„Die Tapete“ oder „Die künstlerische Nutzung einer Wandbekleidung“

„Die Tapete“ oder „Die künstlerische Nutzung einer Wandbekleidung“

Wer kennt sie nicht, die farbige oder dekorativ bedruckte Tapete an der Wand?
Oft aus Papier, Glasgewebe oder Kunststoff. Manchmal auch aus Leder oder Leinwand.

 

 

 

 

 

Die im 16. Jahrhundert in Europa Einzug gehaltene Wandbekleidung verschönert seitdem unseren Lebensbereich. Jeder kennt sie in der Anwendung an der Wand, am Schrank oder auch mal an einer Schachtel.
Wie aber macht man daraus ein Kunstwerk?
Anja-Christina Carstensen gibt darauf die Antwort. Aus Tapetenresten, Tapetenmustern, viel Fantasie und Kreativität fertigt sie beeindruckende Bilder.
Wie sie zu dieser Technik kam, wie sie ihre Motive wählt und was sie täglich antreibt; oberlausitz-art hat wieder für euch nachgefragt.

Frau Carstensen, Sie kommen aus dem „Hohen Norden“ Deutschlands, aus Kiel. Was hat Sie in die Oberlausitz verschlagen? Und warum Görlitz?

Genauer gesagt bin ich in Kiel geboren, dann aber ab dem vierten Lebensjahr in Nordfriesland auf einer Halbinsel aufgewachsen. In Husum habe ich mein Abitur mit den Leistungskursen Kunst und Mathematik auf einem humanistischen Gymnasium gemacht und wusste danach nur zwei Dinge sicher: Erstens, dass ich niemals Lehrerin werden möchte und zweitens, dass ich für ein Jahr in ein exotisches Land wollte. Ich ging nach Polen, blieb gut 10 Jahre und war nun schon über 25 Jahre als Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig. Erst habe ich Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und dann auch an verschiedenen Hochschulen Kunst und Design. Unsere Überzeugungen spielen uns eben gerne Streiche.

Ich war nach dem Studium noch ein paar Jahre im Norden, kam dann aber über einen erneuten Abstecher in Wroclaw nach Görlitz. Und mal ehrlich: Wer Görlitz kennenlernt, sieht sofort eine wunderschöne Stadt mit enorm viel kreativem Freiraum. Es sind so spannende Menschen hier, die herausragende Sachen machen. Wie kann man hier nicht gerne leben wollen? Es ist so schade, dass viele Menschen in Görlitz das nicht sehen oder Görlitz sogar schlechtreden . Es ist großartig hier und es ist das, was wir gemeinsam daraus machen.

 

Von 1995 bis 2002 haben Sie ein Magisterstudium der Keramik in Kunst und Design bei Prof. Irena Lipska-Zworska an der Akademia Sztuk Pieknych, Wroclaw/Polen, absolviert. Warum gerade dort?

Ich wollte ja eigentlich nur ein Jahr in Polen bleiben und vielleicht eine Bewerbungsmappe für eine deutsche Hochschule erstellen. Wroclaw hatte die Abteilung für Keramik und Glas. Als ich die einmalige Chance bekam, dort einen Studienplatz zu ergattern, wurde mir schon im ersten Semester klar, dass mir keine Hochschule in Deutschland ein so hochwertiges und breites Studium mit einer so intensiven Betreuung bieten würde. Mir war allerdings auch klar, dass das hart wird. Ich konnte kein Polnisch und ehrlich gesagt konnte ich auch künstlerisch gar nichts. Die polnischen Kommilitoninnen waren so viel besser als ich. Und mir war zudem noch klar, dass ich das würde ganz durchziehen müssen, da mir meine Leistungen in Deutschland erst mit einem Magisterabschluss anerkannt werden würden. Polens EU-Beitritt erfolgte ja erst 2004. Das war noch lange hin.

 

Bei unserer ersten Begegnung in Ihrem Atelier in Görlitz haben mich Ihre Tapetenschnitte fasziniert. Gleichermaßen aber auch Ihre keramischen Arbeiten. Warum widmen Sie sich jetzt ausschließlich der „Tapetenkunst“? Und wie kam es überhaupt dazu?

Das ist eigentlich eine ziemlich tragische Geschichte. Nach meiner Rückkehr nach Norddeutschland habe ich mich als junge Keramikbildhauerin erste einmal hart durchbeißen müssen. Ich kannte weder die deutschen Gepflogenheiten der Branche, noch wurden Künstler ähnlich respektvoll behandelt wie in Polen. Es brauchte also ein paar Jahre sehr harter Arbeit, um mir in meiner Umgebung einen Namen zu machen, mich abzugrenzen, sichtbar zu werden und die ersten Durchbrüche zu erkämpfen. Es gelang mir, doch leider ließ ich mich auf eine Partnerschaft mit einem gemeinsamen Atelier ein. Das Ende der Geschichte waren die Scherben von 12 Jahren Werk und das abrupte Ende meiner künstlerischen Existenz.

Danach verließ ich den Norden. Ich war wie erschlagen und ich brauchte so einige Jahre und ein paar Versuche, um wieder in eine kreative Leichtigkeit zu kommen. Nun hatte ich mir noch die Bandscheiben beschädigt und daher ist mir die Bildhauerei nicht mehr vergönnt. Der Tapetenschnitt ist ein Weg, mich bildhauerisch der Malerei zu nähern. Die Mosaike, die ich vorher gemacht habe, ähneln sich in der Herangehensweise.

 

Was ist für Sie das Besondere am Tapetenschnitt? Was inspiriert Sie an diesem Material?

Mit dem Tapetenschnitt habe ich schon ziemlich lange geliebäugelt. Wenn man in Görlitz in die verlassenen Gründerzeithäuser kommt, sind es oftmals die vielen Schichten von Tapeten, die Zeugnis über den Geist ehemaliger Bewohner geben. Das wirkt so zauberhaft und verwunschen. Es ist doch immer das Sonderbare, das einen Menschen ausmacht und das Einzigartige an ihm erkennen lässt. Und dennoch ist Tapete etwas so Beliebiges, gar Banales, ein dekoratives Massenprodukt. Es fasziniert mich, mich an den Moment heranzutasten, in dem das Banale zum Bedeutsamen wird, entsprechend dem Moment, in dem Kitsch und Kunst sich berühren.

 

Was sind Ihre Lieblingsmotive?

Ganz eindeutig Akte und Fische

Wie kommen Sie gerade auf DAS Motiv und was inspiriert Sie bei der kreativen Umsetzung?

Der Akt, besonders der weibliche Akt, ist für mich der Inbegriff von Verletzbarkeit. Also Schutzlosigkeit und Purismus, Echtheit, Ehrlichkeit und Authentizität. Nacktheit kann nichts verstecken. Der Fisch als Symbol des Meeres bedeutet für mich die unendliche Leichtigkeit, Freiheit und zugleich Tiefe und intellektuelle Geborgenheit. Es entspricht meiner Sehnsucht nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit.

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Sie haben in Ihrer Heimat, in Norddeutschland, viel ehrenamtliche Tätigkeit geleistet. Werden Sie dem von Görlitz aus noch gerecht oder haben Sie ein neues, östliches Betätigungsfeld gefunden?

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle Generationen ein großes Ehrenamt lebten. Es gibt bei uns drei Bundesverdienstkreuzträger. Beiden Großeltern mütterlicherseits wurde eins für ihr Lebenswerk verliehen, meine Mutter hätte es auch verdient. Das prägt. Daher versuche ich mich natürlich auch nach meinen Möglichkeiten für das Gemeinwohl einzubringen. Das tue ich nun hier in Görlitz. Unter anderem bin ich als sachkundige Bürgerin im Kulturausschuss der Stadt. Ich engagiere mich zudem für Frauenrechte und die Sichtbarkeit von Ungleichbehandlung. Durch meine Erfahrungen als erste ausländische Studentin an der Kunstakademie in Wroclaw habe ich erlebt, wie hart es sein kann, abgestempelt und auf die Herkunft reduziert zu werden. Es gab ein paar Dozenten, die mich sehr deutlich haben spüren lassen, dass ich als Deutsche in ihrer Vorlesung nicht willkommen bin. Wenn auch das Gute absolut überwog, war das für mich am Anfang wirklich brutal hart. Man kann sich nicht integrieren, wenn man nicht abgeholt wird oder sogar ausgeschlossen wird. Da ist man chancenlos. Dennoch liegt es in der Natur des Menschen, sich sinnstiftend und wirkungsvoll in eine Gemeinschaft einbringen zu wollen. Aber auch in Görlitz gibt es einzelne Menschen, die mir nach 15 Jahren bezogen auf meine westdeutsche Herkunft absprechen wollen, hier mitreden zu dürfen. Das ist natürlich Blödsinn. Jeder Mensch, der kommt, bringt etwas Gutes mit, von dem alle profitieren können.

 

Was bedeutet Ihnen die Vermittlung von Kunst und was empfehlen Sie jungen Künstlern am Anfang ihrer Karriere?

Eingangs sagte ich ja, dass ich mir zum Abitur schwor, niemals Lehrerin zu werden. Mittlerweile liebe ich den Beruf der Dozentin. Es ist so erfüllend zu sehen, wie Menschen sich selbst erkennen, ihre Möglichkeiten erkennen und lernen, sie zu erweitern. Ich sehe mich hierbei nicht als Belehrenden, viel mehr als Trainerin oder Begleitung in der persönlichen Entwicklung. Meine Aufgabe ist es ein Angebot zu machen und dabei den Raum zu schaffen, der es Teilnehmerinnen ermöglicht die eigenen Grenzen zu überwinden. Manchmal bedarf es der liebevollen Provokation, um jemanden aus der Komfortzone zu locken, manchmal viel Humor, auf jeden Fall einer Klarheit und stabilen Hand, um Menschen aus der eigenen Feigheit zu holen.

Was ich empfehle, ist also Mut. Klingt super einfach und ist unendlich schwer. Aber in der Kunst beginnt alles mit Mut. Was so schwer ist, ist, dass die Kunst uns eine andauernde und ungnädige Selbstreflexion abverlangt. Wenn ich nicht weiß, wer ich bin, kann ich mich nicht ausdrücken, dann bin ich Abklatsch eines anderen, erzähle fremde Geschichten, rezitiere. Erst wenn ich mich in meiner Arbeit reflektiere und tief in mich selbst vordringe, entdecke ich die Welten, die mich frei machen und die meiner Arbeit Authentizität, Tiefe und Bedeutsamkeit verleihen, den Eigensinn und die Verbindung zu etwas weit Höherem, Wahrhaftigem.

Eine meiner Professorinnen, Frau Professor Cybinska, sagte einmal zu uns Studentinnen: „Nur, weil Sie dann das Studium abgeschlossen haben und sich Künstlerinnen nennen dürfen*, bedeutet das nicht, dass alles, was Sie tun, Kunst ist. Seien Sie dankbar für die große Gnade, sollte aus Ihren Händen einmal ein bedeutsames Werk entstehen.“ Demut ist eine wichtige Haltung in der Kunst. Sie bedingt den Mut.

[Die Bezeichnung als Künstler war bis zum Bologna-Vertrag in Polen geschützt und Akademikern ab dem Magister vorbehalten.]

Was bedeuten Ihnen die Kurse und Gestaltungsnachmittage mit Kindern und Erwachsenen in Ihrem Atelier/Geschäft in Görlitz?

Nachmittage mit Kindern sind eine Ausnahme. Mir geht es bei einem Angebot für Kinder – wie zuletzt bei dem offenen Atelier zu Pfingsten – mehr darum, die begleitenden Erwachsenen zu inspirieren, das übliche DIN-A3-Format, Tuschkasten und Buntstifte zu überwinden. Ich habe anfänglich im Rahmen der künstlerischen Workshops für Lehrerinnen und Erzieherinnen, die Ulf Großmann damals über den Kulturraum Görlitz anbot, Erwachsene angeleitet, ihre Scheu vor großen Formaten und Farbflecken in Klamotten zu überwinden. Ich muss erst den Erwachsenen klar machen, dass es erlaubt ist, den Rahmen zu sprengen, damit sie Kindern den Genuss dieser Freiheit bieten. Wenn wir Kindern diese Freiheit nicht vermitteln, die der eigene Kopf zu denken vermag, dann werden sie als Erwachsene nicht verstehen, dass sie selbst die Schöpfer ihrer eigenen Welt sind.

Mein zentrales Angebot zielt daher auf Erwachsene, die Lust haben, ihren kreativen Raum zu erweitern, die sich schon auf den Weg gemacht haben und merken, dass dieser nicht konstant und der nächste Schritt nicht einfach ist. Auf Künstlerinnen, die straucheln und nicht weiterkommen. Auf Menschen, die ahnen, dass mehr in ihnen steckt, und jemanden brauchen, der die nächsten Schritte begleitet, um weiterzukommen . Durch meine zahlreichen systemischen Ausbildungen kann ich einen geschützten Raum bieten, in dem auch große Emotionen willkommen sind und aufgefangen werden.

 

Frau Carstensen, Sie haben sich mit Keramik, Bildhauerei und jetzt mit Tapetenschnitt beschäftigt. Wenn Sie auf Ihre künstlerische Tätigkeit zurückblicken, was hat Sie am meisten gefordert und was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Die Anfänge im Norden haben mich am härtesten gefordert. Es war nach den Jahren im außereuropäischen Ausland erstmal schwer ins System zurück zu kommen. Daher wohnte ich in einem Keller, ging Putzen, zahlte meine Miete mit Werken und sparte mir Ton und Glasuren vom Mund ab. Ständig hörte ich den Spruch: „Kunst kunn ick ock: Kunst mi mol an´n Mors klein.“ (Plattdeutsch: Kunst kann ich auch, du kannst mich mal am Arsch lecken.) Oder man machte mir klar, dass ich ja nichts „Ordentliches“ gelernt hätte und man davon nicht leben könne.

Das war wirklich eine harte Zeit, aber es macht natürlich stolz, wenn man es trotz der schweren Voraussetzungen und der ständigen Demotivation dann geschafft hat, von den eigenen Arbeiten zu leben.

Den größten Spaß hatte ich allerdings in meiner Diplomverteidigung. Ich war recht frech und hatte mich mit dem neuen Dekan angelegt. Der kannte mich vorher noch nicht, und da mir Hierarchien immer sehr egal waren, war er über meine direkte Art nicht sehr amüsiert. In Polen galt: Hinnehmen und schweigen, wenn ein Professor etwas sagte. In meiner Natur liegt da eher die Widerrede. Das konnte ich mir auch nur leisten, weil ich mittlerweile ahnte, dass meine Arbeiten recht gut waren. In der Verteidigung zu meinem Diplom entstand daher eine ausgesprochen lebendige und faire Diskussion auf Augenhöhe. Letztendlich wurde ich mit einer Sonderauszeichnung der Akademie belohnt.

Diese Art von Auseinandersetzung macht mir immer wieder Spaß. Der Diskurs, das Argument, von dem alle Seiten lernen, inspiriert sind und das alle ein Stück weiterbringt. Das ist auch etwas, was ich meinen Schülerinnen und Studentinnen vermitteln möchte. Den Spaß an der Auseinandersetzung.

 

Sie haben weltweit an Ausstellungen teilgenommen oder Personalausstellungen durchgeführt. Was war Ihr größtes, schönstes Erlebnis? Auf welche Ausstellung sind Sie besonders stolz?

Die wiederholte Teilnahme an der NORDART mit meinen Keramikarbeiten war damals schon eine große Auszeichnung für mich. Schließlich ist sie das größte internationale Kunstfestival zwischen Kassel und Kopenhagen. Und auch die Anfrage zur Ausstellung in Südkorea im letzten Jahr war für mich etwas Besonderes, da ich ja gerade erst mit dem Tapetenschnitt begonnen hatte.

 

Welches ist Ihr nächstes Projekt?

Jetzt, wo ich die Tapeten in der Schnitttechnik durchdrungen habe, möchte ich einen Fokus auf das legen, was hinter den Tapeten passiert. Ich möchte eine Serie zum Thema häusliche Gewalt machen. Es soll so leise werden wie das Schweigen der Opfer und dennoch in seinem vollen Drama da sein. Bilder für den zweiten Blick, sozusagen. Es ist einfach grell, laut und offensiv zu sein. Die Herausforderung liegt darin, das stille Leiden abzubilden.

Vor vielen Jahren hatte ich die Ehre, einer kleinen Gesprächsrunde mit norddeutschen Künstlern beizuwohnen, in der der wunderbare Lyriker und Schriftsteller Günter Kunert es im Wesentlichen auf den Punkt brachte: Die Aufgabe des Künstlers sei es außerhalb der Gesellschaft zu stehen und dieser den Spiegel vorzuhalten. Ich halte das für dringender denn je und dem möchte ich mich nun endlich wieder widmen.

 

Frau Carstensen, vielen Dank für das Gespräch.

Titel, von oben 

Reihe 1: Versteckt im Wald – Versteckt im Zimmer – Versteckt im Garten 2024, Keine Sahne Fischfilet 2024, Karen und Katja Karpfen 2024, Und da merkte   er erst, wie zerbrochen er schon war 2005 (Keramik), Gerhard Zschau Ausstellung LABA Laden – Fische und Feinde 1

Reihe 2: Wenke Wels 2024, Hans Hecht 2024, Fisch-Perlen 2004 (Keramik), Pierre Hoffmann Mutig wandeln 2023, Atelier ancca 1

Reihe 3: Schlomo Schleie 2024, Karina Karausche 2024, Barbara Barbe 2024, Es ist nicht zu früh. 2006 (Keramik)

Reihe 4: Reinhild Reiher 2024, Herrmann Hecht 2024, Mosaik Nebeltaucher Steinzeug Glasur 2004

 

Kontakt: Anja-Christina Carstensen, ancca@ancca.com

Fotos: Eigentum Carstensen

 

 

 

Das Sonnenuhrendorf Taubenheim,  Obelisk „Granitsteinuhr“

Das Sonnenuhrendorf Taubenheim, Obelisk „Granitsteinuhr“

Nummer 01

„Die Granitsteinuhr“

 

 

 

 

 

Diese Blocksonnenuhr steht gegenüber der ehemaligen Ortsverwaltung, dem heutigen Bürger- und Vereinshaus und ist zum Wahrzeichen unseres Sonnenuhrendorfes geworden.   Unsere Taubenheimer „Haus-Sonnenuhr“ hat der Bildhauer Gerald Noack aus hellem und dunklem Oberlausitzer Granit geschaffen. Sie ist ein Zeichen der Oberlausitzer Bildhauerkunst.

Die Initiative, diese Sonnenuhr herzustellen, ergriff der damalige Bürgermeister Reiner Israel. Die mathematisch–astronomischen Berechnungen führten der Maler und Graphiker, „Sonnenuhrenvater“ Martin Hölzel und der Astronomielehrer und Vorsitzende des Sternwarten Vereins Sohland Wolfgang Knobel für diese nicht einfach zu gestaltende Uhr aus. Gerald Noack schuf sie dann 1982/83. 1984 erfolgte die Einweihung der Granitsteinuhr.

Die vertikale Süduhr zeigt die wahre Ortszeit (WOZ) von 6:00-18:00 Uhr an.

Darunter befindet sich eine Zeitgleichungskurve (Differenz zwischen WOZ und MOZ -Mitteleuropäischer Ortszeit).

Sonnenuhren können demnach vor- und nachgehen. Die Ursachen sind in der Ungleichmäßigkeit der scheinbaren Sonnenbewegung zu sehen. Die Sonne führt eine scheinbare elliptische Bahn – Ekliptik aus. Die Kurve zeigt uns, dass beide Zeiten nur viermal im Jahr übereinstimmen, am 16.04.; 14.06.; 02.09.; 26.12.

Die horizontale Sonnenuhr zeigt die WOZ von 6:00-18:00 Uhr an.

Neben Informationen zu Taubenheim erkennt man das Taubenheimer Wappen und Angaben zur wahren Mittagszeit verschiedener Städte unseres Erdballs.

„Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nützen.“  (Seneca, römischer Philosoph, Jahr 1-65 n.Ch.)

 

 

„Jede Sonnenuhr ist einmalig. Sie schildert die Geschichte des Hauses bzw. die Geschichte unserer Dörfer“  (Jürgen Walter)

Hier werden nun die einzelnen Sonnenuhren in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    26. Juni  2026

Nummer 02:   „Bei Neisser

Die Beiträge entstanden mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Taubenheimer Dorfclub e.V.

Holger Kuhne (mhkuhne@aol.com), Tobias Lehmann (info@schilderwerk-lehmann.de), Günter Pätzold (guenterpaetzold@t-online.de)

und der Tourist-Information Sohland/Spree.  (touristinfo@sohland.de)

Führungen können bei Holger Kuhne (Telefon: 035936 34358 oder E-Mail: mhkuhne@aol.com) gebucht werden.

Ein weiterer Ansprechpartner ist Günter Pätzold (guenterpaetzold@t-online.de)

Foto: Taubenheimer Dorfclub e.V.

 

 

 

 

Einladungen und Empfehlungen in Schleife

Einladungen und Empfehlungen in Schleife

Liebe Kunstfreunde,

hier findet Ihr/Sie einige kulturelle Empfehlungen für die nächsten Wochen.

Vom 19. – 21. Juni ist das 10. Internationale Dudelsack Festival in Schleife zu erleben – wirklich besonders da es nur alle 4 Jahre stattfindet.

Die Ausstellung „Poesie des Lichts“ im Muskauer Schloss zeigt die wiederentdeckten Aquarelle von Carl Graeb – darunter auch Impressionen vom ehemaligen Jagdschloss.

Im Wendischen Museum Cottbus zeigt die Präsentation „Mit weiblichen Blick“ vier wunderbare Künstlerinnen mit Ihrem Blick auf das sorbisch/wendische Leben.

Ganz herzlich lade ich auch zu einem Atelierbesuch bei mir ein. Im Atelier entstehen gerade einige große besondere Werke aus uralten Baumrelikten. Und natürlich ist auch der Skulpturengarten, wieder herrlich ergrünt, ein Erlebnis. Nehmt euch gern die Zeit für eine individuelle Führung mit all den großartigen Geschichten.

 

Gern könnt Ihr/Sie die Mail an Interessierte weiterleiten.
Sollten Sie keine weiteren Infos rund um das Atelier erhalten wollen geben Sie einfach Bescheid.

Mit besten Grüßen

Thomas Schwarz
Atelier Thomas Schwarz

Spremberger Str. 45
02959 Schleife
Tel.: 0162 1607325
www.atelier-thomas-schwarz.de
Instagram @holzatelier_thomas_schwarz

 

 

 

 

 

Freiheit. Unter Wasser.

Freiheit. Unter Wasser.

Eine Geschichtenreihe aus dem Buch: „Renate löscht. Das Licht.“

 

 

 

Von Manuela Bibrach

 

 

Illustration von Pètrus Akkordéon

 

Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer. Merit liegt auf dem Bett, liest, bewegt dabei die Lippen. Vor der Tür Schritte. Die sich nähern. Die sich entfernen.

Auf die Einbettkajüte hatte Merit lange gespart. Kapitän Nemo konnte durch die gläsernen Augen der Nautilus den Meeresboden betrachten. Bizarre bunte Fische überall. Durch das Bullauge in Merits Kabine scheint Tageslicht. Trübe. Merit steckt sich einen Lakritzfisch in den Mund. Kaut sorgfältig. Liest. Greift zur Vollmilch-Nuss. Lutscht langsam. Zerbeißt eine Nuss. Liest.

Merit liebt das Meer. Als Schulmädchen hatte sie den Amphibienmenschen gesehen. Eine Woche lang war sie jeden Tag ins Ferienkino gegangen. Zwanzig Pfennig Eintritt, fünf Pfennig Kulturbeitrag. Sieben Tage lang wurde sie eins mit Ichthyander, dem scheuen Sonderling, der unter Wasser atmen konnte. Mit Kiemen! Sein Vater, ein Wissenschaftler, hatte sie dem lungenkranken Sohn implantiert. Die Utopie einer Unterwasserwelt vor Augen, in der die Menschen in Frieden leben. Ichthyander verliebte sich, geriet in irdische Wirren, wurde in einem Wasserfass eingesperrt. Hatte verkümmerte Lungen, als man ihn endlich befreite. Sieben Mal sah Merit ihren Helden in seinem silbernen, schuppigen Anzug für immer im Meer verschwinden. Sieben Mal sah sie ihn fast ersticken und später im Wasser, die Kiemen benetzt, wieder zu sich kommen.

Merit steckt sich einen Lakritzfisch in den Mund und tritt ans Bullauge. Betrachtet die blassen Wolken über dem Meer, unter dessen Oberfläche sich tummelt, wovon Merit träumt. Vor der Kabinentür wieder Schritte. Die Passagiere sammeln sich zum Dinner im Speisesaal. Großes Buffet, Türme von Speisen. Vor denen Pärchen flanieren und köstliche Trauben von den Silbertellern zupfen. Stellt Merit sich vor. Berge von Broten und Würsten neben goldenen Kandelabern. Exotische Früchte. Überfluss.

Merit legt sich wieder aufs Bett. Greift zur Vollmilch-Nuss und gratuliert Kapitän Nemo zu seinem guten Geschmack, die Auswahl der Besatzung betreffend. Auch er ein Phantast. Leben im Wasser. Freiheit unter Wellen.

Merit liest. Merit kaut. Vor der Tür kehrt Ruhe ein. Hinter dem Bullauge dämmert es. Merit steht auf. Knipst das Licht an. Blinzelt zum Fenster. Erschrickt. Eine silberschuppige Hand gleitet von außen über das Bullauge. Tastet nach der Rundung. Rutscht ab. Merit schreit. Ganz kurz. Ein Quieken nur. Die Lakritzfische zucken mit den Flossen.

 

https://manuela-bibrach-autorin.jimdofree.com/

Elaine und die Oberlausitz im Linolschnitt-Video 1

Elaine und die Oberlausitz im Linolschnitt-Video 1

Mit dem Linolschnitt die Oberlausitz entdecken,

Teil 1: Umgebindehaus-Tür

 

 

 

 

 

In diesem Videoformat möchte ich die kleinen Details der Oberlausitz, besonders von Umgebindehäusern, in den Fokus rücken und künstlerisch gestalten. Ich habe mir eine typische, alte Haustür eines Umgebindehauses ausgesucht. Mit dem Busch vor dem Haus und den vielen Blumentöpfen und Körben, die so dazugehören. Dabei habe ich mein selbst geschossenes Foto abgezeichnet, auf meine Linolplatte übertragen und angefangen zu schnitzen.

Aber seht selbst, wie das Ergebnis am Ende aussieht!

Eure Elaine

 

 

 

In den folgenden Wochen erscheinen hier auf Oberlausitz-Art Video-Tutorials zum Thema Linolschnitt und Oberlausitz.

Zum Anschauen und als Inspiration für eure Kreativität. Ich freue mich auf euer Feedback.

 

Kontakt:  elainemelzer@gmx.de

Musik:  CapCut. „Green love (Lofi)“ von Prodbyecho

Das Sonnenuhrendorf Taubenheim,  NEUE Serie

Das Sonnenuhrendorf Taubenheim, NEUE Serie

Oberlausitz-art wandert mit ihnen in den nächsten Monaten entlang des Sonnenuhrenpfades in Taubenheim.

Hier erfahren sie Interessantes über jede Sonnenuhr, die es in dem beschaulichen Ort an der Spree gibt. „Jede Sonnenuhr ist einmalig, sie schildert die Geschichte des Hauses bzw. die Geschichte unserer Dörfer.“

„Unsis Taubnheem – das Sonnenuhrendorf“

Sonnenuhren gibt es schon so lange, wie die Menschen die Zeit messen. In der Oberlausitz sind Sonnenuhren – wie auch anderswo auf der Welt – oft zu finden. Taubenheim, ein Ortsteil der Gemeinde Sohland an der Spree, nennt man das „Sonnenuhrendorf“.

Hier gibt es viele Sonnenuhren. Es sind alles Kunstwerke.

Anfang 2026 sind es 54, die auf dem „Sonnenuhrenpfad“ erfasst sind. Es bestehen weitere Sonnenuhren oder sie sind im Bau.

In der vom Taubenheimer Dorfclub betriebenen „Sonnenuhren-Stube“ und bei Führungen oder Wanderungen entlang des 9 km langen, durch den Dorfclub angelegten „Sonnenuhrenpfad“ kann man sie erkunden. Hierbei ist der Flyer sehr hilfreich.

Die einzelne Sonnenuhr ist auf einer Tafel vor Ort beschrieben bzw. kurz erklärt.

Wie kam es zum „Sonnenuhrendorf“?

Dabei kamen mehrere Umstände zusammen: Es waren alte Sonnenuhren vorhanden. Der Maler und Graphiker Martin Hölzel (1908 bis 1994) – heute „Sonnenuhren-Vater“ genannt – ergriff die Initiative, einige davon zu restaurieren.

Die Sternwarte Sohland/Spree und der Sternwarten-Verein unterstützten und unterstützen mit fachlicher Kompetenz.

Das Werk von Martin Hölzel wird durch den Taubenheimer Graphiker Peter Domschke fortgesetzt.

Und nicht zuletzt sind es die Taubenheimer selbst, die sich eine solche Sonnenuhr wünschten und wünschen. Sie berechnen und stellen auch selbst Sonnenuhren her, auch weil sie sich mit ihrem „Sonnenuhrendorf“ identifizieren.

Führungen entlang des Sonnenuhrenpfades sind bei Holger Kuhne – mhkuhne@aol.com / Tel. 035936 3458 – buchbar.

Günter Pätzold für den Taubenheimer Dorfclub e. V.

„Die Guldschmiede“; Nr. 23 Die erste Sonnenuhr von 1792

 

 

 

 

 

„Jede Sonnenuhr ist einmalig. Sie schildert die Geschichte des Hauses bzw. die Geschichte unserer Dörfer“. (Jürgen Walter)

Hier werden nun die einzelnen Sonnenuhren in den nächsten Wochen vorgestellt.

Erste AUSGABE: 12. Juni 2026

Nummer 01: Obelisk „Granitsteinuhr“

Die Beiträge entstanden mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Taubenheimer Dorfclub e.V.

Holger Kuhne (mhkuhne@aol.com), Tobias Lehmann (info@schilderwerk-lehmann.de), Günter Pätzold (guenterpaetzold@t-online.de)

und der Tourist-Information Sohland/Spree.  (touristinfo@sohland.de)

Führungen können bei Holger Kuhne (Telefon: 035936 34358 oder E-Mail: mhkuhne@aol.com) gebucht werden.

Ein weiterer Ansprechpartner ist Günter Pätzold (guenterpaetzold@t-online.de)

Foto: Taubenheimer Dorfclub e.V.

Skulpturenpfad – „Anfang und Ende, Ende und Anfang“

Skulpturenpfad – „Anfang und Ende, Ende und Anfang“

Station 19

„Anfang und Ende, Ende und Anfang“

 

 

 

 

 

 

Mit dieser Skulptur kommt Christus auch bei der letzten Station zu Wort, zumindest wenn man davon ausgeht, dass es Christus ist, den Johannes in seiner Vision auf dem Thron sieht:

…Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende…. (Offenbarung des Johannes 21, 6)

A und O, Alpha und Omega, erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabetes.

Hier ist das Ende des Skulpturenpfades, wo die Geschichte mit der Erziehung Zinzendorfs bei seiner Großmutter ihren Anfang hatte. Hier hat Zinzendorf Christus kennen, achten und lieben gelernt. Und vielleicht haben die Wanderer auf dem Weg auch etwas Neues über Christus erfahren oder wieder aufgefrischt, sei es im Nachdenken allein oder im Gespräch mit Anderen.

Die Skulptur zeigt ein ineinander verschlungenes A und Omega und auch ein Kreuz schimmert hindurch, wenn man näher hinschaut. Alles was neu beginnt und entsteht wird auch ein Ende haben. Das gilt für alles Leben, jeden Menschen, jedes Tier, jede Pflanze, jedes Gebäude, jede Gesellschaft, jeden Planeten, jede Sonne….

Aber es gibt auch die zweite Seite. Mit jedem Ende beginnt auch etwas Neues!

Zu Zinzendorfs Zeiten war die Ruine ein prächtiges Schloss. Ihre Mauern haben leider nicht überdauert. Heute kann man nur noch erahnen wie es hier vor 300 Jahren ausgesehen haben mag. Aber Christus, den Zinzendorf hier kennengelernt hat, und seine Botschaft überdauern bis heute und haben an Aktualität nichts eingebüßt.

Mit dem Tod ist alles aus. Sollte man meinen. Dachten damals Jesu Jünger auch, nachdem Christus so elend am Kreuz gestorben war. Aber plötzlich ändert sich das radikal. Christus bleibt nicht bei den Toten und er öffnet diese Möglichkeit auch uns allen. Und so ist der Tod eben nicht das Ende, sondern der Beginn von etwas Neuem, Schönen. Dieser Glaube, diese Gewissheit trägt Christen in schweren Zeiten seit dem ersten Osterfest.

Die Wanderung auf dem Skulpturenpfad ist hier zu Ende. Aber zugleich beginnt etwas Neues- sei es die Weiterreise, der Rückweg, ein Halt in der alten Bäckerei, ein Picknick, ein Besuch…..

Egal was als nächstes ansteht. Möge Gott Sie begleiten und auf gute Wege leiten. Möge Gott Ihren Lebensweg segnen und für andere zum Segen werden lassen!

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Das war nun der letzte Beitrag zum Skulpturenpfad. Station 19: „Anfang und Ende, Ende und Anfang“.

Besuchen Sie ihn doch selbst einmal. Ich verspreche ihnen, sie werden die Ruhe und Zufriedenheit auf ihrer Wanderung spüren.

Ihr Haiko Spottke von Oberlausitz-Art

 

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

 

„Experimentieren mit der Geschichte – oder: Die Freilegung des Geistes“

„Experimentieren mit der Geschichte – oder: Die Freilegung des Geistes“

Je älter, je krummer, je verwurzelter, umso beliebter sind die unterschiedlichsten Hölzer bei Thomas Schwarz. Er verwandelt knorrige Stämme in Skulpturen und bewahrt dabei die Seele des Baumes.

 

 

 

 

 

Seine Arbeiten verbinden traditionelle Materialien mit zeitgenössischer Formensprache.

Verwurzelt in seiner zweisprachigen sorbischen Heimat spiegeln seine Holzarbeiten die Verbundenheit mit der Natur, dem Wandel der Zeit und seiner Identität wider.

„Diese lebendige Vielfalt ist der Hintergrund meines Schaffens.“*

Wie er experimentiert und was ihn antreibt; Oberlausitz-ART hat für Euch nachgefragt.

 

Herr Schwarz, sind Sie ein harmonischer Mensch?

Lacht! Im Umgang mit der Natur bin ich durchaus ein harmonischer Mensch.

Aber ich bin oft auch ein Ungeduldiger im Umgang mit Menschen und der Gesellschaft – es gibt so viele Möglichkeiten und es bleibt so vieles ungenutzt.

 

Wie lange arbeiten Sie bereits künstlerisch mit Holz?

Hatten Sie diesbezüglich eine Ausbildung?

Wo liegen Ihre „Wurzeln“?

Die „Wurzeln“ sind eine kreative Prägung von Kindheit an. Entscheidend war der Verlust des „Urwalds“ am ehemaligen Jagdschloss bei Weißwasser durch den Bergbau. Es war Pücklers erster Park, ein ökologisches und kulturhistorisches Kleinod. Diese jahrhundertealten Bäume sind die Basis meines Schaffens.

Künstlerisch bereichernd ist das Studium an der UdK Berlin in den Bereichen Kuratieren und Ausstellungsdesign ab 2020.

 

Sie arbeiten vorzugsweise mit Naturhölzern und folgen der gegebenen Form.

Kennen Sie da immer das Ergebnis im Voraus oder überrascht Sie oft das fertige Kunstwerk?

Es ist ein Suchen, ein Entdecken und ein Staunen und oft ist man überrascht. Fast immer im positiven Sinne, es sind Kunstwerke der Natur.

 

In jeder erschaffenen Skulptur möchten Sie „spürbar die Seele des Baumes bewahren“.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Die uralten Bäume haben uns im Wachsen und Vergehen so einmalige Geschichten zu erzählen – diese freizulegen und in den künstlerischen Visionen zu bewahren, ist eine sehr erfüllende Herausforderung.

 

Herr Schwarz, Sie verbinden oft Holz mit anderen Materialien.

Wie finden Sie da immer die richtige Balance?

Es ist für mich eine wunderbare Erweiterung. Da ich im Holz nur aus einem Stück arbeite, erlauben mir andere Materialien das „Ausbrechen“. Zudem ergeben sich wunderbare optische wie haptische Kontraste.

 

Bei „Eruption“, was ich persönlich sehr beeindruckend finde, haben Sie mit Glas auf Buchenholz experimentiert. Arbeiten Sie da mit einem Glasbläser zusammen oder liegt Ihnen diese Technik auch?

Da ich familiäre Wurzeln in der Glasbearbeitung habe, war es naheliegend, auch dort eine Verbindung zu schaffen. Die Serie „Eruption“ ist zusammen mit drei Glasbläsern der Firma Borowski Glas entstanden. Ein wahrhaft archaischer Prozess, bei dem 1200°C heißes Glas sich mit der gemaserten Buche aus dem Pücklerpark verband.

 

Wo kann man sich weitere Arbeiten von Ihnen ansehen?

Den besten Einblick in mein Schaffen kann man direkt in Schleife erleben. Zum einen bei mir im Atelier und dem Skulpturengarten bei einer Führung mit den vielen Geschichten zu den einzelnen Serien. Aber auch im gesamten Bereich, den Orten rund um Schleife, wo viele große, oft figürliche Skulpturen mit sorbischen Themen zu entdecken sind.

 

Sie sind im zweisprachigen sorbischen Raum aufgewachsen und arbeiten auch da. Viele Ihrer Werke sind sorbisch-wendisch geprägt und erzählen von Sagenfiguren, an die ich mich noch als Kind erinnern kann. Heute habe ich das Gefühl, dass da wieder mehr in den deutschsprachigen Raum getragen werden könnte. Wie sehen Sie das?

Der Blick von außen auf die sorbische Kultur ist von Volkskunst und Folklore geprägt. Das ist ein wichtiger Teil, aber es gibt deutlich mehr an relevanten Themen, die sorbische Kreative einzubringen haben. Gegen diese „Unsichtbarkeit“ braucht es starke Netzwerke, gutes Marketing und eine Professionalisierung der Akteure.

 

Sie führen in Ihrem Atelier auch Veranstaltungen durch. Erzählen Sie doch mal was darüber?

Das Atelier ist nicht nur eine „Arche“ für alte gefallene Bäume. Es ist auch ein Ort des kulturellen Lebens mit Gastkünstlern, Konzerten, Lesungen und Führungen. Umgeben von einem Skulpturengarten finden sich dort große, bis zu 8 m hohe, oft tonnenschwere Werke mit interessanten zeitgenössischen Aussagen aus geschichtsträchtigem Material. Diese sind eingebettet in eine herrlich gestaltete Garten- und Waldlandschaft mit vielen botanischen Kostbarkeiten. Ein Platz zum Staunen, Genießen und zur Inspiration.

 

Was treibt sie jeden Tag an?

Die Leidenschaft für die uralten Bäume, eine beseelte Natur und eine wunderbare Region, der ich viel mehr Aufmerksamkeit wünsche.

 

Herr Schwarz, Oberlausitz-ART, bedankt sich für das interessante Gespräch und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg.

 

*Unter Verwendung von Textpassagen, Webseite Thomas Schwarz

Kontakt: www.der-holzkünstler.de

Fotos: Eigentum Thomas Schwarz, mit freundlicher Genehmigung

Fotos: Frank Stein, (pixel-brush)

https://www.pixelbrush.de
Bildunterschrift: pixelbrush.de – Frank Stein

 

 

KunstPfingsten in Görlitz – vom Samstag 23.05.26 bis Montag 25.05.26

KunstPfingsten in Görlitz – vom Samstag 23.05.26 bis Montag 25.05.26

Offene Ateliers und Galerien
vom 23. bis 25. Mai 2026 / täglich 14-18 Uhr

Zu Pfingsten wird Görlitz erneut zur Bühne für zeitgenössische Kunst:

Vom 23. bis 25. Mai 2026 findet zum zweiten Mal das Festival KunstPfingsten in Görlitz statt und lädt Besucherinnen und Besucher zu einem inspirierenden Kunstspaziergang durch die Stadt ein.

An insgesamt 17 Kunstorten präsentieren über 30 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten und laden zum Entdecken, Verweilen und Austauschen ein. Angeboten werden unter anderem Malereien, Fotografien, Grafiken, Tapetenschnitt e und Installationen. Neben Ausstellungen laden einige Künstlerinnen und Künstler in ihren Ateliers auch zum Mitmachen ein und bieten kleine kreative Aktionen und ein vielfältiges Begleitprogramm für Besucherinnen und Besucher an.

Zentraler Ausgangspunkt des Festivals ist die Gruppenausstellung „von hier aus“ in der Kunsthalle Görlitz am Wilhelmsplatz 15. Dort sind vom 03. bis 25. Mai Werke der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Die Ausstellung ist jeweils Freitag von
17 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Während des Pfingstwochenendes gelten für die teilnehmenden Kunstorte Kernöffnungszeiten von 14 bis 18 Uhr. Einige Orte öffnen bereits am Vormittag ab 10 Uhr ihre Türen. Zudem laden die Akteurinnen und Akteure an den Abenden ab 20 Uhr in die Kunsthalle Görlitz ein – am Samstag zum Salon und zur Livemusik, am Sonntag zu Theater und Lesung.

Der Eintritt ist frei. Um Spende wird gebeten.

KunstPfingsten in Görlitz ist eine Initiative des STRE!FEN e.V.
Weitere Infos / Website: https://kunstpfingsten26.my.canva.site/

Kontakt/Ansprechpartner für die Presse:
Sascha Röhricht
sascha.roehricht@gmail.com
0176 550 975 04

Skulpturenpfad – „Das ihr werdet wie die Kinder“

Skulpturenpfad – „Das ihr werdet wie die Kinder“

Station 18

„Das ihr werdet wie die Kinder“

 

 

 

 

 

Vor der Ruine des Großhennersdorfer Wasserschlosses sitzt Zinzendorf auf einer Bank und unterhält sich interessiert mit zwei Kindern. Im Hintergrund stehen als Kontrast 5 Figuren ernster, halb erstarrter Erwachsener.

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18, 3).

Zinzendorf nahm sich diese Aufforderung zu Herzen, indem er versuchte, sich ohne frühzeitig manifestiertes Urteil einen kindlich- neugierigen und faszinierten Glauben zu bewahren. Der Glaube sollte nicht in Formalien und Dogmen erstarren, sondern lebendig sein und in jeder Generation neu entdeckt und erfahren werden können. Erwachsene und Kinder können gegenseitig voneinander lernen. Das Himmelreich ist ein kostbares Geschenk, welches man sich nicht verdienen kann. Der Preis dafür ist durch Christus bereits bezahlt. Freude und Dankbarkeit darüber sollten das Tun und Handeln der Christen prägend bestimmen und im großzügigen, friedlichen, liebevollen Umgang untereinander sichtbar werden. Von Kindern kann man vieles lernen: Offenheit, Neugier, Hinterfragen, rasches Vergeben und Verzeihen, sich fröhlich und reichlich beschenken lassen, Glauben und Vertrauen…

Kinder hinterfragen alles. Warum ist das so? Warum machts Du das? Sie hinterfragen nicht nur Dinge sondern auch uns und unser Verhalten, unsere Gewohnheiten und halten uns damit oft einen nicht immer angenehmen Spiegel vor. Im besten Fall führt das dazu, dass wir Erwachsenen eingefahrene Gleise in ungute Richtungen auch wieder verlassen können.

Die Botschaft dieser Skulpturengruppe wird rasch begreifbar. Nur die ständige Auseinandersetzung mit dem Neuen, den Nachwachsenden, dem Kindlichen im Leben ermöglicht es der Gemeinde durch Jahrhunderte hindurch lebendig zu bleiben und ein menschliches, freundliches Antlitz zu bewahren.

Die Frage nach Veränderung, nach Neuem stellt sich nicht nur ständig in der Gesellschaft, sondern auch in den Kirchen. Was sollte unbedingt erhalten bleiben, was kann und muss geändert werden, damit auch die kommende Generation in der Gesellschaft, in den Kirchen eine Heimat empfindet, wo sie gerne zu Hause ist? Nur im offenen und lebendigen Austausch kann man Lebensformen finden, in denen sich alle zeitgleich lebenden Generationen gemeinsam wohlfühlen.

Wohl den Menschen, die sich Kindliches bis ins hohe Alter bewahren können. Sie sind eine Bereicherung für alle denen sie begegnen, auf Erden und im Himmelreich.

 

 

 

 

 

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Letzte AUSGABE :    29. Mai  2026

Station 19:   „Anfang und Ende, Ende und Anfang

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

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