trotz des Heulens des Windes hörte er die Stimme der Stein-Berta: „Du hast gestohlen meinen Edelstein! Bringst du ihn nicht wieder, wirst du in sieben Tagen zu Stein!“ Der Sturm heulte immer lauter, die vielen kleinen Steine pfiffen über seinen Kopf hinweg und schlugen auf den trockenen Waldboden ein. Das staubte so sehr, dass Toni nichts mehr sah. Einige Steinchen trafen ihn sogar am Kopf, und er blutete etwas.
So schnell wie der Sturm gekommen war, so schnell war er auch vorüber. Vorsichtig stand Toni auf, schaute sich um und erschrak! Viele Bäume waren verschwunden und Bäume, die vorher noch groß waren, sahen aus, als ob man sie gerade erst gepflanzt hätte. Jetzt hatte Toni freie Sicht, nicht nur bis zur Stein-Berta, sondern auf den ganzen Nonnenfelsen. Links neben dem Weg zu dessen Gipfel ragt ein mächtiger Felsen in die Höhe, der „Mönch“. Durch den heftigen Wind war ein großer Strauch am oberen Teil des Felsens hängen geblieben, so dass es aussah, als ob dem „Mönch“ ein Bart gewachsen sei, als er zu Toni sprach: „Wie kannst du nur so eine große Klappe haben. Natürlich hast du den Edelstein gestohlen. Sich mit der alten Stein-Berta einzulassen, war keine gute Idee…
Toni riss die Augen auf und konnte es nicht fassen, dass ein Felsen zu ihm gesprochen hat… Nur noch weg von diesem unheimlichen Ort, dachte Toni und rannte den Weg weiter, um endlich aus dem Wald herauszukommen. Geschafft! Doch da war keine Straße mehr, sondern nur noch ein steiniger Weg. Keine Straßenlampe, kein Parkplatz, kein Auto, kein Fahrrad und auch keine Leute konnte Toni sehen. Die meisten Häuser waren verschwunden und die wenigen Umgebindehäuser, die noch dastanden, hatten kaum Farbe. Alles sah grau aus. Was war geschehen? Wo sollte er nur hin? Toni hatte völlig die Orientierung verloren. Auf dem staubigen Sandweg lief er in die Richtung, wo er sein zuhause vermutete.
Oben auf dem Kammsteinweg kamen ihm zwei Reiter entgegen, gefolgt von einer Kutsche, die hinter sich eine große Staubwolke herzog. Die Reiter blieben vor ihm stehen, auch die Kutsche machte Halt und einer der Soldaten brüllte zu Toni: „Wer ist er? Was will er hier?“ Toni blieb wie erstarrt stehen und griff instinktiv in seine Hosentasche nach dem faustgroßen Edelstein. Wieder brüllte der Soldat: „Was verbirgt er vor mir? Sprich!“ Aber Toni brachte kein Wort heraus. Im ersten Moment glaubte er, es seien Leute vom historischen Kaiserzug, der fast jedes Jahr drüben in Oybin stattfindet. Doch das hier war kein Volksfest. Die beiden Soldaten sprangen von ihren Pferden und packten Toni am Arm. Der eine zog sogar sein Schwert aus dem Schaft und hielt es dem zu Tode erschrockenen Jungen an den Hals. Der andere zog Toni die Hand aus der Hosentasche mit dem Edelstein, den er immer noch festhielt. Jetzt sprang der Kutscher von seinem Sitz und bäumte sich vor Toni auf: „Aha, einen Dieb haben wir da gefasst. Wo hat er so einen großen Edelstein her? Der muss doch gestohlen sein. So ein armseliger Wicht wie du kann niemals so einen Edelstein besitzen.“ „Am besten wir schlagen dem Dieb gleich den Kopf ab“, schrie der zweite Soldat und fuchtelte mit seinem Schwert herum…
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Als ich letztens durch mein Jonsdorf lief, blieb ich vor der Baustelle am Kurhaus stehen. Endlich hatte das altehrwürdige Haus einen neuen Besitzer gefunden. Nun wird es saniert. Es soll nicht mehr als Hotel, sondern als Bettenhaus, für die meist männlichen Gäste, die ihre Frauen und Kinder im Mutter-Kind-Kurheim Jonsdorf besuchen, genutzt zu werden.
Für die Öffentlichkeit als Tanzlokal und Speisegaststätte, so wie einst, hat es ausgedient.
Doch leider bleiben auch die Türen der im Kellergeschoß befindlichen, urigen Bierstube, für immer geschlossen. Das ist besonders Schade.
Für mich und die meisten meiner Schulfreunde war es in den achtziger Jahren selbstverständlich, den Sonntagabend in der Bierstube, bei süffigen Eibauer Schwarzbier zu verbringen. Irgendwann brachten mein Bruder Steffen und ich die Gitarren mit, und so entwickelten sich unzählige Abende, an denen in der großen Stammtischrunde musiziert, gesungen und auch viel getrunken wurde. Wir waren jung und wahrlich voll verrückter Ideen. Nichts schien unerreichbar, kein Weg war zu weit und kein Blödsinn wurde ausgelassen. Wir hatten Ziele und Pläne. Vor uns stand noch der größte Teil unseres Lebens.
Das letzte Bier gab es um halb elf, Ausschankschluss. Gaststättenschluss war 23.00 Uhr. Der wurde meist eingehalten. Am nächsten Tag waren alle pünktlich im Betrieb und erfüllten ihre Aufgaben. Die ersten zwei Stunden oft nur mit halber Kraft aber „Blau“ gemacht hat keiner.
Jeden Sonntag kochte die Stimmung fast über. Bis zu zwei Wochen im Voraus musste man in der Bierstube Plätze reservieren, um diesem außergewöhnlichen Spektakel beizuwohnen.
Wir sangen auf dem Bierfass stehend, tanzten Kalinka und Schwanensee vor dem Tresen. Volkslieder, Oldies, Countrymusik aber auch aktuelle Songs standen auf dem Programm, immer den Blick in die Runde, ob nicht jemand verdächtig genau hinhörte, wenn wir manchmal in den Liedtexten etwas veränderten.
So zum Beispiel, Reinhard Meys „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Das wurde von uns regelmäßig abgewandelt. So sangen wir mutig: „Hinter der Mauer, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Damals in der DDR, hätte so etwas viel Ärger einbringen können. Diese Textvariante wurde immer öfter und lauter gesungen. Die Gäste in der Bierstube waren begeistert und wir wurden unvorsichtiger. Dann hat uns doch einer angezinkt. Eines Tages stand die „Sozialistische Staatsmacht“ vor dem damaligen Bierstubenwirt. Der zeigte sich empört und schwor der Behörde, dass hier so etwas noch nie gesungen wurde und er dies auch nicht gestatten würde. Er sei schließlich selbst Genosse! Damit war die Angelegenheit vom Tisch. Die kommenden Wochen sangen wir das Original von Reinhard Mey, aber einige Zeit später wieder die Textabwandlung, „Hinter der Mauer, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“, nur etwas leiser.
Im September 1989 erhielt ich einen Brief von unserem ehemaligen Bierstubenwirt aus Bayern. Er und seine Frau gehörten mit zu den Ersten, die über Ungarn in den Westen geflüchtet sind. Sicherlich aus Neugierde, ob hinter der Mauer die Freiheit wirklich so grenzenlos ist.
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Die meisten von uns bringen mit einer Schwalbe, Baujahr 1964, eine bekannte Persönlichkeit in Verbindung.
Ist die beliebte Schauspielerin Agnes Kraus tatsächlich damit gefahren?
Schwester Agnes ohne Mopedschein
Jonsdorf befand sich in Sommer 1975 im DEFA-Film-Fieber. In der ehemaligen Jugendherberge „Bruno Tesch“, hatte sich der Drehstab aus Berlin eingerichtet. Aufnahmeleitung und viele Akteure nahmen ihre Arbeit für den DEFA-Film: „Schwester Agnes“ auf. Auch für mich, damals noch Jugendlicher, eine spannende Sache. Bei einigen Drehs stand ich dabei und konnte miterleben, wie so manche Szene in den Kasten kam.
Die Hauptrolle diese Filmes hatte die beliebte Schauspielerin Agnes Kraus inne. Eine Rolle, die in Ihrer weiteren Filmkarriere ein Markenzeichen wurde. Eine Gemeindeschwester, die sie verkörpern sollte, musste Moped fahren können! Auch im Film! Und das war das Problem. Agnes Kraus hatte noch nie auf einem Moped gesessen.
Es hatte sich herumgesprochen, dass an einem Nachmittag, ein Fahrtraining auf der jetzigen Hainstraße, kurz vor der tschechischen Grenze, mit Agnes Kraus stattfinden sollte. Alles wurde abgesperrt, damit auch niemand irgendetwas beobachten konnte. Mein Schulfreund Schwarzi und ich schlichen uns in den Wald hinter die „Tesch“ und versteckten uns gut getarnt hinter einen Busch.
Horst Helle, den damaligen ABV (Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei) hatte man mit der Aufgabe betraut, Frau Kraus das Moped fahren beizubringen. Schwarzi und ich sahen abwechselnd durch das Fernglas und erlebten, wie Horst mit einer Engelsgeduld immer wieder auf Schwester Agnes einredete und versucht hat, ihr auf die für den Film umgebaute Schwalbe mit Stützrädern, hinaufzuhelfen. Das war spannender und lustiger als so mancher Dreh.
Ich sitze bei Horst im Garten und bin erstaunt, wie genau er sich nach neunundvierzig Jahren an das alles erinnern kann. Er muss lachen, als ich Ihm von unseren Beobachtungen erzähle: „Es war ein Ding der Unmöglichkeit“, gesteht Horst lächelnd. „Ick kann ja nich mal Fahrrad fahren, hatte ihm Agnes Kraus gebeichtet.“ „Und inne S-Bahn sind de Sitze breiter und lenken muss ick da ooch nich!“, erklärte Agnes Kraus weiter.
Horst schüttelt den Kopf: „Beim besten Willen! Da war nichts zu machen. Keinen Meter schaffte es Frau Kraus mit dem Gefährt voranzukommen. Es kam zu keiner Moped-Prüfung. Ich musste Otto Holub, dem Regisseur nach einer Stunde versuchten Fahrtraining erklären, dass es nichts mit Schwester Agnes auf dem Moped wird.“
Somit musste gedoubelt werden. Sein Kollege Achim Seibt, war eins davon. Im Krankenschwester-Outfit jener Zeit und einer blonden Perücke knatterte er als Schwester Agnes vor der Kamera die Waldwege entlang. Der zweite Retter der Situation war der Schmied Klaus Müller, der ein Untergestell zusammenschweißte, welches mit dem oberen Teil der Schwalbe verbunden wurde. Das Ganze befestigte man auf einen LKW-Hänger. Der wurde dann für die Filmaufnahme mit der darauf sitzenden und winkenden Agnes Kraus durch Waltersdorf gezogen und überzeugte später alle Fernsehzuschauer, die Gemeindeschwester Agnes ist mit Ihrem Moped zu ihren Patienten unterwegs…
Nein, an der Unfähigkeit Moped fahren zu können, sollte man die achtmal zum Fernsehliebling gekürte Agnes Kraus keinesfalls beschränken. Sie war zweifellos eine Volksschauspielerin, deren Beliebtheit in den Siebziger und Achtziger Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatte. Im Besonderen durch den Film „Schwester Agnes“.
Man erzählte sich, dass sie während einer Drehpause, in die kleine HO, schräg gegenüber der Dammschenke lief, um sich eine Flasche Milch zu kaufen. Sie stand in der Schlange zwischen Urlaubern und Einheimischen in ihrem Schwesternkostüm. Die einen boten Ihr an, vorzugehen, da sie als Schwester wohl im Dienst sei. Andere meinten sie vorlassen zu müssen, damit sie pünktlich wieder zum Dreh kommt. Agnes Kraus blieb stehen und antwortete lächelnd: „Ne, ne, so wichtig bin ick ooch wieder nich…“ Eine einfache Frau, herzlich und liebenswert.
Heute, fast fünfzig Jahre später freue ich mich, wenn einmal im Jahr, „Schwester Agnes“ mit ihrem Moped im Fernseher gefahren kommt. Dann genieße ich noch einmal die heimatliche Filmkulisse aus den Siebzigern, die brillante Agnes Kraus und bin mir sicher, sie und die Dreharbeiten im Jahr 1975 sind nicht nur mir und Horst in guter Erinnerung geblieben.
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