Skulpturenpfad – „Gemeinschaft“

Skulpturenpfad – „Gemeinschaft“

Station 8

„Gemeinschaft“

 

 

 

 

 

 

Ich statuiere kein Christentum ohne Gemeinschaft. Das ist ein Zitat Zinzendorfs. Gemeinschaft war ihm wichtig. Alle sollten nach ihren Gaben und Fähigkeiten mitmachen. Dabei war er experimentierfreudig. Zuerst rief er die „Banden“ ins Leben- heute würde man eher Hauskreise dazu sagen. Immer bis zu 10 Menschen, die miteinander gut konnten, bekamen einen Bandenführer bzw. auch eine Bandenführerin. Man traf sich mindestens wöchentlich, manche auch täglich zu Andachten und Seelsorge und half sich auch untereinander.

Da es aber Menschen gab, die in keiner Bande Anschluss fanden, gründete Zinzendorf das „Chorwesen“. Es gab das Ehechor, das Chor der ledigen Schwestern, der ledigen Brüder, der Witwen und der Witwer. Auch für die Kinder und Jugendlichen wurden regelmäßige Treffen organisiert.  Die unverheirateten und verwitweten Gruppen Erwachsener erhielten eigene Chorhäuser, wo man unter einem Dach zusammenlebte. Jedes Chor erhielt gemeinschaftlich nutzbares Land und Jeweils eine Schwester oder einen Bruder für die Leitung und die Seelsorge. Jede und jeder gehörte automatisch in eine der Gruppen und war damit Teil einer Gemeinschaft mit ähnlichen Lebensumständen. In Zeiten ohne Sozialversicherung ein Garant, das sich um alle in Not gut gekümmert wurde.

Als drittes Gemeinschaft-stiftendes Element erfand Zinzendorf die täglichen Losungen. Alle sollten am Tag über das gleiche Bibelwort nachdenken. Anfangs wurden die Losungen mündlich weitergesagt. Später, als die ersten Herrnhuter ihren Ort verließen um neue Orte zu gründen oder um in die Mission zu gehen, ließ Zinzendorf die Losungen drucken, damit dieses verbindende Element auch über die Ortsgrenzen hinaus bestehen bleiben kann.

Die große, kreisförmige Skulptur zeigt, wie Zinzendorf sich eine Christliche Gemeinschaft vorgestellt hat. Sie ist offen- jede und jeder kann dazukommen, aber auch wieder gehen. Die Mitte einer Christlichen Gemeinschaft sollte Jesus sein- um ihn und sein Vorbild sollte sich alles drehen. Der Mittelpunkt der Skulptur ist ein rundlicher Stein mit einem Fischsymbol in einem aufgestauten Wasserbecken. Der Runde Stein steht für den von den Bauleuten verworfenen Eckstein, mit dem sich Jesus einst verglich. Auch das Bild vom „Wasser des Lebens“ nutze Jesus für sich. Das Fischsymbol war ein frühes Erkennungszeichen der Christen in Zeiten der Verfolgung.

Setzt man die griechischen Anfangsbuchstaben von I = Jesus, CH = Christus, TH = Theos (= Gott), Y = Hyios (= Sohn), S = Soter (= Erlöser) zusammen, entsteht das griechische Wort ἰχθύς=Ichthys =Fisch.

Innerhalb des großen Kreises der Gemeinschaft muss es kleinere Kreise geben, in denen persönlicher Austausch möglich ist, symbolisiert durch die Sitzgruppen / Lagerfeuerstellen. Das können Hauskreise, aber auch Dienstgruppen sein. Kinder und Jugendliche brauchen besonders geschützte Räume mit pädagogisch geschulten Leiterinnen und Leitern. Das ist durch die drei überdachten Holzthrone, in die nur Kinder passen, angedeutet.

Auch in Christlichen Gemeinschaften gibt es Meinungsverschiedenheiten, Gräben können entstehen. Wichtig ist, dass es immer Brückenbauer und Brücken gibt, so dass beide Seiten verbunden bleiben. Manche Brücken sind einfach begehbar, bei andern muss man sich klein machen, um die andere Seite zu erreichen. Auch christliche Gemeinschaften können zerbrechen oder so stark wachsen, dass sich Gruppen abspalten und neue Gemeinden oder gar Kirchen entstehen.

Beide Seiten dürfen nur nicht vergessen Jesus wieder in die Mitte der neuen Gemeinschaft mitzunehmen. Den hat niemand für sich- er ist teilbar, denn er ist für alle da.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    12. Dezember 2025

Station 9:   „Das Buch

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

Skulpturenpfad – „Gehalten“

Skulpturenpfad – „Gehalten“

Station 7

„Gehalten“

 

 

 

 

 

 

„Gebet ist erste Christenpflicht“. Dieser Satz war früher öfter zu hören. Allerdings stimmt er nicht ganz. Gebet ist nicht Pflicht, sondern Privileg! Man kann jederzeit und an jedem Ort mit der höchsten Instanz in direkten Kontakt treten- ohne Voranmeldung, Termin oder Warteschleife. Gott hat jederzeit ein offenes Ohr für seine vielen Kinder. Er freut sich über Dankbarkeit und hört die Bitten, auch wenn er nicht alle so erfüllt wie gewünscht. Das Gebet gibt Halt im Leben- es gibt da jemanden, der immer zuhört, seine Kinder kennt, liebt und hofft, dass sie auf guten Wegen der Mitmenschlichkeit und Güte unterwegs sind oder es zumindest immer wieder versuchen. Ohne Kommunikation können wir Menschen nicht leben. Gebet ist Kommunikation mit Gott- Vergegenwärtigung seiner Anwesenheit durch Gespräch in Worten oder Gedanken.

So wie Eltern den Kindern Regeln vorgeben, hat auch Gott in seinen 10 Geboten klare Regeln vorgegeben. Wenn sich alle daranhalten würden, sähe unsere Welt deutlich besser und freundlicher aus.

Die Skulptur besteht aus 12 Figuren mit dem umgedrehten Torso- Prinzip. Nur Köpfe und Hände sind erkennbar. Es sind Abdruckplastiken von realen Menschen mit je einer ganz eigenen Geschichte. Wie man betet- ob allein oder in der Gruppe, ob laut oder leise, ob in gesprochenen Worten oder Gedanken, ob sitzend oder stehend, drinnen oder draußen, mit gefalteten oder erhobenen Händen- das alles ist egal. Das man betet ist wichtig, nicht wie und wo.

Eine kleine Beispielgeschichte: Vorne in der Mitte ist Knut Uwe Weise aus Zittau abgeformt. Er war der künstlerische Leiter des Projektes und das als überzeugter Atheist. Durch die inhaltliche Arbeit mit dem Skulpturenpfad ist er ins Grübeln gekommen, hat sich in Glaubensfragen unterrichten lassen, ist Mitglied der Brüdergemeine geworden, hat ein Prädikantenstudium absolviert und im Herrnhuter Kirchsaal schon gepredigt. Heute lebt er in den Niederlanden.

Die 12 Skulpturen stehen für den 12 Stunden- Rhythmus, bzw. die 12 Monate. Das ganze Jahr, jederzeit, rund um die Uhr wird gebetet- nicht, um Gott zu nerven, sondern um den Kontakt nie abreißen zu lassen. In der Brüder-Unität gibt es das 24-Stundengebet, welches zwischen den einzelnen Gemeinden weltweit aufgeteilt ist. Ein Zeichen der geschwisterlichen Verbundenheit über Sprach und Ländergrenzen hinweg.

In Mitten der 12 betenden Skulpturen gibt es eine Bank, die dazu einlädt, sich dort niederzulassen und selbst laut, leise oder in Gedanken ein Gebet zu sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

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Nächste AUSGABE :    21. November 2025

Station 8:   „Gemeinschaft

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

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Foto: Haiko Spottke  /  Matthias Clemens

 

 

 

 

Die VERNISSAGE

Die VERNISSAGE

In einer Ausstellung von Kunstwerken der Malerin Sabine Kambach sollten sich  Schüler ein Gemälde aussuchen, um darüber eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Diese, meine kleine Geschichte „Die Vernissage“ entstand im Zusammenhang mit der Schülerarbeit.

Eine Art Vorlage für die Schüler wie aus einem Bild eine Geschichte entstehen kann.

 

Die VERNISSAGE

 

 

 

 

 

Die Villa umgeben von einer weitläufigen Parkanlage. Hecken, Sträucher, Bäume säulenartig zu beiden Seiten des Weges. Efeu windet sich um die Stämme.

Sie geht, an Wachholder und Rhododendron vorbei, zum prunkvollen Eingangsportal.

Eine Besucheransammlung an der Garderobe.

Als sie ihren Mantel abgegeben hat, reicht man ihr zur Begrüßung ein Glas Sekt.

Sie schaut sich im Eingangsbereich um. Zwei stattliche Säulen zieren den Treppenaufgang zur ersten Etage. Das Rondell aus Glas über ihr, typisch Jugendstil, denkt sie. Geschwungene Formen an den Decken, Ranken, Pflanzen- und Symbolmotive.

Als sie zum Saaleingang geht, schaut sie sich unsicher um. Sie kennt hier niemanden, hält sich krampfhaft an ihrem Sektglas fest. Sie nippt an ihrem Glas, und spürt im Nacken einen Blick auf sich gerichtet.

Es gibt Menschen, denkt sie, die so enorm viel Raum beanspruchen, dass sie präsent sind, bevor man sie überhaupt gesehen hat.

Er steht am Sektbüfett, seine Augen schauen auffällig lange in ihre Richtung.

Sie weiß nicht, ob er ins Nirgendwo starrt, oder zu ihr. Plötzlich steht der Mann neben ihr.

Sie spürt eine Hitzewelle im Gesicht, als er ihr mit dem Sektglas zuprostet.

Sein charmantes Lächeln schwebt durch die Luft und schlägt in ihr ein, als er sie  anspricht: »Gehören Sie zu den Ausstellerinnen?«

Als sie verneint, redet er, als müsse er einen Vortrag vor einer Prüfungskommission halten:

»Diese Villa, Anfang des 20. Jahrhunderts als repräsentatives Jugendstilwohnhaus eines wohlhabenden Industrieellen erbaut, noch vor dem zweiten Weltkrieg in Staatseigentum übergegangen, hatte die Kriegswirren fast unbeschadet überstanden. Das Gebäude diente als Hospital, als Flüchtlingsunterkunft und nach einer Renovierung in den siebziger Jahren zunächst als Jugendclub, schließlich wurde es Kulturhaus.«

 

 

Fotos Villa Weigang Bautzen

 

Das anfänglich kurze Prickeln in ihr ist erlöscht.

Er faselt von kulturpolitischen Programmen, über kulturelle und künstlerische Tätigkeit.

Wie eine Erlösung als die Kuratorin mit der Eröffnungsrede beginnt.

Danach sucht sie zwischen dem Besucherpulk nach einem Fluchtweg. Doch sie muss feststellen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, kann sie aus diesem Raum nicht entkommen.

Als die Besucher sich in kleinen Grüppchen zusammenfinden, entfernt sie sich schließlich unauffällig, stellt ihr leeres Sektglas auf die Ablage, geht in den Ausstellungsraum.

Ihr Blick fällt auf ein Kunstwerk gleich neben dem Eingang:

Collage ohne Titel, der Name der Künstlerin ist ihr fremd.

Ein Auge schaut auf sie herab.

Schwarz auf weißem Grund. Mehrere Bleistiftstriche ineinander verflochten.

Das dunkle Auge, der Blick. Schwarzweiß kennt keine Zwischentöne,

differenziert nicht, unterscheidet nicht, denkt sie.

Das Augenlid bewegt sich, die Wimpern flattern.

Hat der Sekt ihren Blick getrübt?

Der Augapfel wird groß und größer, die Pupille deutet nach unten.

Ein helles Blau, wolkenartig mit Acryl an den rechten Rand des Bildes gepinselt.

Blau, die Farbe des Vertrauens, der Klarheit, der Ruhe und Harmonie.

Das Blau, es hat gerade eben etwas in ihr zum Schwingen gebracht.

Und dann ist da das Gelb, es strahlt Wärme aus.

Gelb, die Farbe der Kraft und der Klarheit, das Licht, die Energie.

Und das Profilbild:

Der Mensch hat mehrere Gesichter, denkt sie.

Ein Gesicht, das er der Öffentlichkeit zeigt,

ein zweites, das nur enge Freunde sehen und das dritte, wenn man allein ist.

Alle drei Gesichter geben Schutz und Struktur.

Als sie sich an den plaudernden Besuchergruppen vorbeischlängelt,

ist es, als schaue das Auge ihr hinterher.

Sie geht zum Eingangsbereich, nimmt ihre Garderobe entgegen,

zuckt leicht zusammen, als der Vielredner hinter ihr steht mit dem charmanten Lächeln,

das zu Beginn beim Sektempfang in ihr ein leichtes Prickeln hervorgerufen hatte:

»Darf ich Ihnen in den Mantel helfen?«

Sie lächelt zurück, spürt eine warme Hand auf ihrer Schulter.

»Danke«, und läuft leichten Schrittes zum Ausgang.

 

Auch als Prolog zu finden im Roman „Bunter Stoff“ ISBN ‎ 978-3754327814

cschlenzig44@yahoo.de
www.christiane-schlenzig.de

 

Beitragsfotos: -kostenlos-pixabay

Skulpturenpfad – „Abendmahl“

Skulpturenpfad – „Abendmahl“

Station 6

„Abendmahl“

Das Abendmahl spielt in der Geschichte der Brüdergemeine in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rolle.

 

 

 

 

 

Die alte Böhmische Brüderkirche geht auf Forderungen von Jan Hus zurück- das waren z.B. Abendmahl für alle in Brot und Wein und Predigt in der Landessprache (nicht auf Latein). Der Kelch war das Symbol der Kirche der Böhmischen Brüder (Unitas Fratrum), deren verfolgte Nachkommen die ersten Siedler Herrnhuts waren.

Zinzendorf hatte nach vielen Gesprächen mit allen Einwohnern Herrnhuts am 13. August 1727 zu einer Abendmahlsfeier in die Bertheldorfer Kirche geladen. Dort geschah etwas Wunderbares. Aus den bisher tief zerstrittenen Einwohnern begann eine sich versöhnende Einheit zu wachsen. Bei dieser Abendmahlsfeier wurde den Teilnehmenden bewusst, dass sie Alle Gottes geliebte Kinder sind. Im streitbaren Nachbarn, in der kritisch beurteilten Nachbarin wurde plötzlich der Bruder und die Schwester in Christus gesehen. Das Mitmenschenbild änderte sich.

Nach der Abendmahlsfeier gingen alle sehr bewegt nach Herrnhut zurück und blieben auch dort noch zusammen. Die gräfliche Küche sorgte für Verpflegung und so entstand gleich noch eine neue Versammlungsform, die es bis heute gibt- das „Liebesmahl“.

In den Tagebüchern von damals liest man „Wir lernten lieben“. Ein Lernprozess der am 13.8.1727 in Berthelsdorf mit Schwung begann und anhielt. Dieser Tag gilt als Geburtstag der „erneuerten Brüder-Unität“. Aus zerstrittenen Einwohnern wurde eine Gemeinde von Schwestern und Brüdern, die aus diesem Bewusstsein der Geschwisterlichkeit und der daraus freiwerdenden Kraft der Liebe heraus, dann auch bald nach außen wirken konnte.

Ein Lehrsatz von Johann Amos Comenius wurde wichtig: „In wesentlichen Dingen Einheit, in den dienlichen Dingen Freiheit und über allem die Liebe“.

Die Skulptur zeigt einen Tisch mit Brot und Wein, dazu 13 Plätze mit den ikonographischen Symbolen der Jünger. Der Christusstuhl in der Mitte trägt das Siegel der Brüdergemeine- das Lamm (als Symbol für Christus) mit der Siegesfahne und dem Spruch auf Latein „Unser Lamm hat gesiegt, lasst uns ihm folgen“. Außerdem entspringen dem Mittelstuhl Weinreben, die alle anderen Stühle erreichen. Christus spricht (Joh 5/15), „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“.

Auch der Verräter Judas ist Teil von Jesu Tischgemeinschaft. Jesus hat niemanden ausgeschlossen oder ausgeladen, sondern sich oft auch mit denen an den Tisch gesetzt, die gesellschaftlich eher geächtet waren. Immer mit dem Ziel, ihnen zu zeigen, dass Gott sie liebt und sich freut, wenn sie ihr Leben zum Guten ändern. Die Einladung zur Tischgemeinschaft geht einher mit der Einladung zur Nachfolge. Das ist auch gar nicht besonders kompliziert. Jesus fasste das Gesetz und die Propheten einmal so zusammen: „Alles nun was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“ (Matth. 7 Vers 12).

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    21. November 2025

Station 7:   „Gehalten

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

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Foto: Haiko Spottke

 

 

 

 

„Geknöpfte Malerei“ oder „Die schönste Zweckentfremdung einer Kurzware“

„Geknöpfte Malerei“ oder „Die schönste Zweckentfremdung einer Kurzware“

Knöpfe, Knöpfe, Knöpfe.
Große, kleine,  rund und eckig, mit Muster oder durchbrochen und in allen Farben leuchtend. Das ist die „Malzutat“ von Michael Voigt.

 

 

 

 

Er malt seine Bilder mit Knöpfen. Unverwechselbar und einmalig.
Was den Künstler zu diesem ungewöhnlichen Gestaltungsmaterial führte, wie er damit seine Ideen in brillante Kunstwerke umsetzt;
oberlausitz-art hat für Euch nachgefragt.

Herr Voigt,  sehen Sie sich als Erfinder der „Malerei mit Knöpfen“?
Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Was war Ihr erstes Werk?

Als Erfinder!? Im Prinzip ja, in Motiv- und Themenwahl.
Bedingt durch das Sammeln von historischen Knöpfen, bekam ich auch eine große Anzahl von Gebrauchsknöpfen.
Diese nahmen bald überhand und so entstand die Idee, die Knöpfe als Farbelement einzusetzen.
Das erste Bild hatte den Titel “ Knopfiene“, ein gemalter Halbakt umgeben von Knöpfen.

Woher nehmen Sie diese Unmengen von Knöpfen für ihre Bilder?
Und nach welchem Prinzip wählen Sie den jeweils richtigen Knopf beim „Malen“ aus?

Auf Trödelmärkten und im Internet bin ich ständig auf Suche.
Bei Ausstellungen, wie z.B. in Pulsnitz, Warendorf und Eichwalde, wurden größere Mengen an Knöpfen anstatt von Eintrittsgeld abgegeben.
Öfters kamen auch Zusendungen von Haushalts- bzw. Betriebsauflösungen.
Die Knöpfe werden im Groben nach Farbe vorsortiert. Die richtige Auswahl ist dann von Motiv und Empfindung abhängig.

Wie entsteht ein Knopfkunstwerk?
Gibt es notwendige Vorarbeiten?

Wichtig ist die Konzeption.
Das Motiv wird auf den Bildträger übertragen und farbig komplett malerisch ausgearbeitet.
Damit ist die Grundlage für die Knopfarbeit vorhanden.

Sie haben sich bereits selbst in Knöpfen verewigt.
Welche bekannten Mitmenschen haben Sie schon dargestellt?

Ja, tatsächlich ist schon eine beträchtliche Anzahl an Portraits entstanden.
Zum Beispiel die Gründer der Knopfindustrie:
Johanna Müller in Bärnau/Oberpfalz,
Hermann Donath in Schmölln,
Herr und Frau Zierfuhs in Bad Frankenhausen und
Johann Nepomuk Ernst in Löbau.
Auch Politiker und Schauspieler habe ich schon dargestellt.
Schauspieler Bodo Wolf, Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Dr. Müller-Kaller,
den Bürgermeister von Bärnau, Herr Stier, Liesa Eckhart und Helge Schneider.

Herr Voigt,  in dieser besonderen Technik erschaffen Sie nicht nur Bilder, sondern auch Skulpturen und Büsten.
Was sind die entsprechenden Unterschiede bei der Umsetzung?

Bei den dreidimensionalen Werken werden die Holzklötzer, teilweise aus Abrissholzbalken, zu Häusern, Türmen und Burgen zusammengestellt.
Die Perückenköpfe und Torsos werden immer zu einem bestimmten Thema mit Applikationen gestaltet.
So zum Beispiel bei den Objekten Pechmarie und Goldmarie, bei den Schmetterlingen und verschiedenen Blumen.

Von Haus aus sind Sie Maler und Grafiker. Mit Knöpfen „malen“ Sie seit 2010.
Kommt die klassische Malerei heute zu kurz?

Nein, die klassische Malerei ist dabei Voraussetzung für die Knopfbilder.
Ich male immer noch mit Leidenschaft Landschaftsbilder und Blumenstillleben

Wo kann man sich Ihre Knopfarbeiten ansehen?
Wo stellen Sie demnächst aus?  Gibt es eine Dauerausstellung?

In meiner Galerie „NEU“ in Neusalza-Spremberg können verschiedene Arbeiten angeschaut werden.
Einige sind immer auf irgendeiner Ausstellung. So zum Beispiel vom 7. September – 9. November 2025 in der Ostsächsischen Kunsthalle Pulsnitz,
mit einer Kabinett- Ausstellung von Norbert Hofer (1922-2020).
Oder auch 2026, von Mai bis November, im Stadtmuseum Torgau.

Ich kann mir vorstellen,  dass Sie im Laufe der Zeit auch auf kleine „Knopf-Seltenheiten“ gestoßen sind.
Gibt es auch eine Sammlung der Knopf-Besonderheiten und Kuriositäten?

Ja, das ist so. In den Schachtel auf den Trödelmärkten, oder auch beim gezielten Suchen nach besonderen Knöpfen, trifft man immer wieder auf wahre Seltenheiten.
Die Thementableaus befinden sich im Knopfbuch ll, als historische Sammlung.
Das Buch, „Knopfkunst II“,  können Sie in jeder Ausstellung von mir erwerben oder auch bei mir persönlich in Neusalza-Spremberg.

 

Oberlausitz-art wünscht Ihnen noch ganz viele, tolle Ideen und bedankt sich herzlich für das Gespräch.

 

Fotos: Haiko Spottke

Skulpturenpfad – „Be teil igt“

Skulpturenpfad – „Be teil igt“

Station 5

„Be teil igt“

 

 

 

 

 

Die Station 5 ist nicht einfach zu verstehen und noch schwieriger umzusetzen. Der Text stammt von Andreas Neu:

 

Abgewandt und Tief im Zweifel

Ein Teil ist immer auch nur dort

Getrübt ist das Erkennen das sich nährt aus der Verzweiflung

Und da ist kein Bedauern nur zum Schein

Es muss genannt sein

Und eine Kraft wächst, wenn ein höheres Selbst Vergebung schenkt

Und ein Gebet das ist der Hort

Wenn DU mich suchst dann bin ICH dort

 

Bevor es nach einem Streit zur Versöhnung kommen kann, ist das Einsehen und Bedauern von eigener Schuld nötig und der schwere Schritt, um Vergebung zu bitten und selbst auch zum Verzeihen bereit zu sein.

Christen beten regelmäßig im „Vater unser“ …Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern… Wir bitten Gott darum, uns zu vergeben und nehmen uns gleichzeitig gegenüber unseren Mitmenschen selbst in die Pflicht zu verzeihen und zu vergeben. Christen müssten also eigentlich Vorbilder im Konfliktelösen sein, sind sie aber leider nicht immer.

Der entscheidende Schritt fällt oft sehr schwer (manchmal zu schwer)- losgehen und um Vergebung / Entschuldigung zu bitten. Und selber wirklich zu verzeihen, wenn man seelisch oder körperlich verletzt wurde, ist ja auch nicht einfach! Aber wenn man den Mut und die Kraft dazu aufbringt, dann können die Ergebnisse oft Wunder bewirken. Das Wissen darum, dass Gott uns die Kraft und den Mut dazu gibt, kann helfen, die entscheidenden Schritte auf den Weg der Versöhnung zu wagen.

Die beiden Sandsteinplatten gehören zusammen und sind doch (noch) getrennt. Der Text ist holprig und nicht so leicht verständlich- wie der Weg zur Versöhnung. Es gibt Interpretationsspielräume und doch kann man im Text klare Hilfestellungen finden, wenn man genau hinschaut.

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    31. Oktober 2025

Station 6:   „Abendmahl

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Haiko Spottke

 

 

 

 

Der Schauspieler

Der Schauspieler

Oktober – Eine Erinnerung an das Ende der 80iger Jahre.

Ein Kapitel aus dem Roman „Flügel zitternd im Wind“.

 

Der Schauspieler

Die letzte Theatervorstellung vor der Sommerpause. Ein Schüleranrecht.

Ein letzter Theaterbesuch für die Abiturienten.

 

 

 

„Die Legende von Paul und Paula“ stand auf dem Programm. Nach dem erfolgreichen Film gab es nun eine Bühnenfassung.

Eine prickelnde Spannung als sich der rote Samtvorhang langsam öffnete. Die Bilder auf der Bühne, eine Flucht aus der Wirklichkeit in die Welt der Träume. In dem Drama sah sie ihn zum ersten Mal. Die Bewegung des schmalen, fast noch jungenhaften Körpers, die der Hände. Sie hörte seine Stimme. Es war, als ob er die Worte entkleidete. Manchmal schlichen sie sich nur ganz behutsam aus seinem Mund heraus – klangvoll, weich. Dann wieder dröhnten und polterten sie über den Bühnenboden.

Er, Student an der Schauspielschule im letzten Studienjahr, spielte den Paul so genial, so zu Herzen gehend. Sogar die ewigen Störenfriede saßen gebannt auf ihren Plätzen. Sie hatte, wie alle ihre Mitschüler, eine Rose mitgebracht.

 

 

 

 

 

Der Direktor der Schule und seine Schüler wollten dem Ende der Spielzeit – der letzten Vorstellung –- einen Akzent setzen. Ein Dankeschön an die Schauspieler. Die Blumen sollten am Ende, wenn sich der Vorhang ein letztes Mal öffnete, auf die Bühne geworfen werden.

Ihr Herz flattert erneut bei den Erinnerungen an jenen Abend: Sie hatte sich, als der Vorhang endgültig fiel, hinausgeschlichen, wartete mit ihrer roten Rose am Bühneneingang auf den Hauptdarsteller, und als er kam, war sie mutig auf ihn zugegangen und hatte ihm die Rose überreicht. Der Schauspieler hauchte einen Kuss auf die Blüte, schaute sie an:

»Danke Paula.« Ein blitzlichtartiges Strahlen in seinen Augen. Hatte er sie wirklich Paula genannt? Sie spürte heute noch das prickelnde Gefühl und die aufsteigende Röte in ihrem Gesicht.

Herbst 1989. Jahre waren vergangen. Er war wieder da.

Eine Gastrolle. Er spielte den Wang in Brechts Schauspiel: Der gute Mensch von Sezuan. Die Karten für die Schauspielpremiere waren schon seit Wochen ausverkauft. Das Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Knistern in der Luft. Ihr Herz flatterte. Sie hatte wieder eine Rose besorgt, diese sorgfältig in Seidenpapier gewickelt, in der Garderobe hinterlegt. Der Vorhang öffnete sich. Das Programmheft lag aufgeschlagen auf ihrem Schoß. Sie hatte seinen Namen gelesen und wollte in ihre alte Rolle schlüpfen, die des verliebten Teenies, aber es war viel Zeit verstrichen. Ihr Schauspieler hatte das Jungenhafte verloren. Er strahlte eine Reife aus, die sie auf ganz andere Weise faszinierte. Mit großer Hingabe spielte er den Wang in Brechts Stück. Sein Dialog mit den Göttern:

»… oh, du schwacher Mensch. Wo Gefahr ist, denkt er, gibt es keine Tapferkeit!«

Mit einem Glas Sekt drängte sie sich in der Pause in eine Ecke des Foyers. Sie suchte einen Ort der Stille, in dem die Gedanken ungehindert fließen konnten. Nach der Pause ließ sie sich in den roten Schalensessel fallen und blätterte nervös in ihrem Programmheft, der Vorhang öffnete sich wieder. Die Götter erschienen Wang im Traum. Wangs Stimme ließ sie erschauern. »Der einzige Ausweg wäre aus diesem Ungemach, Sie selber dächten auf der Stelle nach.«    Und dann der Epilog: »Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss, es muss ein guter werden …«

Eine bisher ungekannte, geeinte Lautlosigkeit im Saal, erst dann folgte ein lang anhaltender, tosender Beifall.

Der Vorhang war gefallen. Stille. Sekunden einer Ewigkeit vergingen.

Ihr Schauspieler trat noch einmal vor den Faltenwurf aus rotem Samt, auf den schmalen Grat von Bühnenrand und Vorhang:

»Wir eröffnen unseren Dialog mit der Regierung unseres Landes mit konkreten Vorschlägen und Forderungen …«

Forderungen, das war sehr gewagt! Ihr wurde ganz heiß. Forderungen auf Transparenten in einer riesigen Menschenansammlung auf der Straße waren etwas anderes als die einer kleinen Gruppe, aus dem Mund eines einzelnen.

Jedes gelesene Wort fiel aus seinem Mund, wie ein schwerer, kalter Stein. Kein Beifall, aber Zustimmung lag spürbar in der Luft, Bewunderung auch. Und eine Bangigkeit, die jeder einzelne Theaterbesucher in sich einschloss und speicherte. Hinter der Bühne war es ihr wie damals. Ein Glanz des Erkennens, des Erinnerns in seinen Augen: »Du? Wie lange ist es her, zwei Jahre oder mehr? Das Leben hat dich schöner werden lassen«, es sollte wohl ein Kompliment sein. Sie sah seine müde Haut, eine steile Falte auf seiner Stirn. Dann sah sie seine flatternde Unruhe und die Kehle wurde ihr eng, als sie seine brüchige Stimme hörte, sperrig wie Stacheldraht:

»Meine Bühne wird wohl jetzt eine andere werden. Ich lerne die Rolle des Inhaftierten, der die Gesetze und die Verfassung unseres Landes bis in jeden einzelnen Paragrafen im Kopf haben muss, um mich gegebenenfalls selbst verteidigen zu können. Verstehst du das?« Sie schaute ihn hilflos an. Die großen Gefühle fielen in sich zusammen. Sie trug seine Worte hinaus in die dunkle Herbstnacht.

Als sie auf die regennasse dunkle Straße hinaustrat, glaubte sie, mehrere Polizeiautos hinter der Buchenhecke zu erkennen, aufmerksam wie Raubvögel, die lauernd ihr Beutefeld überblicken.

Einen Monat später, die Erinnerung an die Theateraufführung ist noch spürbar nah in ihr und doch wie außerhalb jeglicher Zeit:

Mit aufgebrochenen Grenzen soll etwas zusammenwachsen.

Ein Beben in der Zeit. Ihr Schauspieler ist frei, seine Stimme schallt über den Theaterplatz mit neuer Kraft. Es fliegen Worte durch die Luft – mikrofongesteuert – und bleiben zwischen den Häuserwänden hängen.

Menschengruppen, in bisher schwer durchschaubaren Beziehungen zueinander, führen Gespräche und jeder lernt jeden nun anders kennen.

Dann steht ihr Schauspieler eines Tages vor ihrer Wohnungstür, für einen Augenblick ist sie wie gelähmt. Sein Lächeln ist weder das von Paul, noch von Wang, es ist das Lächeln, in das sie sich schon damals verliebt hatte. Wie viele Türen hat dieses Lächeln aufgestoßen? Einen Augenblick ist der Gedanke in ihr, dann überlässt sie sich dem Ansturm auf ihren Körper, ein Zittern, das von Sekunde zu Sekunde stärker wird. Seine Umarmung ist sanft und warm und im Nacken kitzelt eine Rose, rot und duftend.

Als sie sich voneinander lösen und er mit einer Unsicherheit in der Stimme fragt: »Kann ich bleiben?«, spürt sie ihr Herz wie einen weichen Schwamm oben in ihrer Kehle. Es ist ein warmer Sommerabend und sie sitzen bis lange nach Mitternacht auf dem Balkon. Er erzählt von neuen Worten, die wie bunte schillernde Seifenblasen vom Westen herüberschwappen.

»Die einzigartigen Worte der deutschen Sprache sind in Gefahr.

Die Wortspiele auf der Bühne … Wer will die jetzt hören? Wer will von Paul und Paula hören und deren Legende? Oder von Brecht?«

»Ich«, sagt sie zärtlich. »Du bist mein Wang!« Sie will aufheitern und schafft es doch nicht. Ihr Schauspieler kann erst seine Trauer abstreifen, als er neben ihr liegt, seinen Kopf in ihrem Haar vergraben. Und irgendwann hat er sich in ihren Armen weit weg geschlafen. Sie atmet den warmen Duft seiner Haut und findet noch lange keinen Schlaf.

Der Morgen hat die Stadt mit Sonne überschüttet. Sie führt ihren Wang durch die Straßen, die er nur vom Theater aus kennt.

Die schöne Altstadt. Sie liebt ihre Stadt. Die alten Gassen, die Stadtmauer, die Türme, den Dom.

Sie verweilen einen Moment lang im Eingangsbereich des Theaters.

Wie wird ein neuer Spielplan aussehen?

So wie das Markttreiben vor ihnen?

Sie versucht, ihren Wang von schwarzen Gedankengängen abzulenken und zieht ihn zum Marktplatz hin.

Auf dem Platz vor dem Rathaus herrscht reges Treiben.

»Das Rathaus mit der großen Sonnenuhr aus dem 17. Jahrhundert …«

Mit einem Wortsprudel aus Geschichtszahlen und Architektur hat sie ihn unter den Rathausturm geredet. Erst jetzt merkt sie, dass ihr Schauspieler unkonzentriert ist. Die Worte, die aus ihrem Mund weitersprudeln wollen, bleiben auf ihrer Zungenspitze hängen.

Ihr Schauspieler schaut mit stumpfen Augen. Einheimische Händler, Bauern aus den umliegenden Dörfern bieten aus eigenem Anbau ihr Gemüse an. Ein Obststand mit Äpfeln und Birnen.

Der Besitzer eines himmelblauen Trabants hat seinen Kofferraum zum Gemüsestand umfunktioniert. Unter seiner hochgeklappten Hecktür bietet er Zwiebeln und Tomaten an, liebevoll sortiert nach Größen.

Niemand nimmt Notiz davon. Ihr Rathaus verschwindet hinter einem großen bunten Zelt, in dem aufeinandergestapelte Bananenkisten winken.  Eine Menschenschlange drängelt und schiebt. Sie blinzelt unauffällig aus schmalen Augenwinkeln zu ihrem Wang hinüber.

Aus einem Lautsprecher unterhalb des Rathausturmes dröhnt Schlagermusik: Eine neue Liebe, ist wie ein neues Leben …

 

Aus „Flügel zitternd im Wind“, Roman  ISBN : ‎ 978-3750428904,

auch als E-Book erhältlich, überall wo es Bücher gibt!

 

cschlenzig44@yahoo.de
www.christiane-schlenzig.de

 

Beitragsfotos: -kostenlos-pixabay

„Summer uff’m Durf“

„Summer uff’m Durf“

Sommer auf dem Lande oder in der Stadt.
Jedem Sommer-Fan fallen da sofort ganz eigene Geschichten ein. Erinnerungen aus der Kindheit.
Erlebnisse auf dem Kirschbaum bei Oma, Baden mit Freunden im See und Eis in der Waffel beim Eiswagen um die Ecke.
Gefühle und Erinnerungen, die keiner von uns missen möchte.
Behutsam, einfühlend und in der Sprache seiner Heimat besingt FEUERZEUX,  alias Torsten Münnich, das einfache Leben mit scharfsinnigem Humor.

 

 

Sich selbst beschreibt er wie folgt:
„Als ich klein war,  hab ich mit einem Speer im Wald Drachen getötet. Und für jeden Sommer der anfing, brauchte ich dringend einen selbstgebauten Pfeil und Bogen und neue Fußballschuhe“.
Wie es Heute um seine Drachen steht und ob die Fußballschuhe am Nagel hängen; oberlausitz-art hat für Euch nachgefragt.

 

Herr Münnich, wie ist es?
Sprechen Sie noch mit Drachen?

Die kleine Geschichte mit den Drachen, welche zu meinem Lied „Der letzte Drachentöter“ geführt hat, hat ihren Ursprung in meiner Kindheit auf dem „kleinen Dorf am Ende der Welt“ –Walddorf.

Meine Großeltern hatten einen kleinen Garten direkt am Wald. Ein kleines Gartentor führte direkt in den Wald aus alten, hohen Fichten.

Eines Tages hatte ein Sturm fast den gesamten Wald umgelegt und dadurch war ein unglaublicher Spielplatz aus Höhlen, Gratern, Balancier-Stämmen, geheimen Pfaden und Drachen entstanden- nämlich die Wurzelscheiben der umgekippten Tannen, die bedrohlich und hoch in den Himmel standen.

Mein Großvater war in seinen jungen Jahren ein begeisterter Sportler gewesen und hatte aus dieser Zeit in seinem Werkzeugschuppen eine rostige Kugelstoß-Kugel und einen Speer behalten. Und mit diesem Speer, einem kleinen Beil und ein Messer am Gürtel ging ich in diesem schauerlichen Wald auf Drachenjagt. Ich denke, ich war nicht älter als sieben oder acht Jahre.

Und ja, ich spreche noch mit meinen Drachen. Wenn auch in der Gestalt, in der sie mir heute auflauern.

 

Wie sind Sie zur Musik, zum Texten gekommen?
Woher kommen Sie beruflich?

In der Berufsschule hatte ich einen Internats- Zimmer-Mitbewohner, welcher mich mit der Musik von Reinhard Mey, Herman van Veen, Heinz Rudolf Kunze und vor allem Gerhard Schöne zusammengebracht hat. Ich war beeindruckt, wie Musik über Texte, Inhalte und letztlich über Substanz berühren kann.

Aber erst 20 Jahre später habe ich angefangen, mir selbst Gitarre spielen beizubringen, erste Lieder selbst zu texten und zu komponieren, ohne nur die Absicht zu haben, aufzutreten oder sie überhaupt einem größeren Publikum näherzubringen.

In dieser Zeit nämlich, hatte ich in meiner kleinen Ofenbaufirma in den Sommermonaten fast nichts zu tun, und so verbrachte ich meine reichlich freie Zeit mit Gitarre spielen und Lieder schreiben. Diese ersten Lieder habe ich auf einfachste Art aufgenommen, auf CD gebrannt und als „selbstgebasteltes Geschenk“ stolz meinen Eltern überreicht. Die organisierten sofort ein Konzert und so nahm die Sache ihren Lauf.

Den Beruf des Ofenbauers habe ich gelernt und verdiene bis zum heutigen Tag damit einen Teil meiner Brötchen.

Diese Selbstständigkeit lässt mich selbstbestimmt, frei und ungebunden leben, was ein unverzichtbarer Bestandteil meines inneren Friedens ist.

 

In Ihren Liedern geht es oft um ganz banale Dinge.
Sehr einfühlsam und oft auch melancholisch erzählen Sie Geschichten, die eigentlich jeder kennt.
Und doch verstehen Sie es, den Zuhörer  nachdenklich werden zu lassen.
Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Mein Erfolg überrascht mich bis heute.

Eben, weil es immer einfache Geschichten sind, die ich erlebt habe. Ob sie nun heute Vormittag oder weit in meiner Kindheit geschehen sind, ist dabei egal. Aber immer ist die Geschichte hinter den Ereignissen und die Bedeutung, die sie für denjenigen hat, die eigentliche Substanz, die mich beschäftigt.

Das gerade diese Blickwinkel auch meine Zuhörer bemerkenswert finden und nachdenklich werden lassen, freut und erstaunt mich gleichzeitig.

So ist über die Jahre ein wunderbarer Dialog mit meinem Publikum entstanden, welcher mich scheinbar unaufhörlich mit neuen Ideen versorgt und mich ein auf‘s andere Mal überrascht und inspiriert.

 

Welches ist Ihr persönlicher, eigener Hit?
Mit welchem Lied identifizieren Sie sich am meisten? Und wie kam es zum Text?

Das Lied, welches ich am häufigsten spiele, ist „Ok Buusch und a boar Steene“.

Es ist auch auf YouTube das mit Abstand erfolgreichste Lied. Das hätte ich nicht erwartet aber es hat wohl einen Nerv getroffen.

Das Lied, in dem ich mich am Tiefsten wiederfinde, ist tatsächlich mein erstes Lied „Summer uff’m Durf“.

Ich hatte angefangen, darüber nachzudenken, einen Sommertag z.T. als Kind in der Erinnerung nochmal zu erleben und glitt dabei wie selbstverständlich in meine Mundart über, obwohl ich schon 20 Jahre nicht mehr in der Oberlausitz wohnte. Das war der Moment als ich bemerkte, wie mächtig meine zurückgelassene Heimat noch in mir wohnte und lebte und wie leicht es mir fiel, meine Kindermundart zu benutzen.

 

Welches Konzert ist Ihnen noch am liebsten in der Erinnerung?

Was war Ihr Konzerthightlight?

Ich werde wohl nie mein erstes Konzert vergessen, welche meine Eltern in Walddorf für mich organisiert hatten. Es kamen etwa hundert Leute, ich hatte kaum Tontechnik, ich war irre aufgeregt und habe mich echt gefragt, ob sowas überhaupt etwas Leistbares für mich und mein Nervenkostüm ist.

Das bemerkenswerteste Konzert für mich war das Konzert im Oktober 2024 in der Walddorfer Kirche. Es kamen so viele Leute wie nie zuvor.

Die Stimmung war unglaublich.

Aber das Schönste für mich bei meinen Konzerten ist, wenn das Publikum meine Texte mitsingt. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut.

 

Herr Münnich, haben Sie musikalische  Vorbilder?
Mit wem möchten Sie mal auf der Bühne stehen?
Liegt Keith Richards da ganz vorn?

Noch hätte ich ja die Chance mit Keith Richards!

Meine Vorbilder habe ich ja schon genannt, aber es kommen immer wieder neue dazu. Ich höre oft Musik und bin immer wie ein Kind überrascht, wenn mich Neues begeistert.

Aber genauso bin ich auch immer mal wieder erschrocken, wieviele belanglose Werke es gibt und wundere mich über deren scheinbaren Erfolg.

Ich stehe sehr gerne mit Musiker-Kollegen auf der Bühne und eigentlich war „Feuerzeux“ als ein Mitmachprojekt gedacht- für alle, die auch so hobbymäßig Musik machen.

Genannt seien hier Wolfgang Kießlich vom Blausteinhof (der eigentlich noch zu meinen Vorbildern zu zählen ist), der Akkordeonspieler Peter Kanis und natürlich mein Neffe Max.

 

Sie haben fast jedes Jahr eine CD heraus gebracht.
Was ist mit den Jahren  2020 und 2023?
Hat Ihnen Corona sehr zugesetzt? Und da meine ich vor allem die verordneten Umstände.

Die Corona-Zeit war für mich, so wie für viele andere, eine außergewöhnlich harte Prüfung. Dabei waren Ereignisse in der Familie und die Beschneidung der persönlichen Freiheit Fakten, die mich am allermeisten belastet haben. Der Blick in eine höchst unsichere Zukunft und das Abgeschnitten sein vom Publikum hat meine Kreativität derart gelähmt, dass mir nicht nach Lieder schreiben zu Mute war.

Oder es wären Lieder entstanden, welche nicht meinem wahren Wesen entsprochen hätten.

 

Wie sieht Ihr Konzertplan aus?
Wo kann man Sie demnächst sehen und hören?

Ich spiele pro Jahr drei bis vier Konzerte. Wobei die meisten noch am Abend des Konzertes für das nächste Jahr per Handschlag wieder klargemacht werden.

Ein Dauerbrenner ist z.B. das Konzert an der Windmühle in Seifhennersdorf, welche seit etwa 8 Jahren in schöner Regelmäßigkeit stattfindet und zu dem immer ca. 300 Leute kommen.

Sehr gerne spiele ich in der Alten Mangel in Ebersbach. Da passen zwar nur 100 Leute rein, aber Stimmung ist fantastisch und ich mag die Leute vom Verein.

Genauso ist es beim Karlihaus in Seifhennersdorf. Dort werde ich mein voraussichtlich letztes Konzert in diesem Jahr am 11. Oktober spielen.

Zwischendurch darf ich auch mal auf dem einen oder anderen Dorffest auftreten.

Auf meiner Internet-Seite www.feuerzeux.de kann man sich immer informieren.

 

Herr Münnich,  Sie sind in Walddorf geboren.
Ein waschechter Oberlausitzer also.
Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat Oberlausitz?

Die Oberlausitz steckt in meinen Knochen, fließt in meinem Blut und wohnt in meiner Seele. Sie ist ein Teil meines Wesens und findet ihren Ausdruck in meiner Mundart, im heiteren Blick auf die täglichen Dinge, im granitschädelichen Umgang mit den Gemeinheiten des Lebens und im gelassenen Sein.

„Ok ne jechn!“

Ich bin mit meinen, nun schon erwachsenen, Kindern immer wieder hergekommen und meine Kinder besuchen die Oberlausitz heute nun schon mit ihren Kindern.

Ich mag den Menschenschlag, so wie ihn Piehler in „Oberlausitz geliebtes Heimatland“ beschreibt- „rau von Art, doch treu wie Gold“.

Ich liebe die Felder und Wiesen, die Felsen im Gebirge und die Wälder, und ich hoffe, dass auch in Zukunft noch kleine Jungs und Mädchen in ihnen herumstrolchen, Buden bauen, Abenteuer erleben, die Liebe zur Heimat entdecken und natürlich: Drachen töten.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Oberlausitz-art wünscht Ihnen großartige Konzerte und viel Glück beim Drachen töten.

 

Fotos: Torsten Münnich

Skulpturenpfad – „Streit“

Skulpturenpfad – „Streit“

Station 4

„Streit“

 

 

 

 

 

Da Zinzendorf den neuen Siedlern eine gewisse Glaubensfreiheit gewährte, wuchs der neue Ort rasch und es trafen sehr unterschiedliche Glaubenstraditionen und -Glaubensvorstellungen aufeinander. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten und Streit zwischen verschiedensten religiösen Strömungen. Christian David, der das erste Haus gebaut hatte, baute sich ein neues außerhalb, weil er damit rechnete, dass Gott diesen Ort des Streites bald zerstören würde. Herrnhut erlebte seine erste schwere Krise. Eine Einigung oder zumindest duldende Toleranz schien nicht möglich.

Zinzendorf quittierte sein Amt als Hofjustizrat in Dresden und zog auf sein Gut in Berthelsdorf, um sich intensiver um den neuen Ort und seine Bewohner kümmern zu können. Als Ortsherrschaft hätte er ein Machtwort sprechen können, aber er bemühte sich über Gespräche die verhärteten Positionen einander näher zu bringen, was nicht einfach war.

Wie es trotzdem gelang, davon erzählen die beiden nächsten Stationen.

Die Skulptur Streit besteht aus drei Skulpturenpaaren und beginnt unerwartet hinter einer Kurve. Man ist plötzlich mittendrin zwischen zwei übergroßen Skulpturen, die sich ganz offensichtlich energisch streiten. Es ist die akute Konfrontationsphase. Keine Seite hört wirklich zu, man wirft dem Gegenüber die Argumente laut an den Kopf oder hält Fehler vor, da kann jede und jeder der Fantasie freien Lauf lassen.

Ein paar Meter weiter steht ein weiteres Figurenpaar. Die Streitenden haben sich trotzig voneinander abgewandt. Mit der Anderen oder dem Anderen weiter zu diskutieren erscheint sinnlose Zeit- und Kraftverschwendung.

Zwei Dickköpfe kehren sich den Rücken zu. In Sachsen könnte man sagen die „dickschen“.

Wieder ein paar Schritte weiter- die Skulpturen werden immer kleiner- sind zwei nachdenkliche Köpfe zu sehen, die sich zwar noch nicht wieder ansehen, die aber in dieselbe Richtung- nach vorne- schauen. Die Köpfe kommen aus Betonquadern, die langsam aufbrechen. Ein Nachdenken hat eingesetzt und die festgefahrenen Meinungen beginnen zu bröckeln.

Auf dem Skulpturenpfad kommt man rasch von einer Phase in die nächste. Im wahren Leben können die einzelnen Phasen Tage, Wochen oder gar Jahre dauern. Von Kindern kann man hier etwas lernen- da geht es oft überraschend schnell vom lauten Streit zum „lass uns wieder Freunde sein“. Erwachsene tun sich da leider deutlich schwerer. Es lohnt sich nachzudenken, ob man vielleicht selbst gerade in einer Streitphase feststeckt und wie man daraus wieder herauskommen könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Haiko Spottke

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    17. Oktober 2025

Station 5:   “ Be teil igt

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

 

 

 

Skulpturenpfad – „Unter der Obhut des Herrn“

Skulpturenpfad – „Unter der Obhut des Herrn“

Station 3

Unter der Obhut des Herrn

 

 

 

 

Herrnhut ist unter den Oberlausitzer Siedlungen das „Küken“. Während ringsherum alle Dörfer ihre 700- Jahrfeiern hinter sich haben, konnte der Ort Herrnhut 2022 gerade einmal seinen 300. Geburtstag feiern. Weil Herrnhut so jung ist, weiß man dafür genau wann, wo und wie der Anbau tatsächlich losging, nämlich mit dem Fällen einer Tanne am 17.6.1722 durch den mährischen Zimmermann Christian David nahe der ehemaligen B178 im Wald südlich von Herrnhut. Als frommer Mann betete Christian David vor dem ersten Axthieb mit Worten aus dem 84. Psalm: „…Der Vogel hat ein Haus gefunden, die Schwalbe ein Nest, da sie Junge hecken….“ Noch heute erinnert der „Denkstein“ im Wald an dieses Ereignis.

Die Skulptur zeigt ein Nest unter zwei schützend darüber gehaltenen Händen. Das Nest besteht aus den Werkzeugen der damaligen Erbauer und wenn man dort etwas finden sollte, was es damals noch nicht gab, dann zeigt das, dass so ein Nest nie wirklich fertig ist- jede Generation baut/repariert daran weiter.

Am 9.5.45 hat Herrnhut erlebt, was es bedeutet, wenn die schützenden Hände über dem Nest mal nicht da sind. Durch Brandstiftung der feiernden Roten Armee ging ein Großteil des Stadtzentrums in den ersten Stunden des Friedens in Flammen auf. Die Brüdergemeine hat diese Brandkatastrophe als Strafe dafür angesehen, dass man sich im dritten Reich zu spät und auch nicht energisch genug gegen das Regime gestellt hatte.

Im späteren Verlauf des Krieges mussten viele Kirchen Glocken abgeben. Diese wurden nach Hamburg gebracht, wo sie zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurden. Auch Herrnhut musste sich von Glocken trennen.

Als der 2. Weltkrieg vorüber war, gab es in Hamburg auf dem sogenannten „Glockenfriedhof“ noch viele Glocken, die noch nicht eingeschmolzen worden waren. Kaum jemand wusste welche Glocke zu welcher Kirche gehörte. Auf einer Glocke stand allerdings der Name Herrnhut drauf- in Verbindung mit einer Liedstrophe Zinzendorfs:

„Herrnhut soll nicht länger stehen, als die Werke Deiner Hand ungehindert drinnen gehen- und die Liebe sei das Band.“

Dadurch konnte man die Glocke rasch zuordnen und das Erste, was aus den Ruinen des Kirchensaales wieder aufgebaut wurde, war das Türmchen für diese Glocke, deren Liedstrophe über den Ruinen des zerstörten Herrnhuts wieder erschallte.

Herrnhut stand nicht mehr, bekam aber eine zweite Chance und bis auf die Gasthofecke, den Parkplatz beim Paul-Bäcker und den Kirchgarten sind mittlerweile alle zerstörten Häuser wieder aufgebaut- oft größer und natürlich moderner als zuvor.

Die Glocke, die jedes Jahr am 17.6. (dem Tag der Fällung des ersten Baumes) geläutet wird, ist Mahnung und Herausforderung zugleich: Die segnenden und schützenden Hände Gottes haben die Herrnhuter daran geknüpft, dass Gottes Wirken im Ort spürbar sein soll- sei es in Kindergärten, Schulen, Diakonischen Einrichtungen, den Betrieben, dem Hospiz oder einfach dem Miteinander im Ort. Herrnhut bleibt also eine Dauerbaustelle, denn dazu müssen möglichst Alle täglich beitragen- gelingt leider nicht immer, aber wenn, dann liegt auch spürbarer Segen darauf.

 

Die Station 3 ist verbunden mit der Empfehlung, sich die dazu passende, sehr informative Sonderausstellung im Heimatmuseum (80 Jahre Kriegsende/großer Brand von Herrnhut) mal anzuschauen.

Luftbild Herrnhut vor der Zerstörung

Zerstörter Kirchensaal

Kirchensaalruine mit Glockentürmchen

Nahaufnahme der Inschrift der Glocke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    19. September 2025

Station 4:   “ Streit

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

 

 

 

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