Maslow. Im Ernst.

Maslow. Im Ernst.

Eine Geschichtenreihe aus dem Buch: „Renate löscht. Das Licht.“

Von Manuela Bibrach

 

 

Illustration von Pètrus Akkordéon

 

Maslow. Im Ernst.

 

Ernst hatte das Ruder herumgerissen. Es allen zeigen. Nie getraut, aber jetzt! Hat reinen Tisch gemacht. Job, Freunde, Ehe. Den Arsch voller Tränen, aber fette Rosinen im Kopf, hatte seine Frau gesagt. You’re a Loser, Baby, hatte ein Freund gelacht und Pizza gekaut. Zum Aufsteigen haben Sie nicht die richtigen Schuhe an, hatte der Chef gewitzelt und sich in den Sessel gefläzt. Gehen Sie zurück zu Feld eins, stand in der Spielanleitung bei der grün markierten sechsunddreißig, auf die Ernst sich gewürfelt hatte und plötzlich kapierte: Alles auf Anfang! Ernst, der Drachenbaum, der wächst, indem er die unteren Blätter abwirft. Oben kommen bessere nach. Neue Triebe, neues Leben. Studieren vielleicht? Oder kreativ! Naive Malerei? Auf jeden Fall berühmt. Prominent. Ernst hatte investiert. Geld, Zeit, Nerven. Vor allem Nerven. Lagen bald blank. Doch wer hoch hinaus will, muss leiden. Dachte Ernst. Und später dann happy. Von oben herabsehen. Endlich Spitze. Maslowsche Bedürfnispyramide. Die Basis muss stimmen – Nahrung, Sicherheit, Soziales. An der Spitze, wenn die Pyramide steht, Selbstverwirklichung. Ernst hatte gelernt. Dass man sich nicht umdrehen darf. Dass man immer weitergehen muss. Augen zu und durch.

Wenn man Drachenbäume zu oft gießt, gehen sie ein. Wurzeln faulen. Blätter fallen. Nicht nur die unteren. Hatte Ernst erst erkannt, als das letzte Blatt schon lose war. Schob oben nichts mehr nach, grüner und besser. Was blieb, waren versumpfte Erde und knorpelige Stängel. Biomüll.

Ernst kocht Kaffee. Gibt Sahne rein, zwölf Prozent. Wer hat, der hat. Wenn das Telefon klingelt, checkt Ernst die Rufnummer und gibt sie bei Google ein. Vielleicht die Zeitung? Ein Produzent? Ein Mäzen? Meist wollen ihm nur Callcenter mit rhetorischen Tricks an die Tasche. Mehr Strom für weniger Geld. Ergo Direkt. Hubschrauberrettung. Tiere in Not.

Ernst war selber mal ein Tier in Not. Ein dürftiger Gaul im Angorapullover. Eigentlich sollte er im Kindergarten den Froschkönig spielen, doch weil er so schüchtern war, ihm die Worte wie Bauklötze im Mund lagen, musste er raus aus dem Brunnen. Bekam die stumme Rolle: Pferd. Mit weißer Strumpfhose und Federbüschel am Kopf. Am Ende des Märchens zog er die Kutsche mit dem glücklichen Paar, Prinz und Prinzessin mit Perücke und Krönchen. Zwei-Minuten-Auftritt mit Getrappel und gesenktem Blick. Kutscher Heinrich sprangen die eisernen Bande vom Herzen, denn sein Herr war vom bösen Zauber befreit. Ernst sprang auch. Vor dem Blick seiner Mutter bei der Aufführung. Die Eltern in großem Rund im Speiseraum. Vom Froschkönig zum Strumpfhosen-Schimmel. Die goldene Kugel. Die Prinzessin. So schön, dass die Sonne. So traurig, dass es einen Stein. Ernst sammelt Froschkönige. Auf Tassen, als Nippes, aus Plüsch. Um sich zu beweisen, dass er es kann. Positiv denken. Chancen nutzen. Treppchen putzen.

Ernst hat es geschafft. Er klebt am Märchenhimmel und schaut nach unten. Alles unscharf und weit weg. Von der Spitze der Pyramide aus. Aber happy. Die Basis muss stehen. Ernst wiehert: Selbstverwirklichung.

 

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Skulpturenpfad – „Der Eremit“

Skulpturenpfad – „Der Eremit“

Station 11

„Der Eremit“

 

 

 

 

 

Diese Skulptur war ein unerwarteter Beitrag des Holzbildhauers Günter Schönfelder aus Großhennersdorf / Schönbrunn. Viele kennen ihn und seine eindrücklichen Holzfiguren im Zittauer Gebirge und entlang der alten B178. „Ich hab von eurem Projekt gehört und euch einen Eremiten gemacht, der müsste ganz gut dazu passen“. Mit diesen Worten, in bestem oberlausitzer Dialekt vorgetragen, wurde der Pfad unerwartet um eine Station reicher. Ein älterer Mann mit langem Haar und langem Bart, auf einen Stock gestützt, schaut konzentriert in die Ferne. Aber wie passt ein Eremit ins Bild und wo platziert man ihn? Zinzendorf hat einst gesagt „ich statuiere kein Christentum ohne Gemeinschaft“ und ein Eremit steht nun nicht gerade für Gemeinschaft.

Letztlich wurde ein guter Platz auf dem Roten Berg neben dem Brunnenhäuschen für ihn ausgesucht und auch theologisch wurde eine Lösung gefunden. Selbst Jesus zog sich von Zeit zu Zeit auf Berge oder in die Wüste zurück, um zur Ruhe zu kommen und Gott in der Stille näher sein zu können.

„Eremit auf Zeit“ zu sein (zum Beispiel Stille Tage in einem Kloster, alleine Pilgern…) kann auch heute eine gute Hilfe sein, um mal ganz ohne äußere Ablenkung durch andere Menschen oder Medien zur Ruhe zu kommen. Gerade wenn schwere Entscheidungen anstehen, man im Leben an Weggabelungen steht, kann es helfen, sich mal zum Nachdenken / Meditieren ganz zurückzuziehen, um zu einer guten Entscheidung zu kommen. Gebet und Bibellesen können dabei eine Hilfe sein.

Momentan steht dort Eremit Nr.2., eine Spende des Vereines der Freunde des Buschhäusels e.V.. Der erste war nach 15 Jahre verwittert.

Wenn man den Weg weiterläuft kommt nach ca. 200 m das Buschhäusel, ein guter Rastplatz. Das Häusel kann man auch mieten. Ein guter Platz, um selbst einmal „Eremit auf Zeit“ zu sein.

 

 

 

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    13. Februar 2026

Station 12:   „Einkehr

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

Wie Hana die Oberlausitz entdeckt.

Wie Hana die Oberlausitz entdeckt.

Ihre Kamera ist ihr ständiger Begleiter.

Durch diese entdeckt sie ihre Welt.

 

 

 

 

 

Ihre Aufnahmen zeugen von der Schönheit ihrer tschechischen Heimat, deren Bewohnern und ihrer Gebräuche. Oft ist sie aber auch in Deutschland unterwegs. Vor allem die Oberlausitz hat es ihr angetan. Hier hält sie die Besonderheiten und Reize des Oberlausitzer Berglandes fest.

Warum Hana Palečková sich in ihre Nachbarregion verliebt hat, was sie über Portraitfotografie denkt und welche besondere Beziehung sie zur Schwarz-Weiß-Fotografie hat;

oberlausitz-art hat wieder für Euch nachgefragt.

 

 

Frau Palečková, wie und wann haben Sie die Fotografie für sich entdeckt? War das schon immer eine Leidenschaft von Ihnen?

Meine fotografischen Anfänge datieren bis ins Jahr 2001, als ich meine erste Kamera gekauft habe. Damals war der Hauptanreiz zum Fotografieren meine Leidenschaft, von jeder Reise irgendwelche Souvenirs, vor allem Ansichtskarten mitzubringen. Weil mir aber die Motive oder die graphische Gestaltung der angebotenen Karten oft nicht besonders gefallen haben, dachte ich mir, probiere es doch mal alleine, die besten Motive in der Landschaft zu suchen und zu finden.

Im Jahr 2026 feiere ich also ein Jubiläum, denn ich kann auf ein Vierteljahrhundert hinter der Kamera zurückblicken.

Ich muss sagen, dass das die beste Entscheidung meines Lebens war. Dankbar gehen meine Blicke auch zum Papa dem Himmel entgegen, denn er hat mich in dieser Entscheidung bekräftigt und anfangs sehr geholfen.

 

Ihre Themenpalette ist recht umfangreich, wie ich auf Ihren Internetseiten www.HaniPhoto.cz sehen konnte.

Was sind Ihre bevorzugten Motive? Woran oder an wem orientieren Sie sich? Gibt es ein Vorbild?

Am Anfang stand die Landschafts-, Architektur-, Tier- und Blumenfotografie. Meist waren das die Themen auf meinen beliebten Reisen zu verschiedenen schönen Burgen, Schlössern oder einfach interessanten Zielen in der Natur – vor allem in meiner Heimat, der Tschechischen Republik, Deutschland und Österreich.

Allmählich ist meine Themenpalette reicher geworden, unter anderem auch dank meiner Arbeit im Umfeld des industriellen Maschinenbaus, wo ich schöne Motive auch in unterschiedlichen technischen Komponenten gefunden habe. Z.B. regten mich Verschraubungen, Überwurfmuttern, Schläuche in Edelstahlglanz zu künstlerischen Ablichtungen an.

Mit einem Foto einer Überwurfmutter im Edelstahlschlauch konnte so ich zu meiner Freude den zweiten Platz in einem Fotowettbewerb der  Euroregion Neiße erringen.

Nicht weit entfernt davon ist meine Liebe zu den „stählernen Rossen“, den Dampflokomotiven, angesiedelt.  Deren Faszination versuche ich sehr häufig in meinen Aufnahmen festzuhalten. Dafür bin ich sommers wie winters bei jedem Wetter unterwegs, sowohl bei der Zittauer Schmalspurbahn als auch bei Sonderfahrten für Eisenbahnfreunde. Dann suche ich interessante Locations entlang der Fahrstrecke, um das Motiv eines Zuges, einer Brücke sowie Wald und Natur  schön in die Landschaft zu komponieren. Ich will nicht verhehlen, dass dazu auch vorher Recherche in Karten-Apps und allerhand Laufarbeit  notwendig sind.

Schließlich habe ich vor etwa 7 Jahren Interesse und – wie ich etwas unbescheiden glaube – eine gewisse Begabung für das Genre der Reportagefotografie entdeckt. Seither hat mich dieses Thema nicht mehr losgelassen. Ich bin mit großer Leidenschaft häufig zu unterschiedlichsten Veranstaltungen unterwegs. Mich begeistern lebendige Momentaufnahmen, sogen. „Schnappschüsse“ z.B. auf Märkten und bei Volksfesten, Mittelalterevents, Weihnachtsmärkten, Verkaufsveranstaltungen, die Arbeit der Fischer, der Glasbläser in offenen Glashütten, andere Handwerkstätigkeiten wie Schmieden, Töpferei, Weberei.. Aber auch das Karl-May-Fest, Eisenbahnfeste  wie Historik Mobil usw. bieten dem Fotografen reizvolle Motive, die ich sehr gerne einfange.

Mein neuestes Thema, das in meinem Blickfeld und dem Fokus meiner Kamera in letztem Jahr steht, sind Vogelaufnahmen. Durch die Naturbeobachtung haben sich für mich ganz neue Horizonte eröffnet. Plötzlich sieht man die Landschaft mit ganz neuen Augen, unter ganz anderem Blickwinkel und ist wie gebannt. Die Natur ist einfach faszinierend! Wenn das Wort „Fotographie“ übersetzt wird mit „Malen mit Licht“, dann versteht man im Rot des Morgens und der Abendsonne den Sinn erst recht.

Für mich ist das Fotografieren also auch im didaktischen Sinne so spannend, weil ich eine Vielzahl von neuen fotografierten Themen lernen kann. Ich kaufe mir z.B. diverse Bücher über die  Natur, um genau zu wissen, was für eine Vogelart, Blume oder Insekt gerade aufgenommen wurde. Das beglückt mich sehr.

Allgemein betrachtet versuche ich meistens das Foto so zu gestalten, als ob es sich um ein Gemälde handelt. Das heißt, ein Motiv in das Bild und in die Umgebung so zu komponieren, als ob ein echtes Gemälde entstehen soll.

Sehr oft nehme ich mir eben die Gemälde der alten Meister zum Vorbild, weil die ganz genau wussten, wie die einzelnen Elemente auf den Zuschauer wirken, wohin das Auge und das Hauptmotiv geführt werden sollten, wie man mit dem goldenen Schnitt arbeitet usw. Hier ist ein Schatz an klugen, weisen Ratschlägen zu finden, die man auch in unseren Zeiten stets berücksichtigen sollte.

 

Wie sind Sie auf die Oberlausitz und ihre Schönheiten gekommen? Was verbindet  Sie mit dem Oberlausitzer Bergland?

Mein neuer Wohnsitz, nur 20 Minuten von der deutschen Grenze entfernt und in den verwandten Lužické hory (Lausitzer Gebirge) gelegen, hat mir in den vergangenen Jahren die Gelegenheit gegeben, die Oberlausitz näher zu Fuß oder per Auto, immer von der Kamera begleitet, zu erschließen. Das hat mir wirklich wieder viel Lebensfreude gebracht.

Die geografische Nähe zur Oberlausitz ermöglicht es mir, die besten Momente und Bedingungen mit bekannten fotografischen Highlights zu erfassen und neue Motive zu entdecken.

Meine große Leidenschaft ist Eisenbahnfotos, vor allem Aufnahmen von Dampfloks, zu machen. Es liegen mir die einzigartigen historischen Züge, welche durch die wunderschöne Natur zwischen Zittau und den Kurorten Oybin oder Jonsdorf dampfend schnaufen, sehr am Herzen und der Seele. Hier paaren sich meine Leidenschaft für Technik mit der Liebe zum Dampf-, Schmier- und Ölgeruch, aber auch  mit meiner Begeisterung für historische Bauwerke und geschichtliche Monumente, auf ideale Weise. Das kommt  meiner Neugier und Lust auf neue interessante Ziele sehr entgegen. Ich bin überzeugt, dass die nächsten Jahre mir noch viele weitere Entdeckungen in der wunderschönen Oberlausitzer Landschaft bieten werden.

Als Fotografin sehe ich mit dem Blick durch Sucher und Linse die Schönheit auch in Szenerien, wo die „normalen“ Touristen nichts  Außergewöhnliches erkennen. In diesem Sinne  würde ich mich also als eine „Schönheitssucherin und -erfasserin“ bezeichnen. Wenn die dann entstandenen Aufnahmen bei den Besuchern meines Profils, meiner Webseite oder in Fotoausstellungen Emotionen, bestenfalls Begeisterung auslösen, fühle ich mich sehr in meiner Philosophie begeistert und beglückt.

 

Wo kann man Ihre Fotos, außer im Netz, noch betrachten? Nehmen Sie an Ausstellungen teil? Wo und wann kann man Sie demnächst sehen?

Meine fotografischen Arbeiten findet man sowohl auf meinen Webseiten www.HaniPhoto.cz als auch auf meinem Profil unter meinem Namen Hana Palečková in Facebook oder auf einigen anderen tschechischen Plattformen.

Für 2026 plane ich zwei eigenständige Fotoausstellungen in Tschechien, jeweils für zwei Monate. Eine wird in Turnov (April-Mai), die zweite in Stráž pod Ralskem (wahrscheinlich in  den Ferienmonaten), wo ich die letzten Jahre lebe, zu sehen sein. Hier werde ich zum Thema Naturfotografie ausstellen. Die  Ausstellung in Stráž pod Ralskem soll dem Besucher meine schönsten Fotos vom Zittauer Gebirge zeigen.

Erwähnen will ich noch die Mitarbeit in zwei Fotoclubs. Für Mai planen wir mit dem Fomaklub aus Liberec eine gemeinsame Ausstellung in Frýdlant in Nordböhmen.

Außerdem werde ich auch weiterhin immer wieder unterschiedliche – z.B. historische – Veranstaltungen in CZ und in Deutschland fotografieren. Meine lebendigen Reportagefotografien sollen als ein schönes Andenken für die Teilnehmer und Besucher und auch den Darstellern zu Werbezwecken dienen.

Mit Freude und Dankbarkeit hatte ich bisher ausschließlich positive Reaktionen zu diesen Eventfotos. Sehr oft bestätigen mir die Leute, dass es mir gelungen ist, die einzigartige Atmosphäre der Veranstaltung festzuhalten und unwiederbringliche Momente zu erfassen. Kann es eine schönere Belohnung geben?

Ansonsten gestalte ich für private Zwecke auch zahlreiche Fotobücher oder Kalender mit diversen Motiven. Es ist ein unbeschreibbar schönes Gefühl, aus gewählten Aufnahmen etwas Greifbares und „Dauerhaftes“ in der Hand halten und ansehen zu können.

 

Frau Palečková, mir persönlich gefallen Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien sehr. Was finden Sie an dieser Art Fotografie besonders?

Die Schwarz-Weiß-Fotografie empfinde ich als eine spezifische künstlerische Art, die zu einigen  gewählten (meistens kreativen) Motiven besser als Farbe passt und sie noch mehr erhebt und betont. Manchmal benutze ich anstatt einer Schwarz-Weiß-Fotografie auch eine monochromatische Tonung (z.B. Sepia). Man muss auf das innere Gefühl oder den Geschmack vertrauen,  das manchmal klar sagt, was zu welchem Foto besser passt. Gewisse Erfahrung hilft dabei auch sehr.

Ich mag auch einige spezifische Fotos, die schon die Nähe zur Grafik haben, wo man z.B. mit Formen eines Gegenstandes oder mit Licht und Schatten spielt. Dazu passt manchmal die schwarz-weiße Form besser als Farbe. Der Fokus wird damit eher auf den abgebildeten Gegenstand gelegt.

Ehrlich gesagt, es ist sehr anspruchsvoll, ein außerordentlich gutes Schwarz-Weiß- oder monochromatisches Foto zu gestalten. Die richtigen Motive stehen nicht an jeder Ecke und die Bedingungen zur Entstehung solcher Fotos sind nicht immer ideal.

Es ist nie so, dass ich mir sage, jetzt mache ich ein gutes Schwarz-Weiß-Foto. So auf Kommando funktioniert es leider nicht. Man kann nicht alles voraus berechnen. Auf ein gutes oder sehr gutes Foto muss man mit Geduld warten. Wenn man aber schon die richtige Situation erlebt oder ein richtiges Motiv sieht, weiß oder spürt man, es ist ein außerordentlicher Moment. Hier könnte was Besonderes entstehen.  Ich muss zugeben, dass ich so was schon ein paar Mal erlebt habe. Es ist wie ein Musenkuss.

Ich kann dazu zwei Beispiele zeigen. Beide Fotos waren in einigen Fotowettbewerben sehr erfolgreich, unter die Besten gewählt. Das Foto in Sepiatönen heißt Sommerregenschauer und ist in Südböhmen im starken Sommerregen entstanden. Die dort in einer historischen Straße wandelnden Menschen unter Regenschirmen waren wie in einem Märchen verzaubert. Das zweite Schwarz-Weiß-Foto wurde mit einem Stativ in einer italienischen Krypta erzeugt und stellt die Fotografin als eine Silhouette vor dem Altar dar.

 

 

Wie ist Ihr Bezug zur Portraitfotografie?

Ich verstehe unter einer guten Portraitfotografie nicht nur eine eng aufs Gesicht begrenzte Aufnahme. Ziel ist es immer, eine Person komplex mit dem dazu gehörenden Umfeld zu erfassen, den Charakter und die Persönlichkeit abzubilden.

Wenn ich bei Veranstaltungen Reportagefotos mache, entstehen in diesem Sinne auch Portraitfotos. Ich mag es sehr, die Menschen in einer wahren und natürlichen Form zu porträtieren und nicht künstlich in einer Studioathmosphäre wie auf Befehl. Denn da verhalten sich die Menschen nicht natürlich, ihr Lächeln ist gezwungen, das Verhalten durch die Anwesenheit der Kamera ist meistens beeinflusst. Meine Portraitfotos entstehen somit nicht in einem Atelier, sondern immer irgendwo auf den Märkten oder irgendwelchen Veranstaltungen.

Dazu gehört auch,  die abgebildete  Person in ihrer natürlichen Umgebung, zu der sie gehört, zu zeigen. Ein Handwerker mit seinem Werk, ein Glasmacher z.B. mit  seinem Rohstoff Glas, ein Gaukler mit dem Feuer, ein Verkäufer mit seiner Ware … oder eine Fotografin mit ihrer Kamera.

Damit ist ein bisschen meine nächste Leidenschaft verbunden, und zwar mich in möglichst historisch getreuen Kostümen zu zeigen und porträtieren zu lassen. Dazu gehören immer spezielle Accessoires, wie historische Sonnenschirme, Handschuhe, Hüte oder Schmuck. Zur weiteren „Kulisse“ gehören historische Kutschen, Schlösser und Burgen, Gärten, Statuen oder auch Personen bzw. Tiere.

Somit ist eine wirklich sehr große Zahl von meinen Fotos entstanden, die mich als Blickfang in einem schönen, meist historischen Umfeld darstellen. Und das macht auch sehr viel Spaß, erfordert aber gerne eine detaillierte und zeitlich aufwändige anspruchsvolle Vorbereitung. Es ist wirklich eine originelle Erinnerung, wenn man später ein Album in die Hand nimmt und alle die schönen Erinnerungen ins Gedächtnis ruft.

 

 

Welches ist für Sie Ihre bislang beste Arbeit? Haben Sie da einen Favoriten? Können Sie irgendwelche von Ihren Erfolgen nennen?

Ich will nicht unbescheiden sein und mich zu sehr selbst loben. Aber es gab schon mehrere Erfolge in meiner bisherigen „Fotokarriere“, die mir große Freude bereitet haben. Der letzte Erfolg datiert vom Dezember 2025, als ich sogar den 1. Platz in einem Eisenbahnwettbewerb errungen habe. Ich hatte eine Serie von drei Fotos von einem bekannten Eisenbahnviadukt eingereicht, wo am selben Morgen gleichzeitig eine Dampflok gefahren ist. Es war ein magischer Morgen mit unwiederholbaren Wetterbedingungen, es stimmte einfach alles.

Unter allen anderen kann ich einen weiteren Erfolg nennen, der mir in der Sparte Naturfotografie eine Veröffentlichung von sogar drei Fotos in einem bekannten Kalender zum Thema Isergebirge eingebracht hat. Wenn man bedenkt, dass man für  solch einen  Kalender nur die besten 13 Aufnahmen ausgewählt wurden, davon drei von mir, ist das schon ein tolles Gefühl.

Von internationalen Wettbewerbsbeteiligungen blieb mir besonders im Gedächtnis, als ich im Euroregion Neiße Fotowettbewerb beim Thema Industrie mit einer Aufnahme von einer Überwurfmutter in einem Edelstahlschlauch den 2. Preis erzielte!

Einige weitere Fotoerfolge sind mit meiner Mitgliedschaft in zwei Fotoclubs, mit denen wir an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen, verbunden. Unsere Fotos sind mitten einem Jahr durch andere Fotoclubs bewertet. Somit ist es mir im Jahr 2023 gelungen, unter allen Teilnehmern den 1. und dazu noch den 3. Platz mit zwei Schwarz-Weiß Fotos zu belegen.

In meinem fotografischen Leben sind Hunderte tausend Bilder entstanden, darunter schon mehrere Fotos, auf die ich stolz bin und die mir gelungen sind. Nicht nur die, die irgendwo bewertet wurden, sondern auch die, die ich persönlich sehr mag und zu denen ich gerne zurückkehre. Zu solchen gehört z.B. ein Blick auf den Bodensee nach einem starken Regenschauer. Das Foto ist fast Schwarz-Weiß und ohne Menschen, die vor dem Regen geflüchtet sind, es blieb nur ein Fahrrad vor dem Geländer und einige Tische mit Stühlen, bedeckt mit Wassertropfen und Pfützen.

 

 

 

Frau Palečková, was ist Ihr nächstes Projekt? Was wollten Sie schon immer einmal mit Ihrer Kamera festhalten?

Außer den geplanten zwei persönlichen Ausstellungen im Jahr 2026 und zwei gemeinsam mit den Fotoclubs, denen ich seit Jahren angehöre, will ich mich auch weiterhin im Fach Fotografie entwickeln. Außerdem werde ich auch mein Glück in einigen neuen Wettbewerben suchen, einige neue Fotobücher gestalten, neue Aufnahmeorte entdecken und möglichst viele schöne Momente mit meiner Kamera festhalten.

Meine weiteren Pläne in naher Zukunft sind, die tolle Landschaft rund um Berchtesgaden und in den italienischen Dolomiten im Farbenrausch des Herbstes aufzunehmen. Einmal möchte ich auch in die italienische Toskana reisen, um die zauberhafte Natur in ihren schönsten Gestalten zu fotografieren.

Und falls einige Betrachter auch meine Reportagefotos ansprechend finden,  bin ich auch bereit, ihr Interesse vorausgesetzt, nach ihren Vorstellungen und Wünschen unwiederholbare Momente aufzunehmen. Kontaktieren Sie mich per Telefon +420 732 859 343, oder per E-Mail hana.paleckova@centrum.cz , alles andere  ist Verhandlungssache.

Ich bedanke mich bei Ihnen recht herzlich und es war mir ein großes Vergnügen und eine Ehre, zu einem Gespräch für oberlausitz-art eingeladen worden zu sein.

 

Oberlausitz-art wünscht weiterhin viele schöne Motive und immer das richtige Licht.

Skulpturenpfad – „Das einige Notwendige“

Skulpturenpfad – „Das einige Notwendige“

Station 10

„Das einige Notwendige“

 

 

 

 

 

Wer singt, betet doppelt. Manche Texte wirken durch die Vertonung tiefer, erschließen sich besser, prägen sich leichter ein, bringen die Seele zum Schwingen und zum Klingen.

Musik spielt in der Kirche eine wichtige Rolle und man darf behaupten, dass das auf die Brüdergemeine ganz besonders zutrifft.

Zinzendorf selber hat gerne gesungen und viele Lieder selbst komponiert und gedichtet. Manche davon haben bis heute Eingang in die Gesangbücher der verschiedenen Denominationen gefunden.

Mit der wöchentlichen Gebetssingstunde gibt es eine besondere gottesdienstliche Form, bei der die Gemeinde mehrere Liedstrophen, die einen Text vertiefen bzw. auslegen, gemeinsam singt. Das „Priestertum aller Gläubigen“ wird hier jeden Samstagabend in vielen Brüdergemeinen erlebbar.

Die Brüdergemeine Herrnhut hat den ältesten Bläserchor Deutschlands, weil die ersten Bewohner die Tradition des Blechblasens aus ihrer Heimat mitbrachten. Der Einsatz dieser Instrumente war damals im kirchlichen Raum nicht üblich, fand aber bald Eingang und bildete so die Keimzelle des heutigen Posaunenwerkes. Heute gibt es in Herrnhut neben dem Bläserchor und einen Flötenchor auch zwei Kinderchöre, einen Jugendchor, einen Kirchenchor und viele Konzerte zu erleben. Die Gemeinde singt gerne, kräftig und oft mehrstimmig.

Die Skulptur bestand zuerst aus Klanghölzern und mittlerweile aber aus Klangstäben, die, wenn man sie von links nach rechts anschlägt, den Beginn einer Melodie erkennen lassen. Es handelt sich um ein Lied, welches Christian Gregor komponierte. Der Text stammt von Christian Renatus von Zinzendorf und das Lied ist bis heute in vielen Brüdergemeinen eine Art Hymne geworden.

Christian Renatus war der einzige Sohn der Zinzendorfs, der das Erwachsenenalter erreicht hat, aber auch er ist letztlich sehr jung im Alter von 25 Jahren in England verstorben.

Hier der Text:

Das einige Notwendige ist Christie teilhaft sein

Und dass man ihm behändige Geist Seele und Gebein.

Dann geht man seinen Gang gewiss und weiß, dass man durch keinen Riss,

sich von der Hand, die nie lässt gehn, getrennet werde sehn.

Und hier kann man die Melodie durch Bläser der Brüdergemeine hören:

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Mehr Informationen

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    30. Januar 2026

Station 11:   „Der Eremit

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

Kein bisschen. Rosa.

Kein bisschen. Rosa.

Eine Geschichtenreihe aus dem Buch: „Renate löscht. Das Licht.“

Von Manuela Bibrach

 

 

Illustration von Pètrus Akkordéon

 

 

 

Kein bisschen rosa, murmelt Gerlinde und fährt mit der Hand über die Tischdecke. Pusselt herum an einem Knötchen. Nicht mehr ganz neu, die Tischdecke. Gerlinde streicht eine Blusenfalte über ihrem Busen glatt. Gab’s gar nicht, früher. Nach dem Krieg. Rosa. Nicht mal Taschentücher. Geweint haben wir, als der Vater eins mitbrachte vom Schwarzmarkt. In das neue Taschentuch rein. Das war weiß. Ein bisschen fleckig, aber weiß.

Gerlinde lässt die Hand über die Tischdecke fahren. Ein Krümel wird mitgerissen und fällt zu Boden. Gerlinde leckt ihren Zeigefinger an. Bückt sich. Schnauft. Hebt den Krümel mit dem feuchten Finger an, befördert ihn ans Licht, kneift die Augen zusammen, fixiert ihn. Der Krümel ist rund und schwarz. Ein Mohnkorn. Gerlinde mag Mohnbrötchen. Mohn macht dumm, hatte der Vater gesagt und gelacht. Als Gerlinde klein war. Und immer Mond statt Mohn verstand. Und nicht verstand, warum der Mond dumm machen sollte, aber sicherheitshalber am Abend den Rücken zum Fenster drehte, wenn der Mond durch die Gardine schimmerte. Die war blau und mit einer Klöppelkante verziert.

Heute ist alles rosa, murmelt Gerlinde und schiebt die Nur-TV auf dem Tisch in eine akkurate Position. Parallel zur Tischkante. Ordnung ist das halbe Leben. Hatte die Mutter gesagt. Als Gerlinde klein war. Und sich fragte, was dann die andere Hälfte des Lebens sei. Jedenfalls nicht Unordnung. Das wäre zu einfach gewesen. Und nicht logisch. Aber vielleicht hatte sie doch zu oft den Mond angesehen und war dumm geworden. Und konnte es deshalb gar nicht verstehen.

Gerlinde atmet hörbar aus, greift nach dem Regionalblatt im Zeitungsständer. Zupft die Kauflandwerbung heraus. Blättert. Rindernacken. Einhorn-Barbie. Mädchenschlüpfer. Erdbeerquark. Rosa. Alles rosa! Kartoffeln nur 2,99. Gerlinde faltet das Prospekt zusammen und legt es auf den Tisch. Schiebt es nach rechts. Schiebt es nach links. Wischt über den Sofabezug. Ein Schnurrhaar spießt sich ein, lässt sich nicht greifen. Gerlinde fingert, schnauft. Das Haar fällt zu Boden. Gerlinde betrachtet das Schnurrhaar. Wie es am Boden liegt. Ganz still. Genau wie der Kater, denkt Gerlinde. Genau wie er dort lag, ohne Mucks. Auf seiner Decke. Erst dachte sie, dass er schläft, aber die Stille. Anders als sonst.

Gerlinde leckt ihren Zeigefinger an. Bückt sich. Schnauft. Hebt das Schnurrhaar mit dem Finger an. Legt es auf die rosa Decke neben sich auf dem Sofa. Zupft an den blonden Locken von Rosalinde. Rosalinde ist gerade aufgestanden, hatte in der Anzeige gestanden. Sie ist noch müde, aber sie lächelt. Ein aufregender Tag mit neuen Abenteuern liegt vor Rosalinde. Rosalinde hat sich schick gemacht. Der rosa Strampler mit der Blumenstickerei passt gut zu ihren blauen Augen. Rosalinde liebt Sie. Sie werden Rosalinde lieben.

Gerlinde greift der Puppe um den Bauch, zieht sie zu sich auf den Schoß. Rosalindes Daumen passt genau in Rosalindes Mund. Ein kleines Loch im Porzellangesicht. Grübchen in den Wangen.

Gerlinde nimmt die Puppenhand, steckt den Daumen in Rosalindes Mund, zieht ihn wieder heraus. Schnauft. Kein bisschen rosa, murmelt sie. Damals. Gab’s einfach nicht. Nicht mal Puppen.

Gerlinde lehnt sich zurück. Hebt die Puppe nah an ihr Gesicht. Steckt sich Rosalindes winzigen Daumen in den Mund. Sieht in Rosalindes blaue Augen. So nah. So kalt. Rosalinde lächelt.

 

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Skulpturenpfad – „Das Buch“

Skulpturenpfad – „Das Buch“

Station 9

„Das Buch“

 

 

 

 

 

In allen großen Religionen spielen Bücher eine wichtige Rolle. Heilige Schriften haben nicht nur die Christen, sondern auch die Juden, die Moslems, die Hindus, die Buddhisten… Das geschriebene Wort gibt Sicherheit und Klarheit.

In der Brüdergemeine sind drei Bücher von besonderer Wichtigkeit: Die Bibel, die Gesangbücher und die Losungsbücher. Die Bibel ist seit Jahrhunderten unverändert. Gesangbücher werden in fast jeder Generation neu herausgegeben, oder durch Zusatzbücher ergänzt. Wurden die täglichen Losungen seit dem 3.5. 1728 vorerst mündlich weitergegeben, so erscheinen sie seit 1731 Jahr für Jahr in gedruckter Form, mittlerweile in ca. 60 verschiedenen Sprachen.

Dabei wird die „Losung“ tatsächlich aus über 1800 alttestamentlichen Bibelstellen ausgelost. Danach wird eine inhaltlich passende Stelle aus dem Neuen Testament (der „Lehrtext“) ausgesucht, sowie ein „Dritttext“, meist ein Liedvers, ein Gebet oder eine zu Losung und Lehrtext passender Spruch. Dabei wird jeden Tag deutlich, dass die Thora (das heilige Buch der Juden im Alten Testament) und das Neue Testament (ab der Geburt Jesu Christi) zusammengehören. Jeden Tag schafft das Losungsbüchlein einen kleinen Brückenschlag zwischen den Christen und den Juden. Beide ziehen ihre Kraft aus denselben Wurzeln. Das Losungsbuch verbindet mittlerweile Christan aus allen bewohnten Kontinenten und aus sehr verschiedenen christlichen Traditionen weit über die Grenzen der Brüdergemeine hinaus.

Die Skulptur zeigt ein offenstehendes Buch mit Beispielen aus den drei wichtigen Büchern: Bibelverse, Liedverse und Kombinationen aus Losungen und Lehrtexten. Dabei fungiert das Buch durch sein Dach gleichzeitig als Schutzhütte. Bücher können im doppelten Sinn des Wortes Sicherheit geben.

Man kann sich in Bücher hineinvertiefen und die Welt um sich herum dabei ein Stück vergessen.

Die Skulptur lädt zum Lesen und Bedenken der abgedruckten Verse ein, soll aber gleichzeitig auch neugierig machen, Bibel, Gesangbuch und Losungsbuch mal selbst in die Hand zu nehmen.

 

Für Besucher zur Beachtung:

Zwischen Station 8 und 9 beginnt eine Wiese an der Petersbachaue. Dort stehen im Sommer kurzzeitig mal Jungkühe (Fersen). Da muss man die Koppel durchqueren. Im Skulpturenpfadführer (dem Büchlein) gibt es dazu ein eigenes Kapitel, wie das am besten zu bewerkstelligen ist.

Nach stärkeren Regenfällen kann es ein, dass nach Station 6 schon Wasser steht.

Wenn das Rückhaltebecken in Rennersdorf aus Hochwasserschutzgründen angestaut wird, reicht das Wasser bis zum Teich am Abendmahl. Dann kann es sein, es dauert einige Tage bis es wieder abgeflossen ist.

Herzliche Grüße aus Herrnhut

Matthias Clemens

 

Wenn man den Pfad (ca. 6 km) ohne Führung wandern will, empfiehlt sich das Begleitheft, in dem man zu allen Stationen und zur Entstehung wichtige Hintergrundinformationen bekommt. Dieses Ist in Deutsch, Englisch und Tschechisch im Buchhandel erhältlich.

Hier werden nun die einzelnen Stationen in den nächsten Wochen vorgestellt.

Nächste AUSGABE :    16. Januar 2026

Station 10:   „Das einige Notwendige

Die Beiträge sind mit freundlicher Unterstützung in Kooperation mit dem Verantwortlichen für den Pfad, Herrn Matthias Clemens, entstanden.

Herr Clemens ist Leiter der Forstverwaltung der Evang. Brüder-Unität, Herrnhut.

Führungen auf dem Skulpturenpfad oder durch Herrnhut sind nach Anmeldung über das Gästepfarramt möglich:

Telefon: +49 172 4412306

E-Mail: willkommen@herrnhuter.de  (welcome@herrnhuter.de)

 

Foto: Matthias Clemens

 

 

 

 

Die Autorin – Manuela Bibrach

Die Autorin – Manuela Bibrach

  • Foto Elisabeth Heinemann

    Manuela Bibrach
  • *1971 in Dresden, Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsnutzung & Naturschutz
  • Lyrik-Debüt „Radios mit Naturstimme“, Dr. Ziethen-Verlag, Oschersleben 2023
  • Prosaminiaturen-Sammlung „Renate löscht. Das Licht.“ Dr. Ziethen-Verlag, Oschersleben 2025
  • Klopstock-Förderpreis 2024 für Lyrik-Debüt,

Das Dresdner Kulturmagazin (06/2022) schreibt:
„Manuela Bibrach, eine der besten Poetinnen Sachsens. Ihre Lyrik ist gewaltig und gefühlvoll, ihre Prosa absurd und böse.“

Renate löscht. Das Licht. – Manuela Bibrach

Auf der Fahrt zur Großmutter

Auf der Fahrt zur Großmutter

Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.

Francis Bacon

 

Die Geschichten und Erzählungen aus meinen Büchern,

monatlich hier für Sie präsentiert,

haben mir gezeigt, wie schnell doch die Zeit verrinnt.

Nun also verabschiede ich mich mit der Dezember-Geschichte.

 

Auf der Fahrt zur Großmutter

 

 

 

 

 

 

Es ist der 24. Dezember, er dreht am Autoradio, sucht Musik, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Ihm fehlen die Schneeflocken, die er aus seiner Kindheit kennt, wenn er mit den Eltern zur Großmutter unterwegs war.

»Warum sind wir nicht früher losgefahren?«, Katjas Stimme neben ihm klingt ärgerlich,

sie rutscht tief in ihren Sitz hinein. »Es ist Heilig Abend. Großmutter wird warten.«

»Ach komm, es war doch nur ein kleiner Umweg. Nun können wir Großmutter von ihrem Geburtshaus erzählen, können berichten, wie denkmalgerecht, stilvoll ihr Umgebindehaus restauriert ist. Ist doch gut, dass kein dichter Schnee das Haus zugeschüttet hatte und das Häuschen uns weihnachtlich entgegen leuchtete.«

»Ja, du hast ja Recht. Zu den Weihnachtserinnerungen gehört auch Großmutters Häuschen«, Katja schaut nach vorn, als würde sie mit der Windschutzscheibe reden:

»Mir kommen Erinnerungen, wie wir mit Großmutter auf der Ofenbank gesessen haben.

Sie blätterte in ihrem Fotoalbum, erzählte uns von ihrer Familie, die sehr arm war.

Um etwas Geld zu verdienen, stellten sie in der Blockstube ihres Hauses einen Webstuhl auf. Dafür bekamen ihre Eltern ein jährliches Stuhlgeld. Und das handgewebte Leinen brachte auch etwas Geld ein. Wenn Großmutter erzählte, schaute sie in weite, verworrene Ferne.

Ihr Lächeln, wie ein Riss im Gesicht. Warum ist Großmutter damals eigentlich zu Vaclav nach Varnsdorf gezogen? Sie hätten in dem Haus wohnen bleiben können.

Sechzehn Kilometer, das ist doch für Vaclav keine Entfernung.«

» Es war Nachkriegszeit. Das Haus war kaum noch bewohnbar, und eine deutsche Frau zu heiraten, dann noch in Deutschland zu wohnen, das ging für einen Tschechen überhaupt nicht.« Er muss sich auf die Straße konzentrieren und hat jetzt keine Lust, die alten Geschichten wieder aufzuwärmen.

»Weißt du noch? Als wir die Großmutter in Varnsdorf besuchten, verzog Vaclav sich oft in seinen Schuppen zurück, Großmutters Augen  glänzten, wenn sie geheimnisvoll leise von Vaclavs Vorhaben sprach. Manchmal haben wir uns, wenn Vaclav unterwegs war, in den Schuppen geschlichen. Holzteile lagen überall, auf einer Werkbank Sägeblätter.

An der Bretterwand hing ein großer, mit Reißzwecken angepinnter Bauplan. Diverse Skizzen und Zahlen, daneben das Foto von Großmutters Umgebindehaus.

Vaclav baute Großmutters Geburtshaus in Miniatur, als es fertig war, hatte er es am Heilig Abend zwischen zwei leuchtenden Tannenbäumen und Lichterketten im Garten aufgestellt.«

Die Scheinwerfer graben sich durch die Nacht. Dunkelheit kriecht aus den Leitplanken. Baumstämme rechts und links der Straße, wie dämonische Gestalten.

Seine Hände umklammern das Lenkrad. Dichter Nebel jetzt.

»Weißt du noch?«, Katja erzählt, als wolle sie ihn wie mit einem fliegenden Teppich ins Wunderland Kindheit entführen.

»Wir fuhren oft mit Großmutter ins Lausitzer Bergland. Und nach der Wanderung ging es immer zu Großmutters Geburtshaus. Sie hielt nur ganz kurz an, drehte die Autoscheibe nach unten und schaute mit feuchten Augen. Das Haus sah verfallen aus, von Unkraut überwuchert. Die Haustür hing schief in den Angeln. Ein Umgebindehaus, das langsam immer mehr verfiel.

 

 

 

Ihr fröhliches Lachen, das sich bei der Wanderung wie ein bunter Luftballon in den Ästen der Bäume verfangen hatte, war augenblicklich verflogen. Danach ist Großmutter mit uns nur noch in den Winterferien, wenn Schnee lag, zu ihrem Haus gefahren.

Jetzt weiß ich auch warum …, sie wollte hinter dem schneebedeckten Haus ihre Erinnerung festhalten, wie Fotos in einem Album.«

Als habe Katja seine Erinnerungsgedanken erraten, versucht sie abzulenken und murmelt: »Ob Oma Martha uns mit einem Weihnachtsbaum, bunten Kugeln und Pfefferkuchengebäck empfängt? Kannst du vielleicht etwas schneller fahren?«

Svoboda. Das Namensschild am Türpfosten. Seit Vaclavs Tod schloss Martha die Haustür von Innen zu. Eine Klingel gab es nicht. Nun hat auch er seine Erinnerungsgedanken hervorgeholt. Klopfzeichen: Einmal lang. Dreimal kurz. Dann wusste sie, dass wir vor der Tür stehen. Martha öffnete, ließ uns schnell herein, drehte den großen eisernen Schlüssel zweimal herum. Erst dann nahm sie uns in die Arme.

»Weißt du noch?« Katja hat den ganzen Tag noch nicht so viel geredet, wie gerade jetzt.

Vielleicht will sie ihn wachhalten, vielleicht sind wirklich so viele Gedanken in ihr?

»Weißt du noch, wie Mutter die Geldscheine im Stoff der Sitzpolster versteckt hatte?

Dreißig Kronen Umtausch pro Tag, pro Person waren nur erlaubt.«

Er heftet seine Augen auf die Rücklichter eines alten Opel, bis das Rot im schmutzignassen Grau einer Seitenstraße verschwindet.

»Weißt du noch? Lange Autoschlangen vor dem Kontrollpunkt. Als wir endlich heranrollen durften und dem Beamten die Ausweise in das Fenster reichten, angstvolles Warten, bangende Minuten. Ein Grenzpolizist winkte uns zur Seite, wir mussten aussteigen … Warum wurden gerade wir immer kontrolliert?«

Plötzlich spricht Katja, als hätte sie etwas im Hals, als sitze dort etwas fest, als müsse sie auf dieses Etwas lauschen, das in der Kehle klemmt: »Weißt du noch, wie sie Vater einmal mit ins Kontrollhäuschen nahmen? Es war spät am Abend. Ein Uniformierter näherte sich:

Fahrzeugpapiere, Personalausweis. Wir blieben starr und unbeweglich im Auto sitzen, schauten zu dem schwach erleuchteten Fenster der Baracke, in der Vater verschwunden war. Uns war es, als knisterten unsere versteckten Geldscheine unter dem Stoff des Sitzes.

Die Minuten kamen uns wie Stunden vor.« Natürlich weiß er. So etwas vergisst man nicht.

Er hört noch die befehlend, forsche Stimme, erinnert sich an die vielen Stempel in Vaters Ausweis: Geldumtauschstempel, Ausreisestempel, Einreisestempel.

Ihre Worte schrauben sich um eine halbe Oktave nach oben, als sie weiterredet: »Schau mal, dort muss die Stelle mit dem Schlagbaum gewesen sein und das Kontrollhäuschen.«

Sein Wagen macht einen kräftigen Ruck. Zerrissene Nebelschwaden über einem von Grünspan befallenen Betonklotz. Die Fenster, schwarze Löcher jetzt. Seine Hände halten krampfhaft das Steuer. Er erschauert, hört das Knistern eines angerissenen Streichholzes.

Das Flämmchen flackert auf. Es wäre beinahe in seinem schwefligen Rauch erstickt und ausgegangen, es erglüht schließlich doch, erhellt für einen kurzen Augenblick ein Gesicht, kantig, steinig. Rabenschwarz der Blick: Nun doch ein altes Zittern.

 

Vision oder Wirklichkeit?  Aus dem Dunkel der Nacht dringt eine Schattengestalt.

Im Scheinwerferlicht wächst der Schatten riesenhaft – groß und größer.

 

 

 

 

Ein Winken mit ausgestrecktem Arm, wie ein Verkehrspolizist, der einen Verkehrssünder stoppt. Instinktiv tritt er auf die Bremse.

Ein Quietschen. Ein leichtes Schleudern auf dem feuchtgrauen Straßenbelag.

Ein schwarzer Kapuzenmensch steht vor ihm, auf seiner Brust klebt ein großer, weißer Totenkopf. Der Mann reißt die hintere Autotür auf, steigt ein, murmelt, mit einer, von einem Kaugummi behinderten Stimme, undeutliche Worte,  die Tür knallt zu. Wie ferngesteuert fährt er weiter. Er hätte nicht anhalten sollen! Ihm ist, als habe sich eine Klaue um seine Kehle gelegt und die Luft abgeschnürt. Der Brustkorb ist viel zu eng.

Er zwingt sich, so etwas Ähnliches zu tun wie atmen. Von hinten fliegen lauter tschechische Wortfetzen in seinen Nacken. Warum hat er ihn einsteigen lassen? Irgendwann wird diese Gestalt ihn zwingen anzuhalten. Wie hieß es in den Nachrichten? In den Grenzgebieten herrscht zurzeit eine besonders hohe Kriminalität. Man wird gnadenlos ausgeraubt.

Seine Hände kleben am Lenkrad. Er spürt, wie sich der Schweiß in seinen Achselhöhlen sammelt. Wann wird er das  kalte Metall im Nacken zu spüren bekommen? Wann? Wo?

In dem Waldstück da vorn? Weißt du noch …, seine Beifahrerin ist stumm geworden.

Hinter ihm das Kaugeräusch. Mit von Angst belegter Stimme versucht er das Schmatzen zu übertönen. Er stammelt wie ein Ausländer deutsche Laute nach hinten:

»Wir zu Babitschka fahren«, und er hofft, dass der Kapuzenmann das Zittern in seiner

Stimme überhört. »Babitschka wartet, sehr alt. Es ist Weihnachten. Wir«, und er weist mit einer Kopfbewegung auf seine Beifahrerin, die neben ihm bewegungslos in die Dunkelheit starrt,  »wir sie noch einmal besuchen. Du verstehen?« Dann endlich das Ortseingangsschild. Dunkle Schriftzeichen auf weißem Grund. Dort, wo der Asphalt in Schotter, der Schotter in Sand übergeht, legt sich eine Hand von hinten schwer und mächtig auf seine Schulter.

Er zuckt zusammen. Die Kaugummistimme wirft geräuschvolle Laute nach vorn:

»Prosim, hier ich aussteigen.« Die Autobremsen quietschen, Kies knirscht unter den Reifen. Der Tramper öffnet die Autotür, steigt aus. »Dékuje, frohe Weihnacht«, ein Klopfen an die Frontscheibe, ein Lächeln, ein freundliches Winken.

Der Kapuzenmann verschwindet im Dunkel der Nacht. Stille. Nur das Motorengeräusch ist zu hören. Erste Häuser im schwachen Licht der Straßenlampen. Neben ihm atmet es tief ein und aus: »Ich sehe schon…«, setzt Kaja an, wischt sich die Tränen aus den Augenwinkeln und zeigt nach vorn: »Großmutters Haus, ihr Adventsstern leuchtet über der Eingangstür.

Ich glaube, sie wartet schon.«

Erzählung aus „Kraniche im Ruderflug“ ISBN 9783741272844,

auch als E-Book erhältlich

 

cschlenzig44@yahoo.de
www.christiane-schlenzig.de

Beitragsfotos: -kostenlos-pixabay

Oberlausitz-art bedankt sich bei Frau Christiane Schlenzig für die vielen kurzweiligen Erzählungen der letzten Monate. Für Ihre weitere schriftstellerische Arbeit wünschen wir viel Erfolg.

Die Archivierung einer Tradition

Die Archivierung einer Tradition

Wer die Oberlausitz kennt, kennt auch die Umgebindehäuser. Gebäude mit viel Geschichte, Tradition und Menschen mit dem Herz am rechten Fleck.

 

 

 

 

In vielen Gegenden sind die Häuser aus Holz, mit integriertem Stall, kleinen Fenstern und den typischen Umgebindebögen immer noch prägend für das Dorfbild.

Der Faszination dieser Einmaligkeit kann sich wohl kaum jemand entziehen. So ging es auch Horst Pinkau, der die zeichnerische Archivierung dieser regionalen architektonischen Seltenheiten weiter vorangetrieben hat.

Schon vor 100 Jahren ist das Umgebindehaus, als „Lausitzer Haus“ bezeichnet, ein lohnendes Zeichnungsobjekt  gewesen und war schon damals Gegenstand eines Buches vom Dresdner Zeichenlehrerverein.

Wie Horst Pinkau dazu kam, was ihn daran fasziniert und wie er  immer wieder neue, alte Umgebindehäuser entdeckt und für die Ewigkeit festhält; oberlausitz-art hat für Euch nachgefragt.

Herr Pinkau, Sie haben sich  der zeichnerischen Archivierung unserer Oberlausitzer Umgebindehäuser verschrieben. Was hat Sie dazu bewegt? Was treibt Sie an?

Das Umgebindehaus muss als ein Produkt der Besiedelungsgeschichte, beginnend im frühen Mittelalter, angesehen werden. Das geschah durch zugewanderte Kolonisatoren, deren handwerkliche Kenntnisse des Fachwerkbaus genutzt wurden. Zur Anpassung an gestiegene Bedürfnisse wurden sie mit der vorherrschenden mitteleuropäischen Blockbauweise kombiniert.

Im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen sind noch fast 20 000 dieser Häuser vorhanden. Davon etwa 6000 oft ortsbildprägend in der Südlichen Oberlausitz. Sie stellen in ihrer weltweiten Einmaligkeit ein besonderes, schützenswertes Kulturgut dar. Ein Kulturgut, das für unsere Heimat charakteristisch ist und deshalb erhalten werden muss. Das geschieht über die Darstellung, Dokumentation mit Veröffentlichungen und Archivierung ihrer Vielfältigkeit und besonderen Schönheit, bis ins Detail.

Für einen Oberlausitzer Zeichner und Maler gehören die Umgebindehäuser wie auch die in der nördlichen Oberlausitz vorhandenen Schrotholzhäuser zur heimatlichen Identität.

Wie gehen Sie bei Ihrer Arbeit vor? Wie und nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Objekte aus?

Jedes Umgebindehaus ist ein Unikat, kein „Modell von der Stange“.

Je nach den Nutzungsanforderungen und dem Geschick der Bauleute ist die Vielgestaltigkeit nahezu unerschöpflich. Dabei gibt es natürlich auch, entsprechend den im Umland vorhandenen Materialen, regionale Unterschiede.

Ich habe immer versucht, die besonderen Schönheiten oder handwerkliche Genialität zu erfassen, und habe damit sehr unterschiedliche Häuser gezeichnet. Oft hat mir dabei die allgemeine Anerkennung, beispielsweise durch Auszeichnungen, bei der Auswahl geholfen. Hinweise zu besonderen Häuern gab und gibt es mehr als ich zeichnerisch umsetzen konnte und kann.

Über die Jahre sind es vielleicht etwa 2000 Häuser bzw. Details davon geworden. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch im angrenzenden Polen und Tschechien. Einige Häuser habe ich auch „mit der Zeichenfeder saniert“.

Sie benutzen zur Darstellung ausschließlich Tusche. Hat sich das zufällig ergeben oder steckt mehr dahinter?

Das Arbeiten mit Feder und Tusche war mir aus meinem Berufsleben geläufig und bietet die Voraussetzung für eine exakte, detaillierte und dauerhafte Darstellung. Das können Bleistift-zeichnungen in diesem Maße nicht bieten (bestenfalls als Skizze und Vorzeichnung). Außerdem ermöglicht Tusche die lavierende Abstufung von Tonwerten mit dem Pinsel.

Die Farbgebung sepia/terra di sienna ist aus dem damaligen Angebot von Kalligraphietuschen entstanden und wurde schon nach kurzer Zeit und anerkennendem Zuspruch für einige Illustrationen im Lusatia Verlag Bautzen zu meinem „Markenzeichen“.

Herr Pinkau, Sie waren lange Zeit mit Architekturingenieur Karl Bernet befreundet. Welchen Einfluss hatten Bernet und andere Umgebindehaus-Spezialisten  auf Ihre Arbeit; die Archivierung der oberlausitzer Umgebindehäuser?

Dreidimensionale Architekturzeichnungen erfordern die Beherrschung der Gesetzmäßigkeiten der Perspektive. Das habe ich gewissermaßen „so nebenbei“ während meines Maschinenbaustudiums an der TU Dresden durch meine mehrjährige Wohngemeinschaft mit Studenten des Bauwesens gelernt.

Zum Malen und Zeichnen fehlte mir während meines Berufslebens als Mähdrescherkonstrukteur aber die Zeit. Nur sporadisch konnte ich an entsprechenden Zirkeln teilnehmen. Mein Interesse galt in dieser Zeit mehr der Industrieformgestaltung. Erst als klar wurde, dass wir beruflich nicht mehr gebraucht werden, habe ich meine nun freie Zeit wieder für das Malen und Zeichnen verwendet.

Beim Skizzieren eines Abrisshauses habe ich dann den Denkmalschützer Arnd Matthes kennengelernt, der mir das „Virus Umgebindehaus“ eingeimpft hat. Er hat mir auch die Bekanntschaft mit den führenden Bau- und Sanierungsfachleuten in der Oberlausitz vermittelt. Karl Bernert wurde bis zu seinem Tod 2009 dann mein wichtigster Lehrer, neben dem praktischen Handwerker Andreas Leuner. Über Professor Christian Schurig (gest.2022) hatte ich auch Zugang zur Hochschule Zittau/ Görlitz. Über Peter Palm (gest.2017) und meine Mitgliedschaft im Sächsischen Verein für Volksbauweise, unter Leitung von Jürgen Cieslak (gest. 2025), gelang die grenzüberschreitende Beschäftigung mit den verschiedensten Varianten der Schrotholz- und Umgebindehäuser.

Herr Pinkau, wo können Ihre Arbeiten betrachtet werden? Welche Ausstellungen sind geplant? Was kann man als Printware, wo erwerben?

Meine Umgebindehauszeichnungen wurden in über 40 Ausstellungen in der Oberlausitz sowie in Polen und in Tschechien gezeigt. Einmal auch in der Sächsischen Vertretung in Berlin. Dazu habe ich, zumeist mit einem ortskundigen Fachmann, jeweils eine Broschüre erarbeitet und zum Kauf angeboten. 2020 habe ich aus diesem Material das Buch „Umgebindehäuser mit der Zeichenfeder porträtiert“, im Eigenverlag drucken lassen. Darin sind etwa 1000 ausgewählten  Einzelzeichnungen zu sehen. Aktuell ist das Buch vergriffen.

Für den alljährlichen „Tag der Oberlausitz“ sowie verschiedene andere Anlässe sind in letzter Zeit außerdem Broschüren in kleinen Stückzahlen mit jeweils etwa 100 Zeichnungen entstanden. Aktuell  wird das Heft „Schrotholzhäuer und Umgebindehäuser“ als Sonderedition in der Erlichthofsiedlung Rietschen zum Kauf angeboten. Einige Teile aus diesen Heften werden auch für Dauerausstellungen als Informationstafeln genutzt (beispielsweise Begegnungszentrum Windmühle Seifhennersdorf).

Entsprechend der sächsischen Gesetzgebung sind alle meine im Eigenverlag gedruckten Hefte und Broschüren archiviert worden. In der Pflichtexemplarstelle der Sächsischen Landesbibliothek Dresden stehen sie zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Nicht nur Umgebindehäuser und andere typische Oberlausitzer Bauwerke sind Zeichnungsobjekte von mir, sondern auch die zahlreichen Schlösser des ehemaligen Oberlausitzer Landadels.

Im Rahmen der Ehrung für den Erbauer des Königshainer Schlosses, von Schachmann (1725 – 1789), werde ich mich 2026 an einer Ausstellung im Dom Kultury Zgorzelec beteiligen. Außerdem besteht der vielseitige Wunsch, eine zweite erweiterte Auflage meines Buches „Umgebindehäuser mit der Zeichenfeder porträtiert“ für 2026 vorzubereiten.

 

Oberlausitz-art wünscht Ihnen noch viele unentdeckte Umgebindehäuser und bedankt sich für das interessante Gespräch.

Oberlausitzer Geschichtensammler

Oberlausitzer Geschichtensammler

Oberlausitzer Geschichtensammler

Neissuferverlag

 

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Bücherfreunde,

mit großer Freude möchten wir Ihnen heute die Buchpremiere unseres ersten Oberlausitzer Geschichtensammlers vorstellen:

„Heimweh, Eisbein & Lametta“ 
Geschichten von Henry Förster

Henry Förster hat Erinnerungen und Erlebnisse aus unserer Region mit viel Gefühl zusammengetragen. Ob es um Ferienlagerabenteuer der 60er Jahre geht, um eine Begegnung mit Schwester Agnes während der Dreharbeiten im Zittauer Gebirge oder um ganz aktuelle Weihnachtserlebnisse – jede Geschichte trägt ein Stück Oberlausitz in sich.

Warmherzig, mit feinem Humor und liebevollem Blick erzählt, laden diese Texte zum Schmunzeln, Erinnern und Innehalten ein. Vielleicht entdecken Sie beim Lesen sogar etwas Bekanntes wieder.

Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich oder direkt über unseren Verlag zu beziehen:
📧 vertrieb@neissuferverlag.de

 

Ein weiteres Herzensbuch aus unserem Verlag

Ebenfalls von Henry Förster und bei uns im Neissuferverlag erschienen:

Dezemberland – 24 Adventsgeschichten aus dem Land der Querxe

Die gerade eingetroffene zweite Auflage hat soeben wieder die Buchläden erreicht – ein liebevolles Geschenk für die nun beginnende Adventszeit.

 

 

 

 

 

Wir wünschen Ihnen eine wunderbare Lesezeit, viele ruhige Momente und ein wenig Vorfreude auf die besinnlichen Tage, die vor uns liegen.

Herzlich,
Ihre drei Frauen vom Neissuferverlag
Krissi, Sylke und Jana

 

 

 

 

 

 

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